Sep 29, 2020 03:50 CET

Die Ahl-ul-Bait – die Edlen aus dem Hause des Propheten sind wegweisende Lichtstrahlen. Sie haben Wissen verbreitet und das Tauhid-Denken, welches auf dem Prinzip des Glaubens an den Einen Gott basiert, wurde dank ihrer Erläuterungen stabilisiert.

 

Die Bekanntschaft mit  ihren fruchtbaren Gedanken hinsichtlich Glaube, Moral und Gesellschaft ist der beste Weg, um mehr über diese wunderbaren Menschen zu erfahren. Imam Ridha (Friede sei mit ihm) sagt hierzu:

„Gott erweise jedem Barmherzigkeit, der unser Sache wiederbelebt.“ Da wurde er gefragt: „Was ist damit gemeint: Wiederbelebung eurer Sache?“ Er sagte: „Die Wiederbelebung unserer Sache besteht darin, dass jemand unser Wissen erlernt und es die Menschen lehrt. Denn wenn die Menschen wüssten, was wir gesagt haben und welches wertvolles Wissen bei uns ist und davon erfahren würden, würden sie uns befolgen.“ (siehe Scheich Saduq,  Maani-l- Achbar, S. 180)   minus 7

                              

Wie wir im ersten Teil sagten, geht es uns in dieser Sendung darum, die Standpunkte des Propheten und der edlen Nachfolger aus seinem Hause  zu verschiedenen Fragen darzubieten. Zuvor haben  wir dargelegt, welche zentrale Rolle der Prophet und seine Ahl-ul-Bait spielen. Dieses Thema möchten wir heute fortsetzen.

 

Der Vers 61 der Sure 3 (Al-i Imran) weist auf eine großes unvergessliches Ereignis hin. Er gibt nicht nur den Rang des Propheten und seines Hauses vor Gott, dem Gepriesenen, zu erkennen, sondern verdeutlicht auch ihre Größe gegenüber allen Völkern,  religiösen Rechtsschulen und Konfessionen. Es ist die Rede von der Mubahala. Der Vers lautet:

Und wenn sich jemand mit dir über sie (die Wahrheit über Jesus) streitet, nachdem das Wissen zu dir (o Muhammad) kam, so sprich: 'Kommt her, lasst uns rufen unsere Söhne und eure Söhne, unsere Frauen und eure Frauen und unsere Seelen und eure Seelen. Als dann wollen wir zu Allah flehen und mit Allahs Fluch die Lügner bestrafen' 

 

Diese Stelle in der Sure 3  bezieht sich auf die Mubahala des Propheten mit den Christen aus Nadschran. Mubahala ist ein Vorgehen,  bei dem jede Streitpartei Gott anfleht und Ihn bittet,  zu zeigen, wer im Recht ist und abschließend den Fluch Gottes für den Lügner erbittet. Dieses Ersuchen um ein Gottesurteil schließt also auch eine Art Selbstverfluchung mit ein. Denn jede am Disput beteiligte Partei erfleht in Wahrheit für  sich selbst die Verfluchung, sollte sie im Unrecht sein. Über die Geschichte des Mubahalas wird seitens vieler Korankommentatoren und Historikern berichtet.  Einer von ihnen, nämlich Ibn Athir schreibt:

„Die Christen von Nadschran wollten eine Mubahala. Der Prophet nahm ihren Vorschlag an. Er brachte Ali, Fatima, Hasan und Husein (seinen Schwiegersohn, seine Tochter und seine beiden Enkelsöhne) mit zum Mubahala. Der Geschichtsschreibung ist zu entnehmen, dass der Vertreter der christlichen Delegation bei deren Anblick gesagt hat: `Das sind Menschen, die, wenn sie Gott bitten, dass ein Berg versetzt wird, dies bestimmt geschehen wird.` So kam es, dass die christliche Delegation sich  einer Mubahala enthielt.“

Der Prophet des Islams (S) hat – aufgrund dessen, dass er sich der Wahrhaftigkeit seiner Sendung gewiss war, jene, die ihm am liebsten waren und ihm am nächsten standen, aufgefordert an der Anflehung um ein Ordal  teilzunehmen, damit die Wahrhaftigkeit seiner Berufung bewiesen wird und zugleich damit er allen zeigt, wer seine Ahl-ul-Bait (sein Haus) sind.  Zamachschari, ein bekannter Koranexeget der Sunniten, schreibt zur Erklärung des obigen Mubahala-Verses: „Dies ist das festeste und stärkste Zeichen für die Vortrefflichkeit der Ahl-ul-Bait des Propheten.“

                 

Die Ahl-ul-Bait des Propheten haben mit ihrer richtigen Darlegung und Erläuterung der Lehren der Religion effektiv zum Erhalt des wahren Islams beigetragen.  Das geistige Bündnis der Muslime mit dem Propheten und den Makellosen aus seiner Familie  hat, neben der inneren emotionalen Verbundenheit, zur Fortsetzung und Verbreitung der Denkschule dieser großen Persönlichkeiten geführt.   Die Berichte über ihre Lebensweise und über ihre Worte sind ein kostbares Erbe, das uns von ihnen erhalten geblieben ist.  Zwar ist es nur ein kleiner Bestandteil des großen Ozeans ihres Wissens, aber schon ein kleiner Schluck aus diesem Meer ist für diejenigen, die nach der Wahrheit dürsten, ein Gewinn.  Die Lehren des Propheten und seines Hauses berühren viele Bereiche des persönlichen und sozialen Lebens und der Ethik. Von besonderer Bedeutung ist dabei  ihre Rolle bei der Darlegung von grundlegenden Angelegenheiten und Überzeugungsfragen des Islams.  Hätten diese Edlen sich nicht intensiv für diese Dinge eingesetzt, dann wäre heute von der Lehre des Islams nichts mehr übrig geblieben.  Der Einsatz der Imame aus dem Hause des Propheten  im Bereich von kulturellen und geistigen Angelegenheiten wird in den  Quellen der Religion  als Dschihad – als Mühen auf dem Wege Gottes - bezeichnet. Denn sie haben dabei wegen der ungünstigen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen viel Leid ertragen müssen. Trotz aller Härten haben sie jedoch nie ihr Bemühungen vermindert und sie waren trotz aller Einschränkungen, die ihnen auferlegt wurden, als Wegweiser völlig erfolgreich, so dass sie große segensreiche Veränderungen bewirken konnten. Dank ihrer Anstrengungen entstand eine bedeutende, auf dem Gedanken der Einheit Gottes basierende und  anhaltende  Zivilisation.

                         

Die Wahrung der Religion und ihre Darlegung und Verbreitung und die Weiterentwicklung der Islamischen Gemeinde gehörten zu den  wichtigen Anliegen der Edlen aus dem Hause des Propheten. Man braucht sich nur das Vorgehen Imam Alis (F) zur Wahrung der Einheit in der islamischen Gemeinde anzusehen.  Bei einer Betrachtung des Verhaltens dieser großartigen Persönlichkeiten wird uns klar, dass sie ihrer Zeit im Denken und Handeln voraus waren.  Sie und der Prophet dachten universal  und weit in die Zukunft blickend.  Ihr Denkhorizont war umfassend und  dies wird heute - in unserem Zeitalter -  an der Aktualität ihrer wertvollen Wegweisungen - erkennbar.

 

In der Denkschule der Ahl-ul-Bait ist der Koran die wichtigste Quelle. Die Unfehlbaren  Imame  haben sich intensiv für die Darlegung der Lehren dieses Himmelsbuches eingesetzt. Die Gedanken und die Worte der Ahl-ul-Bait des Propheten waren die Interpretation der Koranverse und ihr Verhalten war die Verkörperung der Lehren dieses Himmelsbuches. Daher hat Imam Ali (F) in einer Ansprache (Ansprache 97 Nahdsch-ul Balagha) darüber, dass die Ahl-ul-Bait des Propheten zu befolgen sind gesagt:

Schaut auf die Ahl-ul-Bait eures Propheten. Geht in die Richtung in der sie schreiten. Folgt ihren Fußstapfen. Sie werden euch niemals vom Weg der Rechtleitung  abbringen. Eilt ihnen nicht voraus, denn dann verlauft ihr euch und bleibt nicht hinter ihnen zurück, denn dann werdet ihr vernichtet.

                         

In der Denkschule der Ahl-ul-Bait nimmt die Vernunft und Rationalität einen wichtigen Platz ein. In den Ahadith – den Überlieferungen – heißt es, dass die Vernunft einen inneren Gottesbeweis darstellt, zusätzlich zu den Propheten, die äußere Beweise Gottes sind. Aus der Sicht der Makellosen aus dem Prophetenhause ist die Vernunft einer der Wege, um die Grundsätze der Religion und göttliches Wissen zu erkennen. Allerdings sagen sie, dass das Wesen Gottes nicht durch den menschlichen   Verstand erfassbar ist.

Der Prophet und seine Ahl-ul-Bait unterstreichen in  ihren Empfehlungen den Verstand und die Vernunft. Sie  sprechen den Geist des Menschen an.  Der Prophet und die Imame aus seinem Hause haben ihre Anhänger anspornt und aufgefordert über alle Dinge im Dasein und über die Religion nachzudenken und Wissen zu erwerben. Sie wollten, dass die Gläubigen nicht blindlings in ihrem Leben vorgehen, weder in ihrer persönlichen noch in ihrem sozialen Umgebung. Dies rührt von daher dass die Lehren und Wegweisungen der Religion rational begründet sind und auf Wissen beruhen.

                  

Die geistige  Wegweisung seitens des Propheten und seinem Hause zeichnete sich auch dadurch aus, dass sie bei der Beantwortung von Fragen und bei der Anbringung von rationalen Argumenten auf das Auffassungsvermögen des Fragenden und das Bedürfnis des Angesprochenen achteten ebenso wie auf das Wissensniveau ihrer Zeit. Sie haben ihre Weisheiten unter Berücksichtigung der begrenzten Aufnahmefähigkeit ihrer Zuhörer formuliert. Hätten sie dies nicht getan und Antworten gegeben,  die die Aufnahmefähigkeit des Fragenden und die Möglichkeiten des Wissenserwerb ihrer Zeit überstiegen, dann hätte es den anderen nicht weiter geholfen, sondern nur Zweifel bei ihnen erregt. Doch sie gingen behutsam und weise vor, wenn sie ihre Wegzeichen legten. Darüber möchten wir beim nächsten Mal ausführlicher sprechen. 

 

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