Dez 14, 2019 13:36 Europe/Berlin
  • Wall Street Journal: Saudi-Arabien versucht im Stillen Beziehungen zu Iran zu verbessern

Saudi-Arabien bemüht sich stillschweigend um eine Verbesserung der Beziehungen zu Iran und zu anderen Akteuren in der Region, und zwar aus wirtschaftlichen Gründen.

Laut dem Freitagsbericht des Wall Street Journal (WSJ) erfolgt dies aufgrund von Zweifeln an der Unterstützung Washingtons für Riad. Die saudischen Funktionsträger sind zunehmend besorgt über die Risiken, die die Spannungen mit Teheran für die Wirtschaft des Königreichs darstellen.

"Riads neu entdecktes Interesse an besseren Beziehungen zu regionalen Rivalen kommt daher, dass saudische Verantwortliche die Unterstützung der USA und anderer Verbündeter bezweifeln", heißt es in dem Bericht.

Laut einem saudischen Funktionär änderte sich der Kurs des Regimes, nachdem die jemenitischen Luftangriffe auf Aramco-Anlagen die Hälfte der Ölkapazität des Königreichs und 5 Prozent der täglichen globalen Ölversorgung beeinträchtigten. "Der Angriff vom 14. September hat das Spiel verändert", zitierte der Bericht den namenlosen Beamten.

Saudi-Arabien und die USA beschuldigten sofort Iran für diese Angriffe, ohne jegliche Beweise vorlegen zu können. Der UN-Generalsekretär Antonio Guterres sagte jedoch Anfang dieser Woche, dass die UN-Ermittler die Behauptungen, wonach die Islamische Republik hinter den Aramco-Angriffen stecke, nicht bestätigen können.

Unter Berufung auf saudische, europäische und US-amerikanische Vertreter berichtete das WSJ, dass saudische und iranische Vertreter in den letzten Monaten sowohl direkt als auch über Vermittler in Oman, Kuwait und Pakistan miteinander kommuniziert haben.

Der iranische Botschafter in Paris, Bahram Qasemi, und andere Beamte gaben an, dass Teheran den Saudis einen Friedensplan vorgelegt habe, der ein gegenseitiges Versprechen zur Vermeidung von Angriffen und der Zusammenarbeit zur Sicherung der Ölexporte in der Straße von Hormus enthält, heißt es in dem Bericht. "Iran will nicht, dass die Spannungen anhalten. Wir suchen Frieden", sagte Qasemi Ende Oktober.

Zudem teilte ein zweiter, nicht namentlich genannter saudischer Verantwortungsträger dem WSJ mit: "Die Aussicht auf einen größeren Konflikt mit Iran gefährdet die saudischen Ölexporte und riskiert auch eine Vertreibung ausländischer Investoren, die das Königreich für frisches Kapital, Spitzentechnologie und Management-Know-how benötigt.“

Neben Iran hat Riad auch geheime Gespräche mit den jemenitischen Houthis geführt und versucht währenddessen auch einen Weg zu finden, die zweijährige Sackgasse mit Katar zu beenden. Ein hochrangiger amerikanischer Beamter sagte dazu, die Saudis hätten erkannt, dass sie die Herausforderungen, die sie an mehreren Fronten haben, reduzieren müssen. Solche Schritte ließen darauf schließen, dass sich die Dinge im Persischen Golf zum positiven ändern, fügte er hinzu.

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