Mrz 30, 2021 06:34 Europe/Berlin

Während vor kurzem  fast volle 6 Jahre nach  Beginn des Krieges der saudisch angeführten Koalition gegen Jemen vergangen sind hat sich das Regime in Riad, um die Niederlage gegenüber der jemenitischen Regierung zu verhindern,  an die Türkei gewandt. Dies obwohl die Saudis bis Ende 2020 scharf die Politik Ankaras gegenüber der arabischen Welt kritisiert haben.

 

                                           

Das 6. Jahr des Jemenkrieges ist, begleitet von mehreren wichtigen Entwicklungen, zu Ende gegangen. Die erste wichtige Entwicklung ist  die Überlegenheit der Armee und der Volkskomitees Jemens. Im  Kriegsjahr haben die jemenitischen Kräfte  zwei Präventivschläge auf saudi- arabischem Territorium durchgeführt.  

                        

Die jemenitischen Kräfte haben schon mehrere  Präventivschläge im Verteidigungskrieg gegenüber Saudi-Arabien  vorgenommen. Einer davon war der im Juni 2020, bekannt als der „vierte Präventivschlag“. Bei dieser Operation haben  die jemenitischen Kräfte der Armee und Volkskomitees das Verteidigungs – und Informationsministerium Saudi Arabiens und den Salman-Luftstützpunkt sowie weitere militärische Ziele in Riad, Dschazan und Nadschran mit Raketen und unbemannten Flugzeugen angegriffen.

 

Dieser Operation  folgte kürzlich  im Februar 2021 der „fünfte Präventivschlag“. Sein Ziel waren die Hauptstadt Saudi Arabiens Riad und die beiden südlich gelegenen Städte Chamis Muschait und Abha.  Der vierte und fünfte Präventivschlag waren deshalb so wichtig, weil dabei die Raketen und Drohnen der jemenitischen Kräfte das Innere des saudi-arabischen Territoriums erreichten, ohne dass die US-Systeme sie erkennen und abwehren konnten.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Verteidigungscharakter dieser Militärschläge. Mit anderen Worten: Angesichts der Tatsache, dass die  täglichen Angriffe Saudi Arabiens auf Jemen fortgesetzt werden, haben die Volkskomitees und die Armee Jemens diese Operationen als Gegenreaktion durchgeführt. Dies soll vor allen Dingen als Warnung an die saudisch angeführte Koalition gegen Jemen gelten, dass keine ihrer Offensiven gegen Jemen unbeantwortet bleibt. Der jemenitische Militärstratege Brigadegeneral Abid Al Thawr sagt : „Der fünfte Präventivschlag zeugt davon, dass die  militärische Macht Jemens zugenommen hat.“

Neben dieser Militäroperation der jemenitischen Armee und der Volkskomitees dieses Landes haben diese im sechsten Jahr ihres Verteidigungskrieges noch zwei weitere Erfolge erzielt, indem sie in die Gebiete der Angreifer vordringen und besetztes jemenitisches Territorium befreien konnten. Besonders das Vordringen in Gebiete der saudischen Aggressoren ist von großer Bedeutung und zeugt für die Stärken der jemenitischen Kräfte auf dem Gebiet der Informationsbeschaffung. Abdullah Hakim, Leiter des militärischen Abschirmdienstes in Sanaa hierüber: „Das Eindringen Sanaas in Gebiete der Angreifer und ihrer Handlanger, zeugt von der Schwäche der feindlichen Front und der Brüchigkeit ihrer Verteidigungsstrukturen.“ In der Tat haben diese Erfolge  erneut die Verletzbarkeit der Stellungen der Legionäre Saudi Arabiens und die Überlegenheit der  menschlichen Kräfte Jemens den Saudis gegenüber demonstriert. 

                             

Die Operation von Ma`rib, die im Februar 2020 begonnen hat, war bislang ein großer Erfolg für die jemenitischen Kräfte. Die Kräfte der Armee und Volkskomitees von Jemen stehen nun im März 2021 kurz vor Befreiung der strategisch bedeutenden Provinz Ma`rib. Sie befinden sich in einer Entfernung von 5 km von der gleichnamigen Provinzzentrale.  Bei Befreiung dieser Stadt und Provinz werden praktisch alle nördlichen Gebiete Jemens unter Kontrolle der jemenitischen Nationalregierung geraten   und die Saudis werden  den Traum von der Einnahme der Stadt Sanaa aufgeben müssen.

                

 

Auf der einen Seite haben die jemenitischen Armeekräfte und Volkskomitees auf dem Kriegsschauplatz und bei der Auskundschaftung sichtbare Erfolge erzielt und auf der anderen Seite gab es einen Regierungswechsel in den USA. Beides bereitet dem saudi-arabischem Regime Probleme im Krieg gegen Jemen. Saudi Arabien fürchtet den festen Willen der Jemeniten zum Sieg. Denn im In- und Ausland ist man allgemein zu der Überzeugung gelangt, dass  Riad bei seiner Offensive gegen Jemen  den Kürzeren gezogen hat und eine Fortsetzung des Krieges den Saudis eine noch schwerere Niederlage bereiten könnte. Dazu kommt noch der Machtwechsel in den USA. Zwar hat die Regierung von Biden bislang nur verbal den Abbruch der Unterstützung für Saudi-Arabien angekündigt, aber zweifelsohne wird der neue US-Präsident den Saudis bei der Jemenoffensive nicht auf jene Weise dienlich sein wie Trump ihnen genutzt hat. Daher hat Saudi Arabien in diesem Monat hilfesuchend die Hand zur Türkei ausgestreckt. 

Das türkische Außenministerium hat sich am 9. März 2021 offiziell  hinsichtlich der Angriffe der jemenitischen Ansar Allah auf das saudi-arabische Territorium mit dem saudischen Regime solidarisch erklärt. In dieser Erklärung heißt es, dass die Türkei gegenüber den Angriffen der Ansar Allah auf die Erdölanlagen der Saudis an der Seite der Bevölkerung und Regierung Saudi-Arabiens stehe.

 Die  arabischsprachige, unabhängige  Zeitung Rai al Youm, die in London erscheint, kommentierte dazu:

 „Diese offizielle Erklärung der Türkei scheint die insgeheimen Abmachungen  der Türkei und Saudi Arabiens zu bestätigen, die auf die Bitte Riads um die militärische Unterstützung Ankaras im Jemenkrieg und im Kampf um Ma`rib erfolgten. Gemäß Berichten hat der türkische Geheimdienst begonnen, Listen mit den Namen von Rebellen aufzustellen, die an der Teilnahme des Jemenkrieges interessiert sind und er hat dabei sehr hohe Honorare in Aussicht gestellt. Er hat die Gruppen, die sich in Idlib, (im Nordwesten von Syrien) befinden, aufgefordert die Namen von bereitwilligen Rebellen zu nennen und eintragen zu lassen, damit diese,  zur Unterstützung Saudi Arabiens  im Krieg,  nach Jemen entsandt werden.“

               

 

Wenn Saudi-Arabien den Krieg gegen Jemen fortsetzt, wird es nicht nur noch schwerere militärische Schläge einstecken müssen, sondern die menschliche Katastrophe in Jemen wird noch mehr verschärft werden und dies wird als Niederlage der UNO bewertet werden, welche praktisch nichts zur Beendigung dieser Tragödie unternehmen konnte. Der Exekutivdirektor des Welternährungsprogrammes der UNO, David Beasly, ist im März dieses Jahres in den Jemen gereist und war unter anderem in der Hauptstadt Sanaa. Nach dieser Reise warnte er vor der Hungersnot in diesem Land und sagte, die Welt müsse aufwachen und die schlimmen Bedingungen im Jemen beachten, insbesondere   die Lage der Kinder und Kleinkinder, die er im Krankenhaus von Sanaa gesehen habe.  Auch gab UNO-Sprecher Stephan Dujjarik bekannt, falls der Krieg anhalte, müsste die Hälfte der Bevölkerung von Jemen im kommenden Jahr hungern. Er sagte: „Wir sehen voraus, dass alleine schon 5 Millionen Menschen kurz vor der Hungersnot zubringen werden.“   

Trotz dieser Situation hat die UNO nicht versucht, Schritte zur Beendigung des Krieges zu  unternehmen, sondern ist bestrebt die Angriffe der jemenitischen Volkskomitees und Armeekräfte gegen Saudi Arabien zu stoppen.  Daher hat Revolutionsoberhaupt Ayatollah Khamenei am 11.März über die Reaktion im Westen gesagt: „Sobald die Jemeniten etwas unternehmen, werden sofort ihre Stimmen laut, darunter die Stimme der UNO. Damit ist das Vorgehen der UNO sogar noch hässlicher als das der USA, weil sie Saudi Arabien nicht verurteilt, sondern verurteilt, dass die Jemeniten sich verteidigen.“

Diese scharfe Kritik richtet sich nicht nur gegen die Lügen der USA hinsichtlich der Verteidigung der Menschenrechte, sondern unterstreicht den Standpunkt, dass die Vereinten Nationen sich nicht unparteiisch verhalten und die UNO in der Praxis zu einer politischen Institution geworden ist, die die kapitalistischen Staaten in der Region und die Weltmächte unterstützt. Dies ist einer der Gründe dafür, dass Krisen wie der Jemenkrieg sich in die Länge ziehen.

                           

  Die  Zukunft des Jemenkrieges lässt sich eventuell mit Hilfe  eines Vergleiches  zwischen dem festen Willen der Jemeniten und der Ratlosigkeit der Saudis abschätzen. Mohammad Ali al-Huthi, Mitglied des Obersten  politischen Rates Jemens gab bekannt, ein wahrer Frieden in Jemen hänge von der Aufhebung der Blockade gegen dieses Land und der Einstellung der Angriffe auf Jemen ab. Er erklärte: „Die Jemeniten sind freiliebende Menschen, die kein Unrecht dulden. Sie wollen Freiheit und den Sieg. Ich sage Bin Salman: Die Fortsetzung des Krieges gegen unsere Heimat ist  gleichbedeutend mit dem Ende eurer Monarchie und Herrschaft. Die jemenitische Nation steht kurz vor Beginn des  siebten Jahres der Abwehr der Offensive der saudischen Koalition aber sie wird ihren Widerstand fortsetzen!“

Der russische Analytiker Aleksandr Nazarov schrieb zudem in einem Artikel: „Die Ansar Allah haben bewiesen, dass die aggressive arabischen Koalition unter Anführung von Saudi Arabien trotz riesiger Ausgaben im Jemen-Krieg gescheitert sind und keine Hoffnung auf einen Sieg in diesem Krieg haben. Saudi Arabien sieht sich hinsichtlich des Abbruchs des Jemen-Krieges Problemen gegenüber. Denn es gibt zur Herstellung  von Stabilität in Jemen kein klares Konzept, welches für Riad akzeptable Bedingungen aufweisen würde.   Außerdem nehmen die Konflikte zu und verschärft sich die Konkurrenz mit den Emiraten und wird Saudi Arabien die Führung auf der Halbinsel verlieren.“ 

Angesichts dieser Bedingungen hängt die Beendigung des Krieges gegen Jemen vor allen Dingen von dem Willen der Saudis, der Weltmächte und den Vereinten Nationen ab. Die jemenitische Nationalregierung verfolgt ja lediglich eine Verteidigungs- und keine Angriffsstrategie. Was im Moment besonders auffällt, sind die  Ratlosigkeit der saudischen Herrscher und das Zögern der US-Regierung hinsichtlich ihrer Jemen-Politik. Und so sind leider noch keine Zeichen für die Beendigung der Jemen-Offensive sichtbar geworden. 

 

 

 

 

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