Jun 13, 2022 04:29 Europe/Berlin
  • Vernunft,  Religiosität und Ausgewogenheit in einer Person

In diesem Sonderbeitrag wollen wir die ethischen und politischen Züge von Seyyed Mahmud Dua`i betrachten.

 

 

Es ist nur wenige Tage her, dass Seyyed Mahmud Dua`i ein naher Helfer Imam Chomeinis und Unterstützer des Revolutionsoberhauptes verstorben ist. Er war der Leiter der Zeitung Itilaat.  Sein überraschender Tod hat alle Freunde des Imams und der Revolution traurig gestimmt, denn Dua`i war eine charaktervolle Persönlichkeit. Er war bekannt für seine freundliche und umgängliche Art und er war Vernunft und Religiosität und Ausgeglichenheit in einer Person. Wir möchten einen Blick auf sein Leben werfen. 

Hodschat-ul Islam Seyyed Mahmud Dua`i

 

Imam Chomeini hat ungefähr 15 Monate nach dem Revolutionssieg Hodschat-ul-Islam Seyyed Mahmud Dua`i zum Leiter der Itilaat-Zeitung bestimmt. In seinem Dekret bezeichnete er ihn als kompetent und würdig und bat ihn, gestützt auf Gottes Hilfe und unter Heranziehung von verantwortungsbewussten gläubigen Mitarbeitern  diese Zeitung im Sinne der Verwirklichung der Ziele und Ideale der islamischen Revolution zu verwalten. Dua`i hat vierzig Jahre lang bis zu seinem Verscheiden diese verantwortungsvolle Aufgabe übernommen. Er wurde in der politischen und in der Pressewelt als  Verkörperung von Vernunft und Toleranz bekannt und ist dem Prinzip der Ausgeglichenheit und Gerechtigkeit immer treu geblieben. Die Verbindung zu der Bevölkerung hat er einem politischen Posten vorgezogen. Auch wenn er in Fällen für ein politisches Amt kompetent gewesen war, so hat er dahingehende Vorschläge abgelehnt.

                    

Seyyed Mahmud Dua`i ist 1320 (1941) auf die Welt gekommen. Sein Vater kam aus Yazd und seine Mutter aus Kerman. In Kerman besuchte er nach dem Gymnasium das Theologische Seminar  und nach dem Theologischen Grundstudium ging er an das Theologische Lehrzentrum in Qom. Im Jahre 1346 (1967) wurde er wegen politischer Unterstützung Imam Chomeinis vom Schah-Regime verfolgt. Er begab sich heimlich nach Irak  und setzte dort an der Theologischen Hochschule von Nadschaf sein Studium und im Rahmen der politischen Protestbewegung gegen das tyrannische Schah-Regime seinen Kampf fort. Im Zusammenhang mit seinen politischen Aktivitäten bereiste er verschiedene Länder wie Syrien, Libanon, Jordanien und Pakistan und agierte sieben Jahre lang als Sprecher der Bewegung der kampfbereiten Geistlichen Irans  (Nizhat-e Ruhaniyat-mubarez).  In Vertretung von Imam Chomeini nahm er Kontakt mit den hohen Verantwortlichen Iraks auf  und war während seines Aufenthaltes im Irak Produzent und Moderator des Radioprogrammes der „Bewegung der kampfbereiten Geistlichen Irans“, welches gegen das Pahlavi-Regime protestierte.

Nach dem Sieg der Revolution war er als Botschafter der Islamischen Republik Iran in Bagdad tätig und ihm wurde circa ein Jahr später vom Imam die Verantwortung für das Itilaat-Institut anvertraut. In seinem politischen Arbeitszeugnis nach dem Revolutionssieg steht das sechsmalige Parlamentsmandat als Abgeordneter der Teheraner Bevölkerung. Viele Jahre lang diente er der Bevölkerung und leistete zugleich einen großen Beitrag zur Kultur. Sein Tod am  15. Chordad 1401, dem 5. Juni 2020.  löste Bedauern über den Verlust dieses charaktervollen Geistlichen aus. Ayatollah Khamenei , Oberhaupt der Islamischen Revolution gab folgende Beileidsbotschaft heraus:

Im Namen Gottes des Allbarmherzigen, des Gütigen.

 

„Anlässlich des  Verscheidens des alten Kämpfers und alten Helfers des geehrten Imams, Herrn Hodschatullah Islam Seyyed Mahmud Dua`i – Gott erbarme sich seiner -  kondoliere ich seiner werten Familie insbesondere seiner Gemahlin und seinen geehrten Kindern und der großen Schar von seinen Freunden und Mitarbeitern. Er besaß sehr gute und angenehme Eigenschaften: Einen freundlichen und heilen Charakter, Bescheidenheit und eine schlichte Lebensführung, Unbestechlichkeit und Genügsamkeit, eine tiefe und feste Achtung vor dem geehrten Imam und der Revolution und Standhaftigkeit und Treue als Freund und Kamerad.  Seine frühere Anwesenheit im Irak und im Iran während der  Kämpfe bildet ein weiteres reiches Kapitel, welches ihm zur Barmherzigkeit und Vergebung Gottes gereicht – So Gott will. Ich bitte Gott den Allmächtigen um Seine Segensgaben für diesen Verstorbenen.“

Ayatollah Khamenei und Hodschat-ul Islam Dua`i

 

Dua`i hat 40 Jahre lang ein wichtiges iranisches Medium geleitet. In dieser Zeit mit ihrem Auf und Ab ist er so vorgegangen, dass kaum jemand seine Presseaktivität kritisieren konnte. In der Fachwelt ebenso wie im Bereich von Kultur und Politik  war er dafür bekannt, dass er weder Über- noch Untertreibung beging. Als er Parlamentsabgeordneter war, hat er niemals ein Gehalt entgegen genommen und er hat in den vergangenen 40 Jahren in einem alten Haus gelebt, welches noch nicht einmal restauriert worden ist.  An fast allen Foren und wissenschaftlichen und kulturellen Konferenzen  und besonders an den Zeremonien für die Ehrung von Denkern und kulturellen Größen hat er teilgenommen und sie  unabhängig von  ihrer Zugehörigkeit zu einem bestimmten politischen Flügel gewürdigt.  In dem was er sagte, spiegelten sich seine große Bescheidenheit und sein Gerechtigkeitssinn wieder.  Er war derartig bescheiden, dass er auf den meisten Versammlungen die letzte Reihe im Saal bevorzugte und trotz beharrlicher Bitte der Konferenzgastgeber nicht bereit war, in der erste Reihe zu sitzen.  Der bekannte iranische Schriftsteller Huschang Moradi Kermani hat auf einer der Gedenkfeiern für Dua`i gesagt:

„Seyyed Du`a war sehr bescheiden und ich habe ihm oftmals gesagt: „Du hast die Bescheidenheit selber in Verlegenheit gebracht.“  Moradi fährt fort:  „Ich habe von vielen gehört, dass Dua`i ein Chef ist, dessen Zimmer ihr direkt, wenn immer ihr wollt und ohne dass jemand da wäre, der die Tür bewacht, zu einem Gespräch betreten könnt. Er hatte alle gern.“

                

Dua`i stammte aus armen Verhältnissen, aber er hat sich, als er eine Position erreichte hatte, in der er weitgehend  weltliche Gaben nutzen konnte, nie mit Weltlichkeit verunreinigt und er hat nicht sein schlichtes Leben aufgegeben. Niemals hat er die Armut in seiner Kindheit vergessen oder verheimlicht und auf einigen Versammlungen hat er sie sogar für sich selber und die anderen in Erinnerung gerufen, damit ihn kein Stolz und keine Weltenliebe überkommt. Huschang Moradei Kermani erinnert sich:

„Es gibt in Kerman ein altes Gebäude, was heute in eine große Bücherei umfunktioniert wurde.  Zur Eröffnung dieser Bibliothek waren wir Kermaner, die in Teheran ansässig sind, eingeladen worden, und jeder von uns schilderte dort eine Begebenheit aus der Vergangenheit.  Als  Herr Dua`i  zum Rednerpult kam, beugte  er den Kopf auf das Pult herunter und begann zu weinen. Alle wunderten sich, warum er das macht. Nachdem er sich beruhigt hatte, sagte er:

 „Mein Mutter ist hier an diesem Ort gestorben.  An diesem Ort, der jetzt zu einer Bibliothek geworden ist. Hier war vorher eine Spinnerei und meine Mutter war hier  als Dienstmädchen eingestellt. Sie hat hier den Boden gekehrt und sie musste immer husten. Ich war ein Waisenkind und bin  immer hinter diese Wand, die damals aus Ziegelsteinen bestand, gekommen und meine Mutter  gab mir einen Brotbissen. Manchmal war ein wenig Hackfleisch drin und manchmal etwas Käse.  Sie wollte, dass  ich etwas zu Mittag esse und dann zur Schule gehe. Meine Mutter fragte: `Bist du satt geworden?` Und ich sagte immer, obwohl ich nie satt geworden war, dass ich keinen Hunger mehr habe. Denn ich wusste, sie hat keinen weiteren Brotbissen mehr und schämt sich, wenn ich sage, dass ich nicht satt geworden bin. Und ich sagte zu ihr: `Iss du selber auch ein Stückchen Brot`.“ Dua´i sagte dies unter Tränen und alle waren gerührt. Ich habe immer für ihn geweint.  Es war eine  außergewöhnliche Szene und sie ging richtig unter die Haut, bis ins Knochenmark.“

 

Dua`i war viel zu bescheiden, als dass er in den 40 Jahren, in denen er die Zeitung Itilaat leitete, selber einen Bericht in ihr herausgebracht hätte. Ahmad Masdsched Dschamei ein iranischer Kultur-Aktivist berichtet:

„Sie werden in keiner Ausgabe der Italaat ein Bild oder einen Bericht von Dua`i finden,obwohl er in vielen Kulturbereichen aktiv war. Er wollte keinen persönlichen Gewinn daraus ziehen. Niemals hat er zudem einen persönlichen Nutzen aus der Revolution gewinnen wollen  und er ist niemals wegen einem ungerechten Verhalten anderer verbittert gewesen.“

  Ein Nachkomme des verstorbenen Imams sagt über ihn: „Dua`i hat mehr als alle anderen zur Revolution beigetragen aber er hat  nie die Revolution zu einer Leiter für den eigenen Fortschritt umfunktioniert. Man hat ihm Schaden zufügen wollen,  aber er hat deshalb niemals Hass gegen jemanden gehegt.“

 

 


 

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