Mai 08, 2019 02:23 CET
  • Lotsen zum göttlichen Hafen (und ihre Politik)  (39)  

Wir sprechen heute über die unvergessliche Botschaft und Lehre des Aschura-Aufstandes und des Lebens Imam Husains (F).

 

 

Wir sagten schon beim letzten Mal, dass das heroische Geschehen in Aschura  kein Ereignis war, welches der Vergangenheit angehört, sondern eine Bewegung ist, die am Aschura-Tag in Karbala begonnen hat und bis heute anhält. An einer Stelle im Aschura- Pilgergebet sprechen wir: „(O Husain) Wahrlich, ich bin im Frieden mit dem, der mit dir (und deinen hohen Zielen)  im Frieden ist, und im Krieg mit dem, der mit dir(und deinen hohen Zielen)  im Krieg ist,  bis zum Tag der Auferstehung.“

Nun könnte jemand fragen, wie denn die ewigen Botschaften und Lehren  Husains lauten, die das Geheimnis für den Erhalt des Aschura-Geistes bilden?

 

                

 

Imam Husain (F) und seine verständigen Helfer haben hinsichtlich der Umsetzung der edlen Vorhaben des Propheten und Imam Alis (F) gezeigt, dass ein aufrichtiger Muslim auf die zugehen soll, die wie er denken und den Islam unterstützen, und dass er sich den Heuchlern und feindlichen Ungläubigen gegenüber abweisend verhalten  muss. Das Aschura-Geschehen lehrt uns, den Feind zu erkennen und sein Wesen und seine Sabotagen aufzudecken. Das ist eine politische Erkenntnis aus Aschura. Das Aschura-Heldenepos hat noch viele weitere Früchte für die Politik  getragen: Es klärt die Allgemeinheit über die Abweichungen von der Religion auf und inspiriert zum Kampf gegen Regimes, die nur dem Schein nach islamisch sind. Aschura lehnt die Gleichgültigkeit gegenüber Unterdrückung und Übergriffen ab und ruft die Gelehrsamen auf die Szene. Aschura verurteilt die Versöhnung mit den Unterdrückern  und lädt  zur unablässigen Bekämpfung jeder Form von Götzentum und Heuchelei ein. Aschura ermutigt dazu, sich nicht vor den diabolischen, hohlen Mächten zu fürchten und ruft den Gedanken der Freiheitsliebe und Rettung wieder ins Leben zurück. Aschura  lehrt uns, in Ehre  zu leben, anstatt  in Verelendung und Schmach. Es lehnt den Fehlgedanken ab, dass Religion und Politik voneinander getrennt seien.

 

 

 Das Aschura Imam Husains hat auch der Kultur wichtige Früchte beschert: Aschura hat den Gedanken, gottesfürchtig und edel zu leben und sich von den oberflächlichen Dingen des Lebens zu lösen, wiederbelebt und die religiöse Erkenntnis gestärkt. Aschura hat für den Kampf gegen Unwissenheit geworben und lehnt oberflächliches Denken ab. Es stärkt den Grundsatz der bewussten Befolgung des Imams und Statthalters Gottes. Das alles sind Gewinne, mit denen Aschura die Kultur bereichert hat.

              

In diesem Zusammenhang spielt ein vitaler Faktor eine Rolle und zwar  die Wahrheit, dass alle Früchte des Heldenepos Imam Husains auf einen gewaltigen spirituellen und ethischen Rückhalt  zurückgehen.  Wenn Imam Husain und seine gottesfürchtigen Helfer  ein solches Epos schaffen konnten, welches die Menschheit die ganze Geschichte hindurch inspiriert, dann deswegen weil ihre edlen Seelen aus der klaren Quelle Gottes schöpften. Dies wurde in der Nacht zum Aschura-Tag deutlich. Am Abend  hatte Imam Husain (F) erfahren, dass der Feind nahe an sein Feldlager herangerückt war. Da schickte er Abu-l Fadl (F) mit einigen anderen seiner Helfer zum Feind, damit sie eine Frist einräumen, so  dass sie die Nacht mit dem Gebet und Gottanflehungen verbringen können.  Er sagte: „Fürwahr! Gott weiß dass ich es liebe, das Gebetsritual zu verrichten und den Koran zu verlesen und viele Bittgebete zu sprechen und Gott um Vergebung anzuflehen.“

 

Imam Husain (F) war am Vorabend zu  Aschura, an dem er um die Frist bat,  zu  der Gewissheit gelangt, dass er und seine aufrichtigen Helfer am darauffolgenden Tag für Gottes Sache sterben würden. Doch diese Nacht vor ihrem unausweichlichen Tod verbrachten er und seine Mitkämpfer nicht in Furcht sondern in einer von mit Mystik und Gottesliebe erfüllten Atmosphäre. Ihre Liebe zu Gott erreichte am Mittag des Aschura-Tages ihren Höhepunkt, als Husain (F) zusammen mit seinen opferbereiten Helfern gemeinsam ihr letztes Gebet verrichteten. Damit lehrten sie alle Gottliebenden, dass sie auch unter den härtesten Bedingungen und bei aller Wucht der feindlichen Aggression  das Gedenken an Gott aufrechterhalten und bei Ihm Zuflucht  suchen sollen.

 

 

 

Zweifelsohne haben Husain (F) und  seine opferbereiten Helfer aus folgender himmlischer Anweisung im Vers 154 der Sure 2 (Baqara) Inspiration geschöpft, nämlich:

„O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allah ist mit den Standhaften.“

 

Die Beziehung Imam Husains (F) zu Gott bewegte sich auf der höchsten Stufe. Davon zeugt auch das lange Bittgebet, welches der in Arafat in jener heißen Steppe nahe bei Mekka sprach.

Imam Husain (F) fühlte sich zudem mit den Dienern Gottes eng verbunden. Er wollte denen, die seinem Weg folgen, sagen, dass die Verbindung zu Gott und die zu Seinen Geschöpfen zusammen gehören und alle Propheten nach diesem Grundsatz gelebt haben, besonders der Prophet des Islams (S). Wir finden zahlreiche Beispiele in den Islamischen Quellen dafür, wie menschlich und gütig sich Imam Husain (F) zu den anderen verhielt. Wir können jedoch aus Zeitmangel nur wenige Beispiele bringen. Gott möge uns den Erfolg bescheren, dem Vorbild Imam Husains zu folgen.

                 

Einmal kam Husain Ibn Ali (F) an einer kleinen Schar von armen Leuten vorbei, die sich trockenes Brot teilten. Sie luden den Imam ein sich zu ihnen zu gesellen und an ihrem Mahl teilzunehmen. Sofort nahm der Imam die Einladung an und aß mit ihnen trockenes Brot.  Dann lud er sie zu sich nach Hause ein und bewirtete sie mit gutem Essen. Durch ein solches Verhalten hat er uns sowohl Bescheidenheit als auch Menschenliebe gelehrt.

Nach seinem Märtyrertod bemerkte man auf dem Rücken seines Leichnams dunkle Striemen. Als jemand seinen Sohn Imam Sadschad (Friede sei mit ihm) fragte, was diese Striemen zu bedeuten haben, sagte er: „Diese Striemen stammen von den Beuteln mit Essen, die  mein Vater im Dunkel der Nacht auf seinem Rücken  unerkannt an die Häuser der Witwen, die eine Familie zu versorgen hatten und für die  Waisenkinder und Armen brachte.“

               

 

Imam Husain (F) hat denen, die sich an ihm ein Vorbild nehmen wertvolle Ratschläge über den Dienst an den Menschen gegeben. Zwei davon lauten:  

„Wer einen Muslim von einem Kummer befreit,  von dem wird Gott diesseitigen Kummer und jenseitigen Kummer fernhalten.“

Und :

„Wer einem anderen Gutes tut,  dem wird Gott Gutes tun und Gott liebt die Wohltätigen.“

 

Über die Bittgesuche der Notleidenden hat er gesagt: „Wisset dass es ein Segen Gottes ist, wenn die Bedürftigen sich an euch wenden. Tadelt nicht und zeigt keinen Unmut, wenn sich jemand mit einer Bitte an euch wendet (sondern erwidert seine Bitte, so gut ihr könnt). Denn anderenfalls kann es gut sein, dass dieser von Gott geschickte Segen, in Ungemach  verwandelt wird und die Gelegenheiten euch aus der Hand gleiten, ohne dass ein Bereuen noch etwas nützt.“

 

Es ist für Husain von großem Wert, den Bedürftigen zu helfen und der Allgemeinheit zu dienen und ebenso verhilft es dem Menschen auf noch höhere Ränge, wenn er sich hohe Tugenden aneignet. Er hat gesagt: „Ihr Menschen! Wetteifert miteinander um den Erwerb von hohen Tugenden und guten Eigenschaften und überholt einander auf diesem Schauplatz des Wettbewerbes.“

Scheich Abdullah Al Alayli , ein angesehener Schriftsteller Libanons  hat in einem Werk über das Leben Imam Husains geschrieben: „Wir begegnen in der Geschichte großen Menschen, von denen jeder an einer bestimmten Front und in einer bestimmten Richtung seine Größe weltumfassend werden ließ: einer mit seiner Kühnheit, ein anderer mit seiner Opferbereitschaft und seinem Selbstverzicht und wiederum ein anderer mit seiner Großzügigkeit. Die Größe Imam Husains (F) ist jedoch so herausragend und deutlich, dass ihre grenzenlosen Aspekte hoch oben über der ganzen Menschheitsgeschichte Großartigkeit erstrahlen lässt. Er scheint die Vereinigung aller Tugenden und allen Großmutes und aller hohen ethischen und menschlichen Werte zu sein.“

               

 

Ja! Husain ist uneingeschränkter Erbe des echten Islams des Propheten (S). Er ist der ideale Mensch, der von einem Vater wie Ali (F) die große Gerechtigkeit, Mannhaftigkeit und Gottesfürchtigkeit und Bereitschaft zum Selbstverzicht geerbt hat und in dem die strahlenden Tugenden einer Mutter wie Fatima Zahra (F) zum Ausdruck kommen.  Warum sollte ein solch vorbildlicher Mensch mit dieser Größe nicht Vorbild sein?

 

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