• Auf den iranischen Inseln im Persischen Golf (15 - Abu Musa)

Diese Woche führt uns unsere Reise auf die Insel Abu Musa.  Die Einwohner dieser Insel sagen,  dass ihre Zahl 80 Millionen beträgt. Wundern Sie sich nicht darüber! Sie wollen damit klarstellen, dass Abu Musa untrennbarer Teil Irans mit seiner 80 Millionen köpfigen Bevölkerung ist und sie an der vorderen Front  der Verteidigung der  Islamischen Republik Iran stehen.

Die Insel Abu Musa, auch Abu Musu genannt,  liegt im Süden des Persischen Golfes und gehört zur Provinz Hormozgan.  Ihre Fläche umfasst circa 12 Quadratkilometer. Für die Schifffahrt der großen Öltanker eignet sich  nur die Seestrecke die  zwischen dieser Insel und den beiden Inseln Tonb Bozorg und Tonb Kutschek verläuft,   denn nur dort erreicht der Golf die notwendige Tiefe für sie.  

                            

 

In historischen Kartenwerken und Dokumenten wird Abu Musa  mit anderen Namen bezeichnet, z.B.  mit  Boum Ouw. Diese Bezeichnung setzt sich  aus den beiden Wörtern „Boum“ für Ort und „Aouw“ für Wasser zusammen und bedeutet daher „Ort im Wasser“.  Eine  weitere Bezeichnung ist „Boum Sou“ gewesen, nämlich grüner Ort. Das Wort „Sou“ stammt von dem Wort „Souw“ bzw. „Souwz“ ab, welches im alten Persisch „grün“ bedeutet und zugleich der Name eines  grünen dornigen Strauchs ist. Der heutige Name Abu Musa ist gerade 100 Jahre alt. Einer der Inselbewohner hieß so und hat diesen Namen anstelle von Boum Sou eingebürgert. 

                          

 

Aber die Engländer haben nach ihrem Vordringen in den Persischen Golf gefälschte Namen für diese Insel angewandt, um ihr ihren iranischen Charakter zu nehmen. 

               

 

Abu Musa liegt 160 km entfernt von der Meeresenge von Hormus.  Zentrum der Insel ist die Stadt Abu Musa.  Sie liegt 46 m über dem Meeresspiegel. Gemäß der Volkszählung im iranischen Sonnenjahr 1395, d.h. 2016, hat Abu Musa  circa 4200 Einwohner.  Diese sind  in der Hauptsache iranischer Herkunft und Abkömmlinge der arischen Volksstämme, die in der Antike vom Norden aus in Iran einzogen. Aber unter der Bevölkerung leben auch einige arabischsprachige Familien mit arabischer Herkunft und iranischer Staatsangehörigkeit. 

auf der Insel Abu Musa

 

Auf Abu Musa ist es feucht und warm. Der Boden ist generell nicht für  landwirtschaftliche Tätigkeiten geeignet und außerdem fehlt das notwendige Wasser. Daher wird nur in begrenztem Umfang der Anbau von Feldfrüchten betrieben, während  die meisten Einheimischen sich vom Fischfang ernähren. Die Vegetationsdecke ist also spärlich. Es wachsen einige Pflanzen der ariden Gebiete, welche dem Vieh als Nahrung dienen. In niederschlagsreichen Jahren aber gibt es reichlich Gras und Sträucher und die ganze Insel wird grün. 

                         

 

In den Gewässern um Abu Musa lassen sich die besten Perlen fischen.  Noch bis vor circa 100 Jahren waren 50 große Perlenfischerschiffe an den Küsten von Abu Musa tätig. Das Wasser an den Küsten  von Abu Musa zeichnet sich durch seine besondere Transparenz aus. Es fällt die Vielfalt von Meerestieren auf wie die Grüne Meeresschidlkröte, Aale, Hummerartige, Haie und viele bunte Fische. 

                       

Das Wasser des Persischen Golfes ist an den Küsten von Abu Musa dermaßen transparent , dass man die farbigen Aquariumsfische und Korallen schon vom Strand oder  von den Wellenbrechern aus  sehen kann.

 

Die Landschaft der Insel ist hügelig. Aus den vielen Sandhügeln  ragt ein hoher Bergkegel auf, der Halwa genannt wird.

Die Insel Abu Musa rangiert in Beziehung auf einige Pro-Kopf-Angaben an erster Stelle im Iran: sowohl hinsichtlich der Industrie im Verhältnis zur Bevölkerungszahl als auch der vorhandenen Krankenhäuser und Krankenhausbetten ,nämlich ein Krankenhausbett pro 50 Einwohner. Weitere erstrangige Pro-Kopf-Werte beziehen sich auf die  Zahl der Fachärzte pro Einwohner, ebenso wie auf den guten allgemeinen Bildungsstand und den akademischen Ausbildungsgrad der  Einwohner und Zuwanderer und auf den Umfang  städtischer Grünflächen. 

                              

Abu Musa ist ein wichtiger strategischer Punkt im Persischen Golf und gehört zur vordersten Verteidigungslinie  Irans an der Meeresenge von Hormus. Es gehört auch zu den Zentren für die Ausfuhr von iranischem Rohöl.  Abu Musa,  Tonb Bozorg und Tonb Kutschek sind von hoher Bedeutung für den Iran und gewährleisten strategisch das Besitzerrecht Irans an einem beachtlichen Gebiet im Süden des Persischen Golfes und die Herrschaft Irans über  die Meeresenge von Hormus. 

                             

 die Insel Abu Musa 

 

 

In der Zeit der Achämeniden – im 6. bis 4.   Jahrhundert vor Christus, gehörten die Inseln im Persischen Golf wie die Insel Abu Musa zu der Provinz Pars. Dies geht aus der historischen Behistun-Felsinschrift in Kermanschah hervor. Die Dynastie der  Arsakiden behrrschte,  insbesondere  unter  Mehrdad dem Ersten, im 2. Jahrhundert vor Christus die Häfen und Inseln des Persischen Golfes, der damals noch Persisches Meer hieß. Auch zur Zeit der Sassaniden,  die nach Christus  zu herrschen begannen, zählten die Inseln und Häfen der Persischen Golfes zum Iran. Sie  waren Teil des iranischen Sistan. (Nimrus) .

Einige Jahrhunderte später und zwar im dritten Jahrhundert nach der Hidschra und dem Mondkalender – 9. Jahrhundert nach Christus - hat Yaqub-i Leith-i Safari in Sistan den ersten souveränen iranischen Staat gegründet und nach seinem Tod wurde sein Bruder Amr Leith von dem Kalifen in Bagdad zum Gouverneur über die Provinz Fars und Buschehr , die Häfen und die Inseln an den Nord- und Südküsten des Persischen Golfes bestimmt.  Als die Buyiden im 10. Jahrhundert nach Christus regierten, waren alle Häfen und alle Inseln im Persischen Golf in ihrer Hand und dieses Gebiet  gehörte bis 873 nach der Hidschra (14. Jahrhundert nach Christus) zu der Provinz Fars. Aber als danach der Saffawidenkönig Abbas an die Macht gelangt war, haben die Portugiesen die Insel Abu Musa  besetzt. Nach langen Kämpfen der Iraner wurde sie aber wieder aus der Hand der Fremden befreit.  

                            

auf Abu Musa

 

Es war gegen Ende des 19. christlichen Jahrhunderts, als die englische Marine und politische Beauftragte Britanniens in die Gewässer des Persischen Golfes vordrangen, angeblich um Piraten zu vertreiben,  den Sklavenhandel zu unterbinden und um die Sicherheit des von ihnen beherrschten Indiens zu gewährleisten. Die britische Marine hinderte die Militärbeauftragten der iranischen Regierung an der Durchführung ihrer Pflichten auf  der Insel Abu Musa, obwohl auf dem gesamten Kartenwerk Britanniens die anerkannten iranischen Grenzlinien eingetragen waren und auch Abu Musa mit einschlossen.  Einige  Zeit  danach stellte der Scheich von Schardscha Anspruch auf den Besitz von Abu Musa. Er ließ Kais an der Küste der Insel einrichten, dort die rote Erde abbauen,  einen Leuchtturm bauen und Strom erzeugen. Die britischen Besatzer von Abu Musa genehmigten dem nicht-iranischen Scheich diese Aktivitäten.

 

               

Zu Winterbeginn 1971 gelangte die Insel Abu Musa schließlich unter Kontrolle der iranischen Marine. Die damalige iranische Regierung und das Scheichtum Schardscha schlossen einen Vertrag miteinander. Nach der Vereinbarung zwischen Iran und Britannien und bevor die englischen Militärkräfte aus der Region abzogen und die Vereinigten Arabischen Emirate, zu denen Schardscha  gehört,  gegründet wurden,  kehrte die Insel Abu Musa zusammen mit den beiden Inseln Tonb Bozorg und Tonb Kutschek wieder in den Schoß Irans zurück. Der iranische Staat hatte sich unentwegt über die Besetzung dieser Inseln durch die Briten beschwert.

                             

Die  kleine Insel Abu Musa im Persischen Golf blickt  also auf eine bewegte Geschichte zurück. Sie hat gemäß den historischen Belegen immer zusammen mit den Inseln Tonb Bozorg und Tonb Kutschek den Iranern gehört. Dennoch  -  und das ist der springende Punkt - erhebt die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate  angespornt vom  Weißen Haus und London in Abständen immer wieder Anspruch auf diese drei Inseln. Diese Ansprüche gehen auf die 68- Jahre lange Besatzung der Insel durch die Briten in der Zeit der iranischen Qadscharenynastie zurück. Doch aufgrund der Einverständnisnote von 1971 ist die Insel wieder in den Besitz Irans zurückgekehrt.  Es ist gemäß den zuverlässigen historischen Quellen und Dokumenten nicht daran zu zweifeln,  dass Abu Musa untrennbar zu Iran gehört und die Islamische Republik Iran  lässt in dieser Sache nicht mit sich verhandeln.

 

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Jul 23, 2018 03:56 CET
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