Hörerpostsendung am 2. September 2018 - Bismillaher rahmaner rahim - Schwupp·di·wupp schon ist er vorbei der Monat August und wir haben September. Beinahe wäre es wieder ein Sonntag geworden, mit dem der erste Herbstmonat dieses Jahres beginnt, so wie wir es schon im Juli hatten. Aber auf 5 Sonntage kommen wir im August – so wie schon im Juli – trotzdem. Und der August schließ dafür mit einem Sonntag ab. Aber bis dahin haben wir noch 4 Wochen, mal sehen was die uns bringen.

Erst einmal herzlich Willkommen allen, die heute hoffentlich wieder zahlreich am Weltempfänger, Computer, Laptop oder Handy mit dabei sind. Heute wird wahrscheinlich keiner unserer Hörerfreunde über zu hohe Temperaturen in der Hobbystube oder auf der Terasse klagen, das ist schon mal gut so. Hörerfreund Werner Schubert wird auch froh sein, wenn es an seinem Geburtstag in dieser Woche nicht so heiß ist.

Laut den Wetteraufzeichnungen war der August ja auch ein Rekordmonat mit hohen Temperaturen und wenig Regen. Offiziell heißt es so:

Der August 2018 reihte sich nahtlos in die bereits im April 2018 begonnene Serie extrem warmer, erheblich zu trockener undungewöhnlich sonnenscheinreicher Monate ein.

Dieser Zeitraum von April bis August 2018 soll der wärmste sowie sonnenscheinreichste und auch einer der niederschlagsärmsten seit Beginn regelmäßiger Messungen sein.

Es kam in zahlreichen Gebieten zu katastrophalen Auswirkungen auf die Natur und Landwirtschaft. 

Hoffentlich wurden die Landwirte in der Nachbarschaft unserer Hörerfreundin Martina Pohl von diesem extremen Sommerwetter verschont, denn sie bezieht einige Produkte sozusagen vom Landwirt um die Ecke. Was genau, das erfahren wir aus ihrer letzten Mail, und natürlich auch noch viel mehr.

„Liebe Redaktion von IRIB,in ein paar Tagen ist der August auch schon wieder vorbei. Ein weiterer Monat verabschiedet sich von diesem Jahr.Da ich Gemüse oder Obst am liebsten saisonbedingt esse, freue ich mich schon wieder auf helle und rote Trauben. Die dunklen Sorten enthalten mehr Antioxidationsstoffe als die hellen. Sie enthalten viel Fruchtzucker, sind kalorienarm und reich an Vitaminen. Trauben werden schon seit prähistorischen Zeiten verzehrt. Aus dem Neolithikum und dem Bronzezeitalter fand man Traubenkerne in der Schweiz. Die Heimat der Traube dürfte sich in der Nähe des Kaspischen Meeres befunden haben. Erste Kulturtrauben stammen aus Persien. Von dort aus gelangten diese nach Sumer und nach Ägypten. In bronzezeitlichen Ausgrabungen wurden Traubenkerne auch in Griechenland gefunden. In Rom waren Trauben ein angesehenes Dessert. In der Antike galten als beste Rosinen jene aus der Gegend von Korinth.Gibt es im Iran eigentlich auch Traubenkernöl zu kaufen?Welche Ölsorten werden generell in ihrem Land angeboten oder sogar selbst angebaut?Ich selber benutze Olivenöl, Sonnenblumenöl, Nussöl und Rapsöl. Das kaltgepresste Rapsöl beziehe ich von einem Landwirt um die Ecke.Herzliche Grüße Martina” 

Schönen Dank liebe Frau Pohl für Ihre Mail und die Informationen, die Sie damit für alle zur Verfügung gestellt haben, und auch für 3 weitere Empfangsberichte von Mitte August, mit sehr guten SINPO-Werten von 5 und 4. Die 7300 kHz bringt bei Ihnen nun wieder ein gutes Signal, darüber freuen wir uns sehr.

Zur Frage von Frau Pohl über den Anbau bzw. das Angebot von Ölfrüchten und Ölsorten in Iran wollen wir Ihnen einige Anworten geben, die vielleicht von allgemeinem Interesse sind. 

Den höchsten Anteil bei den Agrareinfuhren in Iran haben Ölsaaten, da der jährliche Ölbedarf des Landes bei rund 1,5 Millionen Tonnen liegt. Den Iranern wird ein überschnittlicher Ölverbrauch in der Küche nachgesagt, was in den letzten Jahren durch die Behörden, wie das Gesundheitsministerium, immer mehr in Zusammenhang mit zunehmenden Krankheiten, wie insbesondere auch Herz- Kreislaufkrankheiten, gebracht wird. Der durchschnittliche Ölverbrauch eines Iraners liegt bei 20 Kilogramm pro Jahr, wohingegen der internationale Durchschnitt bei 12 Kg liegt.

Ein Experte sagte, dass etwa 90 Prozent aller iranischen Lebensmittel bei der Speisezubereitung mit Öl angebraten werden, wobei dieser Prozentsatz in anderen Ländern nur 5 bis 10 Prozent beträgt.

Aber in den letzten Jahren ist auch in Iran das Bewußtsein für eine gesündere Küche gewachsen und zum Beispiel hat sich der durchschnittliche Olivenölverbrauch innerhalb der  letzten 7 bis 8 Jahre verdoppelt. Nach Angaben des Nationalen Olivenrates werden in Iran rund 103.000 Hektar Oliven angebaut, und aus diesen Gärten werden jährlich rund 4.000 Tonnen Öl auf den Markt gebracht. Das reicht natürlich nicht für den nationalen Bedarf aus, und es wird auch Olivenöl importiert.

Ebenso haben Raps- und Sonnenblumenanbau zur Ölgewinnung zugenommen und geplant ist außerdem ein vermehrter Anbau von Soja zur Öl- und Futtergewinnung, der auch aufgrund eines geringeren Wasserverbrauchs für die iranischen Verhältnisse geeigneter ist. Auf dieser Basis sollen mehr als 300.000 Hektar Sojabohnen in der südwestiranischen Provinz Khuzestan angebaut werden.

In den letzten Jahren haben sich viele weitere Ölsorten, wie Sesamöl, Traubenkernöl, Kürbiskernöl und andere Öle in den Sortimenten der iranischen Supermärkte und Läden dazu gesellt, und es gibt immer mehr Läden, wo man sich Ölsamen auswählen und frisch auspressen lassen kann. Der Anteil dieser alternativen und gesünderen Öle macht aber vergleichsweise bisher nur einen geringen Anteil am Gesamtölverbrauch in den iranischen Küchen aus. Außerdem spielt der Preis natürlich eine große Rolle und die gesünderen Öle sind in der Regel nur mit einem besseren Einkommen zu finanzieren.

Unser nächster Griff in die Postmappe bringt eine Mail von Dieter Feltes aus Pyrbaum zum Vorschein. Er hat uns am 8. August gehört, die Sinpo-Werte können sich leider nicht sehen lassen. Trotzdem versteht Herr Feltes etwas aus unseren Sendungen und darüber schrieb er:

„Sehr geehrte Damen und Herren!Zunächst einmal vielen Dank für die interessanten Berichte aus Ihrem Land. Ja, gerade in den letzten Monaten habe ich in unserem Fernsehen Berichte über den Iran gesehen. Viele Familien haben Probleme mit der Versorgung der Kinder. Ein Bericht zeigte einen Familienvater der in einer Kartonagen-Firma beschäftigt ist. Die Firma hatte einmal viele Mitarbeiter, nun sind nur noch ein paar wenige übrig geblieben. Vorraussichtlich wird die Firma in Kürze geschlossen. Es wird darauf hingewiesen das die Sanktionen der USA massiv Wirkung zeigen.

Dieser Präsident ist für die Weltöffentlichkeit untragbar. Alles was die vorherigen Präsidenten mühsam erarbeitet haben, wird in aller Kürze vernichtet. Ich hoffe, dass dieser Präsident baldmöglichst durch den Kongress abgewählt wird und die EU auch ohne die USA zusammenhält.Ich wünsche Ihnen nun alles Gute und viele GrüßeIhr Hörer Dieter Feltes“

Vielen Dank Herr Feltes, dass Sie uns wieder geschrieben haben und weiter unsere Sendungen hören trotz schlechten Empfangs.

Es ist wirklich traurig, dass die Umsetzung des Atomabkommens mehr oder weniger gescheitert ist, und dass immer zuerst die Teile der Bevölkerung davon betroffen sind, denen es sowieso nicht besonders gut geht.

Ihre Mail stimmt ja auch im Großen und Ganzen mit der Meinung anderer Hörerfreunde über den amerikanischen Präsidenten überein. In der letzten Hörerpostsendung hatten wir diesen ja schon in der Diskussion der Hörerrunde.

 

Hörerfreund Fritz Andorf hat letzten Sonntag auch zugehört und hatte etwas dazu anzumerken:

„In der heutigen Sendung wurde erneut die Politik der USA gegenüber dem Iran, insbesondere zum Atomabkommen,  thematisiert. Und auch in unseren Lokalnachrichten hörte ich die Meldung, dass der Iran beim Internationalen Gerichtshof gegen die Kündigung des Abkommens klagen will, weil sie einer früheren Vereinbarung mit den USA widerspricht und damit völkerrechtlich illegitim ist. Da kann ich nur hoffen, dass der Iran mit seiner Klage durchkommt, denn schon im Lateinischen gab es einen Spruch: „Pacta sunt servanda“. Also: Verträge sind einzuhalten. Und ein einseitiger Ausstieg ist einfach unmöglich und illegal, denn sonst könnte man sich ja nie auf Verträge verlassen.

Interessant waren die Stellungnahmen der Hörer zu diesem Thema in der Hörerpostsendung „Wir und unsere Hörer“. Alle sind auf Seiten des Iran.

Allerdings kann ich der weitergehenden Meinung von Dietmar Wolf nicht folgen, dass die Medien in Deutschland gleichgeschaltet sind, der BND Anhängsel des NSA  und Deutschland nicht souverän ist. Damit macht er sich die Position der Rechtsradikalen zu eigen. Ist das gewollt, lieber OM Dietmar? Ich schätze ja ansonsten Deine Zuschriften an diverse Stationen sehr.“ 

Wir danken Herrn Andorf für seine Beteiligung an der Diskussion und sind gespannt, ob Herr Wolf heute vielleicht zuhört und Herrn Andorf antworten möchte. Wir könnten falls notwendig auch durch einen Austausch der Mailadressen dabei behilflich sein.

 

Neben US-Präsident Trump und dem Atomabkommen ist auch das Thema Nahost und das israelische Regime, dessen Handeln wiederum stark mit der Politik des derzeitigen US-Präsidenten zusammenhängt, immer wieder ein Thema in unseren Nachrichten, Kommentaren und Interviews.

Eine diesbezügliche Mail von Hörerfreund Ralf Urbanczyk wollen wir Ihnen da nicht vorenthalten. Herr Urbanczyk war ja letzte Woche schon an der Hörerpostsendung beteiligt und seine Kommentare sind sachlich und objektiv, deshalb lesen wir sie gerne vor. Zu seinem Empfangsbericht vom 8. August schrieb er:

„Sehr interessant war ihre Betrachtung zum neuen israelischen Nationalgesetz.  Diese gut gemachte Analyse stellte dieses Gesetz detailreich vor, zusammen mit Hintergründen und möglichen Auswirkungen sowie aussagekräftigen Vergleichen.  Ich denke, das ist ein ziemlich rassistisches Gesetz, welches eher in die Zeit vor einhundert Jahren passt als ins 21. Jahrhundert. Große Teile der israelischen Bevölkerung werden zu Einwohnern zweiter Klasse, weil sie einer anderen Ethnie angehören, eine andere Sprache sprechen oder einer anderen Religion angehören. Ich finde es sehr traurig, dass von der Europäischen Union und ihren Mitgliedsländern nur sehr vereinzelt Kritik daran geübt wird, obwohl die Beziehungen zwischen beiden sehr stark sind. Bei anderen Ländern, wie Polen oder Ungarn reichte ein viel kleinerer Eingriff in die Freiheiten und Grundrechte der Menschen, dass die Spitzenpolitiker in Europa fast Amok gelaufen sind. Wird in Israel ein Gesetz beschlossen, welches die Grundrechte weit mehr einschränkt, also zum Beispiel die freie Wohnortwahl für Einwohner und Einwanderer in Frage stellt und die Minderheitenrechte stark reduziert, herrscht erschreckendes Schweigen unter den europäischen Spitzenpolitikern. Meine Sympathie haben auf jeden Fall die Teile der israelischen Gesellschaft, die für ein demokratisches, fortschrittliches und weltoffenes Israel kämpfen. Die gegenwärtige israelische Regierung ist das Gegenteil davon. Mit besten Grüßen, Ihr Hörer Ralf Urbanczyk“

Wir danken Herrn Urbanczyk auch für diesen Beitrag.

So wie dieser Hörerfreund beteiligt sich auch Karl-Heinz Grüttner gerne mit qualifizierten Beiträgen zu politischen Themen in unseren Hörerpostsendungen bzw. an Umfragen der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit von IRIB, was wir ebenfalls sehr schätzen.

Auf seiner Urlaubs-Kreuzfahrt im Frühjahr konnte Herr Grüttner den Nahen Osten sogar ganz aus der Nähe kennenlernen und schrieb diesbezüglich:

„Ja wir haben viel gesehen und konnten unser Wissen über viele Länder erweitern. Gerade auch beim Besuch der arabischen Halbinsel und in Nahost beginnt man viele Dinge durchaus mit anderen Augen zu betrachten. Anders als wie man es uns in unseren Medien weiß machen will.“

Auf die IRIB-Umfrage über „Das Schweigen der islamischen Länder gegenüber den israelischen Verbrechen im Gazastreifen“ hat er sich folgendermaßen geäußert:

„Zunächst bin ich der Meinung, dass die Formulierung ‚Islamische Länder‘ zu weit gegriffen ist. Mit der Religion dem Islam haben die Geschehnisse nur wenig zu tun. Der Begriff ‚Arabische Länder‘ wäre wohl zutreffender. Es gibt keine automatische Solidarität der islamischen Länder, auch wenn man das in Iran gerne so sehen würde. Zu unterschiedlich sind die Gesellschaftssysteme und die gesellschaftspolitischen Interessen der einzelnen Länder. Zudem existieren in den meisten Ländern unangefochtene Autokratien, die nur ihre eigene Macht erhalten wollen. Ich will damit sagen, dass also auch eine gesamtarabische Solidarität, unterstützt von Iran und der Türkei, schon lange nicht mehr möglich ist und nie wieder Realität sein wird.

Weiter schrieb Herr Grüttner:

Zum ersten Mal finden die großen Demonstrationen gegen israelische Verbrechen nicht auf den Straßen der arabischen Welt statt, sondern in den Hauptstädten des Westens und in der Türkei. Der Krieg im Gazastreifen, der bereits zu einem Dauerbrennpunkt geworden ist, ist ein Spiegel dessen, was sich in der arabischen Welt in den vergangenen Jahren verändert hat: Das Heft halten jene fest in der Hand, die am Status quo nicht rühren wollen; der Raum für Protest ist so klein wie lange nicht.

Die drei mächtigsten arabischen Staaten, Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, schweigen und verhalten sich passiv. Ihr Verhalten hat einen Grund: Sie sehen in der Muslimbruderschaft den bedrohlichsten politischen Feind und wollen ihn auslöschen. Damit entsteht in der arabischen Welt eine neue Ordnung. Die wenigen noch funktionierenden Staaten arbeiten zunehmend mit Israel zusammen; viele der anderen sind vom Staatszerfall erfasst oder zumindest bedroht. Es herrscht stillschweigendes Einverständnis.

Mehr ins Gewicht fällt indes, dass sich Protest nicht mehr äußern kann, dass viele der islamistischen und säkularen Aktivisten der Jahre 2011 und 2012 im Gefängnis sitzen, dass die einseitige Berichterstattung in den staatlichen Medien vieler arabischer Länder über die Hamas nicht ohne Folgen bleibt und dass sich die Interessen der Regierungen immer mehr mit den Interessen Israels decken. Saudi-Arabien, die Emirate und Ägypten – sie alle haben die Muslimbruderschaft zu einer Terrororganisation erklärt, und Israel führt nun Krieg gegen deren Arm, die Hamas.

Immer mehr näherten sich in den vergangenen Jahren zudem Saudi-Arabien und Israel einander an. Auch wenn die beiden Länder und ihre Gesellschaften unterschiedlicher kaum sein könnten: Sie haben gemeinsame Interessen.

Beide sind erklärte Staatsfeinde des Iran und ringen um geostrategische Vorherrschaft im Nahen Osten. Beide wünschen sich eine Niederlage der Muslimbruderschaft, beide fürchten den islamistischen Extremismus, beide hatten auf den so genannten ‚Arabischen Frühling‘ mit Abwehr reagiert und wollen den Status quo beibehalten.

Und somit kann Israel gegenüber den Palästinensern schalten und walten wie es will. Wirkliche Proteste kommen nur noch aus Iran, der Türkei und eben vermehrt von den Straßen der westlichen Länder.“

Vielen Dank Herr Grüttner für Ihre wertvolle Stellungnahme. Damit sind wir heute wieder am Ende der Hörerpostsendung angekommen.

Für weitere Empfangsberichte bedanken wir uns bei Dietmar Buchholz, Joachim Thiel, Paul Gager und  Volker Willschrey.

Zum Abschluß nun noch unser Lied, das wir mit den besten Geburtstagsglückwünschen für unseren Hörerfreund Werner Schubert verbinden möchten.

Ihnen allen wünschen wir eine gute Zeit für die kommende Woche und

Khoda hafez – Gott schütze Sie!

Sep 03, 2018 14:33 CET
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