Zu Arbain wird Aschura vollendet. Dieser 40. Tag nach dem Märtyrertod Imam Husains und seiner treuen Helfer am Aschura-Tag in der Schlacht von Karbala ist die Erreichung eines Gipfels nach 40 Wegstationen unermüdlichem Aufstiegs ohne Ausruhen und ohne einen Schritt zurück.

Am Arbain-Tag kehrte eine Karawane nach Karbala zurück, nach 40 Tage großer Strapazen  und gewaltigen Kummers.  Eine Karawane, die auf dem tiefsten Punkt der Niedergeschlagenheit hätte sein müssen - aber das war sie nicht: Sie  stand  auf dem Gipfel der Erhabenheit. Sie hatte dem Familienclan der Umayyaden den bitteren Trunk der Niederlage verabreicht.  Sie hatte deren Gewaltmacht heftig verurteilt und die Schleier der Lüge und Täuschung und List  beiseitegezogen und sie entlarvt, um die Wahrheit sichtbar zu machen. Arbain - der 40. Tage nach dem Märtyrertod von Imam Husain und der Tag der Rückkehr seiner Hinterbliebenen aus der Gefangenschaft erinnert an die Bloßstellung des Unrechts und den Sieg des Rechtes. 

 

Der Aschura-Tag ging zu Ende und die Sonne versank am Horizont von Karbala. Imam Husain und seine treuen Helfer hatten alle den Märtyrertod gefunden und nun setzten die Mörder  sein Zeltlager in Brand. Sie  johlten  siegestrunken,  gröllten laut lachend und tanzten  in die Nacht hinein, bis sie sich schließlich schlaftrunken in ihre Zelten zurückzogen. 

Doch auf der anderen Seite saßen Frauen und Kinder neben abgebrannten Zelten und verbrachten die kalte Nacht bis zum Morgen  im Freien.

 Einen Tag nach dem Aschura-Tag erreichte die Nachricht vom Sieg die Stadt Kufa und Kufa bereitete sich auf ein Triumphfest vor. Die Reiter, die in Kufa einzogen, riefen:  wir haben im Krieg gesiegt, belohnt uns für die gute Nachricht.

  اوفر رکابی فضه و ذهباانی قتلت سیداً محجبا

Überhäuft mich mit Gold und Silber denn ich kehr von der Tötung eines wichtigen Mannes zurück! 

                        

Die Kriegsgefangenen oder sagen wir lieber: die Familie des Propheten (der Segen Gottes sei auf ihm und Friede seinem Hause) wurden nach Kufa geschleppt. In zerrissener Kleidung und auf schlechten Kamelen. Es waren 70 bis 80 Kilometer von Karbala bis Kufa. Der  Weg dorthin war eine große Strapaze. Den Kindern und Frauen wurden Peitschenhiebe versetzt . Die Lanzen, auf denen die Häupter der Märtyrer von Karbala aufgespießt worden waren, hatten die Übeltäter auf die ganze Karawane verteilt, um die  Hinterbliebenen Imam Husains  noch mehr seelisch zu foltern. 

In Kufa war alles vorbereitet auf die Siegesfeier aber dann bereitete die Rede, die Hadhrate Zainab (Friede sei ihr) - die Schwester Imam Husains - dem scheinbaren Ruhm und Triumph der Umayyaden ein Ende. Man hatte nicht vorgehabt, Zainab eine Gelegenheit zum sprechen zu geben.Aber Zainab hielt eine Rede und ihre Rede war so gewaltig, dass keiner wagte sie zu unterbrechen.  Sie stand so fest und unerschrocken da, dass alle den Atem anhielten. Mit dem Feiern in Kufa war es vorbei und man hatte es eilig, die Kriegsgefangenen nach Schaam (Damakus) zu bringen. 

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Die Ankunft in Schaam verlief anders als in Kufa. Die dortige Stimmung  war von der in Kufa verschieden.  In Kufa hatte einmal der Vater Imam Husains - Imam Ali regiert, aber in  Schaam hatte viele Jahre über  Muawiya, der Vater von Yazid, geherrscht. Die  Bevölkerung kannte die Angehörigen des Propheten gar nicht.  Viele Jahre über hatten Muawiya und sein Sohn Yazid die Bevölkerung gegen Imam Ali aufgehetzt und die Wahrheit verzerrt und gefälschte Prophetenworte verbreitet.  Zainab und Imam Sadschad (Sohn des Imam Husain und der einzige unter seinen Helfern, der wegen Erkrankung nicht an der Schlacht von Aschura teilgenommen hatte) hatten gebeten, dass die Gefangenenkarawane durch ein Tor in die Stadt gebracht wird,wo weniger Betrieb ist. Aber ihre Wächter brachten die Gefangenen bewusst durch genau das Tor, welches in den belebtesten Teil der Stadt führte, damit möglichst viele die Häupter der Märtyrer auf den Lanzen sehen. 

Yazid, in dessen Auftrag Imam Husain getötet worden war,  sah vom Dach seines Vergnügungspalastes nahe bei Damaskus aus,   die Häupter der Märtyrer auf den Lanzen. Da begann er triumphierend zu dichten

فلما بدت تلک الحمول و اشرقت

تلک‌الشموس علی ربی جیرون

نعب‌الغراب فقلت صح اَوْ لاتصح

إنی اخذت من‌الغریم دیونی

Als diese Lasten und die Köpfe auf den Lanzen auftauchten

und diese Sonnen über dem Hügel des Dschirun-Tores erschienen,

begann der Rabe zu erzählen und ich sagte zu ihm

Ob du es weitererzählst oder nicht, ich habe an dem Rache genommen, an dem ich mich habe rächen müssen.

Doch es dauerte nicht lange und das Blatt wendete sich. 

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Yazid, schlug, voller  Stolz,   mit einem Stab gegen die Zähne  des Imams und sagte spöttisch zu  Zainab (F): "Wie weiß sind doch die Zähne deines Bruders!" Da begann Zainab plötzlich zu reden und machte Yazid einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Ihre Rede löste Proteste aus. Ein Christ, der sich unter den Versammelten  am Hofe des Yazid befand, stand auf und sagte entrüstet: "Ihr feiert den Mord am Enkelsohn eures eigenen Propheten?  In meiner Heimat  auf einer Insel, mitten im Meer,  steht eine Kirche und unsere Bevölkerung  pilgert mindestens einmal im Jahr dorthin. In der Gebetsnische hängt ein goldenes Gefäß an der Decke, in dem sich   der Fußnagel eines Tieres befindet, und die Menschen glauben, dass es der Huf des Esels ist, welcher das Reittier Jesu Christi war. Sie pilgern zu diesem Ort um Jesus zu verehren, und ihr tötet sofort nach eurem Propheten seinen Nachkommen?" 

 

Yazid befahl, hocherzürnt über diesen Protest, diesen Christen zu töten. Auch ordnete er die Ermordung eines alten Mannes, der in Vertretung des Römischen Kaiser auf der Versammlung am Hofe des Umayyadenherrschers zugegen war und gegen ihn protestiert hatte, an.   Das Klima  in Schaam veränderte sich schlagartig und Yazid verlor die Kontrolle über die  Lage aus der Hand. Um etwas daran zu ändern befahl er, in den Moscheen Abschnitte aus dem Koran  zu verteilen, damit die Menschen mit deren Verlesung  beschäftigt sind  und nicht mehr über Imam Husain (F) miteinander sprechen. Um die Bevölkerung zu besänftigen und den Barmherzigen zu mimen, stellte er der Familie des Propheten ein Haus zur Verfügung, wo sie Trauerzeremonien begehen  konnten. Die Menschen kamen in Scharen herbei um den Reden von Hadhrate Zainab - der Schwester Imam Husains zuzuhören und diese Versammlungen und Gespräche schadeten letztendlich wieder Yazid und dem Clan der Umayyaden. Daher versuchte Yazid sich von der Schuld des Mordes an Husain (F)reinzuwaschen und behauptete: "Ich war nicht einverstanden dass Husain getötet wird. Wir lagen nicht mit einander im Streit."

Man muss aber  wissen, dass die Umayyaden  jahrelang Überlieferungen erfunden  oder gefälscht haben und in Umlauf brachten, um sich selber Ansehen zu  verschaffen und dem Ansehen der Nachkommen des Propheten zu schaden. So kam es dass viele sich wunderten, als sie erfuhren, dass Imam Ali (a.s.) der gemäß dem Vers 61 der Sure 3 (Ale Imran) wie die Seele des Propheten ist,  in der Moschee von Kufa beim Gebet zum Märtyrer wurde, denn sie fragten sich: Was macht Ali denn in der Moschee? So sehr hatten die Umayyaden das Prophetenhaus verunglimpft.  Aber Aschura und der Märtyrertod Husains, Sohn des Ali (a.)  machte mit dieser vergifteten Atmosphäre Schluss. Als 40 Tage nach seinem Märtyrertod - dem Arbain-Tag -  die Karawane der Familie des Propheten, erhobenen Hauptes nach Karbala zurückehrte, wo ihre Lieben begraben lagen,  war  der Clan der Umayyaden der Verlierer.

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Nach 40 Tagen in der Fremde und großem Leid, Drangsalen, Spott und Drohungen kehrte die Karawane nach Karbala zurück. Diese Karawane glich nicht mehr der Karawane, die Karbala verlassen hatte. Diese Karawane hatte den 50-jährigen Umtrieben der Umayyaden ein Ende bereitet und kehrte nun siegreich  zurück, um ihr Bündnis mit den Märtyrern von Karbala  zu erneuern und  der Menschheit eine bedeutende Botschaft zu überbringen,nämlich:  "Unterstützung bedeutet - den Weg zu Ende gehen."

An diesem Punkt erhält Arbain seinen vollen Sinn.  Auch im Koran bedeutet Arbain - der Vierzigste -  eine  Vollendung. Gott hat in der Sure  Ihqaf (  46    ) im Vers 15 gesagt,  dass der Mensch die höchste Stufe seiner Entfaltung mit 40 Jahren erreicht.  Dort heißt es:

"Wenn er dann seine Vollreife erlangt  und das Alter von vierzig Jahren erreicht hat, sagt er: „Mein Herr, veranlasse mich, für Deine Gunst zu danken, die Du mir und meinen Eltern erwiesen hast, und rechtschaffen zu handeln, womit Du zufrieden bist. Und gib mir Rechtschaffenheit in meiner Nachkommenschaft. Ich wende mich Dir ja in Reue zu, und ich gehöre ja zu den (Dir) Ergebenen.“

Und auch heißt es im Vers 142 der Sure Araf (Sure 7) 

"Und Wir gaben Moses eine Verabredung auf dreißig Nächte und machten sie mit (weiteren) zehn voll. So vervollständigte sich die festgesetzte Zahl seines Herrn auf vierzig Nächte."

Arbain - der Vierzigste - ist also der Tag, an dem Vollendung erreicht wird. Arbain ist die Vollendung von Aschura.  Die Vollendung all der Anstrengungen.

Arbain ist die Erreichung eines  Gipfels nach 40 Wegstationen unermüdlichem Aufstiegs ohne Ausruhen  und ohne einen Schritt zurück. 

Die Rückkehr der Gefangenen von Aschura nach Karbala bedeutet : den Weg bis zu Ende gehen. 

 

Am Aschuratag hat Gott  das ganze Erbe  der Propheten Husain a.s. geschenkt  und am Arbain-Tag hat Husein dieses Erbe der Geschichte und der Menschheit überreicht.

 

Wir lesen daher im Pilgergebet zu Arbain:

 بذل مهجته فیک لیستنقذ عبادک من الجهاله و حیره الضلاله 

 

"O Gott ich bezeuge, dass Husain das Blut seines Herzens hergegeben hat, damit deine  Diener aus der Unwissenheit und der Ahnungslosikgeit  und von der Ratlosigkeit und der Verirrung befreit werden. " 

 

 

 

 

Nov 06, 2017 06:08 Europe/Berlin
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