• Iranisches Kunsthandwerk (53 - Stoffmusterung)    

Heute geht es um den manuellen Stoffdruck im Iran und wir stellen ihnen zwei bekannte Arten vor.  Qalamkaar ist  das erste Beispiel.  Am bekanntesten sind die Qalamkaar-Stoffe aus Isfahan.   Beim Qalamkaar wird ein Stoff mit dem Pinsel (Qalam) bemalt oder es werden mit verschiedenen Holzstempeln Musterelemente auf Baumwollstoffe wie Canvas aufgedrückt.

 

                                                           

Die Bemalung von Stoffen geht im Iran wahrscheinlich auf die Zeit der Ghaznawiden (10. Bis 12. Jahrhundert nach Christus) zurück. Die ältesten Exemplare der iranischen Stoffmalerei, die gefunden wurden,  stammen nämlich aus dieser Zeit. Die Kunst der Verzierung von Stoffen mit Holzstempeln wurde aber wahrscheinlich erst unter den Safawiden (16. bis 18. Jahrhundert nach Christus ) üblich. In dieser Zeit hat man nicht nur in Isfahan sondern auch in anderen Städten wie Yazd und Kaschan (Zentraliran) Qalamkaar-Stoffe angefertigt und verwendet. In Teheran wird im Archäologischen Museum ein mit Stoffstempeln verziertes Baumwollhemd aufbewahrt.  Der verstorbene iranische Archäologe Mohsein Moqadam bezeichnet zusammen mit anderen die Safawidenzeit als eine der wichtigsten Epochen für das iranische Kunsthandwerk und insbesondere für die manuelle Anfertigung von verschiedenen Textilien.  In dem Museum, das er in Teheran gegründet hat, können Qalamkaar-Stoffe aus der Safawidenzeit besichtigt werden. In jener Epoche war das Tragen von solchen Stoffen sozusagen Mode und sehr bekannt.  In der Epoche der Qadscharen (ab Ende 18. Jahrhundert bis Anfang 20. Jahrhundert ) kamen unter dem Einfluss des Wandels in der Malerei einige auf die Idee bei der Qalamkaar-Verzierung von Stoffen anstatt der traditionellen Muster und Ornamente , Szenen aus den religiösen und historischen Epen abzubilden, und so entstanden die besonderen Qalamkaar-Stoffe für die traditionellen Qahweh-Häusern, sprich Kaffeestuben. In diesen Stuben war es üblich, dass ein Naqaal – ein Erzähler über ein historisches oder religiöses Heldenepos berichtete, wobei ihm  entsprechenden Bilder auf   Qalamkaar –Stoffen zur Veranschaulichung dienten. Diese besondere Art -Qalamkaar- für Kaffeestuben diente besonders der Darstellung des Kampfes Imam Husains am Aschura-Tag in Karbala. Mit  Qalamkaar verzierte  Stoffbahnen schmückten auch Trauerzelte für Imam Hussein und Moscheen. So gelangten die Qalamkaar-Werke aus Isfahan auch in anderen Städten zur allgemeinen Beliebtheit.

                                   

Inzwischen hat die Qalamkaar-Kunst Veränderungen erfahren und zwar am meisten hinsichtlich der Arbeitstechnik. Früher hat man Baumwollstoffe oft noch mit dem Pinsel (Qalam) bemalt, aber weil diese Technik langwierig ist, benutzt man heute für Qalamkaar nur noch Holzstempel.

Die Figur die auf der Stempelfläche eingeschnitzt wird, nennt  man Qaleb.  Für die  alten Qalamkaar-Meister galt das Holz der Birrne und der Zalzalak als das beste Holz  für die Schnitzfläche.  Für sehr feine Stempelklischees war Zalzalak (die  Weißdorne)  ideal.  Auch das Holz der Birne weist eine günstige Härte auf.

 

Je gröber der Qaleb auf einem Stempel ist, desto einfacher ist natürlich das Einschnitzen des Klischees, je feiner das Klischee sein soll,  desto mehr Geschicklichkeit ist nötig.   Die Anfertigung des Qalebs ist also die erste und wichtigste Phase für ein gutes Qalamkaari.  

Die verschiedensten Motive für ein Stempelklischee sind unter anderem:  Die Abbildung von Liebespaaren wie Schirin und Farhad aus der Dichtung von Nizami,  oder von alten Erzählungen mit Bildern von Tieren wie Fuchs, Storch und phantasievollen Tiergestalten sowie Bilder von historischen Bauwerken, wie die Burg der Achämeniden Tacht-e Dschamschid – von den Griechen Persepolis genannt. Weitere Stempelklischees für Qalam-Kaar sind Portraits von Dichtern wie Firdausi oder Gelehrten wie Ibn Sina (Avicenna). Aber auch die  Abbildung von Musikanten, oder Landschaftsbildern sind beliebt und immer wieder auch islimische (Arabesken)-Muster  und die stilisierte Zypresse Boteh sowie Blüten und Blätter.

                                       

Nachdem der Stoff in der gewünschten Größe zurechtgeschnitten wurde,  wird er als Erstes gewaschen. Für einen Qalamkaar-Stoff werden nur pflanzlichen Farben verwendet.  Die Farben werden in der Werkstatt für Qalamkaari gewonnen. Bestandteil aller  Farben ist das Harzgummi Traganth, welches hierzulande Katira heißt. Die Farbe Schwarz im Hintergrund der Qalamkaar-Arbeit wird mit Walnussschalen und Traganth angefertigt. Auch  Rot, Blau, Gelb und Grün  werden aus natürlichen Mitteln hergestellt: Das Rot aus einer Mischung von Färberkrapp mit Traganth und unter Beigabe von Alaun, das Blau mit eingedicktem Traubensaft, Traganth und Lasurstein, Gelb mit der Schale von süßen Granatäpfeln und Traganth, Grün mit einer Mischung aus Schalen des süßen Granatapfels mit Lasurstein, eingedicktem Traubensaft und wieder das Harzgummi Traganth.   

Die Stoffstempel mit den verschiedenen Klischees werden nacheinander mit den Farben befeuchtet und auf dem Stoff aufgesetzt.  Abschließend werden die Stoffe noch einmal gewaschen und von überflüssiger Farbe gereinigt und dann folgen die wichtigen Arbeitsphasen zur Farbfestigung. Schließlich breitet man die Stoffe an einem sandigen Flussufer zum Trocknen aus.

 

Früher konnten sich nur die Vornehmen und Reichen  die schönen Gewänder aus Qalamkaar -Stoffen leisten. In diesen Stoffen wurden manchmal Gold- und Silberfäden mit eingewebt. Aber auch für  Pferdesättel und  Pferdeschmuck wurde Qalamkaar verwendet, ebenso wie für Zelte. Manchmal wurde eine Mauerwand  vollständig mit Qalamkaar –Stoffen verhängt  oder dieser Stoff diente als Vorhang. Für Feste und religiöse Zeremonien wurde mit bunten Qalamkaar-Stoffbahnen eine Tribüne für den König und hohe Gäste vorbereitet und der Gang dorthin mit diesen Stoffen ausgeschmückt.  Auf Bodenbelegen mit  Qalamkaar wurde das Gebet verrichtet. Zur  Aussteuer einer Braut gehörten in der Regel Qalamkaar-Stoffe für Vorhänge, Tischdecken oder weitere  Dekorationszwecke.

Die heutigen wichtigsten Verwendungszwecke  dieses Kunsthandwerkes sind: Kleidung, Gebetsteppich, Tischdecke, Vorhang, Stuhlbezug, Tisch- und Bettdecken, Taschen und Frauenschuhe. Qalamkaar-Stoff dient   diversen Dekorationszwecken. 

                                             

Der Batik-Druck (auf Farsi auch Kalaqehi) ist eine weitere beliebte Art des Stoffdruckes im Iran. Batik  ist schon seit alten Zeiten in Indonesien, Thailand, Sri Lanka, Indien und Iran üblich.  Das Muster auf einem Batik-Stoff  wird durch  Auftragen von flüssigem Wachs und anschließendem Farbbad hervorgerufen.  Verwendet werden zumeist Seidenstoffe.  Die Batik-Farben  sind pflanzlicher Natur wie Färberkrapp, Granatapfelschale,  Gelbwurz und Resede.

Typisch für Batik- bzw. Kalaqehi-Druck  sind die Farbäderchen auf dem Stoff, die beim Brechen des Wachses im Farbbad und dem Einwirken der Farbe auf dem Gewebe an den Rissen im Wachs entstehen.  

 

Das wichtigste Werkzeug für Batik nennt sich Tjanting. Im Persischen Tian. Dieses Batik-Werkzeug aus Metall ähnelt einem kleinen schmalen  Trichter.  Außerdem werden Pinsel und Stempel verwendet und ein hölzerner Rahmen zum Einspannen des Stoffes.  Für den Batik-Druck gibt es verschiedene Methoden: unter anderem direkter Stoffdruck oder mit Schablone, oder Batik-Malerei auf Seide, mit dem Pinsel oder durch Abbinden des Stoffes an verschiedenen Stellen.

 

Die Muster für Batik-Stoffe sind je nach Gegend und Brauchtum und Religion verschieden.  Batik-Stoffe sind sehr phantasievoll gestaltet.  Sie dienen als Vorhänge, Wandbilder oder für Folklore-Kleidung und ähnlichem.

Das Wort Batik wurde aus dem Indonesischen in die Farsi-Sprache übernommen. Die Batik-Kunst stammt jedoch ursprünglich aus China und wurde dann auch in anderen Ländern, wie Indien und Iran, aber auch Russland und Ägypten übernommen.  Im Iran hat Meister Hussein Kalaqtschi Gandschineh aus Täbris zum ersten Mal Batik-Stoffe angefertigt.  Auch heute noch ist Täbris im Nordwesten Irans das wichtigste Zentrum für Batik-Druck, ebenso wie  die Stadt Osku, die gleichfalls  in der iranischen Provinz  Ost-Aserbaidschan liegt.

 

Bei der Batik auf Seide wird erst der Stoff mit einer Flüssigkeit aus Soda, Seife und  Natriumhydrogenkarbonat t (Dschusch-e Schirin) von Gummi befreit und dann mit einer Mischung von Honigmelonenkernen und Amyris gebleicht und weich gemacht.  Der Künstler malt sein Muster auf den Stoff auf und füllt die Figuren mit Wachs aus. Das Wachs dringt in das Gewebe ein. Der Stoff wird daraufhin in eine Farbe getaucht, wobei die Flächen, auf denen kein Wachs aufgetragen wurde, gefärbt werden. Wenn anschließend auch die Flächen, auf denen Wachs war, mit einer anderen Farbe versehen werden sollen, muss entsprechend erneut ein Wachsbelag auf den beim zweiten Färbvorgang nicht zu färbenden Flächen des Stoffes aufgetragen werden.  Schließlich muss das Wachs oder Paraffin entfernt werden. Er löst sich über Dampf und  mit kochenden Wasser.  Zur Entfernung von überflüssigem Wachs wird Wasser mit Soda gemischt. Zum Schluss wird der Batik-Stoff gespült und heiß gebügelt.

 

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Jul 16, 2018 02:58 CET
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