Wir möchten heute elf weitere Verse der Sure Saffat betrachten und zwar sind es die Verse 39 bis 49 dieser Sure 37.  Wir beginnen mit dem Vers 39, in dem Gott spricht:

(37: 39 - 49) 

 

 وَمَا تُجْزَوْنَ إِلَّا مَا كُنتُمْ تَعْمَلُونَ                             

„und euch wird nur das vergolten, was ihr zu tun pflegtet,“ (37: 39)

 

Im letzten Teil wurde auf die Verleumdungen, welche die Götzendiener und Ungläubigen gegen den Propheten betrieben, und auf ihre harte Bestrafung im Jenseits hingewiesen. Dem obigen Vers 39 ist nun zu entnehmen, dass die Bestrafung der Übeltäter nichts anderes ist als die unweigerliche Folge ihres Tuns:  Ihnen wird nur das vergolten, was sie zu tun pflegten.

Gemäß den religiösen Texten wird der Charakter des Menschen durch das, was er denkt, sagt und tut, geformt. In der jenseitigen Daseinsordnung erfolgen Bestrafung und Belohnung analog  zu diesem Charakter, den der Mensch selber im Diesseits geformt hat und der im Jenseits entsprechend der dortigen Ordnung in Erscheinung treten wird. Unglauben und Leugnen der Wahrheit, Unrecht und Arroganz gegenüber Gott wirken sich dermaßen verheerend auf Geist und Seele des Menschen aus, dass sie im Jenseits  nichts anderes als den Höllenbrand zur Folge haben.

                                         

Man achte darauf, dass die meisten Strafen im Diesseits vorher vereinbart wurden. Wenn jemand zum Beispiel gegen ein Überholverbot verstößt, wird dies mit einer bestimmten Geldstrafe geahndet, die je nach dem Land verschieden ist. Diese Geldstrafe ist quasi eine Straffolge, die vorher als Konsequenz für diesen Verstoß festgelegt und vereinbart wurde.  Wenn nun aber bei diesem Überholverbot ein Unfall passiert, so ist dies die natürliche Konsequenz des Verstoßes und sozusagen eine Straffolge, die vorher nicht vom Menschen festgelegt worden ist.    Die Strafen  im Jenseits sind wie diese natürlichen Konsequenzen.    

 

Wir sehen:

Erstens:  Die göttlichen Strafen sind gerecht, denn sie entsprechen genau den Taten des Menschen.

Zweitens: Beim Jüngsten Gericht treten die Folgen unseres Denkens und Handelns in Erscheinung. Wir werden dort ernten, was wir im Leben gesät haben.

                            

In den Versen 40 bis 44 der Sure Saffat heißt es weiter:

 

إِلَّا عِبَادَ اللَّـهِ الْمُخْلَصِينَ

„außer Allahs auserlesenen Dienern.“ (37: 40)

 

أُولَـٰئِكَ لَهُمْ رِزْقٌ مَّعْلُومٌ

„Für diese wird es eine festgesetzte Versorgung geben:“ (37: 41)

 

فَوَاكِهُ ۖ وَهُم مُّكْرَمُونَ

„Früchte, und sie werden geehrt“ (37: 42)

 

فِي جَنَّاتِ النَّعِيمِ

„in den Gärten der Wonne“ (37: 43)

 

عَلَىٰ سُرُرٍ مُّتَقَابِلِينَ

„auf Liegen (ruhend), einander gegenüber,“ (37: 44)

                                           

Nachdem vorher von den Höllenkandidaten  gesprochen wurde, wird nun über das wunderbare Wohlergehen der Paradiesbewohner berichtet. Die aufrichtigen Gottesdiener werden vor der Strafe am Jüngsten Tag sicher sein. Ihnen stehen im Paradies alle möglichen Segensgaben zur Verfügung und sie haben dort ein angenehmes Leben.

In diesem Vers kommt im Arabischen das Wort „Muchlas“ vor. Es ist von dem Wort „Muchlis“ zu unterscheiden. Mit „Muchlis“ bezeichnet der Koran jemanden der bestrebt ist, alles was er tut, nur Gott zuliebe zu tun, und der den Weg der immateriellen Vervollkommnung geht. Wenn der Koran jedoch jemanden als „Muchlas“ bezeichnet, so ist damit jemand gemeint, den Gott  wegen der Tugenden, die er besitzt, aufrichtig werden ließ und der höchste spirituelle Vollkommenheit erreicht hat.

Zum Beispiel wird der Prophet Joseph, der sich durch die Gnade Gottes und dank des göttlichen Beistandes aus der Bedrängnis rettete und vor den unlauteren Wünschen einer verheirateten Frau in Sicherheit brachte,  im Koran als „Muchlas“ bezeichnet worden, nämlich als ein Diener Gottes, den er aufrichtig werden ließ.

 

Solange der Mensch nicht selber aufrichtig werden will, wird  Gott ihn natürlich nicht dazu zwingen. Wenn jedoch jemand diesen Pfad betritt und unentwegt darauf bedacht ist, nur Gott zuliebe zu handeln, dann wird Gott ihm auf diesem Wege weiterhelfen und ihn in Seine Nähe kommen lassen.

 

Solche Menschen bleiben nicht nur frei von Bestrafung, sondern sie erhalten einen Lohn, der weit darüber hinausgeht, was sie an Taten vollbracht haben. Sie werden sogar für Taten, die sie nicht vollbringen konnten, aber die sie mit aufrichtiger  Absicht vorhatten,  von Gott belohnt.

                                   

Wir können uns also einprägen:

Erstens: Durch die aufrichtige Gottesdienstbarkeit wird der Weg zur Befreiung des Menschen von jeglicher Götzenverehrung und Heuchelei geglättet.

Zweitens: Die Bestrafung der Übeltäter erfolgt entsprechend ihrer Taten gemäß der göttlichen Gerechtigkeit, jedoch die Belohnung der geläuterten und rechtschaffenen Menschen geht über ihre Taten hinaus und ist überfließende göttliche Gnade.

Drittens: Im Paradies sind materielles und immaterielles Glück vereint und jeder erhält eine besondere Versorgung.

Viertens: Einer der größten geistig-seelischen Genüsse der Paradiesbewohner besteht darin, dass sie dort in der Gesellschaft der Gottesfreunde sein dürfen.

 

Wir betrachten die nächsten fünf Verse der Sure Saffat, nämlich die Verse 45 bis 49:

 

يُطَافُ عَلَيْهِم بِكَأْسٍ مِّن مَّعِينٍ

 „wobei ihnen ein Kelch  mit einem edlen Labsal herumgereicht wird,“ (37: 45)

 

بَيْضَاءَ لَذَّةٍ لِّلشَّارِبِينَ

„weiß, köstlich für diejenigen, die (davon) trinken.“ (37: 46)

 

لَا فِيهَا غَوْلٌ وَلَا هُمْ عَنْهَا يُنزَفُونَ

„Darin (in diesem Trunk) steckt nichts was die Vernunft beeinträchtigen würde, und dadurch werden sie nicht berauscht.“ (37: 47)

 

وَعِندَهُمْ قَاصِرَاتُ الطَّرْفِ عِينٌ

„Und bei ihnen sind solche (weiblichen Wesen), die ihre Blicke (von den anderen) zurückhalten, mit schönen, großen Augen,“ (37: 48)

 

كَأَنَّهُنَّ بَيْضٌ مَّكْنُونٌ

„als ob sie (unter dem Federkleid der Henne) wohlverwahrte Eier wären (und keiner sie je berührt hätte).“ (37: 49)

                                                             

Hier spricht Gott im Koran  weiter über die Paradiesbewohner, die sich in angenehmer Gesellschaft auf Liegen ausruhen.  Sie werden bedient und ihnen wird köstlicher Paradiestrunk gereicht. Die Paradiesdiener schöpfen diesen Trunk mit Krügen aus den Quellen des Paradieses und reichen ihn reihum den Paradiesbewohnern.

 

Der Koran zieht hier indirekt einen Vergleich zwischen dem Labsal im Paradies und dem Wein, der auf der Welt ausgeschenkt wird und den manche ihren Gästen anbieten.  Die  Getränke im Paradies,  welche im Vers 21 der Sure Insan (Sure  76)  mit Scharaban Tahur – ein reines Labsal -  bezeichnet werden, sind etwas  anders als die weltlichen Weine. Sie  machen nicht wie diese betrunken und führen ebensowenig  zu unwürdigem Verhalten und Gerede.

 

Dann verheißt der Koran einen weiteren Paradiessegen, nämliche Gemahlinnen, die ausschließlich für ihren Gemahl Liebe hegen und niemanden anderen beachten. Es sind schöne weibliche Wesen, welche in ihre Gewänder verhüllt,  den anderen verborgen bleiben und für sie unantastbar sind.

                                  

Wir können uns merken:

Erstens: Das Jenseits ist ein körperliches Dasein und den Paradiesbewohnern werden verschiedene leibliche Freuden zuteil bzw. die Hölleninsassen müssen verschiedene Arten der körperlichen Strafen ertragen.

Zweitens: Die Farbe Weiß ist eine paradiesische Farbe und symbolisiert Klarheit, Schönheit und Reinheit.

Drittens: Die Paradiesfrauen sind nicht nur schön und lieblich sondern auch sittsam und rein. 

Jul 01, 2018 03:45 CET
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