• Auf den  iranischen Inseln im Persischen Golf (21 - Chark)

Die Insel Chark ist seit eh und je ein Umschlagsplatz für Waren für Asien  und die Anrainerländer des Mittelmeers gewesen . Sie wechselte von Hand zu Hand zwischen Menschen verschiedener Konfessionen und Weltanschauungen. Chark ist unser heutiges Reiseziel.

Die Insel Chark, auch Charg, liegt 38 km entfernt vom Hafen Genaveh und gehört zur Provinz Buschehr.  Der zeitgenössische Schriftsteller Dschalal Ale Ahmad  hat diese Insel "verwaiste Perle des Persischen Golfes“ genannt und seinen Aufenthalt auf ihr  in einem Buch gleichen Namens beschrieben. 

                            

 

Chark liegt 57 Kilometer nordwestlich von Bandar Buschehr. Sie ist circa 8 km lang und 4 bis 5 km breit und eine Koralleninsel. Auf Chark befinden sich große Erdölanlagen. Das Wasser ist an seinen Küsten tief, so dass Schiffe anlegen können. Chark ist ein Distrikt des Landkreises Buschehr, der zu der Provinz Buschehr gehört. Es leben mehr als 20 Tausend Menschen auf dieser Insel. 70 Prozent von ihnen sind zugewandert, nachdem sich das Nationale Erdölunternehmen hier niedergelassen hat.

Chark ist ein sehr altes Siedlungsgebiet in der Provinz Buschehr und es sind dort viele Spuren der Vergangenheit anzutreffen.  Die Bevölkerung  nennt ihre Stadt und ihre Insel „Charg“, aber in den schriftlichen Quellen wird der Name Chark verwendet.  Auch in den historischen und geografischen Werken des Mittelalters steht die Bezeichnung Chark und in europäischen Schriften und Kartenwerken kommt sowohl der Name Khark als auch Kharg vor.

Die Sommer auf Chark sind heiß. Es gibt keine Niederschläge aber die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Die warme Zeit beträgt ungefähr 8 Monate. Der höchste Punkt der Insel ist eine Anhöhe namens "Didehban" (Wächter) und liegt 87 m über dem Meeresspiegel.  Vor einiger Zeit stand auf dieser Anhöhe ein kleiner Leuchtturm. Im Norden der Insel gibt es den Berg "Tacht" und im Süden den Berg "Gardan Aschtar". 

             

Chark 

 

Die Insel Chark liegt im tiefsten Abschnitt des Persischen Golfes  und erdgeschichtlich ist sie vor circa 14 Tausend Jahren entstanden.  Die baulichen Strukturen auf Chark lassen sich nach traditioneller bzw. nach ingenieurtechnischer Bauweise unterscheiden. Die traditionellen Strukturen sind besonders auf die nordöstliche Seite der Insel konzentriert. Hier haben die Einheimischen ihre Häuser dicht bei einander gebaut, und die Straßen sind eng.  Die Häuser sind einstöckig und haben einen kleinen Hof. Die Bevölkerungsdichte ist groß. Erst in den letzten Jahren wurde auch mehrstöckig gebaut.  In den anderen Teilen der Insel hat das Unternehmen für den Erdölterminal Bauwerke errichtet.  Die einheimische Bevölkerung von Chark setzt sich aus sunnitischen und schiitischen Muslimen zusammen.  

Seit Jahren wird eine Genehmigung für den Verkehr auf der Insel und sogar für ihr Betreten benötigt. Hier wurde nämlich eine der wichtigsten internationalen Erdölterminale der Welt angelegt. Während des Krieges, den Irak dem Iran aufzwang, verlief  der Export von  über 90 Prozent des iranischen Erdöls über diese Insel, und daher hat damals die Luftwaffe des irakischen Diktators Saddam insgesamt 2800 Angriffe auf Chark verübt. Auf der Insel sind folgende Unternehmen tätig:  NITC - das Nationale Öltankerunternehmen  National Iranian Tanker Company -, das Unternehmen für Erdölterminale und Export IOTC, IOOC - Iranian Offshore Oil Company - sowie das Nationale Petrochemieunternehmen  NPC . Die Insel verfügt über einen Flughafen, ein Krankenhaus und eine Universität. 

                           

Die Insel Chark ist einer der wichtigsten Terminale für den Erdölexport

 

Auf der Insel Chark gibt es eine antike  Felsinschrift in Altpersisch und in Keilschrift, die einen Beweis für die Berechtigung der Bezeichnung Persischer Golf liefert.  Die Inschrift ist circa einen Meter breit und einen Meter lang und wurde in Korallengestein eingemeißelt. Diese mehrzeilige Inschrift  ist 2400 Jahre alt und enthält altpersische Wörter. An einer Stelle heißt es:  „Dieses Land war trocken und ohne Wasser. Ich habe Freude und Sicherheit hergebracht.“

                    

2400 Jahre alte Inschrift auf Chark  

 

                

Chark ist wie gesagt eine Koralleninsel, das heißt sie besteht aus den Resten von Korallen und Muscheln und anderen Tieren, die sich mit Sandkörnern vermischt haben.  Die ersten 20 cm der Oberfläche von Chark weisen eine größere Festigkeit auf als die darunter liegenden Sedimentgesteinslagen, die  weniger Widerstandsfähigkeit gegenüber den Wasserströmungen besitzen. Wo sie zu Tage treten, werden sie durch Wasser und Wind schneller abgetragen, was zufolge hat, dass die  obere feste, jedoch dünne Schicht, auf denen sich auch die Inschriften aus der Antike befinden, an vielen Stellen eingesackt ist. Durch diese geologische Erscheinung verändert sich auch zurzeit das morphologische Bild der Insel.

                     

Chark gehört zu den wenigen Inseln im Persischen Golf, die viel Süßwasser besitzt. Das Wasser hat sich im Laufe der Zeit in natürlichen Becken gesammelt oder wurde in zahlreichen Wasserbrunnen und unterirdischen Wasserkanälen (Qanat) gepeichert oder  Oberflächenwasser wurde künstlich hinter kleine Staudämme oder in die natürlichen Becken geleitet.

Auf der ganzen Inseln sind Reste des Systems zum Auffangen von Süßwasser zu sehen, nämlich in Form von kleineren und größeren Wasserkanälen, die in natürliche oder künstlich angelegte Gruben oder in alte Qanate fließen. Wie viele andere im Südiran nutzen die Einwohner von Chark die Bodenfeuchtigkeit in der Nähe von  Brunnenanlagen zum Anpflanzen von Trauben und können jedes Jahr mehrere Hundert Kilo Trauben ernten, ohne dass eine künstliche Bewässerung notwendig würde.  

Vegetation auf Chark 

 

Überall auf Chark wachsen Pappelfeigen – in der Landessprache deracht-e lil oder derachte-lur genannt. Diese Bäume werden sehr groß und spenden reichlich Schatten. Sie bilden Luftwurzeln, und zwar bilden sich  an den Wurzeln im Erdreich Triebe die,  sich um sich  windend, den Stamm hochstreben und dann wieder, von den Ästen herabhängend, in Richtung Boden weiterwachsen. Diese Wurzeln beziehen Nährstoffe  und Wasser aus der Luft. Für die Inselbewohner sind die Pappelfeigen mit Mythen über das Bündnis  von Wasser, Wind und  Meer verwoben. Ein weiterer Baum, der häufig vorkommt, ist der „derachte Konar“ auch: „derachte Sadr“, nämlich der Ziziphusbaum.

 

Die Fauna von Chark beschränkt sich auf einige kleine Gazellenherden und auf giftige Schlangen, die einen bis zwei Meter lang werden. Im Winter halten sich jedoch viele Zugvögel an den Küsten von Chark auf. 

Auf Chark sind einige Spuren der Geschichte verblieben – sowohl aus der Islamischen Ära als auch aus der vorislamischen Zeit. Zu diesen Spuren gehören die Tempelgräber der Palmyraner. Im gebirgigen Teil der Insel liegen zahlreiche flache Grabmäler, die den Zaroastriern zugeschrieben werden, weil einige von ihnen rund sind.  An einigen anderen Gruften mit niedrigem Eingang ist ein Kreuz zu sehen, wie es bei den Christen auf Friedhöfen üblich ist. 

                              

Tempelgräber der Palmyraner 

 

Eine weitere wichtige historische Spur auf Chark sind zwei große Felsblöcke im gebirgigen Teil der Insel, die kreuzförmig übereinander angeordnet sind. Der französischen Orientalist Roman Ghirshman ist der Überzeugung, dass es sich dabei um  eine Grabstätte aus dem ersten Jahrtausend vor Christus handelt.  Die Einwohner von Chark haben diesen beiden Felsblöcken den namen Chaharan (Schwestern)  gegeben und glauben, dass zwei Schwestern den Berg bestiegen haben, um sich vor den Übergriffen von Fremden zu retten. Sie beteten dort zu Gott, dass Er sie versteinert.  

 

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Sep 11, 2018 10:53 CET
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