Jun 20, 2019 03:53 Europe/Berlin
  • Das Thema Emigration im iranischen Kino   

Die Medien stellen das Thema „Auswanderung“ unterschiedlich dar: einige positiv und als empfehlenswert und andere negativ und als falsch.

 

                     

Vielleicht haben auch Sie den Wandspruch  in der syrischen Stadt Aleppo gesehen, welcher in den Sozialnetzen kursierte und in dem es hieß: „Die Heimat ist kein Hotel, das du verlässt, wenn der Service nicht gut ist. Wir werden hier bleiben.“ So haben auch viele Syrier gedacht, die nicht ihr Land im Stich ließen, sondern es verteidigt haben.  So sind wahrscheinlich auch alle die eingestellt, die trotz  der ungünstigen Bedingungen in ihrem Land, nicht an eine Auswanderung denken sondern daheim bleiben.

                 

Die Liebe zum Vaterland, ist Liebe zur Heimat  und die Bereitschaft  die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit des eigenen Landes und ethnische-nationale-kulturelle Identität  seines Volkes zu verteidigen.  Vaterlandsliebe  darf nicht mit  Nationalismus verwechselt werden. Es handelt sich um  zweierlei Dinge,  denn Nationalismus geht mit der Antipathie gegen andere Völker und Eigenlob einher. 

Allerdings ist auch im Patriotismus Maß zu halten. Die religiösen Grundsätze und Werte kommen über der Liebe zum Vaterland zu stehen.

Trotz alledem darf  gemäß den internationalen Bestimmungen jemandem der auswandern will, kein Hindernis auf den Weg gelegt werden und das Migrationsrecht gehört zu den persönlichen Freiheitsrechten.

                   

Das Thema Migration hat nicht nur in der Filmwelt anderer Ländern sondern auch im iranischen Kino in den letzten Jahrzehnten eine größere Rolle bei der Entstehung von Filmwerken gespielt.  Das iranische Kino hat zum Beispiel auch das Thema der Einwanderer aus anderen Ländern in den Iran behandelt. In diesem Beitrag wollen wir jedoch Filmwerke von iranischen Regisseuren zu dem Thema Auswanderung von Iranern besprechen.

Das iranische Kino spiegelt öfters soziale Konflikte wieder. Eines der umstrittenen Themen im Gesellschaftleben der Iraner ist die Frage der Auswanderung und schon seit einiger Zeit setzt sich das Kino mit dieser Frage auseinander. In den letzten Jahren ist diese Frage auch Gegenstand von  Komödien.

An den verschiedenen Filmen zum Thema Migration, die in den letzten Jahrzehnten im Iran produziert wurden,  zeichnet sich ab, wie dieser Diskussionsgegenstand, insgesamt gesehen, behandelt wird.  Der Film „Irtifa`past“  englisch: low altitude – deutsch: „niedrige Höhe“ ist charakteristisch für diese Filmgattung. Die Filmgeschichte schrieb Asghar Farhadi.   „Irtifa`past“ wurde 2002 von Ibrahim Hatamikia gedreht.  Der Film handelt von   Jassem, der in Erwartung einer glänzenden Zukunft, nur ans Auswandern denkt. Doch das Flugzeug, das  er mit der ganzen Familie für die Ausreise besteigt wird von Highjackern entführt, die den Piloten zwingen, die   Maschine in eines der Anrainerstaaten des Persischen Golfes zu  steuern. In diesem Film geht es darum, dass jemand im Glauben woanders das große Glück machen zu können, die Heimat verlässt,  sein Wunsch jedoch nicht in Erfüllung geht. Der Film macht verständlich, dass  es keine Gewährleistung für die Erreichung der mit der Auswanderung  angestrebten Ziele gibt.

                       

 

Der Film „Adam Barfi“ (Schneemann), das erste Filmwerk von dem bekannten Regisseur Davud Mir Baqeri, widmet sich ebenso dem Thema Auswanderung und handelt von einem Mann namens Abbas Chakpur, der glaubt in den USA glücklich zu werden und unbedingt dorthin will.  Er verkleidet sich sogar als Frau,  damit er durch die fingierte Heirat mit einem Türken in die USA einreisen kann. In diesem Film wird an einer  Auswanderung um jeden Preis Kritik geübt. 

                 

 

Zweifelsohne sind die bedeutendsten Filmproduktionen zum Thema Migration die von Asghar Farhadi. Er widmet sich in seinem Drehbuch zu dem Film „niedrige Höhe“ und in seinen Filmen „Dar Barehe Elli“ (Alles über Elli), „Gozaschteh“ (das Vergangene)  und „Trennung Nader von Simin“ der Debatte „Auswanderung und Motivationen und Ansichten der Auswanderer“.  Der Film Dschodai-ye Nader az Simin wörtlich „Trennung Naders von Simin“ (deutscher Titel: Nader und Simin – eine Trennung) “ berichtet von dem ruhelosen Leben eines Ehepaares. Simin will unbedingt das Land verlassen, aber Nader nicht. Der Vater von Nader ist nämlich pflegebedürftig und Nader möchte ihn nicht im Stich lassen.  Die gemeinsame Tochter muss eine schwere Entscheidung treffen: entweder beim Vater bleiben oder mit der Mutter auswandern.  Auch am Ende des Filmes bleibt offen, wie sie sich entscheidet.  „Nader und Simin – eine Trennung“ gehört zu den Filmen, die der Realität sehr nahe kommen.

 

             

 

 

„Das Vergangene“ ist ein weiterer Film von Farhadi über Migration. Es geht darin um die Migration allgemein und um die Probleme von Einwanderern und besonders der zweiten Einwanderungsgeneration. „Das Vergangene“ ist ein Querschnitt durch die Realität der Migration und vermittelt die Wahheit, dass wir uns nicht durch Wechsel des Wohnortes von der Vergangenheit abnabeln können.

Es sind immer wieder diesselben Motive, welche einige zur Auswanderung nach europäischen Staaten und Nordamerika motivieren, wie Berufs- und persönliche Probleme oder die Lebensweise. Die meisten  iranischen Filme lassen die Auswanderung aber nicht als die richtige Lösung erscheinen und widersprechen damit der Illusion von  einer  idealen Gesellschaft in einem fremden  Land, die einige hegen.

In der Zeit von 1978 bis 2018  wurden im Iran insgesamt  45 Filme zum  Thema Emigration gedreht und die meisten davon sind dem Leben der Auswanderer nach Verlassen der Heimat gewidmet. Sie zeigen dass die Auswanderer ihr Leben außerhalb von Iran nicht wie gewünscht aufbauen konnten und auf der Suche nach Geborgenheit wieder in die Heimat zurückkehrten.  

                   

Zusammengefasst lässt sich sagen dass die meisten Auswanderer in diesen Filmen aus der Mittel-und Oberschicht der Gesellschaft kommen. Dies stimmt aber nicht ganz mit der Realität überein. In der Mehrheit handelt es sich in den Filmen bei den Auswanderern um Ärzte und Künstler. Die Ärzte in diesen  Filme sind alle positive  Charakteren.  Urteilt man nach den   Filmen  so haben gutverdienende Ärzte die erste Auswanderergruppe gebildet, die   nach der Revolution im Iran und nach dem Ausbruch des von Irak aufgezwungenen Krieges, das Land verließ. Aber das entspricht nicht der Wahrheit. Viele Ärzte sind zu der Zeit im Land geblieben und haben sogar an der Front gedient.  Mehr als 40 Prozent der iranischen Filme zum Thema Auswanderung  handelt von der Emigration ganzer Familien, wobei diese Darstellung jedoch einer näheren Untersuchung bedarf.

Das iranische Kino zeigt einerseits Auswanderer auf der Flucht und stellt die Auswanderung als falsche Entscheidung dar, aber auf der anderen Seite haben alle diese Filme über die Emigration einen guten Ausgang.

Insgesamt lässt sich sagen, dass in zwei Dritteln dieser Filme der Regisseur  ein negatives Bild von der  Auswanderung liefert. Je mehr wir uns der Gegenwart nähern, desto mehr lässt diese negative Sichtweise jedoch nach.

 

Im iranischen Kino ist die Auswanderung dennoch ein unzulängliches Rezept zur Begegnung mit Problemen in der Gesellschaft und dies wird von den Filmemacher deutlich gemacht. Leider wird jedoch das Vertrauen in die eigenen Kräfte und die Ausdauer und der Verbleib im Vaterland hierbei von ihnen vernachlässigt.

 

In den letzten Jahren wird das Thema Auswanderung nur noch in Komödien verarbeitet . Aber es ist nicht zu vergessen, dass das Thema  Auswanderung in das vermeintliche Paradies im Westen und seine Darstellung im iranischen Kino auf der Realität aufbauen sollte.   Daher scheint es notwendig  die aktuelle Situation wiederzugeben. Die iranischen Filme betonen zwar, dass die Flucht aus dem Vaterland  zu nichts führt und dies keine Rettung darstellt, aber sie erwecken auch keine größere  Motivation im Publikum zum Verbleib in der Heimat und zur Geduld gegenüber Problemen.  Das ist es aber gerade was solche Filme zurzeit erfordern: Sie sollten dazu motivieren in der Heimat zu bleiben und die positiven Perspektiven für die Zukunft und Gipfel des Erfolges, die nur durch entsprechendes Engagement erobert werden können, vor Augen führen.   

 

 

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