Nov 22, 2020 05:39 CET
  • Sinnvolle Wegzeichen der Ahl-ul-Bait  (9 - Nubuwwat)

Wir wenden uns heute dem  Thema Nubuwwat aus der Sicht des Propheten und der Imame aus seinem Hause zu.

 

Mit Nubuwwat ist die Prophetschaft gemeint.  Der Glaube an die Aussendung von Propheten ist eine der Grundlagen des Islams. Der Prophet hat als erster die Wahrhaftigkeit seiner Prophetschaft durch seine Botschaft und durch verschiedene Wundertaten belegt. Er und die Edlen aus seinem Hause haben mit logischen Argumenten den Sinn der Aussendung von Propheten nachgewiesen.

Die Prophetschaft ist nämlich der zweite Glaubensgrundsatz nach dem Glaubensgrundsatz vom Tauhid – der Einheit Gottes.   Gemäß Koran  und Überlieferung  hat Gott zahlreiche Propheten zur Rechtleitung der Menschheit ausgeschickt. Er hat Seine Gesandten aus der Mitte des Volkes gewählt und sein letzter Prophet ist der Prophet des Islams. Der Glaube daran, dass Mohammad (S) der Prophet Gottes ist, fällt so sehr ins Gewicht, dass jemand, der Muslim werden will, sowohl bekennen muss, dass es nur den Einen Gott gibt als auch dass Mohammad (S) Sein Prophet ist.

                       

 Die Berufung der Propheten ist ein viel diskutiertes Thema und im Laufe der Geschichte haben sich Philosophen und Denker mit diesem Thema auseinandergesetzt.  Wenn es um die Notwendigkeit der Aussendung von Propheten geht, so gilt als Erstes, dass nach der Überzeugung von der Einheit Gottes das Bedürfnis nach göttlichen Anweisungen für die Gestaltung des Lebens verspürt wird.

Gott hat bei der Aufstellung der Schöpfungsordnung und als Er jedes Geschöpf in seine Bahn zur Vervollkommnung brachte nichts versäumt. Daher hat Er natürlich auch für die Vervollkommnung des Menschen einen Fahrplan entworfen; zumal Er laut Seiner Offenbarung alles was im Himmel und auf der Erde ist, in den Dienst der Menschen gestellt hat. Außerdem hebt der Koran die Wahrheit hervor, dass Gott den Menschen dazu erschaffen hat, dass er Ihm dient. Das Gott-Dienen verhilft dem Menschen zur  Vervollkommnung.

Angesichts des Zweckes der Erschaffung des Menschen und angesichts dessen, wie wichtig es ist, dass er sich würdig weiterentwickelt, wird ein Konzept und ein Gesetz für sein Leben notwendig. Gott hat die Menschen also nicht sich selber überlassen. Imam Sadiq (F) sagt hierzu:

Wahrlich, Gabriel ist Mohammad erschienen und hat ihm seitens seines Herrn folgende Nachricht überbracht: „Ich habe die Erde nicht sich selbst überlassen, ohne auf ihr einen Gelehrten zu bestimmen, der den Gehorsam zu Mir und Meine Rechtleitung kennt und nach dem Tod eines Propheten bis zum Erscheinen des nächsten Propheten ein Mittel zur Rettung der Menschen ist“.

                         

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Menschen ein Gesetz und ein Konzept fürs Leben brauchen. Der Mensch ist bekanntlich ein geselliges Wesen und er ist auf  die Hilfen und die Zusammenarbeit mit seinen Mitmenschen angewiesen.  Durch die Entstehung von Gemeinschaften, sind auch die Beziehungen zwischen den Menschen komplizierter geworden und haben ihre gegenseitigen Pflichten zugenommen. Auf dem Schauplatz der Beziehungen mit den anderen sind die Menschen bestrebt eigene Bedürfnisse zu erfüllen oder Vorzüge zu gewinnen. Die Suche nach eigenen Vorteilen führt jedoch möglicherweise zur Verletzung der Rechte von anderen.  In diesem Zusammenhang legt das Gesetz die Grenzen der Rechte und der Pflichten fest und verhindert Übergriffe und Unrecht. Dabei tauchen noch weitere wichtigere Fragen auf, zum Beispiel: Wer ist  kompetent das Gesetz aufzustellen?  Vermag der menschliche Verstand ein vollkommenes und umfassendes Gesetz, ohne jeglichen Mangel, für alle Menschen aufzustellen?  Ist der Mensch, dessen Wissen laut William James im Verhältnis zu dem, was er nicht weiß, einem Tropfen im Meer gleicht,   fähig, alle für ein ideales Leben notwendigen Regeln aufzustellen? Einstein hat gesagt:  „Der Mensch hat noch nicht das große Rätsel der Erschaffung gelöst. Wie kann er da alle seine seelischen, natürlichen und geistigen Fragen und Bedürfnisse erwidern?“

                        

Zweifelsohne muss der Gesetzesgeber  über alles im Bilde sein und alle Geheimnisse des Daseins kennen.  Die Anhänger der Himmelsreligionen sind davon überzeugt, dass der Schöpfer der einzige würdige Gesetzgeber ist. Er hat den Menschen erschaffen und kennt alle Geheimnisse seines Wesens. Daher kann nur der Herr und Schöpfer  die beste Lebenslehre aufstellen und den Menschen die  besten Gesetze für die Gestaltung ihres Lebens vorlegen.  Wie aber sollen die Menschen über die Gesetze, die Gott festgelegt hat, erfahren, damit sie Rettung finden? An dieser Stelle wird deutlich, dass Gott jemanden zu seinem Propheten bestimmen muss.

            

Da nun aber nicht jeder kompetent ist, die göttliche Offenbarung zu empfangen, wählt Gott unter den Menschen diejenigen als Verkünder Seiner Worte aus, die rechtschaffen und edel sind. Die Propheten wurden von Gott unter die Menschen gesandt, damit zwei wichtige Ziele erreicht werden: Das eine Ziel besteht darin, dass die geeignete Beziehung zwischen Gott und seinen Dienern hergestellt wird und das zweite Ziel ist die Regelung der Beziehungen  zwischen den Menschen aufgrund der Gerechtigkeit.

Der Prophet des Islams hat als Erstes  die Menschen aufgerufen, nur den Einen Gott anzubeten, damit ihre Beziehung zu ihrem Schöpfer richtiggestellt wird. Er hat die Menschen mit folgenden Worten aufgerufen:

 قولوا لااله الا الله تُفلحوا

Sagt: Es gibt keinen Gott außer Gott damit ihr gerettet werdet!

Prophet Mohammad hat also gesagt, dass der Glaube an die Einheit Gottes und die ausschließlich auf Ihn gerichtete  Dienstbarkeit Voraussetzung für die Rettung sind. Er beabsichtigte, die Menschen von der Anbetung von falschen Göttern abzubringen.  Mit dem Ruf des Tauhids wollte er, dass sich die Menschen geistig aus den Fesseln falscher Vorstellungen und der Götzenanbetung befreien. Es war das Ziel aller Propheten Gottes, das Herz des Menschen mit aufrichtiger Liebe zu Gott, dem Alleinigen Gott, zu füllen, damit er  den Weg zu seiner Vervollkommnung geht. Imam Ali hat über die Aussendung der Propheten  gesagt:

So berief Er unter ihnen Gesandte und ließ Seine Propheten aufeinander folgen, damit sie die Verpflichtung Seiner Schöpfung erfüllen, (damit) sie (die Menschen) an Seine vergessenen Gnadengeschenke erinnern...

Allah, Der Erhabene, hat Seine Schöpfung niemals ohne einen gesandten Propheten gelassen oder ohne ein herabgesandtes Buch, einen verpflichtenden Beweis [hudscha] oder einen aufrechten Weg.

Gesandte, die weder ihre geringe Zahl beeinträchtigt, noch die Vielzahl ihrer Leugner; unter ihnen gab es entweder einen Vorgänger, der denjenigen benannte, der nach ihm kam, oder einen Nachkommen, der denjenigen, der ihm vorausgegangen war, bekannt machte.

(Nahdsch-ul Balagha, erste Ansprache)

                              

Denkschemen und Überzeugungen sind richtungsgebend und wirken sich eindeutig auf die Gestaltung des Lebens auf.  Hier haben die Propheten angesetzt und die geistigen Kriterien, die  in der Gesellschaft vorherrschten und  in der Hauptsache auf Unwissenheit basierten,  ins Schwanken gebracht und neue positive Regeln und Maßstäbe vorgestellt.  Die Propheten Gottes brachten Licht ins Dunkel und kamen, um die Menschen von der Niederwerfung vor Götzen und unwürdigen Gepflogenheiten zu befreien, sie vom Irrglauben abzubringen und auf den rechten Weg zurückzuholen.

Imam Baqir (a) hat gesagt:

 Wahrlich auf der Erde war Unheil und Gott hat sie  durch seinen Prophet geheilt und gesagt: Stiftet kein Unheil auf der Erde nachdem sie in Ordnung gebracht worden ist. (Sure 7, Vers 56)  

 

Gott hat in Seiner Weisheit Seine Botschafter an die Menschen geschickt, weil diese wissen  mussten, was für sie gut und was für sie schlecht und verderblich ist.  Diese Botschafter, über die Er sich mit seinen Offenbarungen an den Menschen wandte, sind Seine Propheten. Die Propheten Gottes haben also  die Menschen zu dem herbeigerufen, was gut für sie ist und sie vor dem gemahnt, was ihnen Schaden beschert und auf den Irrweg führt.


Abschließend noch ein Wort von Imam Sadiq (F). Er hat gesagt:

Er (Gott) hat Botschafter unter seinem Volk, die Seinen Dienern Seinen Willen mitteilen und sie über das, was zu ihrem Wohl und Vorteil, und das was zu ihrer Vernichtung führt, aufzuklären.  Das sind die Propheten und Auserwählten unter Seinen Geschöpfen. Es sind Weise die eine edle Erziehung erfahren haben. Sie sind zwar, was ihre Erschaffung und ihre stoffliche Erscheinung betrifft wie die anderen Menschen, aber in ihrer Befindlichkeit und ihrer Moral sind sie von diesen verschieden. (Usul Kafi, Bd. 4, S.168)

 

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