Sep 29, 2020 14:13 Europe/Berlin
  • Saudi-Arabien boykottiert türkische Produkte

Riad/Ankara (Press TV) - Saudi-Arabien wird diese Woche Berichten zufolge türkische Produkte offiziell verbieten, nachdem es monatelang Druck auf lokale Unternehmen ausgeübt hat, im Rahmen eines „geheimen“ Embargos nicht mit Ankara zu handeln.

Das saudische Embargo, das diese Woche in Kraft treten soll, soll der bereits stark geschädigten türkischen Wirtschaft einen weiteren Schlag versetzen, berichtete die  Tageszeitung Cumhuriyet am Sonntag.

"Unsere Kunden haben sich an türkische Produkte gewöhnt, sie sind zufrieden damit. Aber Sie können unsere Waren nun nicht mehr kaufen. Sie sagen, dass diese über ein Drittland an sie gesendet werden sollen", zitierte der Bericht einen türkischen Geschäftsmann. 

"Kleine und mittlere Unternehmen sind sehr besorgt, zumal dadurch die Exporte aus südosttürkischen Provinzen wie Hatay, Gaziantep und Diyarbakır zum Stillstand kommen", fügte dieser hinzu.

Saudi-Arabien übte bereits Druck auf lokale Unternehmen aus, nicht mit der Türkei und ihren Unternehmen zu handeln, um den inoffiziellen Boykott zu verstärken.

Laut einem Bericht von Middle East Eye vom Juli 2020 hat Saudi-Arabien verhindert, dass türkische Lastwagen mit frischem Obst und Gemüse die saudische Grenze überqueren.

Die türkische Zeitung Dünya berichtete ebenfalls, dass die saudische Regierung einzelne Unternehmen kontaktiert und sie angewiesen habe, nicht mit türkischen Unternehmen zu handeln oder die in der Türkei hergestellten Produkte zu kaufen. Die Regierung verhänge Geldstrafen gegen jedes Unternehmen, das diese Anordnung ignoriere, hieß es.

In den letzten Jahren waren die Beziehungen zwischen der Türkei und einigen Anrainerstaaten des Persischen Golfes wie Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten, VAE, aufgrund unterschiedlicher außenpolitischer Ziele und Initiativen angespannt.

Ein Hauptstreit zwischen Ankara und Riad ist der brutale Mord an dem im Exil lebenden saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi im Oktober 2018, der im saudischen Konsulat in Istanbul verübt wurde. Während Saudi-Arabien die offizielle Verantwortung für die Ermordung abgelehnt und Schurkenagenten die Schuld dafür gegeben hat, hat die Türkei Dokumente vorgelegt, die beweisen, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman das Verbrechen angeordnet hat.

Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und der Türkei verschlechterten sich auch im Zusammenhang mit den Differenzen zu Katar.

Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate lösten am 5. Juni 2017 die Beziehungen zu Katar und beschuldigten Doha den Terrorismus offiziell zu unterstützen und die Region zu destabilisieren. Die Türkei war im Streit zunächst neutral geblieben, unterstützte Doha jedoch bald selbstbewusster. Am 7. Juni genehmigte das türkische Parlament den Einsatz von Truppen auf einer türkischen Militärbasis in Katar.

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