Feb 18, 2020 12:14 Europe/Berlin
  • Moskau ist Gastgeber der 9. Waldai Nahost-Konferenz

Moskau (ParsToday/PressTV) – Die diesjährige Nahost-Konferenz des Waldai-Diskussionsklubs wurde am Montag eröffnet.

Der Schwerpunkt des zweitägigen Forums lag auf der regionalen Architektur und den Szenarien, die das Jahr 2020 für die Region bringen wird. Dazu gehörten der unerwartete Machtwechsel in Algerien und Sudan, Proteste im Libanon und im Irak, die spektakulären Wahlergebnisse in Tunesien und der endlose Wahlprozess in Israel. In dieser Situation besteht Russland weiterhin auf der Schaffung eines integrierten kollektiven Sicherheitsmechanismus in der Region.

Eines der Hauptthemen des Forums war die israelisch-palästinensische Frage. Experten diskutieren den Vorschlag des russischen Außenministers Lawrow an die italienische Zeitung „La Stampa“. Lawrow hatte Verhandlungen über eine israelisch-palästinensische Regelung im Rahmen eines Quartetts vorgeschlagen, was von der palästinensischen Seite begrüßt wurde. Laut Lawrow könne Russland die pro-israelische US-Haltung ausgleichen. „Es ist unzulässig, den einseitigen Plan des ‚Jahrhundert-Deals‘ einfach anzunehmen. Dies wird negative Auswirkungen nicht nur für Israel und Palästina, sondern auch für die gesamte Region mit sich bringen. Und ein Viererformat ist eine ausgezeichnete Option für Gespräche. Gerade in einem Viererformat wird Russland im Stande sein, die offensichtlich proisraelische Haltung der USA auszugleichen“, hatte er betont.

In der Botschaft Lawrows, die im Forum vorgetragen wurde, hob er hervor, dass Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten nur durch die Respektierung der Souveränität, territorialen Integrität und Unabhängigkeit der Länder in der Region erreicht werden könnten und dass die syrische Regierung genau nach diesen Grundsätzen aufrechterhalten werden konnte.

Der palästinensische Botschafter in Russland, Abdul Hafiz Noufal, sagte auf dem Treffen seinerseits, dass Palästina den Deal des Jahrhunderts niemals akzeptieren werde. "Palästina lehnt den von den USA und Israel auferlegten Plan ab und wir wollen ein Land innerhalb der Grenzen von 1967", sagte er. Ihm zufolge sei Palästina bereit, für die Bildung seiner unabhängigen Regierung solange es nötig ist, zu verhandeln, auch wenn es fünf Jahre oder länger dauern sollte.

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Aus Iran war der ehemalige iranische Botschafter in Russland und hochrangiger Berater des iranischen Außenministers, Mahdi Sanai, der auch Mitglied des politischen Diskussionsklubs Waldai ist, bei dieser Zusammentreff in Moskau präsent.

Sanai erklärte, dass die Probleme im Nahen Osten zum Großteil mit den Interventionen der USA und anderer westlicher Staaten in der Region zu tun hätten. "Ich glaube, dass die Hauptprobleme und Herausforderungen dieser Region von der Tatsache herrühren, dass die legitimen Regierungen der Region zum Angriff genommen werden, obwohl man diese respektieren sollte", fuhr er fort. "Alle Teilnehmer des heutigen Treffens wissen, dass die US-Interventionen in regionalen Angelegenheiten keine positiven Ergebnisse hatten", sagte Sanai.

Zu den weiteren Problemen der Region, die beim Waldai-Forum besprochen wurden, gehörte der Zugang zu Wasser. Ein weiteres Problem war die Demografie und das soziale Umfeld. Das Durchschnittsalter der Einwohner der Region beträgt 25 Jahre und die Arbeitslosenquote ist sehr hoch. Die Zukunft der Region im globalen Kontext, das wachsende Konfliktpotential in der Region, die Beziehungen zwischen arabischen Ländern und ihren nichtarabischen Nachbarn, die Situation am Persischen Golf und im Maghreb, die Beziehungen zwischen Russland und den überregionalen Staaten und die neue Protestwelle in der Region gehörten zu den Diskussionsthemen.

Experten stellten fest, dass viele Probleme der Region von den Interventionen ausländischer Streitkräfte herrühren, die versuchen, Regime zu ändern und auch radikale und terroristische Gruppen mit Waffen versorgen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Schlüssel zu einer Umstellung von radikaler Gewalt zu einer stabilen Entwicklung in Westasien in der Zusammenarbeit bei gegenseitigen Interessen liege, was ihrer Meinung nach durch diplomatischen und politischen Dialog und ohne externe Intervention erreicht werden könne.

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