Oct 28, 2019 09:05 CET

Wir haben  mit dem Leben und Wirken des achten Imams (F), Imam Ridha vertraut gemacht und nun möchten wir uns der Biografie des 9. Imams aus dem Hause des Propheten zuwenden. Es ist Imam Dschawad (F).

 

Wir hatten die Sekte Waqfiyyah erwähnt, welche nach dem Märtyrertod des siebten Imams behaupteten, er sei der letzte der Imame gewesen und das Imamat seines Sohnes Imam  Ridha (F) ablehnten. Als diese Gruppe sah, dass Imam Ridha (F) nach mehr als 40 Jahren ohne männlichen Nachkommen geblieben war, erschienen sie wieder auf der Bühne um die Öffentlichkeit durch ihre Agitationen auf sich aufmerksam zu machen. Ihre Agitationen versetzten die Schiiten, in Sorge, denn sie hatten aus Überlieferungen erfahren,   dass Gott dem achten Imam einen Sohn schenken würde, der das Imamat von seinem Vater übernimmt .  Manchmal baten sie sogar Imam Ridha er solle beten, dass Gott ihm einen Sohn schenkt. Der Imam tröstete sie und sprach:  Gott wird mir zweifelsohne einen Sohn schenken, welcher mein Erbe und der Imam nach mir sein wird.“ (Bihar-ul Anwar, Band 50, S. 15)

 

Gott bedachte schließlich den achten Imam  mit einem Sohn. Die Geburt von  Muhammad im Jahre 195 nach der Hidschra und dem Mondkalender (811  nach Christus)   löste große Freude  unter den Schiiten aus und festigte ihren Glauben.  Nun waren die aufgekommenen Zweifel beseitigt. Es ist erstaunlich was Hakima, die Schwester Imam Ridhas (F) berichtet:  

„Mein Bruder bat mich zur Geburt von Hadhrat-e Dschawad  an der Seite seiner geehrten Gemahlin zu bleiben. Es war genau am dritten Tag nach der Geburt ,als ich sah, wie Hadhrat-e  Dschawad (F) die Augen öffnete, nach rechts und links schaute und sprach: `Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt und ich bezeuge, dass Mohammad (S) der Gesandte und Prophet Gottes ist.` Ich war sehr erstaunt über dieses Ereignis,  lief zu meinem Bruder und berichtete ihm davon. Da sprach Imam Ridha (F): `O Hakima! Du wirst hiernach noch über mehr Dinge staunen, als das was du jetzt erlebt hast.“...Es ist  kein Kind geboren worden, welches gesegneter für die Schiiten wäre als dieses Neugeborene!“ (Quelle Munaqib, Bd. 4, S. 394)

            

Nach Ansicht einiger Gelehrten hat Imam Ridha (F) die Geburt von Hadhrat-e Dschawad deshalb als Segen für die Schiiten bezeichnet hat, weil sie den Zweifeln an der Fortsetzung des Imamats, die die Gegner schürten ein Ende setzte. Diese segensreiche Folge der  Geburt von Hadhrat-e Dschawad trat dadurch zu Tage, dass sich tatsächlich keine neuen Gruppen mehr von den Schiiten abspalteten , die wie die Zaydiya, Ismaiyliyya und Waqfiyya entweder die Reihenfolge der Imame bei anderen als den Imamen aus dem Hause des Propheten fortsetzten oder sie nur bis zu einem bestimmten dieser Imame  anerkannten. 

Mit Imam Dschawad aber beginnt die Zeit, in der allgemein für die Schiiten das Imamat der Zwölf Imame bis zum Verheißenen Imam Mahdi (a.dsch.)gilt. Es bewahrheitete sich auf diese Weise wieder  der Inhalt des Verses 8   in der Sure 61 (Saff), nämlich: 

 

„Sie wollen gern Allahs Licht mit ihren Mündern auslöschen. Aber Allah wird Sein Licht vollenden, auch wenn es den Ungläubigen zuwider ist.“

 

                                       

 

Imam Dschawad (F) hat laut Überlieferung gesagt: „Der Imam nach mir ist der Nachkomme Alis. Sein Befehl ist mein Befehl und sein Wort mein Wort und ihm zu folgen bedeutet mir zu gehorchen.“ Dann sagte er über seinen Enkelsohn Imam Hasan Askari (F) das gleiche. Da fragte man ihn: „O Nachkomme des Gesandten Gottes! Wer wird nach Hasan (Askari) der Imam sein?“ Imam Dschawad weinte heftig und sagte dann: „Nach Hasan wird es sein Sohn Mahdi (F), unser Qa`im, sein!“ Jemand fragte: „Wieso heißt er Qa`im (der Aufständige)?“ Imam Dschawad antwortete: „Weil er sich erheben wird, nachdem die Menschen ihn vergessen haben und zum Irrweg neigten.“

Jemand fragte zudem, wieso man Imam Mahdi Muntazir „der Erwartete“ nenne. Er sagte: „Weil seine Zeit der Verborgenheit sehr lange anhalten wird und seine aufrichtigen und wahren Anhänger auf sein Erscheinen warten, während die Zweifler seine Existenz leugnen und über ihn spotten werden.“

Dann hob Imam Dschawad noch etwas Wichtiges hervor und sagte: „Diejenigen, die während der Verborgenheit (des Imam Mahdi) einen Zeitpunkt für sein Erscheinen festlegen, lügen, und diejenigen, die es (entgegen Gottes Willen) mit seinem Kommen eilig haben, werden vernichtet. Aber diejenigen, die ergeben sind gegenüber Gottes Befehl, werden Rettung finden.“

(Quelle Kifayat ul Athar, Abu-l- Qasim al-Qummi)

 

Als Imam Ridha (F) vom Abbasidenkalifen Mamun vergiftet worden war und den Märtyrertod gefunden hatte, ging das Imamat an den 8-jährigen Imam Dschawad über. Das geringe Alter Imam Dschawads (F) veranlasste eine Reihe von Leuten an seinem Imamat und seiner Kompetenz für diese wichtige Aufgabe zu zweifeln.

Diese Leute hatten entweder die böse Absicht, Zweifel unter den Muslimen zu streuen oder sie kannten den Koran nicht richtig bzw. wussten genau, was im Koran steht aber wollten es verheimlichen. Der Koran gibt nämlich kund, dass Prophet Jesus (Friede sei mit ihm) bereits in der Wiege zu sprechen begann. Seine Mutter hatte  auf Anweisung Gottes, als einige sie der Unzucht bezichtigen wollten, gesagt: „Erfahrt die Wahrheit aus dem Munde meines Kindes“. Da sprach Jesus  in der Wiege die Worte, die in der nach Maria benannten Koransure 19 in den Versen 30 bis 31 nachzulesen sind, nämlich:

 

 

Er sagte: „Ich bin wahrlich Diener Gottes; Er hat mir die Schrift gegeben und mich zu einem Propheten gemacht.

Und gesegnet hat Er mich gemacht, wo immer ich bin, und angeordnet hat Er mir, das Gebet (zu verrichten) und die Zakat-Abgabe (zu entrichten), solange ich lebe, ...

 

 

Um die Kompetenz des jungen Dschawad, Sohn des Imam Ridha, durch andere Beispiele zu beweisen, kann man sich aber auch auf die Geburt von Yahya (Prophet Johannes) berufen. Gott hatte Prophet Zacharias die  Geburt eines Sohnes namens Johannes verheißen, wie Vers 9 der Sure 19 bezeugt:

O Zakariyya, Wir verkünden dir einen Jungen, dessen Name Yahya ist, wie Wir zuvor noch niemandem Kennzeichen gleich den seinen gegeben haben.

Gott der Allmächtige hat Yahya schon in seiner Kindheit den Rang eines Propheten verliehen. Er sprach zu ihm laut dem Vers 12 der Sure Maryam:

„O Yahya, nimm die Schrift mit (aller) Kraft.“ Und Wir gaben ihm schon als Kind die Urteilskraft.“

 

Aus diesen Versen lässt sich leicht schließen, dass der Rang eines Propheten oder Imams nur durch Gott verliehen wird und kein anderer oder irgendeine Gruppe berechtigt ist, selbst nach Belieben einen Imam zu wählen.  Von diesem Prinzip wichen als erste diejenigen ab, die  sich  in Saqifa sofort nach dem Ableben des Propheten um dessen Nachfolge stritten, ungeachtet dessen, dass der Prophet in Ghadir Chum, auf Gottes Geheiß, Ali als seinen Nachfolger und Imam der Muslime vorgestellt hatte.  Die zwölf Auserwählten, die der Prophet auf Geheiß Gottes  im voraus für die Nachfolgerschaft bestimmt hat, haben  kein anderes Ziel verfolgt, als die Rechtleitung der Menschen und , im Gegensatz zu den unrechtmäßigen Kalifen, war es ihre hochheilige Absicht, den Islam zu beschützen und den Koran und die Tradition des Propheten zu praktizieren.

Man beachte, dass nicht nur Imam Dschawad bereits als Achtjähriger gemäß Gottes Wille das Imamat übernahm, sondern auch sein geehrter Sohn, Imam Hadi, und ebenso wurde sein Urenkel Mahdi schon im Kindesalter Imam und Statthalter des Propheten. Imam Mahdi, der Sohn Imam Hasan Askaris (F) und die letzte Reserve Gottes übernahm nach  dem Märtyrertod seines Vaters das Imamat, obwohl er erst fünf Jahr alt war.

Jedenfalls sind die Schiiten fest  davon überzeugt, dass der Rang des Vorstehers der Muslime und der Statthalterschaft des Gesandten Gottes Mohammad (Gottes Segen sei auf ihm) nur von dem Herrn der Welten, verliehen werden kann; von Gott, dem Allweisen und Allwissenden, der alle  Bedürfnisse der Menschheit kennt. Diese schiitische Überzeugung fußt auf dem Glauben an Tauhid – die Einheit Gottes.

Im Koran heißt es im Vers 124 der Sure 6 (An`am) :

....Allah weiß sehr wohl, wo Er Seine Botschaft anbringt....

                  

In der Tat! Wäre nicht dies und jenes passiert und  hätten die Makellosen Imame aus dem Hause des Propheten, die Gott auserwählt hat, nach dem Verscheiden des Propheten nach dem Ende der Prophetschaft und mit Beginn des Imamats die Führung der Menschheit übernommen, wären die vitalen Lehren des Korans und die Tradition des Propheten überall aufrecht erhalten geblieben. Die Imame hätten alle Formen der Unrechts und der Ungerechtigkeit bekämpft und Gerechtigkeit hergestellt und die Wahrheit gegenüber der Unwahrheit verteidigt. Hätte es dann auf der Welt noch Spuren der Götzenverehrung und des Unglaubens, der Heuchelei und Korruption und Verdorbenheit und Diskriminierung, der Ungerechtigkeit und des Krieges und des Blutvergießens gegeben?! All das Unglück und all diese blutigen Konflikte, Kriege und die Missstände haben damit begonnen, dass sich eine Gruppe, ein Volk oder Gesellschaft gegen die Propheten und die Auserwählten Gottes stellten und sie der Lüge bezichtigten, die Verwirklichung der Ideale des Ein-Gott-Glaubens behinderten, Rufmord an den Propheten und Auserwählten Gottes begingen und schließlich eine Reihe von ihnen zu Märtyrer machten. Auf diese Weise haben sie sich in Wahrheit dem Willen Gottes widersetzt  und es konnten  sich Leute, die- im Gegensatz zu den Auswählten Gottes -, nur an die Festigung ihrer Macht und an die Wahrung von persönlichen oder Gruppeninteressen denken, an die Spitze der Gesellschaft stellen.

 

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