Der 12. August wird als Tag des Kaspischen Meeres begangen. Aus diesem Anlass haben wir einen Sonderbeitrag vorbereitet, der sich vor allen Dingen mit den Umweltproblemen dieses geschlossenen Meeres befasst.

Der 12. August gilt als Tag, an dem ein Wendepunkt in der Geschichte der Kooperationen im Bereich des Umweltschutzes des Kaspischen Meeres eintrat. 2003 unterzeichneten die 5 Anrainerländer dieses großen Binnenmeeres nämlich  die Regionale Konvention  für den Umweltschutz des Kaspischen Meeres,  die als Konvention von Teheran  bekannt wurde.  Die Durchführung dieser Konvention gilt ab dem 12. August 2006 als Pflicht. Alle unterzeichnenden Länder haben die Unterzeichnung der Teheraner Konvention  als ein wichtiges Ereignis für den Umweltschutz gefeiert und begehen den 12. August  als Tag des  Kaspischen Meeres ernannt. 

Kaspisches Meer

 

Das Kaspische Meer, welches im Iran Daryay-e Chazar genannt wird, ist das größte Binnengewässer der Welt. Im Süden grenzt es an die Islamische Republik Iran und im Norden an Russland, während seine Küsten im Westen ebenfalls in Russland aber auch in der  Republik Aserbaidschan liegen und seine Ufer im Osten  zu der Republik Turkmenien und der Republik Kasachstan gehören.  Das Kaspische Meer wird manchmal  als größter See der Welt und manchmal als kleinstes unabhängiges Meer der Erde eingestuft. Seine Fläche beträgt circa 317 Tausend   Quadratkilometer und es liegt tiefer als der Meeresspiegel der offenen Meere. Fast 130 Flüsse ergießen sich in dieses Gewässer. Zu den größten von ihnen zählt die Wolga in Russland und im Iran sind es die Flüsse Sepidrud, Pilurud und Haraz. 

Wirtschaftlich gesehen ist das Kaspische Meer vor allen Dingen wegen seiner Öl- und Gasressourcen von Bedeutung. 1923 wurde zum ersten Mal in Baku in der Republik Aserbaidschan Erdöl entdeckt.  Die bislang nachgewiesenen Ölspeicher in diesem Meer umfassen 32 Milliarden Barrel: Das sind ungefähr 4 Prozent der gesamten Erdölressourcen im Nahen Osten.  Die  Gesamtmenge der  Erdölvorräte in diesem Meer werden auf ungefähr  163 Milliarden Barrel geschätzt.

  Eine weitere Besonderheit des Kaspischen Meeres ist sein geschlossener Naturraum , den es zu einem Lebensraum für besondere Tiere und Pflanzen macht.  Hier sind 575 verschiedene Pflanzenarten und 1332 Tierarten beheimatet. Es leben 850 verschiedene Fischarten in diesem Meer und es herrschen die  besten Lebensbedingungen für weltweit beliebte Fischarten wie die Störe, welche den Kaviar liefern. 90 Prozent der Störarten  leben im Kaspischen Meer.  Hier ist auch die Heimat eines  selten gewordenen Meeressäugetieres: die Kaspische Robbe. 

Bohrinsel im Kaspischen Meer

Durch seine geschlossene Natur ist das Kaspische Meer jedoch schnell Opfer von   Verschmutzungen durch landwirtschaftliche und industrielle Tätigkeit an den Küsten und  Erdöl geworden. Die Kontamination des Kaspischen Meeres ist zu einer großen Gefahr angewachsen.  Das Binnenmeer wird entlang der Küstenlinie von insgesamt circa 5800 km  und besonders an den  Flussmündungen  durch Industrieabwässer und Pestizide und Öl verschmutzt. Aber auch die Handelsschiffe, die über dieses Meer verkehren, verursachen   zunehmend Verschmutzungen.  Die Verschmutzungen seitens der Anrainerländer insbesondere durch Explorations- und Förderungsaktivitäten  im Bereich Erdöl verursachen jährlich eine Kontamination im Umfang von 122 Tausend 350 Tonnen und gefährden die verschiedenen Tierarten in diesem Gewässer.

Die Tausenden von Tonnen Öl verschmutzen  die Küsten und führen zum Tod von Lebewesen, darunter von Fischen.  Die Haut der Lebewesen im Wasser nimmt das Öl auf. Ein anderer Teil lagert sich am Meeresboden ab und teilweise bildet das Öl auch eine dünne Schicht auf dem Meereswasser und verhindert das Eindringen von Sonnenlicht.  Gemäß Untersuchungen verschmutzt die Republik Aserbeidschan mit der Förderung von circa 1 Million Barrel Öl täglich am meisten das Meer. Die kontaminierenden Stoffe stammen zum Beispiel aus großen Ölfeldern wie Azari-Chirag-Gunashli , und  von den Ölraffinerien und Petrochemiewerken  in Baku. Außerdem werden  die  Abwässer  der Hauptstadt der Republik Aserbaidschan , zum großen Teil  in das Kaspische Meer entsorgt und haben vermischt mit der Ölverschmutzung eine der hartnäckigsten Formen der Kontamination an den Küsten dieser  Region hervorgerufen. 

Ölverschmutzung des Kaspischen Meers 

 

Von der Kontamination des Kaspischen Meeres durch Russland liegen keine näheren  Angaben vor. Dennoch trägt dieses Land auch eine gewisse Verantwortung in dieser Beziehung. Eines steht fest:  Ein weiterer Grund für die zunehmende Verschmutzung des Kaspischen Meeres ist  der Schiffsverkehr über die Wolga.  Neben den üblichen Verschmutzungen, die die anderen Anrainerstaaten verursachen, gelangen  über den beschiffbaren Wolga-Don-Kanal, der 101 km lang ist und das Schwarze Meer mit dem Kaspischen Meer verbindet , die Verschmutzungen aus den offenen Gewässern  in dieses geschlossene Meer und bedrohen das Leben in ihm.  Diese Schiffe lassen nicht nur Brennstoffreste sondern auch Millionen Liter Wasser aus ihren Ballasttanks in das Binnengewässer ab. Das Wasser in den Tanks stammt aus den freien Meeren und es können sich darin  aggressive Tierarten befinden, worauf wir gleich noch zurückkommen.  

 Alle genannten Faktoren haben jedenfalls dazu beigetragen dass bislang die Bemühungen um eine Säuberung des Kaspischen Meeres  erfolglos verliefen.

                             

Zu den aggressiven Arten, die die Fauna  im Kaspischen Meeres gefährden gehört die Meerwalnuss,   die sich von Zooplankton, Fischlarven und Fischeiern ernährt. Diese Rippenqualle pflanzt  sich sehr schnell fort und dies hat zu ihrer raschen Zunahme und umgekehrt zu einer Abnahme um 75 Prozent des Zooplanktons geführt. Zooplankton aber ist die Hauptnahrung von allen  Jungfischen  und der Tyulka-Sardine. Wegen Rückgang des Zooplanktons hat auch die Population der Tyulka-Sardine erheblich abgenommen und die Fangmengen dieses Fisches betragen inzwischen weniger als ein Viertel  der Mengen,die vor der Einschleppung der Meerwalnuss verzeichnet wurden.  Dazu kommt, dass  diese Sardinenart  für die Ernährung von vielen anderen Lebewesen im Kaspischen Meer von Bedeutung ist wie  Störe,  Lachse und die Kaspische Robbe und daher ist auch bei der Population dieser Tierarten ein Rückgang zu verzeichnen. Kurzum: Die  gesamte Nahrungskette im Kaspischen Meer ist  durch den Eindringling aus dem offenen Meer gestört worden.

 Die Zerstörung oder Blockierung von Wanderwegen der Fische  und die Abnahme der Zahl von natürlichen Laichgebieten haben das Aussterben von einigen Störarten zur Folge gehabt. Laut den Statistiken über die Kaviarressourcen im Kaspischen Meer  sind diese von 305 Tonnen im Jahre 1985 auf inzwischen weniger als 3 Tonnen im Jahr zurückgegangen. Außerdem ist die Zahl der Kaspischen Robben  von eine Million auf weniger als 100 Tausend Individuen gesunken. 

Meereswalnuss, der aggressive Fremdling aus den offenen Meeren

 

Aufgrund der Besorgnis der 5 Anrainerländer des Kaspischen Meeres über die Zerstörung der Umwelt in dem gemeinsamen Gewässer haben sich diese entschlossen, etwas  zu unternehmen, um für die jetzige und die kommenden Generation die lebenden Ressourcen im Kaspischen Meer zu erhalten und wieder aufzubauen. In diesem Zusammenhang sind seit 1998 gemeinsame Maßnahmen zum Schutz der Umwelt in diesem Meer erfolgt und wurde  2003 die Regionale Konvention zum Schutz der Umwelt des Kaspischen Meeres unterzeichnet, die ab 2006 durchgeführt werden muss. In den vergangenen Jahren  wurden 4 Protokolle  in Zusammenarbeit mit dem UN-Umweltprogramm und den Mitgliedsländern der Konvention aufstellt und auf  mehreren Sitzungen von Sachverständigen untersucht.

Zu diesen Protokollen gehört das Protokoll über die Bereitschaft, Reaktion und regionale Zusammenarbeit  zur Bekämpfung von Ölunfälllen.  Gemäß diesem Protokoll müssen die Unterzeichner alle geeigneten Vorkehrungen treffen, um sich auf Ölunfälle vorzubereiten, und  ein nationales System zur Bekämpfung von Ölverschmutzungen einrichten.  Die drei anderen  Protokolle, die unterzeichnet wurden, sind das  Protokoll über den Schutz des Kaspischen Meeres gegenüber Verschmutzungen aus Ressourcen und Tätigkeiten auf dem Festland und das Protokoll  zum Schutz der Lebensvielfalt im Kaspischen Meer sowie das Protokoll über die Einschätzung der  grenzüberschreitenden Umwelteinflüsse. Alle Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres haben diese Protokolle unterzeichnet. 

 

Aber die Regierungen sind nicht die einzigen aktiven Akteure und es wurden Möglichkeiten geschaffen, dass auch nicht-staatliche und private Organisationen auf nationaler und regionaler Ebene sich an den Umweltmaßnahmen an den Küsten des Binnenmeeres mitbeteiligen.  Ein  koordiniertes  Umwelt - Management der Küstenregionen steht als   eine neue Strategie  zur Debatte  und  kann zu einer Verbesserung der Umweltsituation des Kaspischen Meeres führen.  Hierbei bildet die Beachtung des Umweltschutzes der Küstenregionen während der  kontinuierlichen Wirtschaftsentwicklung  einen Schwerpunkt.

Jedenfalls  ist die Umwelt dieses  größten Binnensees der Erde erheblich  in Gefahr geraten,so dass bei allen Verhandlungen  zwischen den Anrainerstaaten dieses Gewässers immer auch die Besorgnisse über die Umwelt des Meeres erörtert werden.  Zweifelsohne ist es eine Voraussetzung für die geeignete Nutzung der Ressourcen dieses Meeres,  dass die Küstenstaaten  sich vollständig hinsichtlich  Nutzung der gemeinsamen Interessen und  Bekämpfung der sie alle  bedrohende Umweltgefährdung einig werden. 

 

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Aug 14, 2017 06:48 Europe/Berlin
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