Apr 06, 2020 08:10 Europe/Berlin
  • Dutzende Tote bei heftigen Schießereien im von Indien kontrollierten Kaschmir

Kaschmir (ParsToday/PressTV) - Mindestens drei indische Soldaten und neun unabhängige Kämpfer wurden bei zwei verschiedenen Vorfällen im von Indien kontrollierten Kaschmir getötet.

Der indische Armeesprecher Oberst Rajesh Kalia sagte, dass am frühen Sonntag im nördlichen Keran-Gebiet nahe der Kontrolllinie der De-facto-Grenze, die Kaschmir zwischen Indien und Pakistan trennt, fünf Kämpfer getötet wurden. Bei den Zusammenstößen seien auch mehrere Soldaten schwer verletzt worden, fügte er hinzu.

Die heftigen Kämpfe fanden innerhalb von 24 Stunden nach einem weiteren tödlichen Feuergefecht zwischen unabhängigen Kämpfern und Regierungstruppen von Neu-Delhi im südlichen Kulgam statt. Laut Polizeiangaben seien vier Kämpfer aus der Region getötet worden.

Die Kämpfe fanden einige Tage nach der Einführung eines neuen Gesetzes in Indien statt, das es seinen Bürgern ermöglicht, ständige Einwohner des von Indien kontrollierten Kaschmir zu werden, was die Angst vor dem demografischen Wandel in der mehrheitlich muslimischen Himalaya-Region aufkommen lässt.

Das neue Gesetz wurde eingeführt, während das Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern 21 Tage lang gesperrt ist, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Dies lässt Spekulationen aufkommen, dass dieser Zeitpunkt absichtlich ausgesucht wurde.

Kaschmir nach Indiens einseitigem Schritt: Eine Geschichte von Angst und Hoffnungslosigkeit

Das von Indien kontrollierte Kaschmir befindet sich seit dem 5. August in einem Zustand der Sperrung, nachdem die Regierung des indischen Premierministers Narendra Modi der Region ihren halbautonomen Status entzog. Neu-Delhi entsandte Tausende zusätzlicher Truppen in die Region, erklärte eine strenge Ausgangssperre, stellte Monatelang Telekommunikations- und Internetdienste ein und verhaftete politische Führer und Freiheitsaktivisten.

Neu-Delhi hatte Kaschmir einen Sonderstatus versprochen, als die Region vor sieben Jahrzehnten zwischen Indien und Pakistan aufgeteilt wurde. Modi und seine nationalistische Bharatiya Janata-Partei (BJP) sprachen sich jedoch seit langem gegen Kaschmirs Autonomie aus.

Nachdem Modis Regierung Anfang letzten Jahres bei Wahlen ein größeres Mandat von seiner hinduistischen Machtbasis erhalten hatte, verschwendete sie keine Zeit mit der Umsetzung ihres Manifests zur Schaffung einer Hindu-First-Nation, in der, muslimische Opposition und Gegenstimmen kein Mitspracherecht haben und zum Schweigen gebracht werden.

Indiens Entscheidung in Kaschmir hat Proteste der lokalen Bevölkerung und Empörung in Pakistan ausgelöst. Kaschmir war lange Zeit ein Brennpunkt zwischen Indien und Pakistan. Drei der vier Kriege zwischen diesen beiden Ländern wurden um das umstrittene Himalaya-Territorium geführt. Beide Länder regieren derzeit Teile von Kaschmir, während sie es jedoch vollständig beanspruchen.

Indische Truppen stehen in ständigen Zusammenstößen mit bewaffneten Gruppen, die im Tal der muslimischen Mehrheit in Kaschmir Unabhängigkeit suchen. In den letzten zwei Jahrzehnten wurden bei den Unruhen in Kaschmir Tausende Menschen getötet.

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