Nov 24, 2018 05:42 CET
  • Islam richtig kennenlernen (157 - Imam Dschawad (F))

Das Thema der Führung im Islam verfolgen wir am Beispiel des Imamats von Imam Dschawad (F).

Nach Imam Ridha (Friede sei  mit ihm) hatten alle nachfolgenden Imame es noch  schwerer als er.  Sein Sohn Imam Dschawad (Friede sei mit ihm) ist in Medina auf die Welt gekommen – am 10. Radschab des Jahres 195 nach der Hidschra und dem Mondkalender – im April 811 nach christlicher Zeitrechnung.  Sein eigentlicher Vorname ist Mohammad und sein bekanntester Titel „Dschawad“ und sein Beiname Abu Dschafar.  Imam Ridha (F) hat bei verschiedenen Gelegenheiten seinen Sohn Dschawad als einen Nachfolger genannt, der viel Segen bringen wird. Abu Yahya Sanani, einer der Helfer Imam Ridhas (F) berichtet:  „Ich befand mich in der Anwesenheit Imam  Ridhas (F) als sie seinen kleinen Sohn zu ihm brachten. Ich sagte: `Ist das der Nachfolger voller Gutem und Segen ?“ Da sagte der Imam: „Ja, es ist dieses Kind, und es ist noch nie ein so segensreiches Kind wie dieses für die Schiiten (die Freunde des Prophetenhauses)  geboren worden.“

                               

 

 

Imam Dschawad (Friede sei mit ihm) war noch keine fünf Jahre alt, als sein Vater Imam Ridha (F) auf Befehl des Abbasidenkalifen Mamun gezwungen wurde, Medina zu verlassen und nach  Merw, weitentfernt im nordostiranischen Chorasan, zu kommen. Als dann Imam Ridha (F) im Jahre 203 nach der Hidschra (818 nach Christus) von Mamun ermordet wurde und Märtyrer geworden war, begann das Imamat seines Sohnes Dschawad. Er war gerade erst  8 Jahre alt.

                  

Es ist darüber diskutiert worden, dass das Imamat  von Imam Dschawad  begonnen hat, als er noch so jung war. Einige haben sich gefragt,  wie denn ein so junger Mensch die schwere Verantwortung des Imamats und der Lenkung der Muslime übernehmen kann! Besitzt denn ein Achtjähriger  die Klugheit und Weitsicht eines Erwachsenen?

Es stimmt, dass sich der Mensch normalerweise in einem bestimmten Abschnitt seines Lebens geistig und körperlich entfaltet. Aber kann der Schöpfer des Menschen denn nicht  bei einigen seiner besonderen Diener  diesen Entwicklungszeitraum  verkürzen, weil es für das Wohl der Gläubigen notwendig ist? Viele halten ein hohes Alter als Kriterium dafür, dass jemand vollständige Reife erreicht hat. Aber  vor Gott kommt nicht jeder höher als die anderen zu stehen, nur weil er älter ist. 

                         

Der Koran sieht die Angelegenheit aus einem anderen Blickwinkel. Gemäß Koran ist es möglich, dass Gott einem Menschen schon im Kindheitsalter oder in der Jugend besondere Gnade erweist, ihn vervollkommnet  und die Voraussetzungen verleiht, um ein Prophet oder ein Imam zu werden. Das Amt des  Propheten und des Imams ist ohnehin kein gewöhnliches Amt, an das jemand  durch normale Mittel gelangt. Dieser Rang steht über den normalen Rangstufen und erfordert besondere Voraussetzungen. 

 

Das wichtigste Kriterium für ein solches Amt sind eine Reihe von Fähigkeiten und  Kompetenzen, welche der Auserwählte besitzen  muss, ob er noch sehr jung ist oder schon erwachsen. Gott bestimmt denjenigen für das Amt des Imamats – die Lenkung der Gläubigengemeinde -  der dafür geeignet ist, und sei es noch in dessen Kindheit. Wir sehen daher, dass im Laufe der Geschichte einige schon als Kind führendes Vorbild und Lenker der Menschen  wurden, weil Gott ihnen diese besondere Gnade erwiesen hat.

Der Koran führt mehrere Beispiele dafür an.

                                     

Javad al Aima

 

Im Koran werden der geehrte Yahya (Johannes) und seine Sendung angeführt und es heißt, dass er als Kind zum Propheten berufen wurde. Dies ist nachzulesen in der Sure 19 (Maryam) wo es im Vers 12 heißt: „O Yaḥya, nimm das Buch(Gottes) mit (aller) Kraft. Und Wir gaben ihm schon als Kind die Urteilskraft (und machten ihn zum Propheten).“

Auch ist Isa (Jesus) ein anschauliches Beispiel. Jesus konnte schon in den ersten Tagen nach seiner Geburt reden und hat offen verkündet, dass er ein Gesandter Gottes ist. Auf diese Weise hat er seine keusche Mutter Maria gegenüber den üblen Verleumdungen der Gotteswidersacher verteidigt. Dies wird in den Versen 27 bis 34 der obigen Sure 19, die nach Maria benannt wurde, geoffenbart. 

Gott hat also Jesus als ein Neugeborenes zum Propheten auserwählt  und von daher ist  es ebenso erklärbar, dass Er Imam Dschawad (Friede sei ihm) als jungen Knaben zum Imam der Muslime bestimmte. 

                      

 

Imam Ridha (F) hat zu Lebzeiten auf verschiedene Weise das Imamat seines Sohnes Imam Dschawad (F) bekräftigt. Einer seiner nahen Helfer  berichtet: „Ich war in Chorasan in der Audienz Imam Ridhas (F). Einer der Anwesenden fragte den Imam: „Mein Herr, falls euch (Gott verhüte es) etwas passiert, an wen sollen wir uns dann wenden?“  Der Imam sagte unmissverständlich: `An meinen Sohn Abu Dschafar`“. -

(Abu Dschafar ist ein Beiname Imam Dschawad (F)) – „Da wunderte sich der  Mann über diese Antwort, denn Imam Dschawad war noch ein Kind. Imam Ridha (F) bemerkte an seinem Gesicht und seinen Blicken seine Verwunderung.  Da sagte er zu ihm: „O Mann! Gott der Gepriesene hat Jesus Sohn der Maria  zu seinem Propheten und Gesandten gewählt und ihn als Inhaber der Scharia – des Religionsgesetzes – vorgestellt, obwohl er viel kleiner war als mein Sohn Abu Dschafar.“

Imam Dschawad hat wie alle anderen Imame die Aufgabe zur Rechtleitung und Lenkung der Gläubigen würdig erfüllt. Dass er noch sehr jung war, war kein Hindernis. Er setzte sich sehr weise mit den geistigen, kulturellen und sozialen Problemen der Bevölkerung auseinander und  legte geeignete Lösungen vor.

Der Imam überragte alle mit seiner Geduld  und Höflichkeit, seiner Würde und Großzügigkeit und vielen weiteren Tugenden. Hinsichtlich der Kenntnis und der Deutung der Koranverse gab es keinen, der sich mit ihm messen konnte, trotz seines jungen Alters.  Er drückte sich auf klare und verständliche und zugleich schöne Weise aus. Seinen Namen Dschawad verdankt er einer weiteren großartigen Eigenschaft, nämlich seiner Großzügigkeit. Dschawad bezeichnet jemanden, der sehr freigiebig ist. Imam Dschawad besuchte Kranke an ihrem Krankenbett um sie zu trösten und er lebte so schlicht wie die unterste Schicht der Gesellschaft. 

Trotz seines geringen Alters war er der gelehrsamste Mensch seiner Zeit. Mit seinem großen Wissen versetzte er Freund und Feind in Erstaunen. Von nah und fern eilten Wissensdurstige zu ihm um eine klare Antwort auf ihre Wissensfragen zu erhalten. Dank seiner weisen Antworten auf Fragen und der Klärung von Zweifelsfällen festigte sich sein Ansehen unter dem Volke immer mehr und die Zuversicht der Gläubigen und besonders der Anhänger des Prophetenhauses  wuchs.

      

Die Geschichtsschreibung berichtet  von   achtzig Religions- und Rechtsgelehrten, die sich zu Beginn des  Imamats von Imam Dschawad (F) von Bagdad und anderen Städten  aus auf die Pilgerreise nach Mekka begeben hatten.  Unterwegs machten sie in Medina halt, um  Imam Dschawad (F) zu sehen. Es wurde eine Versammlung in Medina einberufen. Abdullah Ibn Musa, der Onkel Imam Dschawads, trat ein und setzte sich an die oberste Kante der Versammlung. Jemand stand auf und verkündete: „Wer Fragen hat, soll sie an ihn stellen.“ Einige der Anwesenden trugen ihre Fragen vor, aber die Antworten die Abdullah ibn Musa gab, waren nicht richtig. Die Gelehrten waren  verwundert und traurig und wollten gehen. Sie sagten sich: „Wenn Imam Dschawad unsere Fragen hätte beantworten können, dann wäre doch Abdullah nicht zu uns gekommen und hätte nicht falsch geantwortet!“

In dem Moment wie jemand auf Imam Dschawad (F) und sagte: „Dies ist Abu Dschafar, der jetzt kommt.“ Alle erhoben sich respektvoll und eilten dem Imam entgegen um ihn zu begrüßen.  Imam Dschawad ließ sich an irgendeiner Stelle  in der Runde der Versammelten nieder und alle wurden still. Dann stellten sie ihm ihre Fragen.  Der Imam beantwortete ihre Fragen entsprechend dem Koraninhalt und mit starken überzeugenden Argumenten.  Alle waren mit diesen klaren und einleuchtenden Antworten zufrieden und lobten ihn. Sie  gelangten auf diese Weise zu der Überzeugung, dass ihm das  Imamat – die Lenkung der muslimischen Gemeinde – gebührt. 

 

Ishaq ibn Ismail der mit dabei war berichtet: „Ich hatte auf einem Blatt  Fragen aufgeschrieben, um sie dem Imam zu stellen. Zu der Zeit war  meine Gemahlin in guter Hoffnung und ich dachte mir: Nach Beantwortung der Fragen werde ich ihn bitten, dass er zu Gott betet damit Er unser Kind einen Jungen sein lässt.  Als alle ihre Fragen gestellt hatten, habe ich mein Schreiben in die Hand genommen, um meine Fragen vorzutragen. Als der Imam mich erblickte, sagte er: `O Ishaq. Nenne ihn Ahmad!` Ich wunderte mich sehr über diese Worte. Einige Zeit danach  brachte meine Frau einen Jungen zur Welt und ich habe ihn Ahmad genannt.“

                           

Die Abbasidenherrscher ließen Imam Dschawad nicht aus den Augen und seine Aktivitäten von Handlangern überwachen.  Während seines 17-jährigen Imamats hat Imam Dschawad (F) dennoch unerschrocken die Lehre des wahren Islams verbreitet. Aus seinem Lehrkreis gingen große Gelehrte und Rechtskundige hervor. Viele von ihnen waren bereits Anhänger seines Vaters Imam Ridha (F) gewesen. Einige von ihnen haben wertvolle Sammlungen mit  Überlieferungen der Imame hinterlassen. Zu ihnen gehörten zum Beispiel  Abu Haschim Davud Ibn Qasim Dschafari, Ali Ibn Mahziar, Ahmad ibn Mohammad Ibn Abi Nasr Bazanti, Zakaria Ibn Adam, Nuh Ibn Schuaib Baghdadi  und Fadhl ibn Schazan  Neyschaburi.

 

Nicht  nur unter den Schiiten sind Überlieferer der Zitate von Imam Dschawad sondern es gibt sie auch unter den Sunniten. Zum Beispiel haben Chatib Baghdadi und Abu Bakr ibn Thabit und weitere Gelehrte der Sunniten in ihren Korankommentaren und Geschichtswerken  Überlieferungen von Imam Dschawad angeführt.

So Gott will werden wir im nächsten Teil noch weiter über das Leben und Wirken  dieses Imams berichten.

 

 

 

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