• Lotsen zum göttlichen Hafen  (3)

Prophet Mohammad (S ) zeichnete sich bereits als Kind und Heranwachsender durch seine hohen menschlichen Eigenschaften aus. Dies obwohl die gesellschaftliche Umgebung auf  der Arabischen Halbinsel von großer Unwissenheit geprägt war. Niemand besaß einen besseren Charakter und größere Menschlichkeit als er. Der Koran bezeugt dies  im Vers 4 der Sure 68: „Und du bist wahrlich von großartiger Wesensart.“

 Chadidscha die Tochter des Chuwailid hatte von der Aufrichtigkeit Mohammads gehört. In keinem Haus des angesehenen Stammes der Qureisch gab es noch einen anderen jungen Mann, der so rein wie er war. Alle waren beeindruckt von seiner Tugend und Art. Die Menschen hatten Mohammad wegen seiner Ehrlichkeit den Beinamen "Amin", der Zuverlässige gegeben. Dies machte Chadidscha Bint Chuwailid auf Mohammad aufmerksam, als sie nach einem vertrauenswürdigen Menschen suchte, der ihre Handelskarawane nach Schaam, dem damaligen Syrien, bringt.  

                    

Mohammad Amin

 

 

Abu Talib, der Onkel Mohammads und ein angesehener Mann bei den Qureisch, schlug seinem Neffen vor, dass er die Handelskarawane von Chadidscha übernimmt  und die Ware dieser angesehenen Frau der Qureisch in Schaam verkauft. Er sagte: „Mohammad, geh und stell dich Chadidscha vor!“ (Bihar ul Anwar, Bd.16, S.22)

Der Prophet war zu bescheiden, dass er selber Chadidscha den Vorschlag macht, die Verantwortung für ihre Handelskarawane zu übernehmen und so sagte er zu Abu Talib:  „Vielleicht wird Chadidscha selber jemanden nach mir schicken.“ Und genauso kam es. Chadidscha erfuhr von dem Gespräch zwischen Abu Talib und Mohammad (S)  und sogleich schickte sie einen Boten und ließ bestellen: „Was mich an dir beeindruckt sind deine Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und deine begrüßenswerte Moral. Ich bin bereit dir das Doppelte von dem, was ich anderen zahle, zu geben und zwei meiner Leibeigenen als deine Begleiter zu schicken, damit sie dich bei allen Schritten befolgen.“ (Sirat Ibn Hischam, Bd. 1,S. 189; Al Kamil fi Tarich, Bd. 2, S. 24).

Als der Prophet  seinem Onkel Abu Talib von der Botschaft Chadidschas erzählte, sagte er: „Dieser Vorschlag dient Gott als Einleitung für dein zukünftiges Leben.“

Mohammad beschloss also den Auftrag anzunehmen. 

 

Die Karawanen der Qureisch waren auf die Reise nach Schaam vorbereitet. Unter ihnen  befand sich auch die Karawane mit der  Handelsware von Chadidscha.  Chadidscha hatte sie ihrem Stellvertreter anvertraut und ihm  ein reisetüchtiges Kamel zur Verfügung gestellt. Sie hatte ihren beiden Leibeigenen befohlen, genau auf Mohammad zu hören.

Nach einiger Zeit erreichte die Karawane Schaam und alle erzielten mit ihrer Ware einen Gewinn. Aber der Prophet verzeichnete den besten Handelserfolg. Außerdem erwarb er neue Waren für den Verkauf auf dem Bazar von Tihama am Roten Meer.  Auf dem  Rückweg nach Mekka kam der junge Mohammad zum zweiten Mal in seinem Leben an dem Landstrich vorbei, wo einmal die Völker Thamud und Aad gelebt hatten. Als Knabe hatte er schon einmal in Begleitung seines Onkels diese Wüstengebiete durchquert. Es herrschte eine tödliche Stille in dieser Gegend, wo ehemals diese beiden Völker, die nicht auf die Gesandten Gottes  gehört hatten, herrschten.  Der Aufenthalt in dieser Gegend stimmte den Propheten Mohammad nachdenklich.

 Maisara, der Sklave Chadidschas berichtete seiner Herrin ausführlich über seine Beobachtungen als Begleiter Mohammads und was er ihr erzählte, zeugte von dem Edelmut und dem hohen Geist Mohammad, des Zuverlässigen. So berichtete er auch über eine Meinungsverschiedenheit Amins mit einem Händler. Dieser hatte den Propheten aufgefordert: „Schwöre bei den (Götzen) Lat und Uzza, damit ich dir glaube.“ Aber Amin, sprich Mohammad, hatte ihm geantwortet: „Genau diese Lat und Uzza, die du verehrst,  sind für mich die elendsten und verhasstesten Dinge, die es gibt.“ Maisara erzählte Chadidscha auch, dass Mohammad Amin, sich gerade im Schatten eines Baumes ausruhte, als  ein Mönch von seiner Klause aus ihn erblickte,  Maisara nach seinem Namen fragte, und dann sagte: „Der Mann im Schatten dieses Baumes ist jener Prophet, über den ich in der Thora und dem Evangelium zahlreiche Verheißungen gelesen habe.“ (Quelle: Bihar ul Anwar, Bd. 16, S. 18.)

                                      

Mohammad

 

Chadidscha war begeistert von der Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit Mohammads (S) und bald darauf hegte sie den Wunsch seine Gemahlin zu werden. Mohammad nahm ihren Vorschlag an. Chadidscha war zu dem Zeitpunkt 40 Jahre alt und das Alter von Mohammad (S) betrug 25. Chadidschah    stellte Mohammad sein    gesamtes Vermögen zur Verfügung

und schenkte ihm ihre Leibeigenen. Mohammad ließ diese sofort frei. Dies war der erste Schritt, den er zur Bekämpfung gegen die Versklavung tat.   

Für Chadidscha (Friede sei ihr) bedeutete das gemeinsame Leben mit Mohammad (S) das Beschreiten eines neuen sinnvollen und wunderbaren Lebensweges. Je mehr Chadidscha mit der hohen Denkweise des Propheten vertraut wurde, desto mehr begriff sie, wie rein und großartig er ist. Ihre Anerkennung für ihn wuchs von Tag zu Tag.  In dem, was ihr Gemahl sagte und was er tat, kam für Chadidscha die Schönheit des idealen Menschen zum Ausdruck. Wenn sie Mohammad andächtig Gott zugewandt sah, verspürte sie große Dankbarkeit für diese Ehe.              

                                            

gegrüßest seist du, o Chadidscha Kubra 

 

 

Mohammad ging immer häufiger in die Berge und zog sich in die Höhle Hara zurück. Manchmal blieb er mehrere Tage lang dort. Dann brachten ihm Chadidscha und sein Cousin Ali etwas zu essen und zu trinken. Manchmal sprach Chadidscha dann davon dass sie und die Kinder ihn vermissen.  Ähnliches sagte auch der junge Ali, Sohn des Abu Talib, welcher unter der Obhut Mohammads aufwuchs. Mohammad antwortete ihnen: „Ja, das weiß ich alles und ihr kennt doch meine Liebe zu euch. Aber in diesen Tagen findet auf seltsame Weise nichts anderes Einlass in mein Herz als das Gedenken und die Liebe zu  dem Herrn der Welten.“   

                   

die Hara-Höhle bei Mekka

 

Und schließlich trat jene geheimnisvolle Nacht ein. Der Mond warf sein fahles Licht auf den Berg Nur und auf das Tal südlich von ihm. Mekka und die Natur in seiner Umgebung waren in tiefen Schlaf versunken. Eine eigenartige Stille herrschte überall, als seien diese Nacht,  die Erde und die Geschichte in Erwartung eines  großartigen Geschehens.   Mohammad (S) hatte die meisten der vorherigen Nächte durchwacht. Kein Laut war im Dunkel der Nacht hier in den Bergen zu hören. Diese Stille schien eine besondere Bedeutung zu haben.

Plötzlich sah Mohammad ein unbekanntes Licht am Himmel erstrahlen. Er spürte wie sein Körper und seine Seele zu beben begannen. Es war als hätte sich sein Geist unendlich geweitet und dann sah er ein prächtiges Wesen vor sich.  Dieses war herrlich anzusehen und voller Erhabenheit. Mohammad erblickte dieses Wesen am Himmel,  in welche Richtung er auch schaute. Es war der Offenbarungsengel Dschibril (Gabriel). Er kam näher und näher und drückte schließlich Mohammad an sich. Dann sagte er: „Mohammad, lies!“ Mohammad sah etwas Geschriebenes vor sich und hörte wieder die Aufforderung:  „Lies im Namen deines Gottes.“ Mohammad erwiderte jedoch mit zitternder  Stimme: „Wie soll ich es lesen, wo ich das  Lesen nicht erlernt habe?“ Doch der Engel sprach (die ersten fünf Verse der Sure 96):

„Im Namen Allahs,
des Allerbarmers, des Barmherzigen!

 Lies im Namen deines Herrn, Der erschaffen hat,

 den Menschen erschaffen hat aus einem Anhängsel.

 Lies, und dein Herr ist der Edelste,

 Der mit dem Schreibrohr gelehrt hat,

 den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.“

Da begann Mohammad, dessen Herz erfüllt war  mit der Liebe und dem Verlangen nach Gott, zusammen mit jenem himmlischen Wesen diese Worte zu lesen.

 

 

Verwirrt und beunruhigt kehrte Mohammad nach Hause zurück und erzählte Chadidscha alles. Chadidscha ging zu ihrem Cousin Waraqa ibn Naufal, der für seine Weisheit und sein Wissen bekannt war, um mit ihm über das wunderbare Erlebnis Mohammads und seine Begegnung mit dem  Engel Gabriel zu sprechen. Nach ihrem Gespräch mit Waraqa ibn Naufal war sie sicher, dass all dies wirklich passiert und dass Mohammad der Letzte Prophet Gottes ist.  Chadidscha empfand nun eine noch größere Freude darüber, dass sie Mohammad zu ihrem Gemahl gewählt hatte, und spürte, dass sie ihn unterstützen muss. Nach Hause zurückgekehrt sagte sie begeistert zu ihm:  „Friede sei dir o Gesandter Gottes.“

                                 xxx

Damit war also die Berufung des Propheten des Islams (S) am 27. des Monats Radschab 13 Jahre vor der Hidschra des Propheten erfolgt und dies war der Beginn einer gewaltigen Bewegung zur Befreiung der Menschen aus den Ketten der Götzenanbetung, des Unrechts und der Unwissenheit.  Die Berufung des Propheten (S) in Mekka war die Fortsetzung der vorherigen Sendung der Propheten Gottes, und diente dazu, dass  die Menschen den Weg der Weiterentwicklung gehen und sich auf das helle Licht des Ein-Gott-Glaubens, der Gerechtigkeit und der Erkenntnis zubewegen.  Chadidscha ist der erste Mensch, der sich zum Propheten des Islams bekannt hat.  

 

Sep 12, 2018 19:15 CET
Kommentar