Nov 08, 2020 06:33 CET

Die edlen Nachkommen des Propheten – seine Ahl-ul-Bait - waren ihren Leben lang darum bemüht das Tauhid-Denken, das auf dem Glauben an die Einheit Gottes (Tauhid) beruht, zu untermauern. Natürlich reicht die geistige Kapazität des Menschen unmöglich aus, um das Wesen Gottes ganz zu erkennen.

 

Die edlen Imame aus dem Hause des Propheten haben aber zum Beispiel auf die Wunder in der Schöpfung hingewiesen, um die Menschen mit Gott vertraut zu machen. Die Beschreibung der wundersamen Dinge in der Natur wirkt anregend auf den Geist und die Ahl-ul-Bait habe diese Dinge auf gelungene Weise beschrieben und zugleich auf zahlreiche wissenschaftliche Wahrheiten hingewiesen, deren Existenz die Menschheit inzwischen,  nachdem mehrere Jahrhunderte vergangen sind, nachweisen konnte.  Dies zeigt wie umfassend das Wissen dieser großartigen Menschen war.

                         

Imam Dschafar Sadiq (Friede sei mit ihm) hat mit einem seiner besonders begabten Schüler namens Mufadhal ausführlich über die Einheit Gottes gesprochen. Und zwar nach folgendem Ereignis:

Mufadhal saß in der Moschee des Propheten und hörte einen Ungläubigen namens Ibn  Abi Al Audscha Gott und die Sendung des Propheten leugnen. Er widersprach ihm heftig. Aber Ibn Abi Al Audscha sagte zu Mufadhal: „Wenn du ein Helfer Dschafar ibn Mohammad al-Sadiq bist, so wisse, dass er niemals mit mir auf die Weise redet und diskutiert.  Bevor du das gehört hast, was ich sagte, hat Dschafar ibn Mohammad al Sadiq dasselbe schon mehrmals aus meinem Munde gehört und mich deswegen niemals beschimpft  und niemals das Maß überschritten, wenn er mir geantwortet hat. Er ist sehr ruhig und langmütig, klug und würdevoll und wird niemals zornig.  Er hört uns geduldig und mit Ausdauer zu, so dass wir den Eindruck haben,  ihn besiegt zu haben. Aber dann macht er mit wenigen Worten unsere Beweise zunichte.“

Mufadhal ging aufgeregt zu Imam Sadiq und erzählte ihm von der Geschichte. Da sagte der Imam:

„Ich werde mit dir über all die Weisheit  des Herrn sprechen, die  in der Schöpfung der Welt und der Tiere, der Raubtiere, Insekten und Vögel und aller Lebewesen - vom Menschen bis zum Vieh und den Pflanzen, den Obstbäumen und den anderen Bäumen enthalten ist.  Jene, die sich belehren lassen werden, daraus eine gute Lehre ziehen und es wird das Wissen der Gläubigen vermehren.“ So kam es, dass Mufadhal vier Tage lang hoch erfreut und begeistert Imam Sadiq (F) aufsuchte, und alles was der Imam ihm über die Wunder der Erschaffung von Mensch und Tieren und Natur mitteilte, niederschrieb.

Auf diese Weise entstand die berühmte Abhandlung „Tauhid-i Mufadhal“. Sie enthält wertvolle Erklärungen zur Gotterkenntnis und Weisheit Gottes.

                           

  Es ist erstaunlich, dass Imam Sadiq (F) in der Abhandlung „Tauhid-i Mufadhal“  vor bereits circa  12 Jahrhunderten über die Erdbewegung und  den Wechsel von Tag und Nacht und die Schöpfung Aussagen gemacht hat, die von der heutigen modernen Wissenschaft bestätigt werden. 

Imam Sadiq (F) hat zu seinem Schüler Mufadhal über die Leugner Gottes gesagt: „O Mufadhal! Am Anfang war Gott und es gab nichts vor Ihm. Er ist beständig,  Sein Wesen kennt keine Grenzen und Ihm gebührt Dankespreis und Lob. Diejenigen, die an einem Erbauer der Welten zweifeln, kennen nicht die Ursachen  und Zwecke der Schöpfung und ihr Auffassungsvermögen   reicht nicht aus, um die weisen Absichten Gottes bei der Erschaffung der Geschöpfe, des Meeres, der Wüste und der Berge und Täler zu begreifen.  Weil ihr Wissen nicht ausreicht, sind sie den Weg der Leugnung gegangen. Wegen ihrer schwachen Einsicht und  Weitsicht haben sie den Weg der Ablehnung eröffnet.“

 

Mit diesen Worten betont Imam Sadiq (F) wie wichtig es ist, tief über  die Daseinsschöpfung nachzudenken, und außerdem erinnert er daran, dass der Mensch den Schöpfer der Welt nicht leugnen darf, nur weil er  selber  nur annähernd beziehungsweise gar nicht  in der Lage ist, die Wahrheit des Daseins zu erfassen. 

In seinen Ausführungen macht Imam Sadiq (F) auf die Geschöpfe Gottes im Meer und auf dem Festland und in den Himmeln aufmerksam, damit die Menschen die Unvollständigkeit ihres Wissens begreifen und  einsehen, dass sie noch nicht einmal eine  Vorstellung von den Kreaturen in der  Tiefe der Meeres und im All haben. An einer weiteren Stelle sagt er: „O Mufadhal! Die erste Lehre und der erste Beweis für den Schöpfer bestehen in der Zusammenfügung der Bestandteile und der Ordnung in dieser Welt.  Daher wirst du, wenn du gut über das Werk dieser Welt nachdenkst und dich darin vertiefst, in ihr ein Haus und eine Bleibe bereitstehen sehen, die mit  allem was die Diener Gottes brauchen, ausgerüstet wurde. Der Himmel ist wie eine Decke hoch aufgerichtet und die Erde wie ein Teppich ausgebreitet worden und kostbare Kleinode liegen in ihr wie Vorratskammern. Die Sterne sind wie Lichter angeordnet und alles befindet sich an dem ihm gebührenden Platz. Dies ist alles ein Beweis dafür, dass die Daseinswelt aufgrund genauer und weiser Messung und einer Ordnung proportional und harmonisch erschaffen wurde und nur einen Erschaffer hat.   

 

Denke nach über die Farbe des Himmels und  ihren Zweck und ihre Richtigkeit. Diese Farbe ist die beste Farbe zur Stärkung des Augenlichtes. Sieh wie Gott den Himmel mit dieser Farbe erschaffen hat, damit er die Blicke auf sich zieht und sein Auge nicht von seinem Anblick ermüdet.  Was die Weisen und Wissenden durch viel Erproben und Erfahrung erkannt haben, ist im Schöpfungswerk vorhanden, damit diejenigen die Lehren ziehen sich belehren lassen und die Leugner Gottes tiefer nachdenken ... In welche Richtung fliehen sie vor der Wahrheit?“

                         

Imam Sadiq (F) hat auf eine schöne Weise, wie wir sie auch im Koran vorfinden, im Rahmen von Fragen, die er Mufadhal stellte, auf die Wunder der Schöpfung aufmerksam gemacht. An einer Stelle seiner Ausführungen heißt es: „O Mufadhal! Wer hat das Herz in die Brust gelegt und es mit einem festen Schleier bedeckt und es durch die Rippen, Fleisch und Haut, die über ihm liegen, vor Verletzungen bewahrt? Wer hat zwei Röhren in der Kehle geschaffen: die Luftröhre, die mit der Lunge verbunden ist und aus der die Stimme kommt,  und die Speiseröhre, über die das Essen in den Magen gelangt? Und wer hat in der Kehle einen Deckel erschaffen, damit die Nahrung nicht in die Lunge gerät und der Mensch erstickt?   Wer hat die Lunge dazu bestimmt, das Herz zu kühlen, damit es während seines ständigen ununterbrochenes Arbeitens nicht aufgrund von Erhitzung versagt und der Mensch stirbt? ... O Mufadhal!  Denke über alle Bestandteile des menschlichen Körpers und über ihre Bestimmung nach: Die Hände, die zum arbeiten da sind, und die Beine die dem Laufen dienen, die Augen, die dem Laufen und dem Sehen dienen, der Mund, der zur Nahrungsaufnahme dient und der Magen, der zur Verdauung da ist, die Leber die zur Reinigung dient, und die Öffnungen und Ausgänge des Körpers für seine Ausscheidungen. Wenn du gründlich über alle Bestandteile des Körpers nachdenkst wirst du sehen, dass jeder Teil aufgrund eines Zweckes und einer klugen Vorausplanung und für die Dauerhaftigkeit erschaffen wurde.“

An einer anderen Stelle in der Abhandlung „Tauhid-e Mufadhal“ widmet sich Imam Sadiq (F) den wunderbaren Geheimnissen, die im Wechsel von Tag und Nacht liegen.

              

Imam Sadiq (F) sagt:

„O Mufadhal! Denk wegen dem Auftreten und dem Wechsel von Tag und Nacht  über den Sonnenaufgang und den Sonnenuntergang nach. Würde die Sonne nicht aufgehen, so würde es mit der Welt völlig zu Ende sein und die Menschen wären nicht in der Lage zu leben und ihre Angelegenheiten zu erledigen. Die Welt wäre ein dunkler Ort und würde ihnen schaden. Ohne  Licht wäre das Leben nicht angenehm und sie würden keine Freude daran haben ...

Denk über den Sinn des Sonnenunterganges nach! Gäbe es keinen Sonnenuntergang, dann kämen die Menschen nicht zur Ruhe. Dabei brauchen sie doch  vor allen Dingen  Ruhe und es ist notwendig für sie, dass Körper und Seele und die Sinne ausruhen  und das Verdauungssystem eine Gelegenheit findet, die Nahrung zu verarbeiten  und sie allen Teilen des Körpers zuzuführen. Gäbe es keinen Sonnenuntergang, so würde die Gier der Menschenkinder sie veranlassen, immer zu arbeiten und ihr Körper würde versagen. Viele Menschen würden, wenn die Nacht nicht anbrechen und keine Dunkelheit über sie hereinbrechen würde, aus Gier und wegen Streben nach Besitz überhaupt nicht ausruhen.  Und die Erde würde (wenn der Sonnenuntergang nicht wäre) unter der ständigen Sonnenbestrahlung verbrennen und alle Lebewesen, von den Pflanzen bis zu den Tieren würden durch die Hitze vernichtet werden. Also hat Gott, der Weise, es so vorgesehen, dass die Sonne  mal aufsteigt und mal sich verbirgt, damit sie wie eine Leuchte ist , welche die Menschen in ihrem Haus anzünden um zu arbeiten und welche sie löschen, um zur Ruhe zu kommen. Das (durch Auf- und Untergang der Sonne entstehende) Licht und die Dunkelheit, welche einen Gegensatz zueinander bilden, gehorchen (Gott) und  gewährleisten gemeinsam das Wohl und die Beständigkeit der Welt.“  (Bihar ul Anwar, Alama Madschlisi, Band 1, und Band 2).

                        

Die Ausführungen Imam Sadiqs (F) über die wunderbaren Erscheinungen des Geschöpfes Mensch und der Schöpfungswelt lenken Geist und Seele in Richtung Glauben an den Einen Gott und zur Gotterkenntnis. Das Buch Tauhid-e Mufadhal wurde übrigens ins Englische übersetzt.   

 

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