Dez 08, 2019 08:16 CET

Wir betrachten weiter das Leben von Imam Askari (F). Wie Sie wissen, herrschten zur Zeit seines Imamats nacheinander drei Abbasiden, nämlich Mu`taz, Mahdi (sein eigentlicher Name ist Muhtadi) und  Muta`mid.

Über die Unterdrückungs- und Bedrohungspolitik der ersten beiden genannten Kalifen haben wir bereits beim letzten Mal berichtet. Für beide hat der Imam einen schmachvollen Tod vorausgesagt. Nachdem Muhtadi bei einem Aufstand ermordet wurde, riss Muta`mid  das Kalifat an sich. Auch er hatte nichts als das eigene Vergnügen im Kopf und war ein Tyrann. Einige der Nachkommen und der Anhänger von Imam Ali (F), dem ersten Imam der Schiiten, wurden unter Muta`mid auf schlimmste Weise umgebracht. Aus den Berichten einer Reihe von Chronisten ist zu entnehmen, dass unter der Herrschaft von Muta`mid Krieg, Angst und Schrecken und große Missstände herrschten. Die Zahl der Todesopfer dieser Zustände wird teilweise  mit einer halben Million angegeben.

Trotz der Knebelung und des Terrors fühlten sich viele zum Imam, der gegenüber der Unterdrückung der unrechtmäßigen Kalifen Widerstand leistete,  hingezogen.  Den Abbasiden waren natürlich diese Sympathien für Imam Askari (F) ein Gräuel  und sie befürchteten, dass die Volksmassen sich unter Anführung des Imams zu einer Revolte gegen sie zusammentun und so machten sie dem Imam und seinen treuen Helfern das Leben schwer.

Doch der Imam besaß eine Ausstrahlung, die selbst die Feinde beeindruckte.

 

Der Abbaside Muhtadi hatte Imam Hasan Askari (F) einsperren lassen und zu seiner Bewachung zwei besonders grobe Männer  ernannt, die jedoch bald darauf, beeindruckt von dem charaktervollen Verhalten und dem Gott-Dienen des Imams, milde mit ihm umgingen. Da ließ der Kalif einen anderen Wächter namens Tahrir ibn Ubaidullah kommen. Dieser  behandelte den Imam sehr hart. Die Frau Tahrirs erfuhr, dass ihr Mann den Imam foltert. Ihr Gewissen rührte sich und sie warnte ihren Mann vor den bösen Folgen dieses Verhaltens: „Fürchte dich vor Gott! Weißt du denn nicht welche hohe Persönlichkeit du gefangen hältst?“ Und sie sprach über die hohe Moral des Imams und seine Spiritualität und fügte hinzu: „Ich habe Angst um dich, weil du ihn misshandelst.“

Doch der gefühlskalte, erbarmungslose Tahrir antwortete: „Bei Gott! Ich werde ihn vor die Raubtiere werfen, damit nichts von ihm übrig bleibt.“

Doch auch Tahrir erfuhr - trotz seiner Grausamkeit - nach einiger Zeit aufgrund des würdigen Verhaltens des Imams einen inneren Wandel.

                      

Der Nachfolger von Muhtadi aus der Dynastie der Abbasiden war Muta`mid. Dieser  erkundigte sich laufend danach, ob der Imam im Gefängnis sich und seinen Standpunkt geändert  und den Widerstand aufgegeben habe. Doch immer wenn seine Lakaien ihm Bericht erstatteten, musste er feststellen, dass Imam Hasan Askari (F) auf keine Weise  seine Haltung geändert hat, des Nachts in Andacht verbringt und tagsüber fastet. Um das Volk zu täuschen, befahl Muta`mid schließlich, dass man ihn aus dem Gefängnis entlässt. 

 

Was Imam Askari inspiriert hatte, war folgender Vers 153 der Sure 2 (Baqara):

O die ihr glaubt, sucht Hilfe in der Standhaftigkeit und im Gebet! Allah ist mit den Standhaften.

 

 

Nicht nur im Gefängnis wurde der Imam unter Druck gesetzt, sondern es standen auch alle seine Aktivitäten und seine Beziehungen zu der Bevölkerung  unter Kontrolle und waren Einschränkungen unterworfen. Daher konnten die Freunde und Anhänger dieses Imams nicht so einfach mit ihm Kontakt aufnehmen. Sie  mussten sich laufend etwas Neues ausdenken, um nicht die Aufmerksamkeit der  Spitzel und Handlanger der Abbasiden zu erwecken.

Nicht alle Menschen in der Zeit Imam Askaris (F) dachten in die gleiche Richtung. Der Imam hat sie nach mehreren Gruppen unterschieden und gesagt: „Eine Gruppe ist bewusst und beschreitet den Weg der Rettung. Sie sind an die Wahrheit gelangt und (den Usul und den Furu)  den Grundlagen und  den Zweigen der Religion sowie dem  Islamischen Wissen treu. Sie zweifeln nicht an dem Weg, den sie gewählt haben und suchen außer bei uns bei keinem anderen Zuflucht.

Es gibt eine weitere Gruppe, die nicht die Wahrheit von denen, die im Besitz von Weitsicht und Erkenntnis sind, übernehmen. Sie sind wie Leute, die übers Meer fahren und in große Sorge versetzt werden und sich unsicher fühlen, wenn das Meer unruhig und  stürmisch wird. Sie haben nur Ruhe wenn das Meer ruhig ist.  

Es gibt noch eine dritte Gruppe, die von Satan beherrscht wird. Es sind die Leute, welche sich  aus Neid und weil sie keine Erkenntnis und Weitsicht besitzen, gegen diejenigen stellen, die den Weg Gottes gehen,  und die - durch Unterstützung der Feinde von Recht und Wahrheit -  eine Front gegenüber der  Front der Wahrheit bilden.“

Dann fügte Imam Askari (F) hinzu: „Zweifelsohne ist jemand, der den hohen Platz des Imamats einnimmt und Gottes Auserwählter ist, mehr als jeder andere geeignet und würdig, zu entscheiden, zu befehlen und die Richtlinien der Gesellschaft zu entwerfen.“

Ein naher Helfer Imam Askaris (F) berichtet:

Ich beklagte mich in einem Brief an den Imam über meine Armut. Dann fiel mir aber  nachträglich ein, dass Imam Sadiq (F) doch gesagt hat: „An unserer Seite arm zu sein, ist besser als reich zu sein an der Seite der anderen, und auf unserer Seite  zu sterben und Märtyrer zu werden, ist besser als an der Seite unserer Feinde am Leben zu bleiben.“

Imam Askari (F) antwortete wie folgt auf meinen Brief: „Wenn unsere Freunde (ungewollt) sündigen, lässt Gott der Allmächtige und Hocherhabene  sie durch Armut, welche eine Prüfung Gottes ist, von ihrer Sünde rein werden und vergibt ihnen.“ Der Imam fügte in seiner Antwort hinzu: „Wie du dir schon gesagt hast, ist die Armut an unserer  Seite besser als der Reichtum an der Seite unserer Feinde. Wir sind für die, die bei uns Zuflucht suchen, eine feste Zuflucht und für die , die bei uns an Weitsicht und Wissen gelangen wollen, ein Licht und für die sich an unserem starken unzerreissbaren Seil festhalten, die Rettung. Wer uns liebt steht auf dem hohen Gipfel der Nähe zu uns und jemand, der von unserem Weg abgleitet, wird in die Hölle einkehren.“

 

                 

Zweifelsohne besteht einer der Gründe dafür, dass Menschen und Völker auf ihr Verderben zugehen, in der Faszination von Macht und Reichtum. Deren Anziehungskraft kann sie vollkommen  vom Weg des Rechtes auf den Weg des Unrechts abschweifen lassen, von der Unabhängigkeit in die Abhängigkeit und Versklavung treiben  und von einem ehrenhaften Leben in die Erniedrigung.  Dieses Übel hat leider in unserer Zeit einige Völker und Regierungen erfasst. Wenn diese sehen, dass es denjenigen gut geht, die sich von  den ungerechten Inhabern von Macht und Geld unterstützen lassen, und andere Völker und Regierungen aufgrund von Sanktionen  in Armut und Unsicherheit verbringen, weil sie  den Grundsätzen der Menschlichkeit, Ehre und Religion treu bleiben, kommen sie übereilt zu dem Schluss, dass die Abhängigkeit von anderen Mächten besser für sie  sei als der Kampf gegen sie.

Die wahren Lotsen des Islams erklären jedoch eine solche Denkweise für falsch und sie fordern alle Menschen auf, einen Tod in Würde einem Leben in Erniedrigung vorzuziehen. Daher hat Imam Askari seinem Helfer, der  seine Armut beklagt hatte und möglicherweise der Versuchung hätte anheimfallen können, auf die Seite der reichen  Abbasiden überzuwechseln , noch einmal die Worte seines Vorvaters Imam Sadiq (F) vor Augen gehalten, nämlich: „Die Armut an unserer  Seite  ist besser als der Reichtum an der Seite unserer Feinde.“

 

 

Meistens geraten Menschen und Völker in Versuchung, den richtigen ehrenhaften Weg zu verlassen, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht; dann zum Beispiel, wenn  die Mächtigen mit dem Tod drohen oder Waffen und Militärmacht einsetzen,  um ihren Widerstand zu brechen und an ihre eigenen unlauteren Ziele  zu gelangen.  Um dem Feind diese Waffe aus der Hand zu nehmen und damit es jederzeit ein Ansporn für  Freunde und Freiheitsliebende sei, hat Imam Askari (F) außerdem gesagt:

„auf unserer Seite (und für unsere hohen Ziele ) zu sterben und Märtyrer zu werden,  ist besser als an der Seite unserer Feinde (in Schmach)  am Leben zu bleiben.“

 

Diese Weisung geht unter anderem auf folgendes Gotteswort im Koran, in der Sure 4 (Nisa) im Vers 139 zurück, nämlich:

...sie,) die die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden und Schutzherren nehmen. Begehren sie (etwa) Macht bei ihnen (zu finden)? Gewiss, alle Macht gehört Allah!

 

 

 

 

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