• Iranisches Kunsthandwerk (51 - Stickereien)

Wir möchten heute näher über das iranische „Suzan-Duzi“ sprechen, womit die iranische traditionelle Stickerei gemeint ist. Statt Suzan-Duzi spricht man auch von Ru-Duzi sonnati. Diese Stickerei wird in der Regel auf einem einfachen Grund und mit verschiedenen Nadelstichen und Garnschlingen vorgenommen.

 

 Schon im alten Iran hat man gerne Stoffe und Kleidung verziert, ob mit kleinen Perlen oder mit feinen Nadelstichen, ob auf Leinen oder auf Barchent usw.

Nach Beginn der Islamischen Ära im Iran, d.h. im 7. Jahrhundert nach Christus, fand die Verwendung von Stickereien eine größere Verbreitung im Lande. Auch heute ist sie verbreitet. So sind  in Isfahan verschiedene Arten von Stickmethoden (Ru-Duzi) üblich. Sie  werden zum Teil gleichzeitig auf einem Gewebe miteinander kombiniert.  Bestickt werden vor allen Dingen Gebetsteppiche und Koranhüllen, Tischdecken und Taschentücher. Die häufigsten Motive sind  Mehrabi (Gebetsnische), Boteh  Dschoqeh (stilisierte Zypresse), Islimi-(Arabeske)- und Chatai-Design,  Bazubandi (نقش بازوبندی), Pitschak Torandsch پیچک ترنج – und Blütenbilder.

                                       

Das Rohmaterial für Ru-Duzi sind ein Stoff, Faden und Nadel und sonstige Hilfsmittel.  Die üblichen Stick-Muster (Tarh)  werden in zwei große, leicht unterscheidbare Gruppen eingeteilt:

Tarh-e Schekasteh  und Tarh-e Gardaan.

Tarh-e Schekasteh besteht  aus geraden oder angewinkelten waagerechten und senkrechten oder auch diagonalen Linien.  Tarh-e Gardaan setzt sich aus  miteinander verbundenen Bogenlinien zusammen.

 

Wie Untersuchungen an der Achämeniden-Festung  Tacht-e Dschamschid (Persepolis) in der Provinz Fars und  an den Gebäudekacheln in Schusch  (Susa) im Südwesten Irans zeigen, trugen die Vornehmen am Königshof und ihre Wächter bestickte Gewänder.  Außerdem hat man in mehreren Gegenden Irans Steinfiguren gefunden, die in verzierte Gewänder gehüllte Menschen darstellen.  Für eine Glanzepoche der Nadelstickerei während des Achämenidenreiches (6.  bis 4. Jahrhundert vor Christus), mag der Bericht von verschiedenen Historikern zeugen, in dem es heißt, dass der Mazedonier Alexander nach der Eroberung Irans von den  Nadelstickereien im Iran beeindruckt war. Er soll  zahlreiche Exemplare davon als Geschenk an seine Landsleute in Griechenland geschickt haben.

Zu den wichtigsten Stickmotiven aus der Zeit der Achämeniden gehörten die Abbildung von Tieren, sowie  geometrische Muster, aber auch Blumen und geheimnisvolle Bilder  mit religiöser Bedeutung.

                                     

Iranische Stickereien (Ru duzi) werden in 6 große Gruppen unterteilt:

Sehr dichte Stickereien, die den Untergrund nicht mehr erkennen lassen

Dichte Stickereien auf einem Teil des Gewebes

Stickereien durch Herausholen der Kette und  Schussfäden des Grundgewebes

Stickereien mit Metallgarn

Stickereien die dadurch entstehen, dass Metallgarn unter  Ketten und Schussfäden durchgeführt wird, sowie

Stickereien, bei denen nicht nur Garn sondern auch weitere Utensilien zur Verzierung verwendet werden.

 

 

Die Stickereien sind geometrisch angelegt und die Farbvariationen von Rot, Grün und Gelb werden mit Weiß, Dunkelblau und Schwarz kombiniert.  Es werden die Ärmelränder ebenso bestickt wie lange Hosen,  Ganzschleier und  Kopftücher.  Stickereien verzieren aber auch Möbelbezüge und Kissen, Tischdecken und Gebetsteppiche.

Es gibt eine Vielfalt von Stickmethoden. Der Stoff wird in einen rechteckigen oder runden Rahmen eingespannt. Bestickt werden Leinen, Brokat- und Seidenstoffe, Wolle und  Baumwolle.  Als Stickgarn dienen Seide, Wolle, synthetische Fasern, Gold- oder Silbergarn oder Fäden mit einer  Legierung. Die verschiedenen Bezeichnungen für diese Garnsorten mit Metallglanz sind: Golabtun-,  Naqdeh-,  Malileh- und  Sermeh-Garn.  

                               

Die Stickereien der Turkmenen sind besonders bekannt. Sie heißen auch Sia-Duzi und waren  in der Vergangenheit bei dieser Volksgruppe gang und gäbe. In der traditionellen turkmenischen Gesellschaft trugen auch die Kinder und Männer bestickte Bekleidung. Außerdem wurden Vorhänge schön bestickt.  Heutzutage ist diese Stickerei vornehmlich nur noch  für Frauenbekleidung üblich.

 Bei-Sia-Duzi handelt es sich um eine Stickerei mit sehr dichten und sehr kleinen Nadelstichen.  Die Turkmenen nennen diese Stickerei auch „Sandschim“.  Sie besteht aus symmetrischen Phantasiemustern mit  geometrischen Linien.  

Für Frauenbekleidung bei den Turkmenen wird  vor allen Dingen Seide verwendet, während die Männer Wollstoffe tragen.  Dem Seidengewebe,  das bestickt werden soll, wird eine Lage anderer Stoff unterlegt. Dieser wird  in schmalen Abständen durch einen einfachen Nadelstich mit dem Grundgewebe zusammengenäht, um diesem Halt zu geben.

Das Stickgarn besteht  aus mehreren zusammengedrehten Seidenfäden. Dann wird durch ein Kettenstich mit schwarzer Seide die Fläche markiert, welche mit einer Stickerei verziert werden soll (Sia-Duzi). Innerhalb dieser schwarz (sia)  umrandeten Fläche erfolgt dann das Alwan-Duzi – das heißt die Stickerei mit bunten Fäden. Die letzte Phase nennt sich Sefid-Duzi.

 

Die Stickmotive der Turkmenen sind stilisierte Abbildungen in ihrem Lebensraum:  Gärten, Bäume, Blumen, Vogelschwingen, Blätter oder auch  Skorpione.   Diese Art der Stickerei ist in den Gebieten mit turkmenischer Bevölkerung in der nordiranischen Provinz Golestan (früher Gorgan)  üblich – wie Gonbad-e Kawus, Bandar Turkaman, Aq Qala  und Kalalah.

                                 

In der Provinz Balutschestan im Südosten Irans steht die Wiege eines der feinsten Kunsthandwerke Irans. Die Stickereien aus dieser Provinz sind besonders schön und originell. Ob auf dem Land oder in der Stadt - so gut wie alle  Frauen und Mädchen der Altersgruppe 10 bis 45 verstehen sich auf die Anfertigung dieser Stickereien mit ihren traditionellen Mustern.  Die Mädchen erlernen diese Kunst schon als Kind.

Beim Suzan-Duzi der Balutschen wird ein dünner feiner Baumwollstoff oder ein besonderer Stoff, der aus Zahedan, der Provinzhauptstadt von Sistan wa Balutschestan kommt und sich Gaandi Irani nennt, mit Stickgarn verziert.

Wenn mehrere Stickerinnen sich zu einer Gruppe zusammentun, arbeitet jede in einer bestimmten Farbe an dem Entwurf auf  dem Stoff und gibt ihn dann an eine andere Stickerin weiter, damit sie die Verzierung in der nächsten Farbe vornimmt.  Ein glänzendes Beispiel für die Stickkunst in Balutschestan ist die schön bestickte Kleidung der weiblichen Bevölkerung.

Wie alt die Stickkunst in dieser südostiranischen Provinz  überhaupt ist, weiß man nicht so genau. Doch die Frauen der Balutschen sind auch in anderen Ländern für dieses Kunsthandwerk bekannt.

Die staatliche Organisation für Kunsthandwerk   Irans  hat die schönen Stickereien aus Balutschestan in anderen Ländern  vorgestellt. Jedes Jahr werden schöne Beispiele dieser Kunst ins Ausland verschickt.

 

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Jun 19, 2018 03:14 CET
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