May 24, 2021 17:28 CET
  • Deswegen „Ewiges Wunder“ (9 – nachhaltig wirksam)

Der Heilige Koran ist, obwohl Jahrhunderte seit seiner Offenbarung vergangen sind, lebendig und ein wahres Wunder. Der Koran ist das Symbol des Islams und die Beweisurkunde für die Wahrhaftigkeit dieser Weltreligion.

 

 Nicht nur die Koranexegeten sondern sogar Korangegner haben ihrem  Erstaunen über die hohe Eloquenz des Korans Ausdruck verliehen.  Die arabische Sprachlehre ist erheblich vom Koran beeinflusst worden, sowohl hinsichtlich der Deklinations- als auch der Wort- und Bedeutungslehre. Zahlreiche Bücher sind über die wunderbaren literarischen Stilmittel des Korans verfasst worden.    

Unter Beachtung literarischer Aspekte kleidet der Koran  wichtige Wahrheiten, welche der Rechtleitung und dem geistigen Reifungsprozess des Menschen dienen, in die besten Worte. Daher hat Gott, der Allbarmherzige, den Koran auch „ahsana-l-hadith  – die beste Botschaft - genannt. In der Sure 39 (Zumar) spricht er im Vers 23:

Allah hat die beste (und schönste) Botschaft offenbart, ein Buch mit (in ihrer Schönheit und mit ihrem Inhalt) gleichartigen, sich wiederholenden (Versen), vor dem die Haut derer, die ihren Herrn fürchten, erschauert. Hierauf werden ihre Haut und ihr Herz weich (und neigen sich) zu Allahs Gedenken hin.

 

Auch hat Gott in den Versen 107 und 109 der Sure 17 (Isra) von den Verständigen gesprochen, die sich niederwerfen, wenn sie den Koran vernehmen, wobei sie ergriffen sind, und die Rezitation des Korans ihre Gottesergebenheit vermehrt. Im Vers 83 der Sure 5 (Maida) heißt es über einige Christen:

Wenn sie hören, was zum Gesandten (als Offenbarung) herabgesandt worden ist, siehst du ihre Augen von Tränen überfließen wegen dessen, was sie (darin) als Wahrheit erkannt haben. 

                                  

Die Redefertigkeit  setzt  die Klarheit der Worte und Rede hinsichtlich  ihrer Bedeutung und einen flüssigen und ansprechenden Stil voraus. Sie bedeutet, dass jemand das von ihm ins Auge gefasste Thema gut verständlich macht. Die Redefertigkeit oder Eloquenz galt unter den Arabern der vorislamischen Zeit  als eine hohe Kunst, und es waren aus diesem Volk große Meister dieser Kunst hervorgegangen. Diese wurden auf die Eloquenz des Korans aufmerksam und staunten über sie. Sie  wussten nicht, wie sie den Koran beurteilen sollten. Sie erkannten als Meister der Rhetorik, dass der Koran weder Poesie noch Prosa ist. Ihnen wurde bewusst, dass es kein menschliches Werk sein kann.  Sie erkannten, dass er  einen neuen Redestil vorstellt, der zwar die schönen Feinheiten der Dichtung und Prosa aufweist, aber nicht durch ein strenges Versmaß und Reime eingeschränkt oder von dichterischen Phantasien befallen ist.

             

Der Araber in der vorislamischen Zeit der Unwissenheit war zwar ausgezeichnet auf dem Gebiet  der Wortlehre,  der literarischen Mittel und der schönen Rede bewandert, aber hinsichtlich Ethik, rationaler Weltanschauung, Wissen und Erkenntnis  war er rückständig und konnte in dieser Beziehung nichts hervorbringen.  Unterdessen hat der Koran einen bedeutungsvollen Inhalt. Er hat  in beeindruckender und eloquenter Form die Grundlagen des Glaubens und der islamischen Ethik vorgestellt, während er die Überzeugungen aus der Zeit der Unwissenheit entschieden verwarf.

Die Redekünstler unter den Arabern erkannten in dem literarischen Stil des Korans eine alles überragende Ausdrucksweise und keiner von ihnen vermochte,  seinen besonderen Stil nachzuahmen.  Schließlich wurde ab dem zweiten und dritten Jahrhundert nach der Hidschra (9. und 10.  Jahrhundert nach Christus), nachdem die Lehre der Rhetorik weiterentwickelt worden und Literaten wie  al-Dschahiz und   Abdul Qahir al-Dschurdschani  sowie Koranexegeten wie Zamahschari , Tabarsi  und Fachr al-Razi in Erscheinung getreten waren, die Kriterien für die Überlegenheit der  Eloquenz des Korans im Vergleich zu anderen Formen der Rhetorik wissenschaftlich festgestellt. Allen wurde auf diese Weise  der literarische Wundercharakter des Korans deutlich gemacht.

Der Korankommentator Ibn Atiyyah ( 12. Jahrhundert) betrachtet die Wortordnung, die Genauigkeit der Bedeutung und die Ausdruckskraft des Korans als einmalig und sagt: „Wollten wir ein Wort aus dem Koran von seiner Stelle weg nehmen und in der gesamten arabischen Sprache nach einem Wort suchen, das besser an diese Stelle passen würde,  würden wir nichts finden.“

                     

Auch zeitgenössische Denker im Westen haben bei ihren Koranstudien diese vortreffliche Eigenschaft des Korans  erkannt. Der Engländer Carlyle sagt: „Der Koran ist, abgesehen davon dass er eine göttliche Offenbarungsschrift ist, hinsichtlich seiner Worte und Zusammenstellung eines der eloquentesten Bücher. Dieses  Buch gehört zu einem wahren Ursprung und ist so sehr mit einem höchsten und heiligen Ursprung  verbunden, dass alle Bücher ihm gegenüber verblassen. Dieses Buch ist rein von jeglichen unwürdigen Prinzipien.“  Der französische  Journalist und Bibliothekar  Émile Dermenghem (1892-1971)schreibt: „Der Heilige Koran ist das vorzügliche Wunder Mohammads. Ein Wunder , dessen überragende und schöne Vorgehensweise ebenso wie seine leuchtende Kraft bis heute ein ungelöstes Rätsel geblieben sind.“

Erstaunlich und schön ist auch die spirituelle Übereinstimmung  zwischen den Versen jeder Sure. Man bedenke, dass die Koransuren im Laufe der Zeit schrittweise und zu verschiedenen Anlässen und verstreut dem Propheten offenbart wurden. Die zeitliche Streuung der Verse hätte eigentlich dazu führen müssen, dass die Verse der zum Teil sehr langen Suren nicht mehr zusammenpassen.   Aber das Gegenteil ist der Fall. Koranstudien zeigen, dass jede Sure ihre eigene Struktur hat. Gemeinsam ist ihnen, dass sie  auf gelungene Weise eingeleitet werden, daraufhin ein hohes Ziel verfolgen  und zum Schluss öfters mit einem kurzen Resümee ausklingen. Der ägyptische Koranforscher Muhammad Abdullah Draz (1894-1958)  schreibt: „Wir sehen daran, dass der Koran, obwohl er zu  besonderen Ereignisse und zu verschiedenen Zeitpunkten offenbart wurde, seinen logischen Zusammenhang  und seine literarische Einheitlichkeit  bewahrt hat und dies ist das größte Zeugnis für seinen Wundercharakter.“

Der Heilige Koran zeichnet sich durch die Präzision der Worte aus, die er verwendet, ebenso wie die Feinheit in der Sinnbedeutung. Er verwendet häufig Sinnbilder und Vergleiche.  Unter Beachtung der  üblichen Methoden in der arabischen Literatur, verwendet der Koran zugleich die besten  sinnbildlichen Ausdrücke  die sich in der Arabischen Sprache finden lassen und dies haben die Meister der Rhetorik  bestätigt.   Der arabische Literat und Historiker, Ibn Athir (12.-13.Jahrhundert n.Chr.) hat sich mit der Darstellung der Nacht im Vers 10 der Sure  78 (Naba) beschäftigt. In diesem Vers heißt es:

 

Und Wir haben die Nacht zu einem Kleid gemacht

Ibn Athir überlegt hierzu: Das Dunkel der Nacht verbirgt die Menschen vor den anderen. Des Nachts kann sich der Mensch den Blicken der Feinde entziehen und die Flucht ergreifen. Er weiter: Dies (das Metapher „Kleid“ für Nacht)  gehört zu den Sinnbildern, die außer im Koran nirgendwo anders mehr vorkommen. Der Vergleich des allumfassenden nächtlichen Dunkels mit der Körperbedeckung ist ein Beispiel für die feinsinnigen Aspekte, die den Koran schmücken und für die sich in keinem anderen arabischen   Texten (ob Prosa oder Poesie) Ähnliches finden lässt.   Auch gilt die Verwendung des Begriffes „Bekleidung“ in der Vers 187 der Sure 2 (Baqara) zur Beschreibung der Bedeutung von Ehepartnern füreinander,  zu den feinsten Sinnbildern. (Dort heißt es):

Sie sind eine Bekleidung  für euch und ihr seid eine Bekleidung für sie

Ähnlich wie eine Bekleidung den Menschen schmückt, seine Mängel bedeckt und ihn vor Kälte und Wärme schützt, sind Eheleute im Leben ein gegenseitiger Schmuck  füreinander. Jeder bedeckt die  schlechten Eigenschaften des anderen und sie halten einander von Sünden und dem Verfall in die Besudelung zurück. Daher ist dieses Metapher und dieser Ausdruck sehr schön.“ 

                       

Die Kunst und Schönheit des Korans und sein vielseitiger Stil haben die Werke nachfolgender Literaten geprägt. Dies sehen wir zum Beispiel an zwei großen Werken in persischer Sprache: dem Mathnawi Ma`nawi von Mawlawi (Rumi) und den Ghaselen von Hafiz. Aber auch an den Werken von Saadi. Diese Dichter sind mit ihren  Meisterwerken weltberühmt geworden. Der zeitgenössische Schriftsteller und Koranübersetzer Bahaiddin Choramschahi  ist der Überzeugung, dass die literarische Revolution, die Hafiz mit seinen Ghazelen bewirkte, nicht die Folge der Dichter- und Ghazelentradition in der Persischen Sprache war sondern unter dem Einfluss der Strukturen der Suren im Heiligen Koran entstand.  Währenddessen hat sich der  verstorbene  Literat und Linguist der persischen Literatur, Baddiozaman Furuzanfar, intensiv mit dem Mathnawi von Rumi (Mawlawi) beschäftigt und gesagt, dass dieses große mystische und tiefsinnige  Werk von Rumi (Mawlawi) unter dem Einfluss des Korans  entstand.

 

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