In Teheran lief vom 19. bis 27. April der internationale Teil der 36. Fadschr-Filmfestivals unter Leitung  seines Schriftführers Seyyed Resa Mirkarimi. Mehr über dieses wichtige iranische Kulturereignis und die  ausländischen Teilnehmer in nachfolgenden Bericht

Die Geschichte des Kinos im Iran ist 120 Jahre alt. Diese Kunst hat sich inzwischen parallel zu anderen Ländern weiter entwickelt und einen würdigen Platz erreicht.  Die iranische Bevölkerung liebt das Kino am meisten von allen Künsten. Die im Bereich des iranischen Kino tätigen Künstler werden nicht nur im Inland sondern auch im Ausland geschätzt. 

 

 

Internationale Fadschr-Filmfestival  begann mit dem Film "Jenseits der Wolken" von Madschid Madschidi. Dieser Film wurde in Indien gedreht und ist mit Untertiteln auf Persisch und Englisch versehen.  Mit der  Vorführung in 34 Ländern wurde bereits begonnen. 

Die wichtigsten Abteilungen des internationalen Fadschr-Festivals sind der internationale Wettbewerb unter dem Titel Cinema Saadat - Kinofilm des Seelenheils -  Dschelwegah-i Scharq  -  Panorama des Kinos in asiatischen und islamischen Ländern - und Dscham Dschihannama -  das Festival der Festivale. 

 

 

Auf dem Programm des 36. Internationalen  Fadschr-Filmfestivals, das sehr abwechslungsreich war, standen: Die Vorführung von restaurierten Filmklassikern sowie die von innovativen Filmen, eine Festivalsparte namens „Die verletzten Olivenbäume“ über die  aktuellen Entwicklungen in der Islamischen Welt , eine Abteilung für Filme aus Italien und Georgien und über die Kurzfilmfestspiele in Deutschland.

Wichtige Begleitveranstaltungen während der Festspieltage waren zudem  ein Camp für Talente an dem junge Filmemacher aus Iran, der Region und weiteren Ländern teilnahmen. Weitere Events waren die Seminare auf akademischer Basis und Lehr -Workshops und zwei Sitzungen zu dem Thema „Kino und Philosophie“ sowie „Kino und Religion“. Ebenso wurden einige berühmte Persönlichkeiten aus der Kinowelt gewürdigt.

Es nahmen circa 300 ausländische Gäste an diesem Festival teil, darunter bekannte Filmproduzenten und Filmkritiker und Forscher der Kinowelt.  Dieses Jahr kamen sie aus allen Kontinenten aber die meisten von ihnen reisten aus europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Schweden, Schweiz und Italien in den Iran. Außerdem schickten wichtige Medien ihre Vertreter zur Berichterstattung über dieses wichtige Kinoereignis. 

 

 

45 Länder beteiligten sich mit ihren Kurz- und Spielfilmen. In der internationalen Wettbewerbsabteilung wurden zwölf ausländische Spielfilme und drei iranische Spielfilme vorgeführt.

Einer der wichtigen Abteilungen des Festivals hieß "die verletzten Olivenbäume" in der Filmwerke über die Entwicklungen in der Islamischen  Welt gezeigt werden. Zu den 12 ausländischen Filmen  in dieser Festivalsparte gehörte der Film „In den Schnee schreiben". Gedreht hat ihn Raschid Masharaw. Dieser palästinensische Filmregisseur, der persönlich in Teheran erschien, sagte über seinen Film:   „Er handelt von 5  Palästinensern, die in einem Haus in Gaza leben. Sie befinden sich in der Umzingelung und kämpfen gegen das zionistische Regime.  Dieser Film berichtet von der Verschiedenheit ihrer Ansichten, welche sie in eine schwierige Situation geraten lassen. Der Film will sagen, dass auch wenn wir teilweise unterschiedlich denken, wir uns gegenüber dem zionistischen Regime vereinigen müssen, denn die Einheit  stärkt uns gegenüber dem Feind und wir können ihn besiegen.“

Raschid Masharaw, palästinensischer Regisseur

1998 wurde anlässlich der internationalen Erfolge des iranischen Kino zum ersten Mal ein iranischer Filmmarkt eingerichtet (IFM)  Während die Zeitschrift Times in ihrer Millennium-Sonderausgabe das iranische Kino als das verlässlichste Haus für die Produktion von künstlerischen Filmen auf der Welt nannte,  begann der iranische Filmbazaar  als Erstes mit iranischen Angeboten an ausländische Käufer.

Seit 2105  findet  der Internationale Filmmarkt unabhängig  von der nationalen Festivalsparte im April statt.  Auf dem diesjährigen internationalen Filmmarkt waren 17 ausländische und 26 iranische Filmunternehmen präsent. Man war bestrebt die meisten Stände den iranischen Unternehmen zu überlassen.

Gemeinsame Produktionen sind ein  wichtiges Thema für die Veranstalter des Filmmarktes und dieses Jahr hat man sich mehr als in den Vorjahren diesem Ziel genähert.  Zum Beispiel haben  Filmunternehmen aus europäischen Ländern in diese Sache investiert und an dem Festival teilgenommen.  Die beiden Dokumentationen "Isfahan - die Hälfte der Welt" und "Die Braut des Turkmenen-Stammes“ sind das gemeinsame Produkt eines europäischen Unternehmens mit der IRIB.  Auf dem diesjährigen Filmmarkt wurden  31 Spielfilme des iranischen Kinos vorgeführt.

 

Einer der Gäste war der bekannte amerikanische Autor, Regisseur und Filmproduzent Oliver Stone. Unter den über 20 Filmen, die er bereits gedreht hat befinden sich so bekannte wie „Platoon“ , „Geboren am 4. Juli“, „ J.F.K.“, „Nixon“ und „Snowden“.

Oliver Stone auf dem 36. internationalen Fadschr-Filmfestival 

 

Stone sprach auf einer Sitzung mit Studenten der Filmfakultäten und ermunterte sie mit Hinweis darauf, dass die Zeiten des Hallowoodgeschäftes vorbei seien,  zu Filmwerken über Vorfälle in Cyberraum. Er sagte:  „Heutzutage hat niemand angesichts der Ausdehnung der Cyberwelt eine richtige Vorstellung von dem, was die Regierung über uns weiß. Wir wissen es nicht, aber wir müssen mit dem schlimmsten rechnen. In den USA haben die Bürger Vertrauen in diejenigen, die sie kontrollieren, dies ist aber nicht der richtige Standpunkt.  Die Cyberwelt hat der Regierung eine uneingeschränkte Macht verliehen, ohne dass es eine Kontrolle darüber gäbe.  Die Militärhaushalte sind auf fürchterliche Weise gestiegen, während die Sozialausgaben gesenkt wurden.“

Er fuhr fort: „Wir sind heute Zeuge eines Sicherheitskrieges im Cyberraum geworden, bei dem viel Geld ausgegeben wird.  In den USA gibt es eine Cyber-Befehlszentrale, welche in Wahrheit die fünfte Säule der Armee dieses Landes ist. Die Privatunternehmen kaufen Informationen  und manchmal arbeitet die Regierung sogar mit ihnen zusammen.“

Stone sagte im Zusammenhang mit den Filmen,  die sich gegen die US-Politik richten:  „Einige in den USA und sogar im Iran denken, dass ich ein CIA-Agent sein müsse, weil ich bislang noch nicht umgebracht worden bin.  Aber ich habe selber noch nie einen CIA-Agenten zu Gesicht bekommen.  Natürlich versucht diese Agentur auf meine Projekte Einfluss zu nehmen, weil sie viel Einflussmacht in Hollywood besitzt. Ihr könnt euch sicher daran erinnern, dass man wegen dem Film „Argo“ vom Weißen Haus aus mit dem Institut der Oskar-Verleihung Kontakt aufgenommen hat.  Das zeigt welche enge Verbindung zwischen Hollywood und Washington besteht.“

Auf der Frage- und Antwortsitzung mit Oliver-Stone wurden einige seiner Filme wie der Film „Alexander“  heftig kritisiert. In diesem Film wird die Geschichte teilweise verfälscht. Der Regisseur  sagte in diesem Bezug:  „Ich habe diesen Film aus meiner Sicht gedreht, welche von eurer verschieden ist.   Leider hat das Unternehmen Warner Brothers den Film so wie es ihm beliebte,  geändert und 26 Minuten gestrichen. Ich schlage vor, dass ihr euch  die CD-Ausgabe 2014 dieses Films anseht, die der von mir gewünschten Version entspricht.“

                                           

Während der Festivaltage  haben wir auch einige ausländische Gäste nach ihrer Meinung gefragt. Thomas  Kroll, ein Mitglied der Jury des diesjährigen internationalen Fadschr-Festivals  und Mitglied der Katholischen Filmkommission  Deutschlands, sowie Leiter der Jurydelegation der Kirchen bei den Filmfestspielen in Berlin, Locarno und Montreal  ist der Überzeugung, dass einige Filme den Menschen zu der Frage anregen, wie er eigentlich lebt. Krollt sagte:   „Auf der Suche nach einer Antwort ändert sich manchmal der Lebensweg des Menschen. Ich empfehle, den Spiegel des Filmes zu nutzen um viele Realitäten im Leben zu erkennen.“ 

Thomas Kroll

 

 

Thomas Kroll zieht den Kinofilm anderen Medien und Mitteln wie Büchern, der Musik, der Dichtung und Literatur vor, weil das Kino  etwas vorlegt und der Zuschauer etwas in Empfang nimmt. Er sagt: "Das Kino kann gleichzeitig auch die  Mittel der Musik und der Dichtung  einsetzen und etwas kreieren, was euch völlig beeinflusst.  Es kann versteckte  Anmerkungen und Fingerzeige auf die Leinwand bringen,  und manchmal wird die Literatur mit dem Bild vermischt und entsteht ein hervorragendes Werk.“

Suhan Pansha, der  seinen indischen Anhängern als Suhan Pancharam bekannt ist, aber im Kino von Malaysia Pansha genannt wird, ist ein Jurymitglied der Abteilung "Panorama Osten“ des Festivals gewesen. Er sagt über den iranischen Kinofilm:  „Der iranische Kinofilm ist auf der Welt bekannt. Die iranischen Filme reflektieren das Leben der Menschen  und obwohl sie als Filme gelten, die Enthaltsamkeit üben,  haben sie eine starkes Regiebuch und enthalten eine starke Botschaft. In meiner Heimat Malaysia werden iranische Filme im Fernsehen gezeigt und die Bevölkerung schaut sie sich gerne an.“

Suhan Pansha

 

Gönül Dönmez Colin ist Kinoforscherin und schreibt das Programm für die  Mannheim-Heidelberg Festspiele. Sie hat sich auf das Kino aus Kleinasien und den Mittleren Osten spezialisiert und zahlreiche Bücher geschrieben. 

Frau Colin hat bisher an allen Runden der internationalen Fadschr-Filmfestspiele teilgenommen. Über die Abhaltung dieses Festivals sagt sie: Alles ist gut organisiert gewesen und die Gastgeberschaft war gut.  Da ich seit einigen Jahren an den internationalen Fadschr-Filmfestspielen , denke ich, dass dieses Festival bald einen deutlichen Aufschwung erleben und zu einem der größten Festivals werden wird. Der anhaltende Einsatz von festen Mitarbeitern gibt den Gästen, die schon öfters teilnahmen ein angenehmes Gefühl  und sie verlieren nicht bei der Ankunft zum Festival die Orientierung. 

Gönül Dönmez Colin

 

Valerie Bout De Marnhac ist Jurymitglied in der interreligiösen Abteilung. Sie arbeitet als Filmkritikerin mit der Webseite SIGNIS.net ( der katholischen Weltgemeinschaft für Kommunikation)  zusammen und hält für mehrere Institute Sitzungen zur Filmuntersuchung und Filmkritik. Über ihr erste Reise nach Teheran sagt sie: Teheran ist eine gute Stadt mit Ausblick auf eine sehr schöne Berglandschaft. Ich selber komme aus einer Gebirgsgegend in Frankreich und  freue mich sehr am Horizont der Straßen eine Berglandschaft zu erblicken.  Es ist noch nicht so lange her, dass ich mit diesem Festival zusammenarbeite. Aber in dieser kurzen Zeit habe ich die Freundlichkeit der Bevölkerung kennen gelernt. Wegen meinem persönlichen Interesse am iranischen Kino habe ich bereits vor meiner Ankunft durch die iranischen Filme ein gutes Bild von Iran gehabt. Es ist ein Kino auf hohem Niveau mit berühmten Regisseuren und Filmen die bei der Wiederspiegelung der iranischen Kultur in einer internationalen Sprache zu allen sprechen.“ 

Valerie Bout De Marnhac

 

 

Die amerikanische Filmkritikerin Debora Young , die ebenfalls zum 36. internationalen Fadschr-Filmfestival kam, sprach auf einer interessanten Pressekonferenz. Frau Young ist 12 Mal im Iran gewesen und sagt, dass sie immer die Mitteilungen über das iranische Kino verfolgt. Sie ist Schriftführerin der Abteilung für Hollywood Weltkino von Reuters und einer ihrer Schwerpunkte ist das Kino im Mittleren Osten. Debora Young ist überzeugt, dass das iranische Kino das attraktivste Kino der Region geblieben ist und betont: Die iranischen Filmemacher haben ihre eigene unabhängige Meinung und ahmen nicht Hollywood oder Bollywood nach. Wichtig ist, dass verschiedene Stimmen im iranischen Kino zu Wort kommen. Natürlich möchte ich die Filme der iranischen Regisseurinnen sehen, denn sie haben viel zu berichten.“

Debora Young

 

 

 

 

 

 

Mai 01, 2018 05:08 Europe/Berlin
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