Mrz 11, 2020 14:15 Europe/Berlin

Nachdem sie im ersten Teil etwas über die Geschichte von Noruz erfahren haben, möchten wir heute über die Noruzbräuche sprechen.

 

In dem geografischen Raum, in dem das Noruzfest begangen wird, werden noch fest die alten Sitten in Vorbereitung auf das Noruz gepflegt. Noruz ist eines der größten Feste der Iraner. Die Iraner feiern es seit alten Zeiten. Zu den erhalten gebliebenen Bräuchen im Vorfeld dieses antiken iranischen Festes gehören unter anderem  der große Hausputz vor dem Fest, das Schmücken des 7-Sin-Tuches, das Feiern am Vorabend zum letzten Mittwoch –Tschaharschanbeh Suri,  und der Besuch der Gräber von Verstorbenen  am letzten Donnerstag des alten Jahres.   

 

 

Vor dem Fest werden viele Besorgungen gemacht: Neue Kleidung, Süßigkeiten, Nüsse und Trockenfrüchte, frisches Obst und den Fisch für das traditionelle Abendessen am Noruztag. Über Beschäftigung kann sich keiner beklagen. Beim Hausputz sollen alle mit anpacken: sogar die Teppiche werden gewaschen oder in die Reinigung gegeben und der eine oder andere holt Anstreicher ins Haus.  Rechtzeitig  muss zudem im voraus an das Sabzeh für das Haft-Sin-Sofreh gedacht werden.

Für das Sabzeh auf dem Neujahrsfesttuch werden  Körner von Weizen oder Hirse, Linsen oder ähnlichem  eingeweicht. Man lässt sie auf einem schönen Teller frische grüne Sprossen treiben,  um das Noruz-Festtuch  damit zu schmücken. Das Sabzeh bleibt bis zum 13. Farwardin auf dem Tuch stehen und wird am 13. Noruztag, an dem alle in die freie Natur ziehen, der Natur zurückgegeben.  

 

yd soll jedes Haus sich schmücken. Zu diesem Zweck wird das Haus auf  Hochglanz gebracht und von nicht mehr brauchbaren Dingen, die sich im Laufe des Jahres angesammelt haben, befreit. Stattdessen kauft man sich gerne etwas Neues.

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In  einigen Gegenden Irans ist gegen Ende des alten bis zum Beginn des neuen Jahres noch die Sitte üblich, dass Straßenmusikanten durch den Ort ziehen. In ihren Liedern und mit kleinen Theaterstücken führen sie  den Abschied des Winters vor Augen und kündigen die  Ankunft des Frühlings an. Diese Noruzbotschafter haben damit eine  uralte iranische Sitte erhalten. Die ältesten Gruppen der Noruzbotschafter heißen: Kuseh bar neschin  – Atesch Afruz, Mir Noruzi und Padeschah-e Noruzi (Noruzkönig)   .

Eine Gruppe von Noruzbotschafter führt Mir Noruzi Klänge vor

 

 

Der Suri-Mittwoch ist der Vorabend zum letzten Mittwoch des alten Jahres. An diesem Tag ist es Sitte ein Feuer anzuzünden. Die Frau des Hauses kocht einen  besonderen Eintopf und in der Familienrunde am Abend werden Nüsse und Trockenfrüchte gegessen. 

 

Vor dem Noruzfest wird natürlich auch der Verstorbenen gedacht. Man besucht ihre Gräber und verteilt Speisen unter den anderen Friedhofbesuchern.  Auf den Gräbern der frisch Verstorbenen wird eine Grablampe oder eine Kerze angezündet. Einige stellen auch Speisen oder Datteln auf die Gräber ihrer Lieben und jeder kann sich davon nehmen.

 

Die typischste Speise für Noruz ist Samanu. Es werden Weizenkörner eingeweicht und man wartet bis sich Sprossen bildet. Die Weizensprossen sind Sinnbild für das tägliche Brot. Mit diesen Sprossen wird das kräftigende Samanu zubereitet.  In einigen Teilen Irans werden zu Eyd auch besondere Süßigkeiten gebacken oder gekocht.  Am Abend zum Neujahrstag sind Tah-Tschin (Safranreis mit Ei und Hühnerfleisch oder Auberginen), Reis mit Kräutergulasch, Kräuter- Omelett, Reschte-Polo und Hackfleischknödel und vor allen Dingen auch Kräuterreis mit Fisch üblich.

                                     

Samanu

 

 

Das Herrichten des Sofreh-e Haft-Sin ist auch noch in den Städten im Iran üblich. Dieses festlich geschmückte Tuch ist vielleicht das bedeutendste Wahrzeichen für das antike Neujahrsfest.  Auf einem Tisch oder auf dem Teppich wird ein schönes Tuch ausgebreitet und es kommen Dinge darauf zu stehen, die jedes für sich einen tieferen  Sinn haben.  Wenn dann der Zeitpunkt herannaht, an dem das neue Jahr gemäß den astronomischen Berechnungen auf die Sekunde genau beginnt, haben sich Mitglieder der Familie  am  Festtuch versammelt um sich gegenseitig zu beglückwünschen.

 

 

Nachdem die  Familie im engsten Kreis das neue Jahr am Haft-Sin-Festtuch begonnen hat, kommt der nächste schöne Teil des Neujahrsfestes an die Reihe. Das sind  die gegenseitigen Neujahrsbesuche von Verwandten und Freunden.

Als erstes werden die Ältesten in der Familie wie die Großeltern besucht, denn ihnen gebührt an erster Stelle Achtung und Respekt. Die Älteren, beschenken die jüngeren mit einem Eydi – einem Neujahrsgeld: die  Kinder, Enkelkinder, Schwiegertöchter und Schwiegersöhne. Statt Geld kann man auch mit kleinen Geschenken eine Freude machen.

Beamte, Angestellte und Arbeiter erhalten übrigens auch ein Eydi – ein Neujahrsgeld.

Die Neujahrsbesuche sind also nach dem Haft-Sin-Festtuch ein weiterer typischer Neujahresbrauch.  Typisch ist aber auch das Picknick im Freien am 13. Farwardin. Im Kalender der Islamischen Republik Iran ist dieser Tag als Tag der Natur  eingetragen. Früher hieß der Tag sizdah be dar: d.h. soviel wie „Dreizehnter aus dem Haus“.  Diesen Tag verbringen alle im Freien mit der Familie um gemeinsam die Frühlingsnatur zu genießen.

 

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Zu den Noruzbräuchen gehört aber auch das Verreisen. Die langen Schulferien von 14 Tagen und eventuell noch mehr werden gerne für Besuche bei den Verwandten in anderen Teilen des Landes genutzt oder für eine Reise in ein anderes Gebiet.  Dabei  nehmen viele auch den dichten Verkehr auf den Autobahnen, die zu beliebten Reisezielen führen, in Kauf. Die einen machen sich auf den Weg ans Kaspische Meer und die anderen ziehen zum  Persischen Golf oder auch nach Schiraz, Maschhad oder Isfahan.

Früher war es nicht so einfach, über das Wohlbefinden voneinander zu erfahren und sich zu sehen und so waren die Besuche zum Neujahrsfest manchmal die einzige Gelegenheit im Jahr, Verwandte und Freunde und Bekannte, die an einem anderen Ort leben, zu besuchen. Aber heute sieht es anders aus: Es gibt die Sozialen Netzwerke und es lässt sich leicht eine Verbindung im virtuellen Raum zu anderen herstellen. Viele versenden zum Neujahrsfest über Telegram, whatsapp und Instagram ihre Grüße an Freunde und Bekannte,  gratulieren zu Noruz und teilen Videos und Bilder miteinander.  Unterdessen zeigen sie weniger Interesse an einem persönlichen Besuch, was eigentlich schade ist.  

 

 

Mit Herannahen des neuen Jahres nimmt die Zahl der Hashtags in den  Sozialen Netzwerken zu. Insbesondere die Jugend und  jungen Leute teilen unter diesen Schlagwörtern zum Neuen Jahr ihre Ansichten und Botschaften usw. miteinander.

 

Eine wichtige Rolle unter den Medien im modernen Zeitalter spielt zu Noruz natürlich das Fernsehen. Lange vor Noruz planen die Leiter der verschiedenen Fernsehkanäle Sonderprogramme zu Neujahre. Die Noruz-Fernsehserien  sorgen immer für gute Unterhaltung.  Besonders beliebt sind Komödien.

 

 

 

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