Dec 31, 2019 12:22 CET
  • Teil 820: Sure Sad Vers (20- 25)

Liebe Freunde! Wir begrüßen Sie zu einem weiteren Teil unserer Kurzexegese. Heute erläutern wir die Verse 20 bis 25 der Sure 38, Sure Sad, und bringen als erstes den Vers 20 dieser Sure:

Er  lautet:

     

 وَشَدَدْنَا مُلْكَهُ وَآتَيْنَاهُ الْحِكْمَةَ وَفَصْلَ الْخِطَابِ                     

„Und Wir festigten seine Herrschaft und gaben ihm die Weisheit und (gerechtes) Entscheidungsvermögen“ (38: 20)

       

Wir haben schon im letzten Teil über Hadhrat-e Davud (David) gesprochen. Der Prophet Davud ist für seine große Gottergebenheit und seine Preis- und Bittgebete bekannt. Beim letzten Mal haben wir aus dem Koran erfahren,  dass Berge und Vögel in Sein Lobpreis für Gott mit einstimmten. Im obigen Vers 20 der Sure Sad heißt es nun, dass Gott diesem Propheten nicht nur - wie allen anderen Propheten - Weisheit verliehen hat, sondern ihn auch zum Regenten und zum Richter werden ließ. Davud zählt zu den Auserlesenen, die sowohl Prophet waren als auch Regent. Bereits daran sehen wir, dass Religion und Politik miteinander vereinbar sind und dass die Propheten nicht nur Überbringer der göttlichen Botschaft waren. Vielmehr haben sie immer, wenn es möglich war, die Umsetzung der göttlichen Gebote in der Gesellschaft übernommen. Sie sind nicht in der Gebetsstätte geblieben oder haben sich nur mit Mahnungen und gutem Rat begnügt, sondern wenn es erforderlich wurde, haben sie regiert, sind Befehlshaber geworden und haben als Richter gewirkt und  Urteile gefällt.

 

Wir möchten in Anlehnung an den obigen Vers folgende Punkte noch hervorheben:

Erstens: Eine Herrschaft muss auf Weisheit und Gerechtigkeit beruhen, damit sowohl die Rechte Gottes als auch die Rechte des Volkes beachtet werden.

Zweitens: Herrschaft und Macht sind dann religionsrechtlich legal, wenn sie in der Hand von rechtschaffenen Menschen und Gottesfreunden liegen. 

                                    

Es folgen die nächsten fünf Verse der Sure Sad, und zwar Vers 21 bis 25:

 

 

وَهَلْ أَتَاكَ نَبَأُ الْخَصْمِ إِذْ تَسَوَّرُوا الْمِحْرَابَ

„Ist zu dir die Kunde von den Streitenden gekommen? Als sie über die Mauern in die Andachtsräume einstiegen?“ (38: 21)

 

 إِذْ دَخَلُوا عَلَىٰ دَاوُودَ فَفَزِعَ مِنْهُمْ ۖ قَالُوا لَا تَخَفْ ۖ خَصْمَانِ بَغَىٰ بَعْضُنَا عَلَىٰ بَعْضٍ فَاحْكُم بَيْنَنَا بِالْحَقِّ وَلَا تُشْطِطْ وَاهْدِنَا إِلَىٰ سَوَاءِ الصِّرَاطِ

„Als sie (plötzlich) bei Davud eintraten. Da erschrak er vor ihnen. Sie sagten: `Fürchte dich nicht. (Wir sind) zwei Streitende, von denen der eine dem anderen ein Unrecht angetan hat. So urteile zwischen uns der Wahrheit entsprechend, handle nicht ungerecht und führe uns zum rechten Weg:`“ (38: 22)

 

إِنَّ هَـٰذَا أَخِي لَهُ تِسْعٌ وَتِسْعُونَ نَعْجَةً وَلِيَ نَعْجَةٌ وَاحِدَةٌ فَقَالَ أَكْفِلْنِيهَا وَعَزَّنِي فِي الْخِطَابِ

„`Dieser da ist mein Bruder und hat neunundneunzig weibliche Schafe, ich aber (nur) ein einziges Schaf. Da sagt er zu mir: ‚Überlasse es mir‘, und er hat mir durch sein Reden stark zugesetzt.`“ (38: 23)

 

قَالَ لَقَدْ ظَلَمَكَ بِسُؤَالِ نَعْجَتِكَ إِلَىٰ نِعَاجِهِ ۖ وَإِنَّ كَثِيرًا مِّنَ الْخُلَطَاءِ لَيَبْغِي بَعْضُهُمْ عَلَىٰ بَعْضٍ إِلَّا الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ وَقَلِيلٌ مَّا هُمْ ۗ وَظَنَّ دَاوُودُ أَنَّمَا فَتَنَّاهُ فَاسْتَغْفَرَ رَبَّهُ وَخَرَّ رَاكِعًا وَأَنَابَ

„Er (David) sagte: `Er hat dir zweifelsohne Unrecht getan, dass er dein Schaf zu seinen Schafen hinzu verlangt hat. Gewiss, viele von den Teilhabern begehen gegeneinander Übergriffe, außer denjenigen, die glauben und rechtschaffene Werke tun – und das sind nur wenige.“ Und Davud begriff, dass Wir ihn (mit diesem Ereignis) nur auf die Probe gestellt hatten. Da bat er seinen Herrn um Vergebung und fiel in Verbeugung nieder und wandte sich (Ihm) reuig zu.“ (38: 24)

 

فَغَفَرْنَا لَهُ ذَٰلِكَ ۖ وَإِنَّ لَهُ عِندَنَا لَزُلْفَىٰ وَحُسْنَ مَآبٍ

„Und so vergaben Wir ihm dies (dieses vorschnelle Urteil). Für ihn wird es fürwahr (den Zutritt in) Unsere Nähe und eine schöne Heimstatt geben.“ (38: 25)

 

Gemäß Vers 20 der Sure Sad, den wir am Anfang anführten, verlieh Gott dem Propheten Davud auch das Amt eines Richters. Die darauffolgenden fünf Verse handeln von folgendem Ereignis:

 Zwei Streitende waren zu Hadhrat-e Davud gekommen, damit er zwischen ihnen ein gerechtes Urteil fällt. Allerdings waren diese beiden Männer auf ungewöhnlichem Wege zu Davud (F) vorgedrungen. Sie wussten, dass Davuds Wächter niemanden hereinlassen, wenn er sich im Andachtsraum befindet. Also kletterten sie die  Mauer an der Rückseite des Gebetsraumes hoch.  Plötzlich standen sie daraufhin vor dem Propheten Gottes, der ins Gebet vertieft war. Davud erschrak und dachte, sie wollten einen Anschlag auf ihn verüben. Aber sie versicherten: „Hab keine Angst! Wir  beide haben einen Streit miteinander und möchten, dass du ein Urteil für uns fällst.“           

Das plötzliche Auftauchen der beiden Männer hatte Davud in Aufregung versetzt und so kam es, dass er, nachdem der Kläger seinen Vorwurf  vorgetragen hatte, voreilig, ohne sich den Angeklagten anzuhören, ein Urteil fällte und sagte, dass der Angeklagte im Unrecht sei und etwas verlange, was ihm nicht zustand.

Übrigens fällt auf, dass die beiden wieder weggingen, ohne dass der Angeklagte sich über das Urteil beschwerte.

Als  sie gegangen waren, wurde Davud im Nachhinein  bewusst, dass er nicht die Regeln eines gerechten Richters beachtet hatte und, bevor der Angeklagte zu Wort gekommen war, gegen ihn das Urteil gefällt hatte. Daher wandte Davud sich reuevoll an Gott.

Gott nahm seine Reue an.                            

Was können wir uns aufgrund dieser Stelle in der Sure Sad Lehrreiches merken?

 

Wir können uns Folgendes einprägen:

Erstens: Beide Seiten eines Streites müssen den Richter auffordern, dass er aufgrund der Gerechtigkeit sein Urteil fällt. Keiner von beiden darf auf den Richter eindringen, dass er zu seinen Gunsten urteilt.

Zweitens: Die Durchführung der Gerechtigkeit in der Gesellschaft führt zur Rechtleitung der Menschen auf den geraden Weg und hält sie von Über- und Untertreibung und falschen Verhalten ab.

Drittens: Der Mensch hat eine Veranlagung zur Gier. Er verlangt  nach mehr und wird es nicht satt, sich an dem Reichtum und den Genüssen des Lebens zu erfreuen. Daher gieren normalerweise reiche Leute danach, noch mehr Besitz anzuhäufen.

Viertens: Eine Gerichtsverhandlung erfordert eine ruhige Atmosphäre. Im Zustand der Erregung oder Besorgnis darf niemand richten, denn dieser Zustand führt zur Eile bei der Urteilsfällung und oftmals zum Bereuen eines Urteils.

Fünftens: Eine gesunde Wirtschaft wird dank des Glaubens und rechtschaffenen Handels möglich. Wenn die Mitglieder einer Gesellschaft nicht an Gott  glauben, kann es sein, dass sie gegenseitig ihre Rechte verletzten,  um  größere Vorteile für sich zu erzielen.

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