Jul 10, 2020 14:27 Europe/Berlin
  • Großbritannien überschüttet Saudis mit Entschuldigungen, nachdem es die Menschenrechte des Riad-Regimes kritisiert hat

Riad (ParsToday/PressTV) - Das Vereinigte Königreich hat Saudi-Arabien Berichten zufolge nur wenige Tage, nachdem London öffentlich Kritik an dem ultra-konservativen Königreich wegen seiner Menschenrechtsverletzungen geäußert und diesbezüglich Sanktionen gegen das Riad-Regime verhängt hatte, entschuldigt.

Laut einem Bericht des Online-Verlags The Independent haben sich britische Funktionsträger am Montag beim Riad-Regime "entschuldigt", nachdem die Regierung 20 saudischen Staatsangehörigen, die für die Ermordung des in den USA ansässigen Dissidenten und Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich gemacht wurden, Wirtschaftssanktionen auferlegt hatte.

Khashoggi, ein 59-jähriger Kolumnist der Washington Post, wurde am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul getötet. Türkische Beamte sagten, sein Körper sei von den Mördern zerstückelt worden und seine sterblichen Überreste seien noch nicht gefunden worden.

Türkische Staatsanwälte haben 20 saudische Staatsangehörige wegen des grausamen Mordes angeklagt, darunter mehrere, die eng mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MbS) verbunden sind.

Einige westliche Regierungen und Geheimdienste sowie die CIA glauben, dass MbS, Saudi-Arabiens De-facto-Herrscher, die Ermordung angeordnet hat.

Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace soll den saudischen Kronprinzen, der auch der saudische Verteidigungsminister des Königreichs ist, am Mittwoch angerufen haben, um die Unterstützung Großbritanniens für das Riad-Regime und seine Arbeit zu bekräftigen.

Der Aufruf wurde von der britischen Regierung nicht veröffentlicht, aber die staatliche Nachrichtenagentur SPA in Saudi-Arabien prahlte in einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung damit.

„Seine königliche Hoheit, Prinz Khalid bin Salman bin Abdulaziz, stellvertretender Verteidigungsminister, erhielt gestern einen Anruf von Seiner Exzellenz, dem britischen Verteidigungsminister, Herrn Ben Wallace, in dem die Partnerschaft zwischen den beiden Ländern diskutiert wurde, insbesondere im Verteidigungsbereich und den Bemühungen der beiden Länder, die regionale und internationale Sicherheit zu verbessern“, hieß es.

Layla Moran, eine Kandidatin für den laufenden Führungswettbewerb der Liberaldemokraten, sagte gegenüber The Independent: "Es sieht so aus, als hätte die britische Regierung an einem Tag Maßnahmen gegen saudische Personen ergriffen und sich am nächsten Tag privat entschuldigen müssen."

"Dies sendet eine völlig falsche Botschaft an Nationen und Einzelpersonen, die weltweit an Menschenrechtsverletzungen beteiligt sind", sagte Moran und beonte: "Die Regierung muss ein für alle Mal entscheiden, welche Art von globaler Nation Großbritannien sein soll: ein globaler Verfechter liberaler Werte oder jemand, der sich bei Menschenrechtsverletzern entschuldigt".

Der Bericht über den Anfruf kommt zu einer Zeit, in der Großbritannien den Waffenverkauf nach Saudi-Arabien wieder aufnehmen will, obwohl internationale Bedenken bestehen, dass die Ausrüstung im jahrelangen Krieg gegen den Jemen eingesetzt werden könnte.

Oppositionsgesetzgeber und Aktivisten gegen den Waffenhandel kritisierten die "moralisch nicht vertretbare" Entscheidung der konservativen Regierung von Premierminister Boris Johnson.

Im vergangenen Jahr kam ein Gerichtsurteil zu dem Schluss, dass die britische Lizenzierung von Waffenverkäufen nach Saudi-Arabien rechtswidrig war. Das Urteil wurde gefällt, nachdem Aktivisten argumentierten, dass britische Beamte die humanitären Risiken nicht richtig eingeschätzt hätten.

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