Oct 05, 2019 14:42 Europe/Berlin
  • Haaretz: Antiiranisches Bündnis Trump-Netanjahu-Salman selbst in Krise

Das Anti-Iran-Bündnis der Spitzen der Vereinigten Staaten, Israels und Saudi-Arabiens sei ins Schwanken geraten, da jeder von ihnen mit eigenen Dilemmas zu kämpfen hätten, berichtet die israelische Tageszeitung Haaretz.

"Die drei Führer, die in den letzten Jahren die Anti-Iran-Linie angeführt haben, waren diese Woche von ihrer eigenen inneren Krise in Mitleidenschaft gezogen", schrieb Haaretz am Donnerstag.

Die israelische Zeitung verwies auf das kürzlich intensivierte Amtsenthebungsverfahren gegen den US-Präsidenten Donald Trump und der Anhörung wegen Korruptionsvorwürfen gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu in der vergangenen Woche, als Zeichen dafür, dass diese beiden Führer in einer Krise stecken.

Harretz hob auch hervor, dass der "mysteriöse" Tod des langjährigen Leibwächters des saudischen Königs Salman bin Abdulaziz Al Saud Anfang dieser Woche den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman "in Verlegenheit gebracht" habe. Außerdem sehe sich Riad am Jahrestag des brutalen Mordes an den Journalisten Jamal Khashoggi erneut Kritik gegenüber.

Bei der Aufzählung weiterer Rückschläge Riads in der vergangenen Woche, wies Haaretz besonders auf die große jemenitische Operation in Najran (im Norden des Landes) gegen saudisch geführte Truppen hin. In dieser Operation gelang es den jemenitischen Kräften etwa 200 saudische Soldaten und Söldner zu töten und weitere 2.000 gefangen zu nehmen.

Um einen Vergleich aufzustellen wurden in diesem Artikel die jüngsten internationalen Entwicklungen Irans beschrieben und behauptet, das Land habe trotz des "Drucks der US-Sanktionen und der wirtschaftlichen Notlage des Landes" eine "entspannte Woche" erlebt.

Weiter hieß es, dass "der iranische Präsident Hassan Rohani letzte Woche in der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York gebührend empfangen wurde" und dass Trump versucht habe den iranischen Präsidenten dazu zu bringen, sich mit ihm zu treffen.

Die Tageszeitung fügte hinzu, dass die jüngsten Entwicklungen einen starken Kontrast zu der anfänglichen Rhetorik der Trump-Regierung gegen Iran darstellten, als Washington im vergangenen Jahr vom iranischen Atomabkommen 2015 austrat und die Kampagne des „maximalem Drucks“ gegen Teheran ankündigte.

Es wurde auch auf Riads veränderten Ton gegenüber Iran hingewiesen, wonach der saudische Kronprinz in einem Interview Anfang laufender Woche sich für eine „friedliche“ Lösung der Spannungen mit Iran ausgesprochen hatte. Der Kronprinz hatte erklärt, ein Krieg mit Iran würde zum "totalen Zusammenbruch der Weltwirtschaft" führen.

Laut Haaretz seien solche Entwicklungen in einer Zeit aufgetreten, in der Washington und Riad zuvor Iran beschuldigt hatten, verantwortlich für den großen Angriff der jemenitischen Drohnen vom 14. September auf die saudi-arabischen Ölanlagen gewesen zu sein; was allerdings kategorisch von Teheran bestritten wurde.

"Der raffinierte und zerstörerische Angriff auf die saudischen Ölfabriken im vergangenen Monat verlief nicht nur ohne eine militärische Reaktion seitens Riads oder Washingtons, sondern Saudi-Arabien machte sogar deutlich, dass es den Dialog mit Teheran unterstützt", hieß es weiter.

Der saudische Kronprinz war zuvor für seine ausschließlich kriegerische Rhetorik gegen Teheran bekannt. Im Mai 2017 hatte der saudische Kronprinz Teheran beschuldigt, die muslimische Welt beherrschen zu wollen. Er versprach damals, den Krieg "innerhalb Irans" zu leiten.

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