Asghar Farhadi, der iranische Filmegisseur wurde bei der Oscarpreisverleihung 2017 mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet. Die Verleihung dieses Preises hat im Iran und auf der Welt positiven Widerhall gefunden.

Der Film Furuschandeh (Salesman) auf dem Londoner Trafalgar Square 

 

Die in Spanien erscheinende Zeitschrift Al Paiz schrieb vor der Oscarverleihung, wenn der Film The Salesman (Furuschandeh)  den Oscar gewinnen sollte, werde es eine heftige Ohrfeige für Trump sein und es wäre nicht verwunderlich, wenn das passiert. Denn  der Film habe bereits viele internationale Preise für sich bestimmt.  

Farhadi hatte bereits vorige Woche angekündigt, dass der Oscar für diesen Film, einem Volk gehören wird, das sich für die Stärkung der Einheit und Verständigung einsetzt.  Noch bevor die Preisverleihung stattfand, hat nicht nur der iranische Film  sondern auch die iranische Kulturdiplomatie  einen Sieg gegen die Rassendiskriminierung und das respektlose Verhalten der Regierung, die in den USA herrscht, davongetragen.

Asghar Farhadi hat aus Protest gegen das Einreiseverbot Trumps für Staatsangehörige aus sieben Ländern, darunter Iran, die Teilnahme an der Oscarverleihung 2017 boykottiert. Er kündigte an, auch wenn bei ihm eine Ausnahme gemacht werden sollte,  würde er nicht kommen.  Farhadi ernannte Firouz Naderi, einen  iranischen Wissenschaftler in leitender Position bei der Nasa und Anousheh Ansari , die erste Weltraumtouristin zu seinen Vertretern bei der Oscarverleihung für seinen Film "The Salesman". 

Anousheh Ansari und Firouz Naderi 

 

Frau Ansari verlas, als sie auf der Bühne stand um den Preis von Fahradi in Empfang zu nehmen, eine Botschaft des iranischen Regisseurs, in der er Kritik an der radikalen Einwanderer-Politik des US-Präsidenten   übte. Farhadi erklärte in dieser Botschaft, dass sein Fehlen bei der Oscarverleihung dazu dienen sollen, den Menschen in seinem Lande und allen, denen respektlos die  Einreise in die USA  verboten worden ist,  Achtung zu erweisen. 

 

 

Farhadi bezeichnete es als Ehre, dass ihm zum zweiten Mal der Oscar verliehen wurde, aber er fügte hinzu: "Die Aufteilung der Welt in `Wir und unsere Feinde` seitens radikaler Politiker, ruft Angst hervor und zwar Angst für die verlogene Rechtfertigung von Gewalt und Krieg." Farhadi unterstrich, dass die Filmemacher mit ihrer Kunst  die Klischeevorstellungen  von den Völkern und Religionen besiegen  und die Grundlage für Mitgefühl und Solidarität unter den Menschen auf der Welt schaffen können. 

Auf dieser Weise hat dieser iranische Filmregisseur  und die Präsenz Irans auf der diesjährigen Oscarverleihung neben dem Erfolg in der Kinowelt  auch einen Protestruf gegen  die feindseligen Schritte der US-Administrationen an die Weltbevölkerung richten können.  Asghar Farhadi nutzte die Tribüne der Oscarverleihung um zu zeigen, dass er nicht  nur die Mittel der Filmkunst beherrscht, sondern auch  die Sensibilität der Lage  der Völkergemeinschaft und die Notwendigkeit der Solidarität mit der Weltbevölkerung verspürt.  

 

Boschaft von Asghar Farhadi an die OScar-Verleihung 

 

Der Film "The Salesman" konkurrierte mit 9 Filmen aus anderen Ländern um den Oscar. Iran und 9  weitere Länder waren von 85 ausländischen Filmen in die engere Auswahl gelangt.  Auf dieser Liste standen Filme aus Australien, Kanada, Dänemark,Deutschland, Norwegen, Russland, Schweden und der Schweiz.  Im Mai 2016 wurde der iranische Film von Farhadi auf den internationalen Filmfestspielen in Cannes für den besten Hauptdarsteller preisgekrönt  und außerdem erhielt er vom Münchener Festival den Preis für den besten Film. Bei den Amsterdam Filmfestspielen wurde er von den Zuschauern als bester Film bewertet und im vergangenen Monat erhielt er den silbernen Hugo beim 52. Filmwettbewerb von Chicago.

 

Asghar Farhadi wurde bereits 2012 mit einem Oscar ausgezeichnet und zwar für den Film "Nader und Simin - eine Trennung"  Für diesen Film erhielt er den Goldenen Bären der Berlinale und für den  Film "Alles über  Elli" den Silbernen Bären. Das Drehbuch zu  "The Salesman" (Furuschandeh)   wurde in Anlehnung  an das Theaterstück "Tod eines Handlungsreisenden , von Arthur Miller geschrieben. Es  handelt von dem Leben eines Ehepaars , welches nach einem unangenehmen Ereignis für die Frau, in eine Krise gerät.  

Der Film "The Salesman" wurde einen Tag  vor der Oscar-Zeremonie unentgeltlich auf dem Trafalgar-Square von London gezeigt. Es waren ungefähr 10 Tausend Zuschauer am Nachmittag des 26. Februar gekommen, um sich diesen Film anzuschauen.  Der Bürgermeister von London hatte dazu eingeladen und die Vorführung des Filmes von Asghar Farhadi   als eine Ehre bezeichnet. 

 

 

Wir möchten aber auch noch aus einem anderen Blickwinkel  die diesjährige Oscarverleihung betrachten. Der erste dunkelhäutige Oscargewinner in der Sparte: Schauspielkunst" ist Sidney Poitier gewesen. Er gewann 1964 diese goldene Trophäe.  Aber bei vielen der  bisherigen Oscar-Verleihungen  ist die Rassendiskriminierung im US-Kino von den  Afro-Amerikanern  beklagt worden und diese Proteste überschatteten diese berühmte Preisverleihung.  Bei der Bekanntgabe der Kandidaten für den Oscar 2016 wurde kein einziger Schwarzer genannt.  Die Benachteiligten taten sich zu einer Protestbewegung zusammen und es entstand die Kampagne  OscarsSoWhite, Síe wurde von  dem Baptistenpastor und Bürgerrechtsaktivisten Al Sharpton angeführt und organisierte eine Versammlung aus Protest gegen  den Rassismus in Hollywood und bei der  Oscar-Akademie. Nach diesen Protesten  versuchte diese Akademie vorläufig zu beschwichtigen.  Als am 24. Januar die Oscar-Kandidaten  für 2017 bekannt gegeben wurden, triumphierte  die Kampagne OscarsSoWhite. 

 

Dieses Jahr hat  die AMPAS - Academy of Motion Picture Arts and Sciences - ,welche den Oscar verleiht, die  Zahl der Afro-Amerikaner  und Angehörigen einer Rassenminderheit unter ihren Mitgliedern erhöht und drei Filme mit Dunkelhäutigen in der  Hauptrolle  zum Oscar-Kandidaten für den besten  Film gewählt, nämlich die Filme "Moonlight", " Hidden Figures" (deutscher Titel: Unbekannte Heldinnen) und "Fences "(Zäune).  Außerdem  konnten 5 Dunkelhäutige unter die 20  Kandidaten für den besten Darsteller gelangen und der Afro-Amerikaner  Barry Jenkins  durfte unter die  Kandidaten für die beste Regie und ebenso für das beste Regiebuch. 

Die diesjährige  Zahl der dunkelhäutigen Kandidaten in den Hauptsparten der Oscar-Verleihung hat es vormals nur 2006 gegeben und wenn man die Abteilungen für Dokumentationen und Kameraführung noch hinzuzählt, liegt die Zahl noch höher als bei der 79. Oscarverleihung.  Dies zeugt davon, dass die Kampagne vorigen Jahres gegen die Rassendiskriminierung bei der Preisverleihung etwas genützt hat. Aber ist damit jegliche Diskriminierung in Hollywood zu Ende?

                               

Entertainment Weekly hat in ihrer Sonderausgabe zur 89. Oscarverleihung  eine interessante Statistik  vorgelegt. Gemäß dieser Statistik sind  12,6 Prozent der US-Bevölkerung Afro-Amerikaner, aber sie bilden nur 9,3 Prozent aller Kandidaten in den 4 Sparten für Schauspielkunst und die Gewinner von ihnen in diesen vier Abteilungen machen im Vergleich zur Gesamtzahl der Gewinner nur 4,4 Prozent aus. 

Für die anderen  Minderheiten sieht es aber noch schlechter aus. Minderheiten aus Lateinamerika  (Latinos) bilden 3,16 Prozent der US-Gesellschaft, aber machen nur 3,1 Prozent der Kandidaten für die Schauspielkunst aus und ihr Anteil an der Gesamtzahl der Oscar-Gewinner beträgt lediglich 2,1 Prozent.  Die Zeitung Los Angeles Times schrieb:   Die Rassenvielfalt ist unter den Wählern der Gewinner viel geringer als unter  den Zuschauern der Zeremonie zur Oscarverleihung. 94 Prozent derjenigen, die  die Oscar-Gewinner auswählen sind Weiße, von den restlichen 6 Prozent sind 2 Prozent Afro-Amerikaner.  

Rassendiskriminierung bei den Oscars 

 

Der amerikanische  Schauspieler und Drehbuchautor Matt Damon  hat vor kurzem in einem Interview noch mehr Initiativen von Hollywood gefordert.  Er sagte:  "Wir müssen uns bewusst sein, dass  die Ungerechtigkeit gegenüber den verschiedenen Rassenminderheiten und Frauen in den USA erheblich ist und sich keineswegs nur auf die Bevorzugung von weißhäutigen Oscar-Kandidaten beschränkt.  Die Benachteiligung von Minderheiten  ist fest in der Hollywood-Industrie verankert oder besser gesagt, in unserem ganzen Land."

LZ Granderson , Sachverständiger für Gesellschaftsprobleme, ist der Überzeugung dass die Beseitigung des Rassismus in den USA  nicht mehr ist als eine Behauptung. Wenn wir die Realität in der heutigen US-Gesellschaft betrachten, sehen wir in der Tat , dass überall noch starke Spuren des Rassismus zu sehen sind. Granderson sagte im Gespräch mit CNN:  "Das Erbe der Rassendiskriminierung und der negativen Einstellung zu Farbigen ist in der US-Gesellschaft bestehen geblieben."

Abgesehen von der Rassendiskriminierung in der US-Gesellschaft  sollte noch erwähnt werden, dass Hollywood auch andere Nationen, Religionen und Völker herabsetzt und Gewalt verbreitet.  Seit Jahren begegnen die Bürger der muslimischen und asiatischen und anderer Ländern in den Hollywood-Filmen auf radikalste Weise einer Benachteiligung und Herabsetzung. Aber was ist nun passiert, dass auf der Oscar-Verleihung  Hollywood seinen eigenen Präsidenten wegen seiner diskriminierenden Äußerungen kritisiert? Wer kann diese Frage beantworten? 

 

 

Mar 04, 2017 09:19 Europe/Berlin
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