Oct 24, 2019 12:00 Europe/Berlin
  • Syrische Kurden danken Russland für Waffenruhe in Nordsyrien

Die von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) haben Moskau für die Übereinkunft mit Ankara gedankt, infolgedessen die türkische Offensive gegen kurdische Kämpfer in Nordsyrien beendet wurde.

Die SDF begrüßte auch den Einsatz russischer und syrischer Truppen in den Grenzregionen als Teil der Abmachung.

Bei einer Videokonferenz mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Shoigu und dem Generalstabschef Valery Gerasimov am Mittwoch sagte SDF-Chef Mazloum Kobani Abdi, Moskau habe die Kurden durch das jüngste Abkommen mit Ankara vor der „Geißel“ des Krieges bewahrt.

Laut einer Erklärung der SDF dankte Abdi Präsident Wladimir Putin und der Russischen Föderation für die Gewährleistung der Sicherheit der kurdischen Bevölkerung sowie für die Schritte, die zu der Waffenruhe geführt hätten.

Derzeit würden Einheiten der russischen Militärpolizei und syrische Grenzsoldaten an vielen Orten stationiert um die Sicherheit zu garantieren. „Wir bieten ihnen jede Hilfe und Unterstützung an“, sagte Abdi. Der General äußerte aber auch "Vorbehalte gegenüber einigen Punkten" der Vereinbarung zwischen Russland und der Türkei, die "weitere Diskussionen" erforderten.

Die türkische Invasion in Syrien begann mit dem grünen Licht der USA, die als Verbündete der kurdischen Milizen galten. Trump hatte der türkischen Offensive am 9. Oktober durch den Abzug von US-Truppen aus Nordsyrien erst den Weg bereitet, damit der NATO-Verbündete Ankara die Kurden angreifen konnte. Die Angriffe hatten zum Ziel, die Grenzzone von den durch die USA unterstützten kurdischen Milizen zu säubern, die sie als Terroristen betrachten, und mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei (PKK) in Verbindung bringen. Mit der international stark umstrittenen Militäroperation "Friedensquelle" wollte sich die Türkei also angeblich vor der "Terrorgefahr" durch YPG, PKK und IS schützen.

Die kurdischen Militanten fühlten sich von den USA betrogen und wandten sich an Damaskus, um Hilfe zu erhalten. Sie schlossen zunächst einen von Russland vermittelten Vertrag mit der syrischen Regierung ab, in dessen Rahmen die Kurden den syrischen Truppen erlaubten, sich entlang der türkischen Grenze zu stationieren, um Ankaras Offensive abzuwehren.

Am Dienstag hatten sich dann Russland als Unterstützer der syrischen Regierung mit der Türkei auf eine neue Waffenruhe im Norden Syriens geeinigt. Nach diesem Last-Minute-Deal mit Russland über eine Pufferzone entlang der syrischen Grenze und dem Abzug der Kurden aus dieser Region, sagt die Türkei nun, es sei nicht notwendig, eine neue Offensive in Nordsyrien zu starten.

Das Zehn-Punkte-Memorandum wurde nach langen Gesprächen zwischen Putin und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in der Schwarzmeerstadt Sotschi ausgehandelt. Im Rahmen des Abkommens, das am Mittwochmittag in Kraft trat, überquerte ein erster Konvoi der russischen Militärpolizei auf dem Weg zur syrisch-türkischen Grenze den Euphrat um dort zusammen mit den syrischen Grenzschutzsoldaten die YPG-Milizen samt ihrer Ausrüstung bis zu einer Tiefe von 30 Kilometern von der türkischen Grenze zu entfernen. Sobald der Prozess abgeschlossen ist, werden türkische und russische Einheiten künftig gemeinsame Patrouillen in einem zehn Kilometer tiefen Streifen mit Ausnahme der Grenzstadt Kamischli in der Provinz Hasakah führen.

Russland und die Türkei verpflichten sich in der Vereinbarung dazu, die territoriale Einheit und Integrität Syriens sicherzustellen, gegen Terroristen vorzugehen und die Infiltration terroristischer Kämpfer in diese Zone zu verhindern. Dabei geht es auch um die Sorge, dass die IS-Terrormiliz sich wieder in der Region breitmacht.

 

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