Jan 05, 2019 12:32 CET

Wir beginnen mit einem „Im Namen Gottes des Allbarmherzigen, des Gütigen“ und einem Segensgruss an den Propheten des Islams unsere nächsten Erläuterungen zu der Sure Sad, Sure 38, des Korans. Als erstes betrachten wir, was in dem Vers 29 dieser Sure steht:

(38: 29- 33)

 

كِتَابٌ أَنزَلْنَاهُ إِلَيْكَ مُبَارَكٌ لِّيَدَّبَّرُوا آيَاتِهِ وَلِيَتَذَكَّرَ أُولُو الْأَلْبَابِ

„(Dies ist) ein gesegnetes Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, damit sie über seine Zeichen nachsinnen und damit diejenigen bedenken, die Verstand besitzen.“ (38: 29)

Im letzten Teil haben wir gesagt, dass sowohl die Schöpfungsordnung als auch das Lohn/Strafe-System auf Recht und Gerechtigkeit beruhen, so dass Gott die Schlechten und die Guten nicht als gleich betrachtet. Nun heißt es in dem Vers 29 über den Koran, dass er ein gesegnetes Buch ist. Der Koran ist ein Buch, das Gott herabgesandt hat, um die Zielsetzung der Schöpfung darzulegen und damit alle Menschen geistig und spirituell sich entfalten und vervollkommnen. Natürlich werden diejenigen, die über den Inhalt nachsinnen und sich auf den Verstand stützen, den weisen Sinn der göttlichen Gebote erkennen und den Lebensweg finden, der ihnen Glück und Seligkeit beschert. Menschen, die Gott vergessen haben und nicht an ihrem Seelenheil arbeiten, sind in Wahrheit spirituell tot, nur ihr Körper lebt.

 

Wir können zu dieser Stelle im Koran sagen:

Erstens: Der Koran wurde herabgesandt, damit wir über die himmlischen Verse nachdenken. Natürlich bringt bereits die Rezitation des Korans Segen ins Leben der Menschen.

Zweitens: Während einige meinen, die Offenbarung wäre nicht mit der menschlichen Vernunft vereinbar, trifft das Gegenteil zu: Im Koran steht nichts, was der Vernunft widersprechen würde. In Wahrheit wurde die Offenbarung herabgesandt, damit die Vernunft der Menschen sich entfaltet, und nicht damit das vernünftige Denken eingestellt oder bekämpft wird.

Drittens: Diejenigen die Verstand besitzen, können durch Nachsinnen über den Inhalt des Korans zur Erkenntnis über die Gebote und die verborgene Weisheit im Koran gelangen.

                        

Es folgen gleich vier Verse aus der Sure Sad. Es sind die Verse 30  bis 33:

 

وَوَهَبْنَا لِدَاوُودَ سُلَيْمَانَ ۚ نِعْمَ الْعَبْدُ ۖ إِنَّهُ أَوَّابٌ

„Und Wir schenkten Davud Sulaiman. Welch ein trefflicher Diener!“ Er war immer (Gott) zugewandt.“ (38: 30)

 

إِذْ عُرِضَ عَلَيْهِ بِالْعَشِيِّ الصَّافِنَاتُ الْجِيَادُ

„(Gedenke:) Als ihm am Abend die edlen, schnellen Pferde vorgeführt wurden,“ (38: 31)

 

 فَقَالَ إِنِّي أَحْبَبْتُ حُبَّ الْخَيْرِ عَن ذِكْرِ رَبِّي حَتَّىٰ تَوَارَتْ بِالْحِجَابِ

„da sagte er: `Ich liebe diese Pferde wegen meines Herrn (und er schaute ihnen nach), bis sie (seinen Blicken) entschwanden.`“ (38: 32)

 

رُدُّوهَا عَلَيَّ ۖ فَطَفِقَ مَسْحًا بِالسُّوقِ وَالْأَعْنَاقِ

„(Er befahl:)`Bringt sie mir wieder her.`Da begann er, ihnen die Beine und den Hals zu streicheln.“ (38: 33)

                                 

Zunächst gibt Gott bekannt, dass Davud einen Sohn namens Sulaiman (Salomo) hatte. Dieser Sohn war wie Davud selber ein rechtschaffener Diener seines Herrn und immer Gott zugewandt. Sulaiman besaß einen mächtigen Staat. Darauf deutet unter anderem in diesem Vers die Vorführung vieler schneller Kampfrosse in seinem Heer hin.  Aber Sulaiman wurde nicht stolz und hochmütig, als ihm die vielen Pferde vorgeführt wurden und bildete sich nicht ein, dass er von sich aus Macht besitzt, sondern er sagte zu den anderen, dass er diese Pferde wegen Gott liebt, und zwar halfen sie ihm,  die Sicherheit im Land zu gewährleisten und Angriffe von Feinden abzuwehren und den Dschihad gegen sie zu führen.

Sulaiman schaute der langen Parade der Rosse zu,  bis sie sich seinen Bicken entzog. Da sagte er , man solle sie noch einmal bringen. Und diesmal ging er zu den Tieren und streichelte sie. Dies war eine Geste der Liebe und Dankbarkeit. Sie wird heute noch von  Besitzern eines Pferdes und Reitern gepflegt, wenn sie nach dem Absteigen das Tier streicheln.                        

Leider ist diese Stelle im Koran aufgrund einiger Falschaussagen auch auf andere Weise interpretiert und übersetzt worden und im Zusammenhang mit dieser Begebenheit hat man dem Propheten Salomo Schlechtes nachgesagt.  In einigen Quellen heißt es, dass Sulaimon angeblich so sehr von der Pferdeparade fasziniert war, dass die Sonne unterging und er das Nachmittagsgebet versäumte. Gott habe daraufhin gewollt, dass die Sonne zurückkehrt, damit er dieses Gebet noch rechtzeitig verichtet. Es ist nicht akzeptabel, dass der Prophet Sulaimon wegen der Abnahme einer Militärparade sein Pflichtgebet vergisst bis die Sonne untergeht. Es ist ganz klar, dass solche Behauptungen nicht stimmen. Selbst ein normaler Gläubige  darf sich nicht so verhalten, und erst recht nicht Sulaimon, der  Auserwählte Gottes und rechtschaffene Gottesdiener.  Sulaimon ist ein Prophet, den Gott in dem Vers 30 der Sure 38 ausdrücklich einen vortrefflichen Diener, der immer Gott zugewandt war, nennt. Daher widersprechen oben angeführte Behauptungen dem Koraninhalt und die von diesen Behauptungen ausgehenden Falschinterpretationen der darauffolgenden Verse passen nicht  zum Vers 30.

             

Es gibt drei Dinge, die wir in diesem Zusammenhang noch anmerken möchten:

Erstens:  Der höchste Rang eines Menschen ist der Rang eines Gottesdieners: eines Menschen,  der sich stets an Gott wendet. Wir sehen ja, dass im Koran immer wieder das Wort „abd“ – „Diener“ für die Propheten verwendet wird.

Zweitens: Es gehört zu den Aufgaben eines Herrschers, dass sie sich um die Wächter der Sicherheit kümmern. Zeremonien wie die Abnahme einer Militärparade sind daher richtig und wichtig. Die  Regenten der Gesellschaft müssen sich über die Fähigkeiten und Ausrüstung ihrer  Streitkräfte ein Bild machen können und außerdem  den Feinden die Macht ihres Volkes demonstrieren.

Drittens:  Macht und Herrschaft dienen nicht den Übergriffen und der Hegemonie, wenn sie  in der Hand von Gottesmännern und rechtschaffenen Menschen liegen. Denn diese Menschen wollen diese Macht nur besitzen, um den Weg Gottes zu befolgen und Ihm zu dienen.

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