Mrz 15, 2020 07:43 Europe/Berlin
  • Folgen von COVID-19  für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft

Das neuartige Coronavirus ist zum Thema Nr. Eins in politischen und Medienkreisen, in den sozialen Netzwerken und in den Familien geworden. Immer mehr  Länder sind inzwischen  mit diesem Virus konfrontiert. (Mitte März  waren es bereits um die 150). COVID-19 hat sich zu einer weltweiten Bedrohung entwickelt.

 

 

 

 

Das neuartige Coronavirus genannt SARS-CoV-2  (SARS-Corona-Virus 2) hat nicht nur eine Krise im Gesundheitswesen ausgelöst. Das unsichtbare Monster sorgt auch für eine wirtschaftliche, soziale und kulturelle Krise und hat selbst Folgen für die Innenpolitik der Länder und die internationale Politik.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Welt Zeuge von ansteckenden Krankheiten wird. Die Erkrankung an dem jetzigen  Coronavirus ist jedoch wegen der raschen und starken Ausbreitung  zu einer Pandemie herangewachsen. Vielleicht ist es daher das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, dass die gesamte Weltbevölkerung anlässlich des  Coronavirus das Gefühl hat, einer gemeinsamen Gefahr gegenüberzustehen, die gleichsam das Schicksal aller bedroht. 

Die rasche Verbreitung von SARS-CoV-2 hat bereits jetzt für elementare Veränderungen gesorgt. Es wurden verschiedene Vermutungen über die Entstehung des neuartigen Virus angestellt. Eine Theorie verweist darauf, dass dieser Virus auf einem Markt für Wildtiere in der chinesischen Stadt Wuhan vom Tier auf den Menschen übertragen wurde. Es besteht in der Tat der ernsthafte Verdacht, dass der Verzehr von allen möglichen Wildtieren, der in China üblich ist, eine wichtige Rolle bei der Übertragung von Krankheiten von Tieren auf den Menschen spielt. Gemäß einem Spezialisten für traditionelle Heilkunde ist dieser Verdacht nicht von der Hand zu weisen. Der Verzehr des Fleisches von wilden Tieren hat sich in China eingebürgert, als das Land längere Zeit von den Japanern belagert wurde. Die Chinesen mussten Hunger leiden und so behalfen sie sich mit dem Verzehr von allen möglichen in  freier Natur lebenden Tiere. Diese Gewohnheit ist vor allen Dingen in den Küstengebieten  Chinas Bestandteil der Esskultur geworden. Im  Westen, wo viele Muslime leben, die  nur religiös erlaubtes  (Halal-) Fleisch essen,  begegnet man sehr selten dieser Art von Ernährung und die Fälle von Corona-Erkrankungen waren dort  viel geringer als woanders im Lande.  

Doch noch weiß keiner genau, ob der Tiermarkt in Wuhan wirklich der  Ursprung des neuartigen Virus gewesen ist. Die Untersuchungen laufen noch.

                      

Es wurden auch  andere Hypothesen über den  Ursprung von SARS-CoV-2 aufgestellt, nämlich dass dieses Virus in den US-Labors entwickelt wurde, um die chinesische Wirtschaft zu bezwingen. Dann hätten wir es mit einem biologischen Krieg zu tun.

Egal wie die  die Spekulationen über den Ursprung des Corona-Virus lauten, eines ist gewiss, nämlich dass die Erkrankung an diesem neuartigen Corona-Virus für viele Länder auf der Welt schwere Folgen für ihre Wirtschaft, die Politik, die Gesellschaft und die Sicherheit hat. Bislang hat noch keine Epidemie in diesem Umfange weltweit Auswirkungen gehabt. Durch die Revolution in der Kommunikationstechnologie ist die Welt ja zu einem Weltdorf geworden.  Die Globalisierung ist eine wichtige Phase im Leben der Menschheit gewesen  und hat das Leben der Menschen verändert.  Sie  hat jedoch auch die Risiken für die  Menschen und die Länder erhöht. Eine dieser Gefahren bilden Pandemien, und die Erkrankung mit dem neuartigen Corana-Virus liefert ein Beispiel dafür, wie es vorher noch nicht vorgekommen ist.

 

Ansteckende Krankheiten hat es schon immer gegeben. Ihr plötzlicher Ausbruch hat die Menschen in Furcht und Schrecken  versetzt. Früher haben vor allem  Pest und Cholera viele Opfer gefordert. Anstatt der Pest  treten in unserer Zeiten Viren wie SARS und MERS plötzlich unerwünscht auf und bedrohen das Leben der Menschen.  Sie töten nicht nur  sondern blockieren das Leben. Wo sie herrschen, werden Berufstätigkeiten und Freizeitaktivitäten lahmgelegt, die Produktion und der Handel werden eingestellt, Kino-, Schul- und Universitätsbesuche und Sportveranstaltungen fallen flach.  Alles gerät in die Schwebe, vielleicht sogar das Denken.  Corona-Virus ist ein Virus des Technologiezeitalters, aber mit den Worten von Bill Gates, dem Mitbegründer von Microsoft, kommt selbst die Technologie nicht gegen das Virus an.

Dem Anschein macht die  Technologie die Konfrontation mit  natürlichen Katastrophen leichter als die Bekämpfung der Übel, die aus ihr selber hervorgehen. Die Zivilisation des technischen Zeitalters fürchtet sich vor dem Zorn der Natur nicht so sehr wie vor den verheerenden eigenen Kräften.  Dies nur am Rande.

                            

Die jetzige Situation  fügt jedenfalls der Menschheitsgeschichte mit allen ihren bitteren Erscheinungen und ihren zerstörerischen Wirkungen ein neues Blatt hinzu.

Die weitgehende rasche Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus zeigt, dass dieser Virus keine Grenzen kennt. Corona lehrt die Welt erneut, dass man nicht auf Kosten der Sicherheit der anderen Völker für sich selber Sicherheit schaffen kann.  Die Welt, in der wir leben, ist viel zu komplex,  als dass man sich durch hohe Mauern abschotten könnte und als dass man hinter den eigenen geografischen Grenzen vor Gefahren sicher sei. Als Donald Trump unwissend seine Parole „America first“ –( erst Amerika )- ausgab,  haben bereits Intellektuelle unterstrichen, wie falsch eine solche Einstellung ist.  Jetzt, wo die US-Administration zunächst die Existenz des Corona-Virus in den USA und daraufhin seine Gefahr zurückgewiesen hat, sieht sich dieses Land letztendlich selber der Verbreitung dieser Virus-Erkrankung gegenüber und die Potentaten der USA müssten eigentlich eingesehen haben, dass alle  Welt miteinander in Verbindung steht und dass man manchmal andere, die einer Gefahr ausgesetzt sind,  verteidigen muss, um sich selber vor dieser Gefahr zu schützen.  

                       

Die schweren Folgen für die Wirtschaft, heraufbeschworen durch  das neuartige Corona-Virus,  scheinen im Moment vorrangig die  Aufmerksamkeit von einigen auf sich gezogen zu haben.  Ein Teil der Auswirkungen ist schon jetzt spürbar. Dazu zählt der einmalige Preissturz auf dem Erdölmarkt, der wegen des drohenden Rückgangs des Weltwirtschaftswachstums eingetreten ist.  Der wichtigste Grund für die Abnahme des internationalen Wirtschaftswachstums  ist der Rückgang des Wirtschaftswachstums in China – als die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt und als der zweitgrößte Ölkonsument international. Nicht umsonst wird die chinesische Wirtschaft auch der  Motor der Weltwirtschaft genannt. Alle  bekannten Handelsmarken der Welt haben eine Zweigstelle in China und kommen dort auf den Markt. Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler  Joseph Stiglitz, dem  2001 der Nobelpreis verliehen wurde, sagte in einem Fernsehinterview über die Folgen des weltweiten Ausbruchs von COVID-19:  „Wir leben heute in einer Welt, die eine stark miteinander verknüpfte Wirtschaft hat, und wenn das Corona-Virus im Großformat wächst, werden wir sehen, dass die Auswirkungen von Corona  auf die Wirtschaft über China hinausgehen werden und die Weltwirtschaft von den wirtschaftlichen Folgen des Virus betroffen sein wird.“ Stiglitz sagte in diesem Gespräch zudem: „Da die Wirtschaft Chinas ein wichtiges Glied in der Versorgungskette der Weltwirtschaft bildet, wird bei längerem Anhalten der  Wirtschaftsprobleme dieses Landes mit Sicherheit auch die internationale Wirtschaft große Schäden hinnehmen müssen.“ Dieser Professor an der Universität Columbia sagt über die Auswirkungen des Corona-Virus auf die Weltwirtschaft im laufenden christlichen Jahr,  dass auch ohne einen solchen Virus  bereits in großem Maße wirtschaftliche Unsicherheit  auf der Welt herrsche, wobei er besonders die Politik der Regierung Donald Trumps und den Beginn eines Handelskrieges mit China dafür verantwortlich macht.  Durch die Folgen des Corona-Virus für die Wirtschaft würde diese wirtschaftliche Ungewissheit jedoch noch viel höher werden, sagt Stiglitz.

Ähnlich äußerte sich auch Mauro Guillén, der an der Wharton-School der Universität Pennsylvania lehrt. Er  ist der Ansicht, nachdem in  den letzten Jahren  Politik und Handelskrieg die wichtigsten Faktoren für Unsicherheit in der Wirtschaft gewesen sind, sei nun ein dritter Akteur dazugekommen. Guillén sagt voraus, dass der Corona-Virus mit Sicherheit sehr viele Folgen für die Wirtschaft  haben wird.  Auch aus seiner Sicht wird nicht nur China von diesen Folgen betroffen sein, sondern die gesamte Weltwirtschaft beeinträchtigt werden. Einerseits hänge die Weltwirtschaft enorm von dem Wirtschafswachstum in China ab und andererseits müssten jetzt die anderen Staaten in die Bekämpfung des neuen Virus investieren.  Guillén sagt,  dass man noch nicht genau das Ausmaß der durch den Corona-Virus entstandenen Schäden einschätzen kann. Es sei aber klar, dass das neuartige Virus zusammen mit den Faktoren, die vorher Verunsicherung  in der Weltwirtschaft verursacht haben, zu einer neuen Quelle der Ungewissheit auf dem Wirtschaftssektor  geworden ist.

 

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