Das wichtigste Filmereignis im Iran sind die Fadschr-Filmfestspiele. Dieses Jahr fand wie im Vorjahr die Festivalsparte für den iranischen Film im Februar und die internationale Festivalsparte im April statt. Die Verleihung des Simorghes an die Preisträger bildete den Abschluss dieser 34. Festivalrunde.



Der internationale Teil des 34. Fadschr-Filmfestival fand vom 20. bis 25. April 2016 in Teheran statt. Es wurden unter anderem Filme von bekannten Kinomachern wie Nanni Moretti (Italien), Walter Salles (Brasilien) , Jia Zhangke (China) und Alexander Nikolajewitsch Sokurow (Russland) vorgestellt.

Seit 2015 finden die inländische und die internationale Sparte des Filmfestivals getrennt statt, während sie vorher beide anlässlich der Siegesdekade im Februar gelaufen waren. Durch diese Trennung wollen die Veranstalter den internationalen Aspekt hervorheben und erreichen, dass dieses Festival in den kommenden Jahren zu einem der wichtigsten Ereignisse in der asiatischen Kinowelt wird.

Die internationalen Fadschr-Filmfestspiele bestanden dieses Jahr wieder aus mehreren Abteilungen, so der Wettbewerbssparte für Spiel- und Kurzfilme und einer besonderen Sparte für das asiatische Kino und Filme aus muslimischen Ländern. In einer weiteren Abteilung wurde ein Blick auf internationale Dokumentationen geworfen und eine spezielle Abteilung widmete sich dem französischen Kino.

   

Das Fadschr-Filmfestival, das 1982 zum ersten Mal auf internationaler Ebene stattfand, ist das größte iranische Filmfestival und findet jedes Jahr in Teheran statt. Es ist eine Gelegenheit für den kulturellen Austausch, die Vorführung der Erfolge von bekannten Filmemachern und die Würdigung von nationalen und internationalen Filmen. Dieses Festival hat seit seiner Gründung einen wichtigen Beitrag zum Fortschritt des iranischen Kinos geleistet. Jedes Jahr führen neben den alterfahrenen Regisseuren auch neue Filmemacher ihre Werke vor. Dieses Jahr wurden auf dem internationalen Filmfestival Filme gezeigt wie der Film „Sture Böcke“ (Rams, Hrútar) von dem isländischen Regisseur Grímur Hákonarson, der Film „Schatz“ (Comoara) von Corneliu Porumboiu aus Romänien, der Film „Wahnsinn“ (Apluka) von Emin Alper (Türkei) , „Meine Mutter ( mia Madre ) von Nanni Moretti (Italien) , Attentäter (Assessin) von Hou Hsiao-Hsien (Taiwan) und „Gesetze des Marktes“ (La Loi du marché )von Stéphane Brizé (Frankreich). Es waren auserwählte Filme, die bereits bei anderen internationalen Festivalen preisgekrönt worden sind.

Gezeigt wurde auch die das technisch überarbeitete digitalisierte Exemplar des iranischen Films „Gaw“ (die Kuh) von Dariusch Mehrdschui und der Dokumentation „Baade Saba“ (Wind der Wüste) welche der französische Filmemacher Albert Lamorisse (1922-1970) vor 50 Jahren über die Natur und das Leben der Menschen im Iran gedreht hat.

Ismail Faruchi, ein französisch-marokkanischer Filmemacher der zum zweiten Mal in den Iran gekommen ist, war Jury-Mitglied in der Abteilung „asiatischer und islamischer Film“. Ihm gefiel, dass er auf diesem Festival mit dem Kino verschiedener Länder Bekanntschaft geschlossen hat, wie zum Beispiel mit dem Kino von Kasachstan. Der iranische Film „Einige Qubikmeter Liebe“ über einen afghanischen Einwanderer und der Dokumentarfilm „A 157“ des iranischen Regisseurs Behruz Nurani-Pour haben ihm besonders gut gefallen. Er sagt: „Ich liebe den iranischen Film. Wenn ich einen Film drehe, denken die anderen, ein Iraner habe ihn gedreht.“

Nobuhiro Suwa ist ein japanischer Filmregisseur, der in Hiroshima, Japan zur Welt gekommen ist. Er hat Filme in Japan und Frankreich gedreht und unterrichtet Kunst an der Universität von Tokio. Suwa sagt über seine Bekanntschaft mit dem iranischen Kino:

„Der erste Film aus Iran, den ich gesehen habe, war der Film „Wo ist das Haus meines Freundes?“ von Abbas Kiarostami. Er hat mich sehr beeindruckt. Dann habe ich mir seinen Film „Close up“ angeschaut und war noch mehr beeindruckt. Und so lernte ich das iranische Kino kennen. Ich habe auch Filme von anderen Regisseuren wie von Madschid-e Madschidi gesehen.“

 Dieser japanische Regisseur, der beim Festival die Gelegenheit nutzen will, sich noch mehr iranische Filme anzuschauen, hat auch bei den Workshops des Fadschr-Festivals gesprochen.

Auch der isländische Filmregisseur Grímur Hákonarson , dessen Film „Sture Böcke“ zu den Preisträgern des Festivals gehört, war einer der Festivalgäste in diesem Jahr. Er erklärte, dass das internationale Fadschr-Filmfestival auf hohem Niveau stattgefunden hat und es nichts zu bemängeln gäbe. Er sagte: Ich bin bei diesem Festival keinerlei Problemen begegnet und alles war exzellent. " Hakonarson hat die Vorführung des alten Filmes „die Kuh“ dazu angeregt, noch mehr iranische Filme zu sehen. Er meinte: „Es ist wie bei einer Speise, von der man mehr essen möchte, wenn man erst einmal etwas davon probiert hat.“

Der Regisseur des Filmes „El Clasico“, eine gemeinsame Produktion Norwegens und des irakischen Kurdistans, nahm ebenfalls persönlich an dem diesjährigen Fadschr-Filmfestival in Teheran teil. Regisseur Halkawt Mustafa dreht mit eigenen Worten Filme aus der Sicht eines Europäers, dessen Herz dem Mittleren Osten gehört. Sein Blick ist menschlich und er erzählt in seinen Filmen aus der Sicht von Durchschnittsmenschen. El Clasico handelt mit seinen Worten von zwei durchschnittlichen Menschen mit großen Wünschen. Mustafa sagt: „Es ist die Geschichte von Liebe, Fussball und Träumen und ich glaube der Film konnte eine gute Beziehung zum Publikum herstellen. Alle Eintrittskarten wurden verkauft und die Zuschauer haben den Film begrüßt.“

Mustafa fügt hinzu: „Seit 2003 ist viel Positives im irakischen Kurdistan passiert und es sind zahlreiche Gemeinschaftsproduktionen gelaufen und die iranischen Filmemacher haben viel dazu beigetragen. Ich habe bei der Produktion von Filmen von den Iranern Unterstützung erhalten, denn sie haben sehr gute Erfahrungen. Aber leider hat sich viel geändert und die verheerende Präsenz der IS-Terrorgruppe im Irak hat schuldlosen Bürgern das Leben gekostet. Sie hat auch dem Film im irakischen Kurdistan geschadet. Seit die IS eingedrungen sind, denkt niemand mehr ans Kino und viele sind in den Krieg verwickelt. Aber ich hoffe, dass sich die Situation bald wieder verbessert.“

Im Februar 1998 wurde gleichzeitig mit dem Fadschr-Film-Festival der erste internationale Bazaar für den iranischen Film (IFM) veranstaltet. Auf ihm wurden zunächst nur iranische Filme angeboten. 2004 fand die 7. Runde dieses Film-Bazaars statt und zum ersten Mal wurden auch internationale Filmunternehmen eingeladen, ihre Produktionen auf dem IFM vorzustellen. Dieser Markt entwickelte sich zu einem wichtigen Ort für das Angebot von Filmen und Fernsehprogrammen, die in der Region produziert worden sind. Im Jahre 2015 fand zum ersten Mal der internationale Fadschr-Film-Bazaar zusammen mit den internationalen Fadschr-Filmfestspielen und getrennt vom nationalen Festivalteil statt.

An dem 19. Fadschr-Film-Bazaar 2016 waren iranische Kinoproduzenten und –Unternehmen sowie Gäste und Käufer aus anderen Ländern zugegen. Es wurden iranische Filme für die Teilnahme an Festivals und für die Vorführung in Kinos und in Fernseh- und Satellitenprogrammen angeboten.

Neu an dem diesjährigen internationalen Filmfestival war die Veranstaltung von Kino-Workshops unter Teilnahme einer Anzahl von Regisseuren, Darstellern und bekannter Gesichter aus dem iranischen Kino. Die Abteilung nannte sich Dara-l Fanun . Es haben 110 Kunststudenten des Faches Film aus verschiedenen Ländern, wie Irak, Afghanistan, Tadschikistan, Libanon, und Palästina im Laufe des sechstägigen Festivals an den Lehrgängen in den Workshops teilgenommen. Die Betreuung dieser Lehrgänge haben bekannte Größen aus dem iranischen Kino wie Asghar Farhadi, Madschid-e Madschidi, Purane Darachschande ,Madschid Barzegar und weitere übernommen.

                                       

Reza Mirkarimi, iranischer Filmemacher und Schriftführer des internationalen Fadschr-Filmfestivals sagte: „Das iranische Kino ist ein starkes Kino und eines der besten in der Region. Es hat die Pflicht, seine Nachbarländer und die Länder im Nahen Osten und in Mittelasien, die sich für das iranische Kino interessieren, zu unterstützen. Bei dieser Festivalrunde wollten wir professioneller und wissenschaftlicher vorgehen. Die Studenten werden nach Abschluss dieses Lehrgangs nicht sich selber überlassen. Wir werden mit ihnen in Kontakt bleiben und ihre Ideen, Vorschläge und Erfahrungen im Auge behalten.“

Es sei noch erwähnt, dass das 34. Internationale Fadschr-Filmfestival am25. April mit der Vorstellung der Preisträger in den verschiedenen Sparten seine Arbeit beendete.


Mai 04, 2016 22:00 Europe/Berlin
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