Jan 04, 2020 11:17 Europe/Berlin
  • Eintragung iranischen Weltkulturerbes: die Kunst des Baus und Spielens der Dotar

Am 12. Dezember 2019 bewilligte das  Komitee für das UNESCO-Weltkulturerbe auf seiner Sitzung  einstimmig  in Kolumbien  die Eintragung der Kunst des Baus und Spiels der iranischen Dotar als Weltkulturerbe.

Eintragung iranischen Weltkulturerbes: die Kunst des Baus und Spielens der Dotar

 

 

Am 12. Dezember 2019 bewilligte das  Komitee für das UNESCO-Weltkulturerbe auf seiner Sitzung  einstimmig  in Kolumbien  die Eintragung der Kunst des Baus und Spiels der iranischen Dotar als Weltkulturerbe. Diese klassische Langhalslaute   ist vor zwei Jahren in die Liste des nationalen Kulturerbes eingetragen worden.  Wir möchten Sie nun näher mit ihr und ihrer Geschichte vertraut machen.

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Das immaterielle Kulturerbe ist nicht weniger wichtig als das materielle. In Wahrheit spendet das immaterielle Kulturerbe einer Kultur ihr  Leben und ihre Identität.  Wenn der immaterielle Teil des  Kulturerbes behütet wird, trägt dies daher auch zur Wahrung des materiellen Teils teil.  

Das immaterielle Erbe der verschiedenen iranischen Völker ist  trotz seiner Unterschiede durch die gleichen kulturellen Wurzeln miteinander verbunden. Eine wichtige Form des iranischen Kulturerbes ist die Musik. In ihr spiegeln sich seit langer Vergangenheit Freude, Kummer und Wünsche dieser Völker  wieder. Was von diesen Schätzen der Kunst erhalten geblieben ist, bildet einen nationalen Schatz und einen Teil des immateriellen Kulturerbes der Menschheit.

 

Aus dem alten immateriellen Kulturerbe des Irans ist auch die Dotar hervorgegangen. Dieses Saiteninstrument ist besonders im Osten, Nordosten und Norden des Landes üblich.  Die Dotar  wird zu verschiedenen Anlässen  gespielt und untermalt epische, religiöse und  ethnische Folklore. 

                 

Dotar

 

Der Name Dotar deutet daraufhin, dass dieses Instrument zwei (do) Saiten (tar) hat. Diese werden mit den Fingern und Fingernägeln ins Schwingen gebracht. Die Dotar ist mehrere Jahrtausende alt und lässt sich als die Mutter der Tanbur und dreisaitigen Setar, zwei weitere alte iranische Langhalslauten betrachten.  Der Tanbur begegnen wir schon in den Felsreliefen der Arsakiden. Im ostiranischen Chorasan wurde zudem in jener Zeit, das heißt im 3. Jahrhundert vor Christus bis zum 3. Jahrhundert nach Christus auch die Dotar gespielt.

Die Dotar ist heute noch im nordostiranischen Chorasan üblich zum Beispiel in den Städten Qutschan und Budschnurd im Norden, ebenso wie im Süden und Osten von Chorasan in Städten wie  Torbat-e Dscham, Neyschabur, Ferdus und  Sabzewar und weiteren. Aber auch in dem von Turkmenen bewohnten Gebieten im Nordosten des Landes,  darunter die Provinz Golestan wird die Dotar noch gespielt, besonders im Aliabad-e Katul Distrikt, ebenso  in einigen Gegenden der nordiranischen Provinz Manzanderan am Kaspischen Meer. Es bestehen je nach geografischer Heimat  feine Unterschiede bei diesem Instrument und daher unterscheidet  man nach der Chorasaner , Turkmenen- und Mazanderanischen   Dotar. Innerhalb von Chorasan gibt es zwischen Norden und Osten noch einmal  Unterschiede hinsichtlich der Form des Instrumentes, der Art wie es gehalten wird und der Stil, indem es gespielt wird.

In der Folklore von Nord-Chorasan sind das Dotar-Spiel und die Erzählung eng miteinander verflochten. Bekannt sind unter anderen die von der Dotar begleitenden Erzählungen König Ismail, Zohre und Taher, Leila und Madschnun und weitere. Diese mündliche Musikfolklore aus Nord-Chorasan war so einflussreich, dass sie auch die zentral gelegenen Gebiete Irans erreichte.   

 

Ausschnitt aus der Erzählung Karam und Asli Chanom auf der Dotar - Interpret Ostad Roschan Golafrus, Schirawan

Jemand der in Begleitung der Dotar alte Geschichten vorträgt, wird Bachschi genannt. In Nord-Chorasan waren diese Bachschi in der Mehrzahl türkischsprachig und dies hat zur Verbreitung eines besonderen türkischen Dialektes in dieser Region beigetragen. Zu der Dotar-Musik in Nord Chorasan  gehören auch die regionalen Modi – bekannt als 7 Maqam (Modus). Hadsch Qurban  Soleiman und Mohammad Husain Yeganeh, die inzwischen beide verstorben sind,  haben jeder auf ihre Weise diese Modi gespielt.   Man unterscheidet nach  Gesangs- und rhythmischen Instrumentalabschnitten.  Die Gesangsabschnitte  enthalten in der Regel alte Erzählungen  und die rhythmischen Abschnitte bilden den Übergang zur nächsten Geschichte.  Der wichtigste Modus) dieser Art ist bekannt als Maqam Harif Kosch.   

                                                

In den östlichen und nordöstlichen Gebieten Irans  stimmen die Dotar-Spieler das Instrument verschieden, je nach eigenem Geschmack.   Früher war es besonders in Nord-Chorasan in den kleinen Städten und in Dörfern üblich,  dass sich die Bewohner versammelten um dem Gesang und dem Dotarspiel der Bachschi zuzuhören.  Zu abendlichen Festen wurde anfangs mit dem Blasinstrument Sornay und der Trommel Dhol für fröhliche Stimmung und Aufschwung zum Folkloretanz gesorgt, und das Fest klang danach mit dem Dotar-Spiel der Bachschi aus.

 

                       

Der verstorbene Dotar-Meister Hadsch Qorban Soleimani

Bis in die letzten Jahrzehnte hat die Dotar von Nord-Chorasan eine bedeutende Rolle dabei gespielt, anderen Ländern die alte iranische Kultur vorzustellen. Der Dotar-Spieler Hadsch Qorban Soleimani  hat im Ausland diese alte Kunstmusik vorgestellt. 

Der 2007 verstorbene Qorban Soleimani kam 1920 im Dorf Aliabad nahe bei Qutschan auf die Welt. Sein Vater, der selber ein bekannter Dotar-Spieler der Region war, brachte ihm das Spiel auf diesem Instrument bei.  Hadsch Qorban Soleimani trug seine Gesänge zur Dotar in Türkisch, Kurdisch und Farsi vor. Er nahm nach der Islamischen Revolution an vielen Konzerten im Iran und in vielen anderen Ländern, wie in Peru, Holland, Tunesien, Türkei Belgien teil. Ebenso gab er in einen amerikanischen Städten Vorführungen. Er  spielte auch in England, der Schweiz, Kolumbien, Ecuador und Panama und besonders in Frankreich auf seiner Dotar. Auf dem Musikfestival im  französischen Lyon wurde er mit dem ersten Preis ausgezeichnet und ebenso wurde er auf dem Musikfestival im französischen Avignon mit einem Preis gewürdigt. 

Ein anderer bekannter iranischer Dotar-Meister  ist Uthman Mohammadparast  bekannt als Uthman Chafi aus  Chorasan. Er erblickte 1928 in Chaf in Chorasan das Licht der Welt und wurde schon als Kind mit der Dotar vertraut. Er hat sich das Dotarspiel selber beigebracht. Uthman Chafi sagt: „Die Dotar bedeutet Liebe und sie flößt sowohl dem Musiker als auch den Menschen, die dieses Instrument lieben, Ruhe ein.“

1974 hat Mohammadparast als erster das bekannte Lied „Nawai, Nawai“  vorgeführt. Dieser Dotar-Meister ist ein Mystiker und aufrichtiger Gottesdiener, was aus seinem Spiel auf der Dotar herausklingt. Er hat seinen  eigenen Stil auf der  Chorasaner Dotar entwickelt. Uthman  ist einer der Begründer der Wohltätigkeitsgesellschaft für den Schulbau.

Uthman Mohammadparast spielt auf der Chorasaner Dotar 

Es gibt verschiedene Arten von Dotar.  Die Länge des Resonanzkörpers und des Griffbrettes ist unterschiedlich und wurde nicht festgelegt. Damit ihre Originalität bewahrt wird, muss eine  Dotar von Hand angefertigt werden.  Auch wenn dies nicht einfach ist, so wird ihr Klang dadurch erheblich  besser. Der Bau nimmt drei bis vier Monate in Anspruch.  Dies liegt daran, dass in jedem Abschnitt das Holz für die Dotar vollkommen trocken werden muss, damit das fertige Instrument später nicht aus der Form gerät.

Die Dotar von Torbat-e Dscham in Chorasan besteht aus folgenden Materialien:

Der Resonanzkörper ebenso wie seine Decke ist aus dem Holz des Maulbeerbaumes. Das Griffbrett wird meistens aus dem Holz des Aprikosenbaumes oder der chinesischen Jujube angefertigt. Der  Kopf mit den Wirbeln besteht aus  dem Holz des Aprikosenbaumes. Der Sattel, über den die Saiten am Kopf zu den Wirbeln geleitet werden, ist aus dem Horn der Gazelle, und der Steg besteht aus Holz oder Knochen, während der Saitenhalter unten am Resonanzkörper  wieder aus dem Horn der Gazelle oder aus dem Holz der Chinesischen Jujube ist. Früher spannte man Seidenstränge auf das Instrument. Heute benutzt man Stahlsaiten und für die Bundstäbe Kunststoffstreifen.  

Oftmals wird das Griffbrett dieses traditionellen Instruments noch ein wenig unter Verwendung von Knochenmaterial des Kamels oder Türkisen verziert.

Die Dotar wird mit den Fingern der rechten Hand angeschlagen. Die Fingertechnik kann sehr virtuos sein, wie Schläge mit dem Zeigefinger, Daumen, einem Abwärts- oder Aufwärtsrollen aller Finger oder Kombinationen daraus. Es ist je nach geografischer Gegend verschieden.

                       Musik

 

Es sei erwähnt, dass die Islamische Republik Iran, mit den bisherigen  13 Eintragungen in der internationalen Liste des immateriellen Kulturerbes auf dem 7. Platz international und auf dem 4. Platz in Asien zu stehen kommt. Nun wurde auch die Fertigkeit des Baus und Spiels der Dotar als  vierzehnter Posten immateriellen Kulturerbes in diese Liste aufgenommen. Auf dieser Liste der UNESCO für globales immaterielles Kulturerbe stehen bereits die Radif der klassischen iranischen Musik (eine Sammlung traditioneller, in bestimmter Reihenfolge aufzuführender melodischer Figuren), die Musik der Bachschi von Chorasan und die Kunst des Baus und des Spiels der traditionellen Stachelgeige Kamantsche.

 

 

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