Oct 11, 2021 07:06 Europe/Berlin

Allameh Hasanzadeh Amoli, schiitischer Rechtswissenschaftler, Gnostiker und Theosoph hat viele Jahre lang an dem Theologischen Zentrum in Qom Werke der Philosophie, Gnostik, Mathematik und Astronomie  gelehrt und wertvolle Bücher in diesen Bereichen hinterlassen.

 

 

Als jemand dem Gelehrten  vorschlug seine Biografie zu schreiben antwortete er:

"Die Herren der Erkenntnis wissen wie sehr die Wiederbelebung der Werke und Übersetzungen über die Großen der Wissenschaft für alle Gesellschaftsschichten in jeder Hinsicht nützlich ist, aber was soll dieser Geringfügigste, der weder ein lobenswertes Werk noch ein lobenswertes Gedicht verfasst hat, noch Gott nahe gekommen ist oder einen Nutzen erbracht hat, denn schreiben.  ...?

Weder eine Blüte, noch ein Blatt, noch eine Frucht noch einen Schatten habe ich

Ich frage mich verwundert, wozu der Sämann mich denn eingepflanzt hat.

 

Es ist sowohl einfach als auch schwierig über Allameh Hasanzadeh Amoli zu schreiben.  Es ist in der Beziehung einfach, weil sich zahlreiche interessante Gesichtspunkte von ihm zu allen Themen der  Ethik, Wissenschaft und Gnostik und aus weiteren Bereichen finden lassen und es ist in der Beziehung schwierig, weil du nicht weißt, welchen davon du  am einfachsten erklären kannst. Wir laden Sie zu einem kleinen Sonderbetrag über diese gelehrige und geläuterte Persönlichkeit ein.

 

   

Allameh Hasanzadeh Amoli, bekannt als Allameh  Dhul-Funun, kam 1929  in dem Dorf Ira, welches zum Landkreis Laridschan und Stadtkreis Amol in der Provinz Mazanderan gehört, zur Welt. Nach der Maktab - der traditionellen Vorschule, besuchte er die einführenden Lehrgänge für das Theologiestudium, bis er sie  schließlich als Geistlicher absolvierte.   1950 begab er sich nach Teheran und nahm an den Vorlesungen  der theologischen Hochschule Marwi teil. Dort besuchte er  die Seminare von so renommierten Gelehrten wie Abu-l-Hasan Scharani. Neben Theologie studierte er auch Philosophie, Gnostik und Koranexegese, Mathematik und Astronomie und traditionelle Heilkunde. Nach einem 14-jährigen Studium in Teheran siedelte er in die Pilgerstadt Qom  über und besuchte dort 17 Jahre lange die Lehrgänge des Gelehrten Allameh Mohammad Husain Tabatabai.     Über diesen  großartigen Lehrmeister hat er gesagt: „Bei meinem Leben! Was jeden Verständigen in seiner edlen Gegenwart am meisten Freude bereitete, waren die wissenschaftlichen und rationalen Grundlagen, die er übermittelte und von denen jede ein Tor war, hinter dem sich weitere Tore öffneten.“

Auch aus der Lehre Mohammad Hasan Tabatabai, dem Bruder von Mohammad Husain Tabatabai, zog Hasanzadeh Amoli großen Nutzen. Mohammad Hasan Tabatabai legte großen Wert auf die seelische Läuterung seiner Theologieschüler und hat mit seinen Empfehlungen diesem Gelehrten geholfen,  hohe Stufen der Vollkommenheit zu erreichen. In seinem Werk „Marifat Nafs“ (Seelenkunde) schreibt Allameh Hasanzadeh Amoli  über  Mohammad Hasan Tabatabai: „Ich hatte einmal die Ehre ihn auf dem Scheichan-Friedhof von Qom zu treffen. Er sagte: `Mein Herr! Die Menschen sind wie Bodenschätze; sie müssen hervorgeholt werden.` Dieser Ehrenwerte meinte damit, dass  genauso  wie sich in den Bergen Lagerstätten mit Gold, Silber, Edelsteinen, Türkis und ähnlichem befinden,  auch im  Menschen verschiedene Lagerstättenschätze  mit Wahrheiten und Erkenntnissen liegen. Jeder muss seinen eigenen Berg  öffnen und aus diesen Lagerstättenschätzen entnehmen.“  

 

 

Allameh Hasanzadeh stellte eine wissenschaftliche Instanz in mehreren Universitäts- und  Theologiefächern dar.  Er war der Überzeugung, dass alle Wissenschaften, falls sie richtig genutzt werden und ergänzend wirken, dem Menschen auf eine höhere Stufe der Vervollkommnung verhelfen können. Er beherrschte außer der Muttersprache und dem Tabari-Dialekt seiner Heimatprovinz Mazanderan auch die Arabische Sprache und das Französische. Er vertrat die Ansicht, dass es erforderlich ist Fremdsprachen zu erlernen, um die Anschauungen anderer kennenzulernen, sie kritisch untersuchen und entsprechend auf Zweifel antworten zu können.  Er sagte: „Um die Meinung anderer kritisieren zu können, ist als Erstes ein Studium ihrer Quellen notwendig, um danach mit ihren Gelehrten ein Disput zu führen. Dieses Ziel lässt sich ohne Beherrschung deren Sprache  nicht verwirklichen.“ 

Er hat immer wieder seinen Kindern gesagt: „Ich bin kein Muslim aufgrund von Nachahmung. Die meisten westlichen, materialistisch orientierten  Denkschulen habe ich untersucht und festgestellt, dass sie keine umfassende Antwort auf Fragen der Physik und Metaphysik  besitzen, und auf diese Weise habe ich ihre Unzulänglichkeit erkannt. Danach habe ich mich den verschiedenen Religionen zugewandt und nach vollständigen Untersuchungen, den Islam angenommen und - Gott sei Preis und Dank - bin ich Anhänger (Schiit)  der Zwölf Imame.“

Allameh Hasanzadeh Amoli

 

Dieser fromme Gnostiker hat sein Leben der Läuterung der Seele und der Veredlung von Geist und Seele seiner Schüler gewidmet. Sein Weg war die Befolgung des Korans und der Vorgehensweise des Propheten (S) . Wenn jemand ihn um Rat fragte, sagte er: „Richtschnur sind einzig und alleine der Heilige Koran und die  Vorgehensweise des Letzten Propheten und seinem Hause, der Rest sind Launen und Gelüste. Also ist der erste Schritt auf dem Pfad zu Gott, das Bereuen und die Reinigung von der Sünde und die Enthaltung von unreinen Worten und unwürdigen Taten, schlechten Gedanken und tadelnswerten Gewohnheiten.“

Eine andere Empfehlung von ihm lautet:

Der Mensch hat zwei Münder: Einer ist das Ohr, welches der Mund des Geistes ist und das andere ist der Mund im Gesicht. Diese beiden Münder sind sehr zu schätzen. Der Mensch muss sehr auf sich Acht geben. Auch muss bei dem, was in diese beiden eingeführt bzw. was eingeführt und ausgeführt wird, sehr auf der Hut sein. Diejenigen die nur sinnlos etwas aufnehmen werden Sinnloses tun und die nur Sinnlosem zuhören werden Sinnloses sagen. Wenn das, was der Mensch einführt, sinnlos ist, wird auch das was er von sich gibt, sinnlos und besudelt sein. Was er schreibt wird sinnlos sein und seine Schreiberei wird Gift enthalten. Der geehrte  Statthalter, Amir al Mumin, Imam Ali (F) sagt: `Das Handeln ist wie eine Pflanze und keine Pflanze kommt ohne Wasser aus und Wasser kann verschiedenartig sein. Wenn Wasser rein ist, wird auch die Pflanze rein sein und ihr Obst wird gut schmecken. Und wenn es verseucht ist, wird auch die Pflanze verseucht sein und ihre Früchte werden bitter sein`.  Also zeugt jede Handlung von der Art des Wassers, mit dessen Hilfe sie   gediehen ist.“

 

Allameh Hasanzadeh Amoli  hat den Koran als die Quelle des religiösen Wissens betrachtet und in seinen Augen sind Nahdsch-ul-Balagha, Sahifat Sadschadiyah, Usul-i Kafi und Bahar ul Anwar und andere Hadithsammlungen alle dem Koran entsprungen. Was Religion, Philosophie und Gnostik anbetrifft, so ist dieser Gelehrte der Überzeugung, dass Philosophie und Gnostik nicht vom Koran getrennt sind. In der Gnostik (Irfan) sieht er eine Wissenschaft, die den Menschen veredelt und er glaubt daran, dass die göttliche Offenbarung, der Prophet des Islams (S) und die Ahl-ul-Bait (F) die Quellen für  wahre Gnostik und wahre Mystik  sind. Die wahre Mystik, welche den Menschen veredelt, ist  nach seiner Meinung eng mit dem Koran verbunden und er sieht in den  Makellosen Imamen die Lehrer der Menschen und Boten Gottes, welche den anderen die Handlungsanweisung zur Menschenveredlung, nämlich den Koran, erklären.

Aus seiner Sicht ist eine Philosophie die sich gegen die Religion Gottes stellt, inakzeptabel. Eine Geisteshaltung,  welche die Religion Gottes ablehnt, ist nach seiner Meinung gar keine Philosophie mehr. Ayatollah Hasanzadeh Amoli weist die Behauptung, die islamische Philosophie sei griechischen Ursprungs, zurück und sagt, dass das philosophische Denken vor dem Islam nur oberflächlich war und erst die islamischen Philosophen dieses Denken vertieft haben.

                       

In den weniger als 100 Jahren, die Allameh Hasanzadeh gelebt hat, schrieb er über 100 Bücher zu verschiedenen Wissensgebieten  wie Philosophie, Gnostik, Mathematik, Astronomie und über persische und arabische Literatur.  Eines der Werke dieses Philosophen und Gnostiker trägt den Titel „Sad Kalemeh“ (Hundert Worte). Es enthält hundert Weisheiten über die Selbsterkenntnis und Seelenkunde. Diese 100 Worte  sollen diejenigen anspornen, die die Eignung zur Selbsterkenntnis und zur Weiterentwicklung ihrer Seele mit sich bringen, anspornen.  Es sind teilweise nur kurze Worte, wie das Wort 1 welches lautet:

Wie kann jemand, der sich selber nicht kennt, einen anderen kennen?

Oder Wort 3:

Wie hat jemand das Leben genutzt, der sein Wesen verdorben hat?

Oder Wort 21:

Jemand, dessen Verstand von seiner Natur beherrscht wird, wird von jeder Vernunft verurteilt werden.

 

Am 25. September dieses Jahres ist Allameh Hasanzadeh Amoli nach jahrelangen wissenschaftlichen Bemühungen für Gottes Sache im  Alter von 93 Jahren in Folge von Herzversagen  verstorben. Revolutionsoberhaupt Ayatollah Khamenei schrieb in seiner Kondolenzbotschaft:

 „Dieser gelehrige Geistliche gehört zu den seltenen und ehrenhaften Persönlichkeiten , von denen in jeder Epoche nur wenige Herz und Auge der Eingeweihten erfreuen und ihrem Wissen und ihrer Erkenntnis, ihrem Verstand und ihrem Herzen Nutzen bringen.  Die Schriften und literarischen Werke dieses großen Mannes, waren  eine segensreiche Quelle für die Freunde der höheren Erkenntnis und mystischer Weisheiten  und werden es - so Gott will - auch in Zukunft sein.“

 

 

Kurz vor seinem Tod hat Allamah Hasanzadeh Amoli noch gesagt:

„Meine Herren! Ich bin dabei, mich zu verabschieden.  Es kann gut sein, dass ihr erfahrt: Hasanzadeh ist abgereist. Da gibt es nichts zu jammern! So ist das! Die Welt ist so geregelt und wir wissen nichts über das, was hinter den Schleiern ist. Da braucht man nicht zu sagen: Gott verhüte dass dies passiert! Warum sollte er es nicht geschehen lassen? Wofür sollen wir hier sein? Dies ist nicht die ewige Bleibe. Dies ist der Ort des Reisens und Handelns! Wenn wir hier bleiben werden wir ja nicht das Ideal erreichen!“

Möge sich seine Seele freuen!

 

 

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