Nov 14, 2019 13:18 Europe/Berlin
  • Boliviens selbsternannte Interimspräsidentin ernennt Kabinett

La Paz (ParsToday/PressTV) - Boliviens selbsternannte Interimspräsidentin hat nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Evo Morales ihre neue Minister vereidigt.

Am Mittwoch hat Jeanine Áñez 11 von insgesamt 20 Ministern in ihr Kabinett berufen. Der 60-jährige Morales beantragte auf Druck des Militärs und seiner politischen Gegner in Mexiko Asyl. Während ihrer ersten Fernsehansprache forderte Áñez die Bürger auf, nach wochenlanger Gewalt infolge einer umstrittenen Wahl ihr normales Leben wieder aufzunehmen, und schwor, „einen nationalen Konsens“ anzustreben.

Unmittelbar vor dem Präsidentenpalast in der Hauptstadt La Paz, wo die Ernennung des Kabinetts stattfand, marschierten Tausende von Menschen, um Morales zu unterstützen und gegen die Machtübernahme im Land zu protestieren. Berichten zufolge soll die bolivianische Polizei Tränengas abgefeuert haben, um die Situation einzudämmen.

Die Anhänger des gestürzten bolivianischen Präsidenten Evo Morales und die Einheimischen, die mit der politischen Lage unzufrieden sind, marschieren am 13. November 2019 während eines Protests in der Hauptstadt La Paz. (Foto von AFP)

Die 52-jährige ehemalige stellvertretende Sprecherin des bolivianischen Senats erklärte sich am Dienstag zur amtierenden Präsidentin, nachdem Morales zurückgetreten war und in Mexiko Asyl suchte. Áñez übernahm die Präsidentschaft in einer Legislatursitzung, die kein Quorum erreichte, weil sie von Gesetzgebern der linken Partei, die Partei von Morales, boykottiert wurde. Boliviens gestürzter Präsident verurteilte diese Machtübernahme als "den hinterhältigsten, schändlichsten Putsch der Geschichte".

In Bolivien begannen die Spannungen, nachdem Morales die Präsidentschaftswahlen am 20. Oktober gewonnen hatte. Die Opposition lehnte das Ergebnis ab und behauptete, im Wahlprozess habe es Betrug gegeben. Das löste gewaltsame Straßenproteste aus, bei denen drei Menschen starben und Hunderte weitere verletzt wurden, was die Morales-Regierung als Putsch bezeichnete.

Als Präsident hat Morales dazu beigetragen, Millionen aus der Armut zu befreien, die sozialen Rechte zu stärken und den Vorsitz über fast 14 Jahren der Stabilität und des hohen Wirtschaftswachstums in Südamerikas ärmstem Land zu führen. Die Wirtschaft ist im Jahresdurchschnitt um rund 4,5 Prozent gewachsen und liegt damit weit über dem regionalen Durchschnitt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert ein Wachstum von vier Prozent in diesem Jahr.

Kommentar