• Iranisches Kunsthandwerk (52 - Stickereien)

Wir haben im letzten Teil über eine Art der  iranischen Stickereien (Ru-Duzi) gesprochen, nämlich die Nadelstickerei (Susan-Duzi) für die besonders die Balutschen und die Turkmenen bekannt sind.  Heute stellen wir weitere  Arten  der iranischen Stickerei vor.

 

Früher war jeder Volksstamm befleißigt, die stammeseigenen Werte und Symbole zu bewahren. Diese Bestrebung hat sich  im Kunsthandwerk bemerkbar gebracht, unter  anderem beim Besticken von Stoffen mit stammeseigenen Wappen und Mustern.

Eine wertvolle Art der iranischen Stickerei ist die Seidenstickerei.  Die Seide wird aus dem Kokon  der Seidenraupe gewonnen. Seide nennt sich auf Persisch „Abrischam“ (auch Afrischam und Barischam) .  Die Seidenstickerei (Abrischam-Duzi) unseres Landes ist so alt wie die Seidenraupenzucht im Iran. Die meisten von denen, die sagen,  dass die Seide aus China in den Iran gelangte, glauben auch, dass die Iraner die Herstellung von Seidenstoffen bei den Chinesen erlernt haben.  Aber archäologische Erkenntnisse  zeugen davon, dass die Iraner schon viele Jahre bevor die Chinesen Seide herstellten,  solche Stoffe  gewebt haben und es besteht lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine besondere Art von Webtechnik von den Chinesen übernommen haben.  Wie dem auch sei. Es steht jedenfalls fest, dass man im Iran schon sehr früh  Seidenfasern als Rohmaterial für Gewebe und zur Verzierung von  Bekleidung nutzte.

Das älteste erhalten gebliebene Beispiel für iranische Seidenstickerei, welches sich im Archäologischen Museum Irans  befindet, stammt aus der Zeit der Seldschuken, d.h. ungefähr aus dem  11. Jahrhundert nach Christus. In dieser Zeit war die Seidenstickerei beliebt. Man hat in den letzten Jahren  einige weitere Exemplare  in Rey (bei Teheran) gefunden.  Die Seidensticker haben damals wie bei einem Gemälde ihren Namen unter ihr Werk gesetzt.  Die Motive der Seidenstickerei waren unbegrenzt und reichten von der Abbildung von Tieren und Menschen bis zu  Jagdszenen und Gartenbildern. Es waren  geometrische Muster und Islimi-Design,  Vögel im Garten, Blumen und Bäume usw.

                                     

Seidenstickerei findet verschiedenartig Verwendung, zum Beispiel für Wandbilder und zur Verzierung von Kleidung oder Taschen, auf Tischdecken und Vorhängen, Gebetsteppichen,  Bettdecken und Betttüchern und auf  Federmappen.  Bei der Seidenstickerei (Abrischam-Duzi) wird, wie der Name schon sagt, mit einem Seidenfaden gestickt. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Farbenkombination.  Es wird entweder mit gefärbter Seide oder mit ungefärbter Seide gearbeitet.  Die ungefärbte Seide ist schwarz, weiß oder grau. Eine Seidenstickerei in diesen Naturfarben ist auch sehr schön.  Die Seidenstickerei wird auf Walkstoff (Mahut) oder Atlasseide, Baumwolle und Leinen, Tetron und Taafteh vorgenommen. Die Sticktechnik reicht von einfachen Nadelstichen zu Zickzack- und Kettenstichen oder Kombinationen  und reliefartig aufgestickten  Blumen und Blättern, Früchten und Vögeln.  Bei einigen Mustern werden nur die Stoffecken verziert, bei anderen nur die Mitte  oder der Stoff wird kaderweise bestickt.

                                      

Neben Abrischam-Duzi – die Seidenstickerei -  ist auch Sermeh-Duzi bekannt.  Dabei wird ein Sermeh verwendet. Bei Sermeh handelt es sich um Garnfäden, die vergoldet oder versilbert oder mit einer Legierung versehen werden und zu einem glatten festen im Querschnitt viereckigen oder rechteckigen Strang verarbeitet werden. Dieses Sermeh-Garn lässt sich nach Belieben biegen. Die Sermeh-Garnstäbchen sind in einer Länge von 5 bis 25 cm als Bündel erhältlich. 

Der Garnstrang kann auch  in kleinere Stücken geschnitten werden. Er wird  mit einem Faden aufgestickt.

 

 Es gibt kein Schriftstück, aus dem hervorgehen würde, wie alt diese  iranische Stickerei ist.  Aber man nimmt an, dass sie unter den Arsakiden Verbreitung fand.  Die Herrschaft der Arsakiden hat im 3. Jahrhundert vor Christus begonnen. Damals wurden Stickereien aus Iran sogar in andere Gebiete verkauft. Auch zur Zeit der Sassaniden, die 3. Jahrhundert nach Christus den Sassaniden folgten, wurde Sermeh-Duzi gepflegt.

 Zu Beginn der Islamischen Ära  fand diese Art der Stickerei eine große Entfaltung. Die iranischen Kunsthandwerker verwendeten diese Stickerei zur Verzierung des  Schleiers der  Kaaba in Mekka. Die kurzen Suren oder bestimmte Verse aus dem Heiligen Koran wurden in iranischer Schönschrift mit Sermeh-Garn auf den Schleier für das Haus Gottes aufgestickt.

Für die Sermeh-Stickerei sind nicht nur Inschriften und Kalligrafien beliebt, sondern auch zahlreiche Motive wie Blumen in der Blumenvase und in der Natur, die verschiedenen Arten der stilisierten Zypresse,  Boteh Dschoqe, Menschen und Tiere- , vor allen Dingen Vögel und darunter der Pfau. Auch eignet sich die Sermeh-Stickerei für Motive mit Sternen oder Trauben.

Mit Sermeh-Duzi werden Wandbilder und Kleider, Gürtel, und Gebetsteppiche, kostbare Vorhänge und Tischdecken, oder  Einrichtungsgegenstände für junge Bräute verziert.  Die wichtigsten Zentren für dieses Kunsthandwerk sind Teheran und Kaschan und Isfahan, Yazd in Zentraliran und Bandar Abbas und Hormozgan in Südiran. Aber auch die Provinzen Qazwin nordwestlich von Teheran  und Kurdistan im Westiran sind für die Sermeh-Stickerei bekannt.

                             

Beim Sermeh-Duzi wird wie folgt vorgegangen: Zuerst muss der  Entwurf auf Papier auf den Stoff übertragen werden. Dann wird ein biegsames Sermeh-Stäbchen in der gewünschten Größe aufgenäht und die Flächen des Entwurfs werden damit ausgefüllt. Diese Stickerei erfordert viel Geduld und Sorgfalt.   

 

                    

Malileh-Duzi ist eine weitere traditionelle Stickart aus dem Iran und gilt als Glanzstück der iranischen Kunsthandwerkes.  Und zwar werden kleine Federn aus Gold, oder Silber oder Legierungen auf Stoff aufgenäht. Darin ähnelt diese Stickerei der Sermeh-Duzi mit dem Unterschied, dass sich das Sermeh-Garn biegen lässt.  Die kleinen Metallfedern Malileh aber darf man gar nicht  zu sehr dehnen, weil sie sonst aus der Form geraten.

Malileh-Duzi ist auf Samt und auf Termeh-Stoff üblich. Die kleinen Metallstäbchen werden mit Nadel und Faden entsprechend dem Entwurf, der vorher vom Papier auf das Gewebe übertragen wurde, befestigt. Erst kommen die Konturen an die Reihe und dann werden die  Flächen ausgefüllt.  Bei denjenigen    Elementen  der Malileh-Stickerei, die zum Schluss etwas hervorstehen sollen, zum Beispiel eine gestickte Blume oder ein gestickter Baum, wird zerzupfte Wolle untergelegt und mit einigen Nadelstichen befestigt.   

 

Die Malileh-Stickerei ist in den meisten Gegenden Irans üblich.  Beim Aufbewahren muss man achtgeben, dass die Stickerei nicht ständiger Feuchtigkeit oder Hitze ausgesetzt wird. Ebenso ist ständige direkte Sonnenbestrahlung nicht gut. Eine solche Stickerei darf auch nicht mit Bleichmitteln oder spitzen Gegenständen in Berührung kommen.  Beim Waschen muss man Seifenwasser oder ein basisches Waschmittel verwenden.

Die iranische Malileh-Stickerei ist ungefähr 2500 bis 3000 Jahre alt, wie sich durch Funde belegen lässt. Jedenfalls hat man Fragmente  dieser Stickerei  in Ost-Iran in der Gegend von Lulan entdeckt.  Diese Malileh-Stickerei reicht wahrscheinlich in die Zeit der Arsakiden zurück und zeigt einen gestickten Traubenstock.   

Malileh-Stickerei erfuhr im Laufe der Zeit eine Entfaltung und wurde später auch mit Perlen-Stickerei kombiniert.

 

Jun 30, 2018 03:56 CET
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