Mrz 05, 2018 10:57 CET

Heute wollen wir zwei weitere Kunsthandwerke aus der iranischen Teppichwelt vorstellen und zwar Zillubaafi und Sadschaadeh-Baafi.

Zillu ist ein weiteres schönes  Gewebe. Es wird in den geschichtlichen Quellen nicht konkret auf das Zillu-Weben hingewiesen bis auf Berichte über  den Bau von Moscheen und die Beschreibung des Bodenbelages. Dort kommt die Bezeichnung Zillu vor.  Einige sind der Überzeugung, dass dieses Handwerk sich aus dem Mattenflechten (Hassir-Baafi) entwickelt hat.

 

Die Anfertigung von Zillus ist besonders in der zentraliranischen Provinz Yazd  von Bedeutung, vor allem in der Wüstenstadt Meybod. In Meybod wurden schon in der vorislamischen Zeit  Zillus angefertigt und manche sind sogar der Überzeugung dass das Handwerk Zillu-Baafi aus dieser Stadt stammt.

 

Der Zillu wird auch „Teppich der Kawir“ genannt. Er ist einfach gestaltet und hält lange.  In Meybod und den Dörfern und kleineren  Städten in der Umgebung gibt es heute noch Werkstätten, in denen Zillu gewebt wird.

Der kostbarste Zillu von Meybod stammt aus dem 18. Jahrhundert nach Christus. Auf ihm sind 24  Gebetsteppiche abgebildet  und am Rande stehen  der Name des Spenders und das Spenderjahr, nämlich 1188 nach der Hidschra und dem Mondkalender, d.h. 1774 nach Christus.  Ein weiterer alter aber  ausgezeichneter Zillu ist der in der  Haftaddar-Freitagsmoschee in Meybod,  und zu nennen sind  auch die alten Zillus in der Rok-Abad-Moschee in dieser Stadt.  Außerdem hängt in der historischen Amir Tschachmaq (Chakmak) -Moschee  in Yazd ein alter Zilluteppich aus.

 

Für die Anfertigung eines Zillus werden Baumwollfällen verwendet. Die Fäden wurden früher in der  Weberei selber mit dem Spinnrad angefertigt. Die Baumwollfäden wurden zu einem Knäuel aufgerollt und wurden als   Kett-  und   Schussfäden des Zillus verwendet.  Die Einwohner nannten die Baumwollfäden Nach-e Rasmi. Die Zillus, die damit gewebt wurden,  waren  sehr stabil. Ihre Feinheit hing von der Qualität des gesponnenen Baumwollfadens ab und von der Genauigkeit beim Weben.

Ein Zillu ist normalerweise immer zweifarbig. Oft wird die Farbe Weiß mit Blau, Orange, Grün oder Karmesin kombiniert  aber es gibt auch die Kombination  Rosa mit Hellblau. Die Einfachheit des Zillus passt gut zu der Architektur des Ortes wo er ausgelegt wird, nämlich die Moscheen. Zum Beispiel harmonieren dort  die Zillus in Blau-Weiß sehr gut mit den Kachelmosaiken,  dem weißen Stuckwerk und  dem Ziegelsteindekor und steuern zur  spirituellen Atmosphäre bei.   Weil der Zillu oft auf Moscheenböden ausgelegt wird,   ist auch sein Muster  von dem Flächendekor der Moschee in Form von Fayencen und Ziegelsteinwerk  geprägt.

Die Farben für den Zillu werden seit jeher vor Ort gewonnen. Meist ist es Färberkrapp  für die Rottöne, die Indigopflanze  für Blautöne, und die Schale der Walnuss für Brauntöne.  Diese pflanzlichen Färbmittel sind lichtbeständig und waschecht, so dass die alten Zillus noch immer ihre Farbe behalten haben.

 

Die Zillus werden nach Gebrauchszweck und Farbe unterschieden.   Die erste Kategorie von Zillus sind die in Blau und Weiß, die nur in Moscheen und an religiösen Orten verwendet werden.  Die zweite Gruppe sind die so genannten Dschuhari-Zillus in Blau und Dunkelrosa.  Sie dienen als  Sitzunterlage für den Hausgebrauch und sind relativ preisgünstig. Die vom Gewebe und der Farbe her besten Zillus sind die so genannten Naftal-Zillus in Grün und Dunkelrosa. Übrigens ist ein Zillu die beste Unterlage für jemanden der an Hautekzemen leidet, weil er nur aus natürlichen Material besteht. 

Ein weiteres Gewebe, welches auf dem Boden ausgelegt wird und wie der Zillu einen religiösen Wert hat, ist der Sadschadeh. Der gewebte oder geknüpfte  Sadschadah dient den Betenden zu Hause oder in der Moschee bei der Verrichtung des Gebetes. Es ist ein kleiner, normalerweise tragbarer Teppich. Er  wird oft aus Wollfäden in Weiß, Beige und Schwarz angefertigt und auf ihm ist ähnlich wie beim Mihrab-Motiv eine Gebetsnische abgebildet.

Zu Beginn des Islams gab es noch keinen Sadschaadeh aber mit der Zeit  verspürten die Muslime das Bedürfnis nach einer schönen, rituell reinen Unterlage, auf der sie ihr Gebetsritual verrichten können.  Im Iran hat jeder einen eigenen Sadschaadeh. Er breitet ihn nur zur Gebetszeit aus und legt ihn nach dem Gebet wieder zusammen.

Das wichtigste Motiv eines Sadschaadeh ist die Gebetsnische  und es sind auch  das Qandil (Eiszapfen)-  und Säulenmotiv üblich.  Die Anfertigung von Gebetsteppichen  erlebte  im 17. Jahrhundert nach Christus eine Glanzepoche.  Die Schiiten haben den Sadschaadeh  über der Abbildung der  Gebetsnische oder am Rande mit Inschriften versehen.  Beliebt waren die Namen der Imame oder Reime zu ihren Ehren.  Die Gebetsteppiche aus dem Iran schmücken auch Abaresken-, Blumen und Blätter-Motive oder die Abbildung der Kaaba in Mekka oder der Moschee des Propheten (S) in Medina bzw. das Bild der Heiligen  Grabstätte Imam Ridas (F) in Maschhad.

Der Untergrund der  Balutsch-, Afghan- und Turkman-Baf Gebetsteppiche  ist dunkelrot oder schwarz.  Viele Gebetsteppiche werden auch aus Termeh-Stoff oder aus Samt angefertigt. Wir werden darauf noch bei der Besprechung von iranischen Webstoffen zurückkommen.   

 

 

Die Stadt Dezful im Südwesten Irans ist eines der wichtigen Zentren für Kunsthandwerk und eines der ältesten Handwerke in dieser Stadt ist die Anfertigung von Sadschadehs. Dieses Kunsthandwerk wird in  Heimwerkstätten gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben. Dezful wird auch Schahr-e Adschor –die Stadt der gebrannten Ziegelsteine genannt. Ein beliebtes Motiv ist daher das Mauerwerk-Motiv. Die horizontalen Reihen auf den Sadschadeh-Teppichen aus Dezful erinnern an das Ziegelsteinwerk  der historischen Gebäuden in dieser Stadt. 

Die älteste Sadschadeh- Manifaktur  von Dezful befindet sich in Tschuliyan und ist immer noch im Betrieb.  Diese Manifaktur gibt bunte Gebetsteppiche heraus. In einigen Städten in der Provinz Chuzistan werden sie „Ehrami“ genannt. Mit Ehram wird  auch das Weihegewand welches die Mekkapilger tragen, bezeichnet.

Wegen der Industrialisierung haben Künste wie diese an ihrer Verbreitung eingebüßt und die Jugend zeigte lange Zeit  kein großes Interesse daran  diese handwerklichen Berufe zu erlernen. Aber seit einigen Jahren hat sich die Situation wieder verbessert und auch die Nachfrage nach den kunsthandwerklichen Erzeugnissen ist wieder gestiegen.

 

Sadschaadeh  wird heute nicht nur für Gebetsteppiche sondern auch als Möbel – oder Tischdecke  oder als Wandbehang benutzt. Verwendet wird vor allen Dingen Baumwolle für die Kettfäden und Wolle oder Acrylgarn für die Schussfäden.  Der Webmeister  kümmert sich um alles selber – von der Besorgung des Rohmaterials und dem Aufspannen der Kettfäden bis  zum Weben oder Knüpfen.  Es werden warme und kalte Farben   verwendet.




 

 

 


 

 

 

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