Jan 01, 2019 14:50 Europe/Berlin
  • Über Leben und Wirken von Ajatollah Schahrudi  

Ajatollah Seyyed Mahmud Haschemi Schahrudi gehört zu den revolutionären Kämpfern und ist eine wissenschaftliche und politische Persönlichkeit der Islamischen Republik Iran. Er starb am 31. Dezember, dem 23. Rabi ul Thani nach einer längeren Krankheit. Dieser Sonderbeitrag wirft einen Blick auf seine Biografie.


 

Mit dem Ableben von Ajatollah Haschemi Schahrudi hat die Islamische Republik Iran eine bedeutende revolutionäre, wissenschaftliche und politische Persönlichkeit verloren.  Er besaß viele Fähigkeiten und seine letzte Verantwortung bestand in der Leitung des Landesinteressenrates.

Ajatollah Seyyed Mahmud Haschemi Schahrudi

 

 

Ajatollah Seyyed Mahmud Haschemi Schahrudi ist 1948 im irakischen Karbala in einer religiösen Familie iranischer Herkunft auf die Welt gekommen und ein Nachkomme von Imam Husain (Friede sei ihm). Sein Großvater war ein Schuster gewesen. Er war aus Iran nach Karbala umgesiedelt, um dort in der Nähe der Heiligen Ruhestätte Imam Husains (F) seinem Handwerk nachzugehen. Auch sein Sohn, Seyyed Ali, der Vater von Mahmud, übte denselben Beruf aus. Einige Zeit später verdiente sich Seyyed Ali nicht nur sein Brot als Schuster, sondern er besuchte auch das Theologische Lehrzentrum und wurde  der erste Sekretär des Theologischen Lehrzentrums von Nadschaf. Er hat die Vorlesungen über das Islamische Recht und die Islamischen Glaubensgrundlagen von Ajatollah Chui, einem der großen schiitischen Vorbilder der Nachahmung in Form von zwei Büchern schriftlich festgehalten. Seyyed Ali hat nicht einen Tag an den Seminaren gefehlt  und alle Standpunkte Ajatollah Chuis niedergeschrieben, bis er schon mit vierzig Jahren starb. Seyyed Mahmud war erst acht Jahre alt, als er seinen Vater verlor. Er wählte den gleichen Weg wie sein Vater und nahm eine Ausbildung in Islamwissenschaften auf. Angesichts seiner hohen Intelligenz konnte er bereits mit 20 Jahren an den Seminaren großer Vorbilder der religionsrechtlichen Nachahmung wie Imam Chomeini (Gott habe ihn selig) und Ajatollah Chui (Gott habe auch ihn selig) in Nadschaf teilnehmen. Ajatollah Haschemi Schahrudi war einer der herausragenden Schüler des großen Gelehrten und fortschrittlichen schiitischen Denkers  Ajatollah Schahid Seyyed Mohammad Baqir Sadr.  Ajatollah Seyyed Mohammad Baqir Sadr hat über seinen jungen Schüler Seyyed Mahmud Schahrudi gesagt: „Er gehört zu den Mudschtaheddin – den zur eigenständigen Rechtsfindung befugten Gelehrten -, auf die der Islam und die Muslime hoffen. Ich bitte Gott, den Allmächtigen, ihn, der eine Schatzkammer für die Scharia und den Islam ist, zu beschützen.“  

                          


Ajatollah Haschemi Schahrudi (dritter von rechts) und Ajatollah Mohammad Baqir Sadr (erster von rechts) 

 

 

Der junge Schüler des Ajatollah Sadr, wurde allmählich sein bekanntester. Für Ajatollah Haschemi Schahrudi war Ajatollah Sadr wie ein Vater. Darüber sagt Ajatollah Haschemi Schahrudi, ohne sich selber namentlich zu erwähnen: „Die Schüler Ajatollah Sadrs spürten, dass dieser ihnen näher ist  als der Vater und mehr Wirkung auf ihr Leben hat und mehr Verantwortung für sie verspürt.“

Aber das Saddam-Regime in Irak  betrachtete Seyyed Mohammad Baqir Sadr als seinen Erzfeind und ließ ihn und seine Schüler verfolgen.  Seine Sicherheitsbeamten stürmten das Theologische Lehrzentrum in Nadschaf  und nahmen Ajatollah Sadr und ebenso Seyyed Mahmud Haschemi Schahrudi fest. 40 Tage lang wurde Seyyed Schahrudi eingesperrt und musste schwere Folter ertragen, wovon noch Spuren auf seinen Händen verblieben sind.  Seyyed Mahmud kehrte nach der Freilassung wieder in den Lehrkreis seines Meisters zurück. Er blieb sein Schüler.  In dieser Zeit wurde er in Vertretung von Ajatollah Sadr zur Konferenz für Islamisches Bankwesen in Dschiddah geschickt. Dort zogen seine Darlegungen in Fragen der Wirtschaft die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen von Saudi Arabien und der Vertreter anderer muslimischer Staaten auf sich. Unterdessen hatten die Kämpfe des iranischen Volkes unter Anführung von Imam  Chomeini (Gott habe ihn selig) gegen die Diktatur von Mohammad weiter Aufschwung erfahren. Imam Chomeini, der jahrelang im Exil in Nadschaf gelebt hatte, war gezwungen diese Stadt zu verlassen und war schließlich nach Paris gegangen. Schahid Seyyed Mohammad Baqir Sadr  schickte einen Brief an Imam Chomeini (r.h) in Paris und erklärte seine Unterstützung für die Kämpfe des Imams und der iranischen Nation gegen das unterdrückerische Schah-Regime.  Nach dem Sieg der Islamischen Revolution  hat Seyyed Mahmud zusammen mit den Anhängern und Schülern von Ajatollah Sadr vor der Chadhra-Moschee in Nadschaf einen Fußmarsch zur Unterstützung der Bewegung von Imam Chomeini in die Wege geleitet. Die  Sicherheitskräfte des Saddam-Regimes  erfuhren über den Anlass  dieser Kundgebung und drohten Ajatollah Sadr  telefonisch, dass sie Seyyed Mahmud Schahrudi verhaften werden. Haschemi Schahrudi verließ Nadschaf in Richtung Kuwait und traf im März 1979 in Iran ein.  Er kannte den Hass des Saddam-Regimes auf Ajatollah Sadr und wusste, dass sie ihn nicht in Ruhe lassen werden. Doch trotz aller seiner Bemühungen gelang es ihm nicht seinen Lehrmeister über die Grenze von Irak in Sicherheit  zu bringen. 

Ajatollah Seyyed Mohammad Baqir  Sadr in der Mitte, Ajatollah Haschemi Schahrudi (zweiter von links) 

 

Auch wenn es Ajatollah Schahrudi nicht gelang, Seyyed Mohammad Baqir Sadr in den Iran zu bringen, so blieb er mit ihm telefonisch in Verbindung und bevor Saddam den Krieg gegen Iran vom Zaun brach, konnte Schahrudi über seine Verwandten Briefe mit Ajatollah Sadr wechseln. Er besaß die uneingeschränkte Vollmacht Ajatollah Sadr als dessen Vertreter im Iran. Und nicht nur das: Er war auch der Verbindungskanal zwischen dem Revolutionsführer Imam Chomeini und den Ajatollahs in Nadschaf und ganz besonders Ajatollah Sadr. 

 

Ajatollah Haschemi Schahrudi war ungefähr 30 Jahre alt, als er nach Iran kam. Er besuchte die Vorlesungen von großen Gelehrten wie Imam Chomeini (r.h.) und erreichte bald den hohen Grad eines Mudschtahids – das heißt er war zur eigenständigen Rechtsfindung befugt. Imam Chomeini, der Vater der Islamischen Revolution im Iran empfahl Schahrudi, der bei seiner Ankunft im Iran den Grad eines Gelehrten für dars- ul charidsch besaß : „Stellen Sie das Lehren an der Theologischen Hochschule in Qum allem anderen voran und widmen Sie sich der Untersuchung von religionsrechtlichen Fragen insbesondere in Verbindung mit der Wiederbelebung des Religionsrechtes für das Regieren auf der Basis der Beweise und korrekten Rückschlüsse der traditionellen Jurisprudenz.“

Bevor er die Leitung der Judikative übernahm, hat Ajatollah Schahrudi in Qum Schüler ausgebildet und danach hat er auch Theologieseminare in Teheran geleitet.  

Doch Ajatollah Schahrudi war neben seiner Lehrtätigkeit auch politisch aktiv und hat die Bekämpfung des Saddam-Regimes fortgesetzt. Nach seinem  Eintreffen im Iran  hat er zusammen mit einigen irakischen Kämpfern und Iranern, die aus dem Irak vertrieben worden waren, das Hohe Gremium der islamischen Revolution im Irak gebildet.  Er hat dieses Gremium im Anfangsstadium für drei Monate geleitet und war danach 30 Monate lang der Sprecher dieser schiitischen Oppositionsgruppe der Saddam-Diktatur.  Seine Mitgliedschaft in dem Hohen Gremium löste eine Reaktion des Saddam-Regimes in Irak aus. Dieses Regime nahm seine drei Brüder Hadi, Mustafa und Muhsein  fest und brachte sie später um.

                    

Die Brüder von Ajatollah Haschemi Schahrudi die das Saddam-Regime ermordet hat 

 

Ajatollah Schahrudi war bis 1980 zusammen mit den anderen Gegnern des Saddam-Hussein-Regimes aktiv. Er konnte nicht gleichgültig gegenüber dem Märtyrertod seines Lehrmeisters Ajatollah Seyyed Mohammad Baqir Sadr bleiben.  Mit der Zeit konzentrierte er seine Tätigkeiten aber mehr und mehr auf Fragen der Religionsrechtswissenschaften und übernahm 1991 die Leitung eines Institutes für die Anfertigung einer Enzyklopädie für  Islamische Jurisprudenz  aufgrund der Rechtsschule der Ahl-e Bait (dem Prophetenhaus). Revolutionsführer Ajatollah Khamenei betraute ihn  in seinem Dekret vom 22. Januar 1991 angesichts seiner hohen Kenntnisse auf dem Gebiet des Fiqh- Wissenschaften mit diesem Amt.  Außerdem ist Ajatollah Schahrudi im Januar 1995 aufgrund eines Dekrets des Revolutionsführers zum Mitglied der Rechtsgelehrten im  Verfassungs-Wächterrat ernannt worden. Am 23. Juli 1999 wurde er von Ajatollah Khamenei zum Chef der Judikative gewählt. Für zehn Jahre bekleidete er dieses Amt.  Ajatollah Haschemi Schahrudi war außerdem Mitglied des Expertenrates und Leiter des Landesinteressenrates. Die Mehrheit der Persönlichkeiten und politischen Gruppen im Iran sah in ihm eine Persönlichkeit, die  auf ausgewogene und rationale  Weise Standpunkte in der Politik bezieht und außerdem hervorragend in den Islamischen Wissenschaften bewandert ist. Diese Merkmale von Ajatollah Schahrudi haben ihm eine besondere Stellung unter den Politikern und Religionsgelehrten verliehen. Wir kondolieren anlässlich des Verscheidens dieses einsatzbereiten Gelehrten und Gottesmannes und würdigen ihn.

 

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