• Lotsen zum göttlichen Hafen  (2)

In diesem Beitrag sprechen wir über die Geburt, Kindheit und Jugendzeit des Propheten des Islams (S).

In jener Nacht erfüllte Amina ein besonderes Gefühl. Es waren nun schon einige Monate seit dem Tod ihres Gemahls Abdullah vergangen und sie trauerte um ihn. Bald würde ihr gemeinsames Kind zur Welt kommen und sie wünschte so sehr, dass sein Vater noch am Leben wäre. Plötzlich wurde  ihre Stube lichterhell und sie  erblickte zwei leuchtende weibliche Gestalten neben sich.  Die eine sprach: „Ich bin Asia, die Gemahlin des Pharaos und die andere sagte: „und ich bin  Maryam, die Tochter des Imran. Nur wenige Augenblicke später gebar Amina ihr Kind. Ein Strahlen ging von ihm aus und sie hörte eine Stimme sagen: „O Amina  in deinem Sohn sind die edlen Eigenschaften der  früheren Propheten vereint, wie die Tapferkeit des Noah, die Wahrhaftigkeit und Gotteszuversicht Abrahams, das Antlitz des Josef, die Redebegabung des Salih, die Standhaftigkeit des Moses und die Enthaltsamkeit und der Großmut Jesu.“ 

                   

 

 Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm und Friede seinem Hause) ist der Sohn des Abdullah und Abdullah ist der Sohn des Abdul Muttalib.  Die Mutter dieses Edlen ist Amina, die Tochter des Wahb. Mohammad kam am 17. Rabi ul Awwal, im Aam-e Fil - , d.h.  570 nach Christus in Mekka auf die Welt.  In diesem "Jahr des Elefanten" hatte Abraha Mekka angegriffen um die Kaaba zu zerstören. Die Sure "Fil" (Sure 105) handelt von diesem Angriff und seinem Ausgang. 

 

Als der Prophet Gottes zur Welt kam, ereigneten sich mehrere  Erdbeben und im Gefolge dieser Beben wurden  mehrere Kirchen und Klöster und Götzenstandbilder zerstört und das Werk von Magiern und Hellsehern durchkreuzt.  Am Himmel erschienen Sterne, die vorher nicht gesehen worden waren und die Vorterrasse des Kasra-Palastes im Perserreich geriet ins Schwanken.  13 oder 14 ihrer Säulen brachen zusammen. Zugleich erlosch das Feuer, dass im Feuertempel im persischen Fars brannte, nachdem es mehrere Jahrhunderte lang nicht erlöscht war.

                           

 

Unter der gehobenen Schicht der Araber war es üblich, dass sie ihre Säuglinge einer Amme überlassen. In der Region wurden die Frauen des Stammes Banu Assad  als Ammen bevorzugt.  Sie  kamen um eine bestimmte Zeit im Jahr nach Mekka, um sich gegen ein Entgelt eines  Neugeborenen einzunehmen.  Doch das Neugeborene der Qureisch ließ sich von keiner von ihnen stillen. Schließlich kam Halima Saadiyah und Abdul Muttalib fragte sie "Von welchem Stamm bist du?" Sie sage "Banu Assad". „Und wie heißt du?“ fragte Abu Muttalib: Sie sagte: „Halima Saadiyah.“ Abdul Muttalib freute sich über ihren Namen, der sowohl  Geduld als auch Glück bedeutet.  Als Halima das Neugeborene in ihre Arme nahm, ließ es sich sofort von ihr stillen.  Amina und Abdul Muttalib dankten Gott,  dass das geliebte Kind sich für eine Amme entschieden hatte. 

Halima brachte das Kind zu sich nach Hause. Die Einkehr von Mohammad bescherte ihrer Familie großen Segen.  Die Geschichtsschreiber zitieren Halima, die gesagt hat: "Von dem Tage an wo ich Mohammad in mein Haus gebracht habe, wuchs der Segen in ihm,  mein Besitz und meine Herde.“

(Munaqib Ibn Schahr Aschub, Band 1) 

                       

 

Der Enkelsohn des Abdul  Muttalib blieb fünf Jahre lang bei dem Stamm der Banu Assad, die ein Leben in freier Natur führten. Schließlich wurde er wieder in die Stadt Mekka zurückgebracht und durfte die Liebe seiner Mutter Amina erfahren. Alle liebten den sechsjährigen Jungen mit seinem tiefen Blick und dem schönen Gesicht und den tiefsinnigen Dingen, die er sagte.

Seine Mutter nahm Mohammad mit auf eine Reise nach Medina um ihm seine Familie zu zeigen, doch auf der Rückkehr von dort erkrankte sie auf halben Weg und verstarb. Abdul Muttalib, der Großvater Mohammads nahm sich des Waisenkindes an. Doch bald sollte Mohammad auch auf dessen Zuneigung verzichten müssen, denn mit acht verlor er auch seinen Großvater.  Sein Onkel Abu Talib nahm ihn bei sich auf und im Kreise seiner Familie  verbrachte er seine Jugend.

                           

Schon als kleines Kind unter den Beduinen hatte Mohammad beim Viehhüten mitgeholfen und auch später betätigte er sich als Hirt. In Wahrheit haben ja die meisten Gottgesandten einen Teil ihres Lebens vor ihrer Aussendung fern der Stadt  Vieh gehütet und sich die notwendige Geduld für das Hirtenamt für die Menschen angeeignet, um alle damit verbundenen Härten  auf sich zu nehmen.  Das Fernbleiben von der verdorbenen Atmosphäre in Mekka  war für Mohammad (S) eine gute Gelegenheit zum Nachdenken über die Schöpfung.

Mohammad (S) zeichnete sich schon als Heranwachsender durch seine besonderen Eigenschaften  von den Gleichaltrigen ab. Dieses Alter ist normalerweise das Alter der Streitsüchtigkeit und dem Verlangen nach flüchtigen Vergnügen und Gelüsten. Aber für Mohammed war es ein Alter der Reinheit und Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, des Nachdenkens, des Anstandes und des Edelmutes und der Würde.

Einer der Begebenheiten in der Jugendzeit Mohammads (S) an die er sich manchmal gerne erinnerte, war die Beteiligung an einem Bündnis zur Verteidigung der Unterdrückten. Dieses Bündnis ging unter der Bezeichnung Hilf al Fudhul  (das Bündnis der Vorzüglichen) in die Geschichte ein.

Manche im Stamme der Qureisch  taten Fremden oder jemanden, der keine Verwandten in Mekka hatte, ein Unrecht an. Zum Beispiel brachte einmal ein Mann aus Jemen Waren nach Mekka. Jemand kaufte ihm die Ware ab, aber bezahlte ihn nicht. Es kam zu einem Streit. Der Fremde erblickte einige der Qureisch, die an der Kaaba saßen und  begann laut zu klagen. Da taten sich einige der Qureisch zusammen und vereinbarten dass sie diesem Mann helfen und sein Recht bei dem Käufer einholen.  Sie versammelten sich im Haus eines angesehenen Stammesmitglieds und schlossen ein Bündnis, und zwar  schworen sie, nicht auseinander zu gehen  und wenn immer möglich das Recht eines Entrechteten wieder herzustellen.  Der Prophet (S) war einer der Mitglieder dieses Bündnis. Ein so edles Bündnis hatte es vorher noch nie unter den Arabern gegeben.

                   

 

Die Biografie Mohammads (S) liefert den besten Beweis dafür dass er sich in jener geknebelten kranken Atmosphäre von jeglicher Sünde freihielt und Tugenden erwarb, so dass er dafür bekannt wurde und sie ihn Mohammad Amin – Mohammad den Zuverlässigen - nannten und alle in ihn vertrauten.

 Ein weiteres Zeugnis ist ein großes historisches Ereignis, das vor der Berufung des Gott-Gesandten in Mekka geschah, und zwar ereignete sich folgendes:

„Die Vornehmen von Mekka planten einen Ausbau der Kaaba und ihre Verbreiterung und Verlängerung. Daher brachen sie sie ab und erbauten sie von neuem. Schließlich war es soweit dass sie den Hadschar Aswad – den Heiligen Schwarzen Stein -  wieder in der Mauer der Kaaba einsetzen. Dieses Vorhaben löste jedoch einen Streit zwischen den vier mächtigsten Stämmen von Mekka aus. Ein jeder Stamm wollte, dass ihm diese Ehre zuteilwerde und der Name seines Stammes für immer in die Geschichte eingeht. Der Konflikt eskalierte so weit, dass sie die Säbel zogen und ein Gefecht auszubrechen drohte. Jeder wollte mit Gewalt seinen Wunsch verwirklichen. Schließlich berieten die Quraisch, wie man das Problem lösen und ein Blutvergießen verhindern könne um Mekka aus dieser explosiven Situation zu retten.

Der älteste der Qureisch war Abu Umiyyat Ibn Moghaira Machzumi. Er sagte: „Lasst Krieg und Blutvergießen und nehmt diesen Vorschlag an: Der erste, der durch das Tor von Safa eintritt, soll einen Lösungsvorschlag machen.“   Alle willigten ein. Da sahen sie einen Jüngling aus dem Stamm der Qureisch die Moschee betreten. Alle riefen: „Das ist doch Mohammad Amin! Wir sind mit seiner Lösung einverstanden!“

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Der Schwarze Stein ist an der östlichen Ecke der Kaaba auf einer Höhe von anderthalb Metern über der Erde angebracht

Um den Streit zwischen den vier Stämmen beizulegen fand der junge Mohammad eine gute Lösung. Und zwar breitete er seinen Übermantel auf der Erde aus und legte den Stein in die Mitte. Dann  sagte er, dass  von jedem Stamm ein Mitglied einen Zipfel des Übermantels in die Hand nimmt. Auf diese Weise haben alle vier Stämme auf dem Tuch den Schwarzen Stein zur Kaaba getragen und dort hat Mohammad in Vertretung von allen vier Stämmen den Schwarzen Stein an der Kabaa angebracht und konnte auf dieser Weise Frieden herstellen. 

Durch dieses Ereignis und weitere wurde der Prophet des Islams (S) also schon vor seiner Aussendung für seine besonderen Tugenden bekannt.                                        

 

Sep 05, 2018 13:32 CET
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