Mrz 28, 2016 07:49 Europe/Berlin
  •  Aserbaidschan 1394

Die Republik Aserbaidschan steckte im vergangenen iranischen Sonnenjahr 1394 in Krisen und erlebte in Politik und Wirtschaft, Kultur und religiösen Angelegenheiten einiges Auf und Nieder.

 

 Zugleich forderten die Auseinandersetzungen zwischen dieser Republik und Armenien um Gebiete ihre Opfer und kein internationales Gremium konnte etwas für die Beendigung dieses Territorialkonfliktes tun. Selbst das Treffen der Oberhäupter beider Länder in Bern, Schweiz, konnte nichts an dieser Situation ändern.

Während die Probleme Aserbaidschans in der Region und die Uneinigkeit zwischen der Regierung von Ilham Aliyev und den USA und einigen europäischen Regierungen zunahmen, ging Baku gewaltsam gegen Gläubige in diesem Land vor. Das Jahr 2015 hätte nicht übler für die Gläubigen in Aserbaidschan enden können. Nach weniger als zwei Monaten Ruhe und Frieden in Nardaran, haben die Sicherheitskräfte der Republik Aserbaidschan im März wieder begonnen religiöse Menschen in Nardaran festzunehmen.

1394 war für die muslimischen Einwohner der Republik Aserbaidschan und die Regierung dieser Republik eines der schlechtesten Wirtschaftsjahre. Auch für das neue Jahr wird keine Besserung vorausgesagt.

Ein wichtiges Ereignis im vergangenen iranischen Sonnenjahr war außerdem die Teheran-Reise des Staatspräsidenten Aserbaidschans Ende Februar und sein Treffen mit Revolutionsoberhaupt Ajatollah Khamenei.

Wir gehen nun etwas detaillierter auf die genannten Ereignisse ein.

Als erstes möchten wir über die Schwierigkeiten sprechen, die die Regierung von Baku den Gläubigen in dieser Republik bereitet.

Am 26. November 2015 drangen die Sicherheitskräfte und die Sonderpolizeigarde von Aserbaidschan getarnt als Arbeitskräfte der Stadtverwaltung in eine Moschee in Nardaran ein. Sie griffen die Gläubigen, die an einer Trauerzeremonie teilnahmen, an und nahmen Hadsch Tale` Baqerzadeh, einen geschätzten aserbaidschanischen Geistlichen und Leiter der Bewegung der Union der Muslime und viele weitere Gläubigen fest. Daraufhin protestierten die Bürger von Nardaran auf dem Imam-Hussein(a)- Platz und forderten die Freilassung der Gläubigen.

Der ehemalige Vize-Vorsitzende der Islamischen Partei der Republik von Aserbaidschan sagte, dass dieser blutige Angriff auf Bestellung erfolgte und sah diesen Angriff im Zusammenhang mit anderen Gewalttaten gegen die Schiiten auf der Welt. Er machte die USA und das Besatzerregime von El-Quds als die eigentlichen Urheber dafür verantwortlich. Und sagte: „Die blutigen Angriffe in Nigeria auf Muslime und der Angriff vom 26. November der Sonder-Polizeigarde von Aserbaidschan auf eine Moschee in Nardaran geschahen beide auf Bestellung der USA, des zionistischen Regimes und des Westens.

An dem Tag des blutigen Vorfalls von Nardaran hat die Regierung in Baku alle Webseiten von Muslimen, die Meldungen über die Festgenommenen brachten, gefiltert. Außerdem haben sie trotz des kalten Wetters die Strom-, Wasser- und Gasversorgung der Ortschaft Nardaran abgebrochen, um die Bewohner auf dieser Weise unter Druck zu setzen. Außerdem hat Baku sieben Bürgern aus Nardaran die in staatlichen Büros beschäftigt werden, gekündigt (obwohl diese zur Zeit des Angriffs auf die Moschee auf ihrem Arbeitsplatz waren)

95 Prozent der Einwohner dieser Ortschaft sind ohnehin arbeitslos. Die Kündigung aufgrund der Herkunft aus einem bestimmten Ort, ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte und ebenso gegen das Arbeitsgesetz der Republik Aserbaidschan.

Bereits zuvor hat die Regierung von Ilham Aliyev immer mehr praktizierende Gläubige, die in staatlichen Ämtern tätig waren und sich zur Beachtung der religiösen Gebote, wie das tägliche Ritualgebet, das religiöse Fasten und die Khumssteuer verpflichtet füllten , entlassen. Dies obwohl 98 Prozent der 10 Millionen-Bevölkerung der Republik Aserbaidschan Muslime sind. 86 Prozent von ihnen sind Schiiten.

Die Regierung in Baku scheint also die Interessen eines sehr kleinen Prozentsatzes der Gesellschaft zu decken. Anscheinend hat sie nur Gewaltanwendung gegen Aktivisten im Inland auf der Tagesordnung stehen, anstatt positiver Maßnahmen zur Beseitigung der Probleme der muslimischen Bevölkerung. Außerdem hält der Konflikt mit Armenien an, der das größte Problem für alle Bürger ist.

Die Regierung in Baku hat den Druck auf die Bevölkerung dieses Landes in den letzten Monaten verstärkt und besonders die Ortschaft Nardaran mit ihren 10 tausend Einwohnern in die Zange genommen.

Neben der leidvollen Situation für die Gläubigen in der Republik Aserbaidschan, lässt sich auch die Wirtschaftslage dieses Landes beklagen. Im vergangenen iranischen Sonnenjahr 1394 ging die Förderung und Ausfuhr von Erdöl und Naturgas weiter zurück, so dass das Land erhebliche Einbußen machen musste.

Erdölexperten sagen voraus, dass dieser Rückgang, der vor drei Jahren einsetzte, anhalten wird. In den letzten 12 Monaten betrug er an den Vorjahren gemessen fast 40 Prozent.

Das Haushaltsdefizit der Republik Aserbaidschan nahm daher erheblich zu und das Land war gezwungen, bei internationalen Finanzinstituten und anderen Ländern Kredite aufzunehmen. Das Einkommen des Staates nahm um mehr als zwei Drittel ab. 1394 sank zudem der Wert des Manats, der aserbaidschanischen Währung um mehr als die Hälfte. Dieser Abwärtstrend hält an.

Der Bergkarabachkonflikt zwischen Armenien und der Republik Aserbaidschan wurde auch 1394 nicht beigelegt. Nachdem die Treffen zwischen den Staatsoberhäuptern von Baku und Jerewan eingestellt wurden, konnten die Vertreter der Gruppe Minsk erreichen, dass sie am 19. Dezember 2015 doch wieder im Schweizer Bern zusammentrafen. Die Vertreter der Gruppe Minsk gaben am Ende dieses Treffens eine Erklärung heraus, in der es hieß, dass die Konfliktparteien sich über ein zukünftiges Treffen geeinigt haben. Nach diesem Treffen gab jedoch das Verteidigungsministerium von Aserbaidschan bekannt, eine weitere Drohne der armenischen Armee über dem Bezirk Tartar abgeschossen zu haben. Dies war das dritte unbemannte Flugzeug zur Aufklärung, welches innerhalb 3 Monaten von Aserbaidschan abgeschossen wurde. Deshalb wird eine Fortsetzung der Karabachkrise erwartet. Gegen Ende Dezember gab das aserbaidschanische Verteidigungsministerium bekannt, wenn Armenien weiter den Waffenstillstand verletzt, werde der Karabach-Konflikt eine militärische Lösung haben. Baku sei stark genug, um die Verletzung des Waffenstillstandes seitens Armenien zu erwidern.

Wenn es die klaren Angriffen der armenischen Armee unbeachtet lässt, läge dies nicht an Unfähigkeit.

Einen Tag später meldete das armenische Verteidigungsministerium es seien 215 aserbaidschanische Militärs in den vergangenen 24 Stunden getötet worden. Aber das aserbaidschanische Verteidigungsministerium dementierte dies.

Präsident Ilham Aliyev ist im vergangenen 1394 der offiziellen Einladung des iranischen Präsidenten Dr.Rohani gefolgt und nach Teheran gekommen. Es war sein zweiter Teheranbesuch in den letzten 12 Monaten und das vierte Treffen der Präsidenten beider Länder im gleichen Zeitraum.

Rohani und Aliyev haben am Ende der jüngsten Iranreise des aserbaidschanischen Präsidenten zum Ausbau der gemeinsamen Kooperationen in Teheran 11 Einverständnisnoten und Verträge unterschrieben. Bevor er Teheran verließ, suchte Ilham Aliyev das Oberhaupt der Islamischen Revolution auf. Bei dieser Begegnung verwies Ajatollah Khamenei auf die guten politischen Beziehungen und die zahlreichen Gemeinsamkeiten zwischen Teheran und Baku.

Ajatollah Khamenei hob hervor, die Islamische Republik betrachte die Bevölkerung der Republik Aserbaidschan als mehr als nur Freunde und Nachbarn, sondern als Brüder und erklärte: „Die politische Stabilität, Sicherheit, Ruhe und das Allgemeinwohl der Aserbaidschaner ist für uns von großer Bedeutung.“ Er fuhr fort, angesichts des guten Verständnisses zwischen beiden Völkern sollten die Wirtschaftsbeziehungen und die Zusammenarbeit in den verschiedenen Bereichen zunehmen. Der Revolutionsführer verwies darauf, dass die Iraner und Aserbaidschaner Anhänger der gleichen Rechtsschule sind und sagte: „Die schiitischen Überzeugungen der Bevölkerung von Aserbaidschan sind ein kostbares Kapital. Je mehr die Regierung von Aserbaidschan die religiösen Manifestationen und Überzeugungen der Bevölkerung achtet und begrüßt, desto größer wird die Unterstützung der Bevölkerung für die Regierung und ihr Widerstand gegenüber der Feindschaft einiger Großmächte werden.“ Er sagte, dass gegen die Zwietrachtstiftung unter den Völkern seitens der takfiristischen (Muslime exkommunizierende) Gruppen vorgegangen werden kann, indem man die islamischen Tätigkeiten fördert, und erklärte weiter: „Aserbaidschan ist religiös gesehen tief verwurzelt und Heimat einiger großer Islamischer Gelehrten. Die Bevölkerung von Aserbaidschan ist klug und wachsam, so dass es eine große Wirkung auf sie hat und ihre Gefühle anspricht, wenn der Staat sie zu religiösen Aktivitäten aufmuntert und sie unterstützt.“ Ajatollah Khamenei bestätigte die Äußerungen des Präsidenten von Aserbaidschan darüber, dass die meisten Bedrohungen gegen beide Länder den gleichen Ursprung haben und erklärte weiter, die Verbreitung des Islamischen und schiitischen Wissens werde zum Beistand Gottes und zur Fürbitte der Makellosen Imame (aus dem Hause des Propheten) bei der Überwindung der Probleme und Bedrohungen von außen führen.

Die gemeinsamen islamischen Überzeugungen beider Länder seien ein fester Rückhalt für Baku und Teheran für ihre politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ajatollah Khamenei verwies darauf, dass die Bevölkerung in den Grenzprovinzen Irans und Aserbaidschans gute Beziehungen zueinander haben und Bewohner von Aserbeidschan es vorziehen, zur medizinischen Behandlung in den Iran zu kommen, anstatt in den Westen zu reisen. Der Besuch des Präsidenten von Aserbaidschan bestätige die Freundschaft zwischen beiden Völkern.


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