May 24, 2020 11:57 Europe/Berlin
  • Stellvertretender irakischer Premierminister in Riad

Riad (ParsToday/PressTV) - Saudi-Arabien hat angekündigt, seinen Botschafter nach Bagdad zurückzuschicken, da Riad nach der Niederlage der IS-Terrormiliz (Daesh) engere Beziehungen zum Irak anstrebt.

Irakische Verantwortliche haben Riad mehrmals beschuldigt, den IS unterstützt zu haben. 2016 beschuldigte der ehemalige irakische UN-Botschafter Mohammad Ali al-Hakim Saudi-Arabien, die Terroristengruppe Daesh finanziert zu haben.

Die Ankündigung am Samstag erfolgte durch den saudischen Außenminister Prinz Faisal bin Farhan nach einem Treffen mit Ali Allawi, dem stellvertretenden irakischen Ministerpräsidenten und amtierenden Minister für Finanzen und Öl, der laut der Zeitung Saudi Gazette zu einem offiziellen Besuch in Riad war.

"Dies erfolgte, um den Wunsch des Königreichs auszudrücken, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken", sagte Prinz Faisal.

Der saudische Minister sagte, das Königreich unterstütze die Bemühungen des Irak bei der Gewährleistung von Sicherheit und Stabilität in seinem Land sowie bei der Terrorismusbekämpfung und dass Riad die Souveränität des Irak ohne ausländische Einmischung respektiere.

Laut der saudischen Presseagentur traf der irakische Minister auch mit dem saudischen Handelsminister Majed al-Qasabi und dem Finanzminister Mohammad al-Jadaan zusammen und erörterte Möglichkeiten zur Stärkung der finanziellen und handelspolitischen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern. Die beiden Seiten erörterten eine Reihe von Fragen im Zusammenhang mit Landgrenzkontrollpunkten, Zoll und Partnerschaft zwischen dem privaten und dem öffentlichen Sektor, heißt es in dem Bericht.

Unter Berufung auf Allawi erklärte der saudische Nachrichtensender Al Arabiya, der Irak habe zugestimmt, saudischen Unternehmen Investitionen in seinem westlichen Akkas-Gasfeld zu ermöglichen. Das Akkas-Feld in der westlichen Provinz Anbar und an der Grenze zu Syrien ist das größte Gasfeld im Irak.

Der Besuch der irakischen Delegation in Saudi-Arabien ist die erste Auslandsreise eines Kabinettsministers des neuen Premierministers Mustafa al-Kazemi und wird von Beobachtern genau unter die Lupe genommen. 

Die USA haben ihre Unternehmen und Verbündeten wie Saudi-Arabien angeworben, um Iran als Energiequelle des Irak zu ersetzen. Der Irak ist beim Erdgas, das bis zu 45% seines Stroms erzeugt, auf Iran angewiesen, steht jedoch unter dem immensen amerikanischen Druck, die Importe zu stoppen.

Seit Präsident Donald Trump 2018 Sanktionen gegen Teheran verhängt hat, mussten die USA regelmäßig Ausnahmeregelungen festlegen, damit der Irak iranisches Erdgas importieren kann, um den Bedarf seines Elektrizitätssektors zu decken.

Strom ist jedoch nicht die einzige entscheidende Anforderung, die der Irak aus Iran beziehen muss. Die Jahre der US-Invasion und -Besetzung haben einen Großteil der wichtigsten Infrastruktur des Irak zerstört, weshalb Bagdad für vieles, von Lebensmitteln bis zu Maschinen, Obst und Gemüse, von seinen Nachbarn, einschließlich Iran, abhängig ist. 

Die US-Präsenz im Irak, in Saudi-Arabien und in weiteren Gebieten in der Region ist ein destabilisierender Faktor. Die Feindschaft Washingtons gegenüber Iran und seinen Verbündeten bedeutet, dass Regierungen in der Region, wie der Irak, es schwer haben, ihre diplomatischen Beziehungen im Einklang mit ihren nationalen Interessen mit Iran auszubauen.

Dies erklärt, warum Premierminister Kazemi Anfang dieses Monats gegenüber dem US-Botschafter in Bagdad, Matthew Tueller, darauf hingewiesen hatte, dass der Irak weder zur Abrechnung noch als Sprungbrett für Angriffe auf ein benachbartes oder befreundetes Land verwendet werden dürfe. 

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