Aug 07, 2020 12:55 Europe/Berlin
  • Macrons Libanonbesuch im Kolonialstil löst Spott und Aufschrei aus

Beirut (ParsToday/PressTV) - Die Libanesen haben sich in den sozialen Medien gemeldet, um ihren Ärger über den französischen Präsidenten Emmanuel Macron über seinen ungebetenen Besuch im Libanon und seine "Kolonialmentalität" auszudrücken, der einen neuen politischen Pakt forderte und Berichten zufolge die Regierungsverantwortlichen des Landes bedrohte.  

Macron besuchte am Donnerstag die libanesische Hauptstadt, nachdem eine katastrophale Explosion den Hafen von Beirut und Teile der Innenstadt vollständig zerstört hatte. Während des Schnellbesuchs forderte der französische Präsident eine internationale Untersuchung der verheerenden Explosion.

Das arabischsprachige al-Mayadeen-Fernsehnachrichtensender im Libanon sagte, Macron habe bei einem Treffen mit Präsident Michel Aoun den libanesischen Verantwortlichen mit Sanktionen gedroht, wenn sie sich Reformen und einem „politischen Wandel“ nicht unterwerfen sollten. 

Macrons Äußerungen lösten eine schnelle Gegenreaktion aus, und viele Twitter-Nutzer prangerten seine Äußerungen an, die sie als Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Libanon bezeichneten, der sich vor mehr als sieben Jahrzehnten von der französischen Kolonialherrschaft unabhängig machte.

In offenkundiger Einmischung schlägt Macron einen neuen „Pakt“ für Libanon vor

 

Macrons Äußerungen provozieren Unruhe

Die Äußerungen des Französischen Staatspräsidenten kamen in einer Zeit, in der die Nation in Schock und Trauer ist, was zu Protesten in Zentral-Beirut führte, wo Sicherheitskräfte Tränengas abfeuerten, um Dutzende Demonstranten zu zerstreuen.

Die Demonstranten marschierten auf den Straßen, die zum Regierungsgebäude und zum Parlament führten. Sie bewarfen Sicherheitskräfte mit Steinen, zündeten Reifen an und skandierten gegen die politische Elite.

Einige wurden in der kleinen Kundgebung verwundet, berichtete die National News Agency.

 

Libanon: 3 Tage Staatstrauer / 100 Tote und 4000 Verletzte nach Explosionen

Die gewaltige Explosion am Dienstag fand in Hafenlagern statt, in denen hochexplosives Material in der Nähe des Zentrums von Beirut gelagert wurde. Videoaufnahmen zeichneten eine Schockwelle auf, die sich schnell über Hunderte von Metern bewegte und große Teile der Stadt in Trümmern legte.

Dutzende von Menschen werden immer noch vermisst. Der libanesische Premierminister Hassan Diab hat drei Tage nationale Trauer um die Opfer des tödlichen Vorfalls angekündigt und einen landesweiten Ausnahmezustand für zwei Wochen erklärt.

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