Mrz 24, 2018 19:07 CET

Wir  beschreiben heute weiter  das Kunsthandwerk des Stoffwebens im Iran, nachdem wir letztes Mal einen kleinen Überblick über seine Geschichte für Sie zusammengestellt haben. 

 

 

Ferdowsi, der weltbekannte Eposdichter Irans (geboren 940 nach Christus) betrachtet den legendären König Dschamdschid, der vierte  aus dem Geschlecht der Pischdadiyan, als den ersten Monarchen, der dem Volk Nähen und Weben  beibrachte.

 

بیاموختشان رشتن و تافتن 
به تار اندرون پود را بافتن 
چو شد بافته، شستن و دوختن 
گرفتند از او یکسر آموختن 

 

Das  Spinnen und Weben brachte er ihnen bei

Das Weben mit der Kette drinnen und dem Schuss

Und dann brachte er ihnen nach dem Weben auch bei

das Waschen und Nähen zum Schluss.

                                  

Das Handwerk der Stoffherstellung bedarf der Kenntnisse über Stofffasern und –Fäden, Farben, und die Verwendung für Bekleidung und andere Zwecke. Vorausgesetzt werden auch  Kenntnisse in der Chemie, der Farblehre und der Botanik, der Biologie und der Malerei.

Beginnen wir bei der Gewinnung von Garn aus Fasern:

 

Stofffasern können nach natürlichen und künstlichen unterschieden werden.  Zu den natürlichen Fasern gehören  Baumwolle, Wolle, Seide,  Kenaf, Jute (vor allem aus Indien und Bangladesch) sowie  Hanf. 

Zu den chemischen Fasern zählen: Acetatcellulose, Viskose-,  Acrylfasern und Polyesterfasern.  Für einige dieser synthetischen Fasern liefern natürliche Stoffe einen wichtigen Grundstoff.

Ein Tuch ist ein weiches flaches Gebilde, welches aus einem Netz von Natur- oder Kunstfasern oder Garn besteht. Die Art und Anordnung des verwendeten Garns oder der Fasern bestimmen über die physischen Eigenschaften eines Tuches. Für die Anfertigung von Textilien gibt es verschiedene Methoden – wie die Herstellung eines Gewebes aus Schuss- und Kettfäden oder durch Knotenbildung, oder   eines dehnbaren Gewirks durch Maschenbildung oder eines Vliesstoffes durch Vliesbildung.  Je nach dem verarbeiteten Material unterscheidet man nach Baumwolle-, Woll- und Seidenstoffen usw.

Stofffasern müssen für  die Herstellung von Textilien erst zu Garn gesponnen werden.

Vor Tausenden von Jahren hat der Mensch das Spinnen erfunden. Durch Parallellegen von Fasern, ihr Verziehen und Verdrehen gewann er einen  festen Garnfaden.

Natürlich ist die Erfindung der Spinnereianlagen ein großer Fortschritt für die Menschheit gewesen und die maschinelle Garnherstellung  wirkte zudem kostensenkend. Außerdem wurde die Garnqualität wesentlich verbessert.

Je nach dem gewünschten Garn sind diese Spinnereimaschinen verschieden voneinander. Mit  Spinnereianlagen für Baumwolle lassen sich keine Seiden- oder Wollfäden gewinnen.

                                  

 Die Werkzeuge in den Spinn-Manufakturen  sind natürlich sehr einfach.  Das einfachste Spinnwerkzeug, nämlich die Handspindel, wurde Ende der  Steinzeit bzw. Beginn der Bronzezeit erfunden. Diese Handspindel, auch: Spinnwirtel, besteht aus einem Stab aus Holz oder Metall mit einem schweren Gewicht an der untere Seite und einem Haken oder einer Spirale oder ähnliches an der oberen. Mit Hilfe der Spindel werden die Fasern gezwirbelt und zu Garn gesponnen.  Mehr als 4 Tausend Jahre lang, war die Spindel auf der ganzen Welt das wichtigste Werkzeug zum Garnspinnen. Vor circa tausend Jahr hat man schließlich  das Spinnrad erfunden, das sich viel schneller drehen konnte als die Handspindel. Die maschinelle  Anfertigung von Garn entwickelte sich nach Erfindung der Walze weiter und es wurde eine bessere Dehnung der Fasern erzielt.

 

                       

Wolle gehört zu den wichtigen Naturfasern für Textilien und wird von Schafen gewonnen. Heute kennt man mehr als 200 verschiedene Schafrassen auf der Welt. Doch nur wenige davon sind für die Wirtschaft oder den Handel interessant.  Übrigens lassen sich die Schafrassen nach ihrer Wolle klassifizieren.

 

Die Palette reicht von sehr feiner über relativ feine bis zur groben Wolle.  Für die üblichen Textilprodukte wird die feine Wolle benötigt und die Grobwolle der Schafe findet in der Anfertigung von Teppichen Verwendung. Feine Stoffe lassen sich nicht damit herstellen. 

 

Für die Gewinnung von Wollgarn, werden erst mit der Hand die Fasern auseinandergezogen  und in eine  Mischung von Wasser und Öl gegeben, um Reibungselektrizität und dem Aneinanderhaften der Fasern vorzubeugen. Danach bleibt die Wolle für 24 Stunden liegen und wird daraufhin durch ein besonders Gerät gegeben, um die Fasern weiter  voneinander zu trennen. Mit Hilfe eines anderen Gerätes wird die Wolle gekämmt und von Verunreinigungen wie Lehm, Gestrüpp usw. befreit.  Mit den auf diese Weise vorbereiteten Wollfasern wird das Garn gesponnen.  

 

Ein weiterer Grundstoff für die Anfertigung von Textilien ist die Baumwolle. Baumwollbekleidung gibt die Körperwärme nach außen ab. Aus Baumwolle lassen sich Flecken leicht entfernen. Baumwollstoffe scheuern auch nicht so schnell durch.  Das Grundmaterial für Baumwollgarn sind die weichen Fasern  in der Kapsel der Baumwollpflanze, die sich um deren Samen bilden. Diese Fasern bestehen aus Zellulose. Baumwolle ist in tropischen und subtropischen Gebiete insbesondere auf dem amerikanischen und afrikanischen Kontinent und in Indien zu Hause. 

 

Wilde Baumwollarten wachsen  vor allen Dingen in Mexiko, aber auch in Australien. Zur Gewinnung von Baumwollgarn werden die Fasern  auseinandergezogen bis sie lange Fäden bilden, mit denen Textilien gewoben werden können. Dies ist die traditionelle Methode.

Nach Erfindung von Spinnereimaschinen konnten die Kosten für die Gewinnung von Baumwollgarn entschieden reduziert werden, was zu einer zunehmenden Verwendung von Baumwolle für Textilien führte. Heute ist Baumwolle eine der wichtigsten Naturfasern für die Bekleidungsindustrie.

                       

Seide ist eine der besten Fasern und man hat sie seit mehreren Jahrtausenden genutzt. Die Heimat der Seide ist China.  In einigen alten chinesischen Märchen ist von einer chinesischen Prinzessin die Rede, die gerade im Garten saß und Tee trank, als plötzlich der Kokon einer Seidenraupe mitten in ihren Tee hineinfiel  und sich im warmen Tee in einen langen Faden aufzulösen begann.  Gemäß einer anderen Legende   kannte man schon 2600 vor Christus die Zucht von Seidenraupen  und die Verwendung von Seidenfasern. Aber die Chinesen behielten  lange Zeit das Geheimnis der Raupenzucht und der Gewinnung von Seide geheim und ließen es keinen anderen wissen.

Für einen Yard Seide – d.h. 91,44 cm – sind circa 3 Tausend Kokons von Seidenraupen nötig. Seidengarn ist dementsprechend kostenaufwendig.   

Jahrhunderte lang waren Seidenstoffe ein Privileg der Reichen. Das Volk konnte sich diesen teuren Stoff nicht leisten. Heute gibt es Kunstseide aus Nylon und Polyester. Naturseide ist natürlich immer noch eine Kostbarkeit.


 

 

 

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