Mrz 12, 2020 10:10 CET

Hörerpostsendung am 8. März 2020 Bismillaher rahmaner rahim - „Im Grunde sind es doch immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“ Das sind Worte des deutschen Gelehrten Wilhelm Freiherr von Humboldt. Und für uns sind es die Verbindungen mit unseren Hörerfreunden, die unserer Arbeit hier bei IRIB-ParsToday in Teheran einen Wert geben.

Diese bedeutenden Worte setzen wir zu Beginn unserer heutigen Sendung, die heute mit einem bedeutenden Tag bei uns hier in Iran zusammenfällt, nämlich dem Geburtstag von Imam Ali – aleihe salam -, dem ersten Imam von uns schiitischen Muslimen hier in Iran und anderswo auf der Welt. Ein Wort von diesem Imam könnte man als Überschrift für die Verbindungen von uns Menschen setzen, es lautet:

„Achte auf dein Denken, denn es verwandelt sich in Worte und achte auf deine Worte denn sie werden zu deinem Verhalten. Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden zu deinem Charakter und achte auf deinen Charakter denn er wird zu deinem Schicksal."

 

Die Verbindungen von uns Menschen werden ja gerade ziemlich strapaziert, und zwar durch das Coronavirus. Bei Ihnen in Deutschland ist das Problem ja nicht so groß wie hier bei uns in Iran, aber grundsätzlich kann man sagen, dass in sehr vielen Ländern einer Art Hysterie ausgebrochen ist im Zusammenhang mit dieser neuen Virus-Art. Wenn es auch immer wieder und überall heißt, dass dieses Virus nicht so gefährlich sei, trotzdem scheint die Angst davor sehr groß. Auf jeden Fall hat es sehr starke Auswirkungen auf alle Lebensbereiche. Nicht nur der Gesundheitssektor und die Pharmazie sind betroffen, sondern auch Wirtschaft, Tourismus und Kultur, und vor allem auch das Zusammenleben von uns Menschen.

Bei uns hier in Iran sind die Schulen und Universitäten schon seit zwei Wochen geschlossen und bleiben es auch die nächsten beiden Wochen bis zum Neujahrsbeginn, und da sind dann ja sowieso zwei Wochen Ferien. Aber das heißt nicht, dass die Schulkinder jetzt schon frei haben, denn der Unterricht ist hier in der letzten Woche schon auf digitaler Ebene angelaufen. Da sicherlich nicht alle Kinder Internetanschluß haben, wird der Unterricht auch über das Fernsehen übertragen.

Auch in Italien wurden dieser Tage alle Universitäten und Schulen geschlossen. Es gibt Experten, die selbst für Deutschland derartige Vorschläge machen, denn auch dort steigen die Fallzahlen in einigen Bundesländern täglich an.

Das Coronavirus wirkt sich auch auf die Arbeit bei uns hier in der Redaktion aus und der Redaktionsschluß für die Hörerpostsendung wurde einen Tag früher gelegt, also auf Freitag, weil sich das Aufnahmesytem geändert hat und die Kolleginnen und Kollegen weitgehend von zuhause aus arbeiten.

Weltweit wurden ja schon sehr viele Veranstaltungen abgesagt beziehungsweise verschoben. Wenn wir demnächst vielleicht die Hörerpostsendung absagen müssen, dann hat das aber nichts mit dem Coronavirus zu tun, eher mit dem Mangel an Hörerpost. Aber heute haben wir noch einige Mails zum Vorlesen, womit wir hoffentlich die heutige Sendung füllen können.

Beginnen wir mit der Mail von Stephan Lipsius zum aktuellen Thema:

 

„Sehr geehrte Redaktion, 

ich hoffe, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Ihrer deutschsprachigen Redaktion in Teheran, deren Familien und Angehörigen geht es gesundheitlich soweit gut. Mit Bestürzung und Anteilnahme verfolge ich die Nachrichten über die Ausbreitung des Coronavirus in der Islamischen Republik Iran sowie die Meldungen über die wachsende Zahl von Infizierten und Todesopfern. Hoffentlich finden die iranischen Behörden geeignete Strategien, um das Virus einzudämmen. 

In Kassel sind wir bislang von dem Coronavirus verschont geblieben. Hamsterkäufe finden aber inzwischen auch bei uns statt. Nudeln waren beispielsweise heute im Supermarkt nicht mehr zu bekommen. Vermutlich müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben. Komplette Städte und Gebiete abzuriegeln macht vermutlich auch nicht sehr viel Sinn, da der Verlauf der Krankheit in vielen Fällen nur sehr schwache Symptome, die eher an einen Schnupfen erinnern, hervorruft. Die Schutzmaßnahmen müssten sich auf Risikogruppen konzentrieren, denen das Virus wirklich gefährlich werden kann. Ich habe den Eindruck, die Welt gerät zunehmend aus den Fugen. Das Schicksal der Menschen in und um Idlib (Syrien) ist genau so herzzerreißend, wie die aktuelle Situation der Flüchtlinge im Gebiet der türkisch-griechischen Grenze. Es sind schreckliche Bilder, die uns täglich in den Nachrichtensendungen erreichen.    

Mit allen guten Wünschen für Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen,  Ihr Stephan Lipsius“

 

 

Wir danken Herrn Lipsius für seine Besorgnis und seine guten Wünsche. Soweit geht es unserem Team recht gut, wie schon erwähnt wurde unsere Arbeit auch weitgehend auf den Digital-Modus umgestellt, und wird somit so weit wie möglich von den Kolleginnen und Kollegen von zuhause aus durchgeführt.

Seinem Eindruck, dass die Welt derzeit zunehmend aus den Fugen zu geraten scheint können wir gerne zustimmen. Herr Lipsius hat in seiner Mail schon die meisten aktuellen schrecklichen Themen unserer Zeit angesprochen.

Und auch in der neuesten Mail von Hörerfreund Helmut Matt kommt wieder eines dieser Themen zur Sprache:

„Liebe Freunde von IRIB / Pars Today in Teheran,

Ich muss nun doch noch einmal auf das Thema „Türkei und Syrien“ zurückkommen. Sehr interessant war bzw. ist das jüngste Interview, das Herr Schahrokny mit Christoph Hörstel geführt hat. Angesichts der äußerst explosiven Lage halte ich Herrn Hörstels Feststellung, dass ein sofortiger totaler Waffenstillstand dringendstes Nahziel sein sollte, für absolut richtig - allein schon im Hinblick auf das unsägliche Leid der Zivilbevölkerung. Ob allerdings der Astana-Prozess mit Russland, Türkei und Iran kurzfristig wieder in Gang gesetzt werden kann, wage ich zu bezweifeln. Ich fürchte, dass es besonders dem türkischen Machthaber dazu am politischen Willen fehlt, denn durch seine territorialen Eroberungen syrischen Hoheitsgebiets hat er sich mittlerweile soweit hinausgelehnt, dass es schwer sein wird, ohne Gesichtsverlust zum Rückzug zu blasen. Andererseits wird Syrien verständlicherweise nicht auf die Rückgabe der okkupierten Gebiete verzichten. Eine verzwickte Situation. Besonders hässlich ist es in meinen Augen, dass nun der türkische Diktator die in seinem Land befindlichen Migranten und Flüchtlinge als Waffe gegen Europa einsetzt um damit die NATO-Unterstützung zu erzwingen, die er dringend braucht, weil er sich, salopp formuliert, verzockt hat. In unseren Medien wird hierüber nur lückenhaft berichtet und wird sind wieder einmal, um einen erweiterten Blick zu erhalten, auf Auslandsmedien angewiesen – nicht zuletzt auf IRIB.“

Besten Dank sagen wir auch Herrn Matt, dass er dieses Thema noch einmal hervorgehoben hat. Zum Glück ist ja der Waffenstillstand, den unser Interview-Partner als dringend nötig bezeichnet hatte,  inzwischen von dem türkischen und dem russischen Präsidenten vereinbart worden.

Diese beiden Länder, die zusammen mit Iran beim Astana-Friedensprozess aktiv waren, stehen sich nun in Syrien verfeindet gegenüber, eine äußerst verzwickte Situation unter der - wie zumeist in allen diesen Krisen - die Zivilbevölkerung zu leiden hat.

Kommen wir nun zu unserem heutigen Musikstück. Heute singt Turadsch Shabankhani das Lied mit dem Titel "Bahar, Bahar" - auf Deutsch "Frühling, Frühling" für Sie.

 

Wie schon in der letzten Hörerpostsendung haben wir auch heute keine angenehmen Themen in der Hörerpost.

Letzten Sonntag hatten wir die Mail von Dietmar Wolf zum rassistischen Anschlag von Hanau. Unsere Hörerfreundin Martina Pohl hat sich auch zu diesem Thema geäußert. Sie schrieb am 1. März:

„Liebes Team in Teheran,man ist wirklich sprachlos angesichts des Anschlages in Hanau. Wie hasserfüllt muss jemand sein, eine solche Tat zu begehen?Ein paar Tage später rast in Volkmarsen ein Fahrer bewußt in eine Menschenmenge. Viele Personen werden schwer verletzt, darunter viele Kinder, das jüngste gerade einmal 2 Jahre alt.Man könnte den Eindruck gewinnen, dass in unserer Gesellschaft das Zusammenleben nur noch von Feindseligkeit gegenüber anderen geprägt ist und es keine menschlichen Empfindungen mehr gibt.

Das dies nicht der Fall ist, bestätigen die vielen Solidaritätskundgebungen und Anteilnahmen. Zweifelsohne finden im Alltag auch sehr viele freundschaftliche und wertvolle Begegnungen zwischen Kulturen verschiedenen Nationalitäten statt.Eine Gesellschaftsschicht ohne Probleme gibt es nicht. Die Forschung streitet schon seit langem darüber, woher das Böse kommt. Liegt es dem Menschen in den Genen oder wird er zum Verbrecher sozialisiert? Für Kriminelle gibt es keine Vorschriften.Herzliche Grüße an die gesamte Redaktion Martina“

 

Frau Pohl, der wir für ihre Mail und auch die Empfangsberichte danken, erwähnt in ihrer Mail, dass es auch wertvolle Begegnungen zwischen verschiedenen Kulturen und Nationalitäten gibt. Somit bleibt immer noch die Hoffnung, dass das Gute nicht verloren geht und es Menschen gibt, die versuchen den Hass zu überwinden. Stellen wir uns auf deren Seite.

 

Wir versuchen, wie schon so oft gesagt, mit unseren Sendungen dazu beizutragen, dass andere Menschen eine andere Kultur und Religion besser kennenlernen können. Und unsere Hörerfreunde tragen dazu bei, indem sie ihr Interesse diesen Sendungen zuwenden. Denn nur durch solche Informationen kann man erfahren, dass Menschen mit anderen Kulturen und einer anderen Religion auch Menschen sind. Die Fremdheit anderer Kulturen wird durch die Erweiterung des eigenen Wissens und des eigenen Horizontes abgebaut, was Verständnis und vielleicht auch Zuneigung schafft und vor allem Unverständnis und Hass abbaut.

 

Ganz offen und interessiert, vor allem auch an unserem Land ist unser österreichischer Hörerfreund Paul Gager. Am 2. März hat er uns wieder viele seiner täglichen Empfangsberichte geschickt und dazu ein paar Zeilen geschrieben:

„Werte Redaktion!Passend in diesen unruhigen Zeiten hoffe ich, dass Sie alle gesund und munter sind.Und da Reisen derzeit eher nicht zu empfehlen sind, vielleicht ein TV-Tipp als kleiner Trost, mit schönen Bildern aus dem Iran.“

Ja, liebe Hörerfreunde, wenn Sie nicht nur akustisch über die Sehenswürdigkeiten Irans informiert werden wollen, sondern auch das Auge dabei sein soll, dann merken Sie sich den TV-Tipp Ihres Hörerkollegen schon mal vor, und zwar strahlt ARTE – TV am 19. März um 17 Uhr und 20  Minuten den Film „Abenteuer Seidenstrasse – Iran, der historische Basar von Täbris“, aus.Eine Wiederholung gibt es dann am 31. März um 11 Uhr und 45 Minuten.

In seinem P.S. merkte Herr Gager noch an:

„Im tükischen Rundfunk wurde verlautbart das die Flüge zwischen dem Iran und der Türkei vorübergehend eingestellt wurden. Zwischen Teheran und Wien ist die Flugverbindung noch in Betrieb, wie die lokalen Medien melden. Allerdings hatte die Verbindung die am Sonntag um ca. 8 Uhr 30 oder so in Wien eintreffen sollte, eine über 12-stündige Verspätung. Aber immerhin, gelandet ist das Flugzeug dann doch noch in Wien.Mit solidarischen Grüßen paul gager“

 

Da hat Herr Gager ein praktisches Beispiel von der aktuellen Lage in der Welt genannt, die derzeit durch das Coronavirus recht durcheinander gewirbelt wird. Wenn es überhaupt noch Flüge von und nach Iran gibt, dann passieren solche Verspätungen.

Diese Situation wird sich auch für andere Länder noch verschärfen durch Ein- und Ausreisesperren. Das ist für die Tourismusbranche und die Fluggesellschaften eine finanzielle Katastrophe.

 

Auch die Leipziger Buchmesse wurde wegen des neuartigen Coronavirus abgesagt, diese hätte vom 12. bis 15. März stattfinden sollen. Unser Leipziger Hörerfreund ist darauf noch nicht eingegangen in seiner Mail, denn die ist vom 2. März, da stand dieser Beschluss noch nicht fest.

Herr  Leupold schrieb:

„Hallo werte deutsprachige IRIB-Redaktion !

Am heutigen Montagabend des 2. März 2020 habe ich mal kurz vor 18 Uhr UTC auf der 7295 Kiloherz reingehört. 

Der Empfang war recht gut mit dem SANGEAN  ATS 909 mit Teleskopantenne hier in Leipzig. Siehe Videomitschnitt.

So wird der Empfang meist ab März dann immer besser. Auch andere Auslandsdienste von IRIB sind hier zu empfangen.“

Herr Leupold hatte auch noch eine Hörerfrage: 

 

„Wie ist in der Hauptstadt Teheran das allgemeine Verkehrschaos zu bewältigen, gibt es Schnellstraßen wo nur Stadtbusse auf einer Busspur fahren (wie z.B in Deutschland) ?

Ich sah vor kurzem ein Video aus der Hauptstadt Teheran, und es ging alles recht langsam voran, vor allem in der Stauzeit am Morgen und Nachmittag. 

Und wie ist die U- Bahn  ausgebaut? 

Freundliche Grüße sendet Dieter Leupold aus Leipzig“

 

Da haben Sie ein großes Problem der iranischen Hauptstadt angesprochen lieber Herr Leupold. Natürlich kann man Teheran mit seinen mindestens 12 Millionen Einwohnern mit keiner deutschen Stadt, nicht mal der Hauptstadt Berlin vergleichen, wo es ja auch trotz einer viel geringeren Einwohnerzahl im Berufsverkehr zu Staus kommt.

In der deutschen Hauptstadt Berlin leben nicht einmal 4 Millionen Menschen, obwohl die Gesamteinwohnerzahl unserer Länder annähernd gleich ist mit jeweils rund 82 Millionen.

Mit den Maßnahmen zur Verbesserung der Verehrssituation wächst leider auch die Einwohnerzahl immer weiter. Es gibt inzwischen ein sehr gut ausgebautes Autobahnnetz in Teheran, welches jedoch anscheinend immer noch nicht ausreicht.

Vor 21 Jahren wurde der erste Streckenabschnitt der Teheraner U-Bahn mit 67 Kilometern eingeweiht. Inzwischen ist das U-Bahnnetz auf 246 km gewachsen und ist noch weiter im Ausbau. Derzeit gibt es 128 Haltestellen.

Das Berliner U-Bahnnetz ist 100 Kilometer kürzer, hat aber 45 Haltestellen mehr.

Seit 2008 gibt es auch das Bus Rapid Transit – System in Teheran, kurz BRT. Das Streckennetz für diese Spezialbusse ist auf etwa 200 Kilometer ausgebaut, soll aber noch vergrößert werden.

Insgesamt ist der Verkehr in Teheran ein sehr großes Problem, nicht zuletzt für die Umwelt.

 

Ein ganz anderes Problem hatte unser Hörerfreund OM Bernd Seiser. Am letzten Sonntag hatte sich bei ihm, beziehungsweise bei Michael Bethge vom WWDX-Club ein Fehlerteufel eingeschlichen, und Bernd Seiser fragte uns, ob es keine Hörerpostsendung gegeben habe, denn er habe eine Sendung vom 11. Dezember 2019 bei uns gehört.

Nachdem sich niemand sonst mit ähnlichen Beschwerden gemeldet hatte, und auch bei uns alles in Ordnung zu sein schien, haben wir sicherheitshalber auch noch bei einigen Hörerfreunden nachgefragt, die uns ein solches Problem ebenfalls nicht bestätigen konnten.

Aber dann war die Ursache schnell gefunden, denn von Michael Bethge kam diese Antwort zu Herrn Seiser:

„Lieber Bernd, 

mein PC hatte erst die falsche Sendung vom 11. Dezember bei IRIB heruntergeladen und dann auf unseren Podcast-Server hochgeladen. Das Problem war der Umlaut in März, mit dem mein Programm nicht zurecht kam. Habe ich aber dann korrigiert.“

Danach schrieb uns OM Seiser:

„Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich jetzt etwas Unruhe verursacht habe und möchte in der nächsten Sendung von „Wir und unsere Hörer“ Michael Bethge, Heinz-Günter Hessenbruch, Marise Willschrey und Iris Cox freundlich grüßen.“

 

Das wars dann also für heute. Wir verabschieden uns wie immer mit

Choda hafez – Gott schütze Sie!

 

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