Sep 29, 2020 15:31 Europe/Berlin

Berg-Karabach (Press TV) - Der heftige Schusswechsel zwischen Armenien und Aserbaidschan im umstrittenen Gebiet Berg-Karabach dauerte am Dienstag, dem dritten Tag in Folge, trotz der umfangreichen internationalen Forderungen nach einem Waffenstillstand und kurz vor einer Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates über die Eskalation, an.

Offizielle Militärverantwortliche beider Seiten bestätigten, dass die Kämpfe die ganze Nacht über andauerten und behaupteten, auf der jeweils anderen Seite militärische und menschliche Verluste verursacht zu haben.  

Nach Angaben des armenischen Verteidigungsministeriums seien aserbaidschanische Offensiven an mehreren Stellen des Konfliktgebietes abgewehrt worden, und der Feind habe ernsthafte Verluste an Kräften erlitten.

Aserbaidschan meldete keine militärischen jedoch mehrere zivile Opfer.

Die Zahl der Todesopfer durch die militärischen Zusammenstöße stieg am Montag auf 95, Karabach bestätigte den Verlust von 84 Militärkräften und 11 Zivilisten, davon 9 in Aserbaidschan und 2 auf armenischer Seite.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium teilte mit, es habe "Armeniens Gegenoffensive zurückgedrängt, um seine Positionen zurückzugewinnen".

Das Ministerium fügte hinzu, dass eine motorisierte armenische Militärkolonne und eine Artillerieeinheit bei den nächtlichen Zusammenstößen zerstört worden seien.

Heute "setzten die aserbaidschanischen Streitkräfte eine Offensive gegen die Stadt Füzuli fort, zerstörten 4 Panzer, ein gepanzertes Fahrzeug und töteten 10 Militärkräfte", hieß es weiter.

Am Montag kam es im Berg-Karabach-Konflikt zu den schwersten Auseinandersetzungen seit mehr als 25 Jahren.

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Berg-Karabach, verbündet mit Armenien, teilte mit, 53 seiner Kräfte seien am Montag bei Zusammenstößen mit aserbaidschanischen Soldaten getötet worden, 31 seiner Soldaten seien nach einer Offensive der aserbaidschanischen Streitkräfte am Sonntag getötet und 200 weiter verletzt worden.

"Dies ist ein Krieg um Leben und Tod", sagte der Führer von Berg-Karabach Arayik Harutyunyan auf einer Pressekonferenz am Montag und behauptete, die aserbaidschanische Armee habe einen Großangriff auf Matagis und Talish sowie Gebiete entlang des Araks-Flusses verübt.

Berg-Karabach kündigte ferner die Rückeroberung eines am Sonntag verlorenen Territoriums an, aber der Führer der Region fügte später hinzu, dass weder die aserbaidschanische Armee noch das armenische Militär während der Kämpfe am Montag strategische Positionen eingenommen hätten.

Baku behauptete jedoch weitere Fortschritte bei den jüngsten Kämpfen gemacht zu haben und das aserbaidschanische Verteidigungsministerium erklärte, dass die aserbaidschanischen Streitkräfte "feindliche Positionen und mehrere strategische Positionen rund um das Dorf Talish eingenommen haben".

"Der Feind zieht sich zurück", hieß es aus Baku und man beschuldigte die Separatisten, zivile Ziele in der Stadt Terter beschossen zu haben.

Die Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums, Shushan Stepanyan, sagte hingegen, die armenischen Separatisten hätten die Positionen Aserbaidschans am Sonntag zurückerobert.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev ordnete am Montag eine teilweise militärische Mobilisierung an, und der aserbaidschanische General Mais Barkhudarov versprach, "bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen, um den Feind vollständig zu zerstören und zu gewinnen".

Der UN-Sicherheitsrat wird einigen Diplomaten zufolge am heutigen Dienstag hinter geschlossenen Türen eine Dringlichkeitssitzung abhalten, um die Situation in Berg-Karabach zu erörtern. Die von Belgien beantragte Sitzung soll um 17.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr GMT) stattfinden.

Frankreich und Deutschland hatten darauf gedrängt, die Angelegenheit auf die Tagesordnung zu setzen. Großbritannien schloss sich ebenfalls dem europäischen Vorstoß an, teilten Diplomaten mit und fügten hinzu, dass eine gemeinsame Abschlusserklärung gegeben werden könne - entweder vom gesamten Rat oder seinen europäischen Mitgliedern, wenn kein vollständiger Konsens erzielt werde.

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