Wir haben die Sure Saffat, Sure 37, bis zum Vers 21 besprochen. Nun setzen wir unsere Kurzexegese mit den Versen 22 und 23 dieser Sure fort. Sie lauten:

(37: 22- 30)

 

احْشُرُوا الَّذِينَ ظَلَمُوا وَأَزْوَاجَهُمْ وَمَا كَانُوا يَعْبُدُونَ

 „(Gott befiehlt den Engeln:) Versammelt  diejenigen, die Unrecht getan haben, ihre Kumpanen und das, dem sie dienten“ (37: 22)

 

مِن دُونِ اللَّـهِ فَاهْدُوهُمْ إِلَىٰ صِرَاطِ الْجَحِيمِ

„anstatt Allahs. Dann leitet sie zum Weg des Höllenbrandes.“ (37: 23)

                               

Die angehenden Insassen der Verdammnis werden beim Anblick des Höllenbrandes ihr Verhalten im Leben bereuen und sich selber tadeln. Sie werden wehklagen: Wehe uns, hätten wir doch niemals diesen Tag des Jüngsten Gerichtes geleugnet! Dies haben wir aus dem Vers 21 der Sure Saffat erfahren.

In den darauffolgenden Versen  22 und 23 heißt es nun,  dass Gott an jenem Tag den Engeln befiehlt, die Ungläubigen und Frevler und ihre Götzen abzusondern und in die Hölle zu treiben.

Das arabische  Wort Zalamu – welches hier mit „die  Unrecht getan haben“ übersetzt wurde, geht auf den Begriff Zulm zurück. Zulm bedeutet Unrecht und hat  verschiedene Gesichter. Gemäß der Terminologie des Korans spielt sich Zulm - Unrecht - nicht nur auf  gesellschaftlicher Ebene ab, d.h. dass jemand einem anderen ein Unrecht antut.  Mit Zulm ist vielmehr auch gemeint, dass der Mensch gegenüber sich selber ein Unrecht begeht. Außerdem ist es ein ganz großes Unrecht, wenn jemand dem Einen und Einzigen Gott Teilhaber zur Seite stellt.

Wenn es heißt, dass am Jüngsten Tag die  Ungläubigen gemeinsam mit den falschen Göttern zusammengetrieben werden, so hat  dies wahrscheinlich mit zwei Dingen zu tun. Zum einen befinden sich unter diesen falschen Göttern auch Menschen, wie zum Beispiel die ungläubigen unterdrückerischen Despoten, denen die anderen, anstelle von Gott, gehorcht und gedient haben.   Außerdem ist es eine zusätzliche Schande für die Götzendiener, dass  sie mit ihren  leblosen Götzen aus Stein und Holz versammelt werden.

  

Es heißt dann weiter an der obigen Stelle, dass sie allesamt auf den Weg zur Hölle geführt werden. In dem Befehl an die Engel: „dann leitet sie zum Weg des Höllenbrandes“ scheint eine ironische  Anspielung auf den falschen Lebenswandel dieser Leute zu liegen. Sie haben sich nämlich  im Leben nicht auf den rechten Weg leiten lassen, d.h. sie wollten selber nicht den geraden Weg gehen,  und nun werden sie im Jenseits auf den Weg zum Höllenbrand geleitet, und zwar unter Zwang.

                             

Was wir uns merken können:

Erstens: Am Jüngsten Tag wird jeder zusammen mit denen vereint, die mit ihm auf gleicher Stufe stehen und mit dem, was ihm lieb ist und was er angebetet hat, und sollte es ein Götze aus Stein und Holz sein.

Zweitens: Niemand kann am Jüngsten Tag den Menschen, die im Leben gefrevelt haben,  helfen und sie vor der Hölle retten.

                                          

Wir betrachten nun die nächsten drei Verse der Sure Saffat. Es sind die Verse 24 bis 26 dieser Sure 37:

                                                

وَقِفُوهُمْ ۖ إِنَّهُم مَّسْئُولُونَ

 „und stellt sie auf, denn sie werden befragt werden.“  (37: 24)

 

مَا لَكُمْ لَا تَنَاصَرُونَ

 „(Und es wird zu ihnen gesagt:) „Was ist mit euch, dass ihr einander nicht unterstützt?“ (37: 25)

 

بَلْ هُمُ الْيَوْمَ مُسْتَسْلِمُونَ

„Nein! Vielmehr ergeben sie sich heute (der Allmacht Gottes).“ (37: 26)

                                          

Aus den vorhergehenden Versen haben wir erfahren, dass die Engel den Auftrag haben, die Frevler mit ihren Götzen zu versammeln und zur Hölle zu führen. Nun heißt es in dem Vers 24, dass die Engel angewiesen werden,  diese Unrechttuenden  festzuhalten, damit sie vor Betreten der Hölle befragt werden. Es ist natürlich von vorneherein klar, wie sie antworten werden. Gott bleibt ja nichts verborgen und es gibt nichts, was erst durch diese Befragung aufgedeckt werden würde.  Der wichtigste Sinn dieser Befragung liegt darin, dass die Übeltäter sich bei dieser Befragung zu ihren Sünden bekennen werden. Dies ist sowohl eine zusätzlich Strafe für sie als auch der letzte Beweis dafür, dass sie ihre Bestrafung verdient haben.

Sie werden auch gefragt, weshalb sie sich nicht von den vielen anderen Gleichgesinnten und Freunden helfen lassen.  Auf der Welt hatten sie doch bei diesen Halt gesucht! Warum tun sie das jetzt nicht? Sie werden bekennen, dass diejenigen, die einmal im Diesseits mächtig und reich waren, ihnen nicht mehr helfen können, da sie genauso wie sie selber in der Klemme stecken. Auch diejenigen, die mit ihnen auf einer Stufe standen und ihre Kumpane waren,  können nichts erreichen. Vielmehr haben sich alle der Allmacht Gottes ergeben. Keiner kann sich dem Göttlichen Willen widersetzen.

                                

Diese Verse lehren uns:

Erstens: Wir werden am Jüngsten Tag befragt: über unser Leben und unsere Jugend, über unsere Denkweise und Überzeugung, unser Verhalten und unsere religiösen Werke usw.

Zweitens: Die Widersacher Gottes werden am Jüngsten Tag absolut dem Befehl Gottes unterworfen sein.

Drittens: Im Gegensatz zum Diesseits können sich die Frevler im Jenseits nicht gegenseitig unterstützen.

 

Wir schließen den heutigen Teil mit der Betrachtung der Verse 27 bis 30 der Sure Saffat. Und zwar heißt es an dieser Stelle im Koran:

 

 وَأَقْبَلَ بَعْضُهُمْ عَلَىٰ بَعْضٍ يَتَسَاءَلُونَ                                                  

„Und sie wenden sich einander zu und fragen sich gegenseitig.“ (37: 27)

 

قَالُوا إِنَّكُمْ كُنتُمْ تَأْتُونَنَا عَنِ الْيَمِينِ

„Sie sagen: „Ihr kamt doch zu uns (stets) von rechts (wohlwollend) her.“ (37: 28)

 

قَالُوا بَل لَّمْ تَكُونُوا مُؤْمِنِينَ

„Sie sagen: „Aber nein! Ihr wart ja nicht gläubig.“ (37: 29)

 

وَمَا كَانَ لَنَا عَلَيْكُم مِّن سُلْطَانٍ ۖ بَلْ كُنتُمْ قَوْمًا طَاغِينَ

„Wir aber hatten keine Macht über euch, sondern vielmehr wart ihr Leute, die das Maß (an Frevel) überschreiten.“ (37: 30)

                                            

Diese Verse spiegeln eine  weitere Szene am Jüngsten Tag wieder. Laut dieser Stelle in der Sure Saffat bezichtigen sich die Anführer des Irrwegs und ihre Anhänger gegenseitig.  Die Anhänger werfen ihren Führern vor: Ihr habt doch so getan, als ob ihr es gut mit uns meint und unsere Freunde seid. Dabei habt ihr uns in die Irre geführt. Ihr habt uns gedrängt, denn Irrweg zu gehen und uns beschworen. Wenn ihr nicht gewesen wäret,  würde es uns nun nicht so übel ergehen!  Aber ihre Anführer antworten: Ihr wart selber keine Gläubigen. Wäret ihr gläubig gewesen, hättet ihr euch an die Propheten und die Himmelsbücher gehalten und nicht an uns gewandt. Dann hättet ihr nicht akzeptiert, was wir sagen.  Also macht euch selber Vorwürfe, denn wir haben euch nicht gezwungen, den falschen Weg  zu wählen. Ihr seid uns nur gefolgt, weil ihr selber Gott gegenüber rebellisch und maßlos wart.

                              

Es lassen sich  folgende Punkte hervorheben:

Erstens:  Am Jüngsten Tag  wollen diejenigen Frevler, welche den Anführern des  Unglaubens und der Götzenanbetung gefolgt sind, ihre Schuld auf diese abwälzen, um sich selber herauszureden. Aber diese Ausreden werden nicht akzeptiert.  

Zweitens: Die Anführer von Unglauben und Götzentum täuschen den Menschen gute Absichten vor und locken sie auf diese Weise auf den Irrweg.

Drittens:  Externe Faktoren und die Umgebung können den Menschen nicht zwingen, zu sündigen. Vielmehr ist es die eigene innere Abweichung des Menschen und ist es sein eigener Wille, der ihn dazu verleitet, sich den Frevlern und Übeltätern anzuschließen.

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Jun 17, 2018 03:30 CET
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