Dez 04, 2021 05:37 CET

Wir haben beim letzten Mal gesagt, dass wir und die Gesellschaft die höchsten Gipfel der Moral erreichen können, wenn wir so weit wie möglich nach den Eigenschaften Gottes streben. Denn alle guten Eigenschaften sind in ihrer Absolutheit und Perfektion in dem Heiligen Wesen Gottes vereint.

 

Wir stellten fest, dass diese Sichtweise bewirkt, dass wir  gottorientierte und wahrhaftige  Absichten  hegen, uns in Richtung der höchsten Stufe der Moral auf den Weg machen, und die gute Moral und letztendlich die beiden Prinzipien verinnerlichen, die die stärksten Stützen für das moralische Pflichtgefühl sind, nämlich „Glaube an den Einen Gott“ und „Glaube an die Rückkehr zu Ihm“.

Da die höchstmögliche Annäherung an die einmaligen wunderbaren Attribute Gottes das gesteckte Endziel für unsere charakterlichen Vervollkommnung ist, wollen  wir nun genauer über die göttlichen Attribute  sprechen; in der Hoffnung selber im Auf und Ab des Lebens eine solche Annäherung verwirklichen zu können.

                               

Die Eigenschaften Gottes entspringen alle seinem unveränderlichen  Heiligen Wesen. Sie sind wunderbar und perfekt und verleihen Orientierung.  Eines der Attribute scheint jedoch in der Mitte zu stehen und fällt besonders ins Auge, nämlich die Allbarmherzigkeit Gottes.  Denn 113 der insgesamt  114 Suren des Korans werden mit zwei Namen Gottes eröffnet, welche seine Barmherzigkeit widerspiegeln, diese Suren werden nämlich im Namen des Rahman – des Allbarmherzigen und des Rahim – des Gnädigen, des Gütigen eröffnet. Außerdem ist 104 Mal in den Koranversen von der Rahmat – der göttlichen Allbarmherzigkeit - die Rede. Dies zeugt von der Bedeutung der Barmherzigkeit  in der fruchtbaren Lehre dieses Himmelsbuches.

 Barmherzigkeit geht von Gott aus. Ihm gehört die Schöpfung und Er ist der eigentliche Herrscher in ihr und ihr Herr.  Er ist absolut auf nichts und niemanden angewiesen und absolut mächtig. Darüber heißt es im Koran in der Sure 38 (Sad) in den Versen 65 und 66:

Sag:...und keinen Gott gibt es außer Allah, dem Einen, dem absoluten Herrscher (über das Dasein)

dem Herrn der Himmel und der Erde und dessen was (an Lebewesen und Erscheinungen) dazwischen ist, dem Allmächtigen und Vergebenden (von Sünden und Fehlern)

             

Ja so ist es! Gott besitzt die absolute Macht, keiner kommt gegen seinen allmächtigen Willen an. Er kann die Sünden Seiner Diener vergeben oder auch nicht. Er kann ihnen gnädig sein oder auch keine Gnade erweisen. Aber damit niemand die Hoffnung auf Gottes Gnade verliert, sagt er zu Seinem Propheten, den er eine Barmherzigkeit für die Welt werden ließ, in der Sure 39 (Zumar) Vers 53:

Sag: O Meine Diener, die ihr gegen euch selbst maßlos gewesen seid (indem ihr sündigten), verliert nicht die Hoffnung auf Allahs Barmherzigkeit. Gewiss, Allah vergibt die Sünden alle (wenn ihr wirklich bereut). Er ist ja der Allvergebende und Barmherzige

 

 

Gott, dessen unendliche Barmherzigkeit und Güte Sein ganzes Reich umfasst, stärkt somit die Hoffnung auf Seine Gnade . Er sagt, dass nur die Ungläubigen und die Irregegangenen die Hoffnung auf Seine Barmherzigkeit aufgeben. In der Sure 12 (Yusuf) heißt es nämlich im Vers 87

Und gebt nicht die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs auf. Es gibt die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs nur das ungläubige Volk auf.“

Und in der Sure 15 ( Hidschr )  lesen wir im  Vers 56:

... Wer verliert die Hoffnung auf die Barmherzigkeit seines Herrn außer den Irregehenden?

 

Gott erweist den reuigen Sündern diese große Gnade, obwohl er keinen von ihnen braucht. Er ist absolut auf niemanden und nichts angewiesen.  In der Sure  14 (Ibrahim), zitiert Gott im Vers 8 Seinen Propheten Moses mit den Worten:

 „Wenn ihr undankbar und  seid (und nicht an Gott glaubt), ihr und alle, die auf der Erde sind, so ist Allah wahrlich auf keinen angewiesen und des Lobes würdig.

 

Dennoch flößt Gott, der keinerlei Bedürfnisse hat und absolut reich  ist, Seinen  Dienern Hoffnung ein, indem er versichert, dass Er ihnen Gnade erweisen wird.  Er spricht in der Sure 6 (Anam) im Vers 54:

Und wenn diejenigen, die an Unsere Zeichen glauben, zu dir kommen, dann sag: Friede sei auf euch! Euer Herr hat Sich Selbst (Vergebung und) Barmherzigkeit vorgeschrieben: Wer von euch in Unwissenheit Böses tut, aber danach dann bereut und (es) wieder gutmacht, so ist Er Allvergebend und Barmherzig.

 

 

 

Gott ist so barmherzig, dass er nicht nur die Vergehen und das Böse an seinen sündigen Dienern verzeiht, wenn sie reuevoll zurückkehren und ernsthaft darum bemüht sind, ihre Fehler wieder gut zu machen und sie in ihrer Akte der Taten löscht. Er schreibt sogar   dem reuevollen Sünder gute Taten in seine Akte, so dass kein schwarzer Fleck mehr in ihr vorkommt. Im Koran heißt es nämlich in der Sure 25 (Furqan) im Vers 70: 

demjenigen, der (seine Sünden) bereut, glaubt und rechtschaffene Werke tut; jenen wird Allah ihre bösen Taten gegen gute eintauschen; und Allah ist stets Allvergebend und Barmherzig

 

 

Es sei daran erinnert, dass Gott diese unbeschreibliche Gnade erweist, obwohl Er der eigentliche und  absolute Besitzer der ganzen Welt ist und über allen Mächten steht. Er lässt in Seiner Allbarmherzigkeit sogar die Engel, die ihm nahe sind,  um Vergebung für die Sünden Seiner Diener bitten. Dies entnehmen wir dem Vers 5 der Sure 42 (Schura). Dort heißt es:

 

Und die Engel lobpreisen ihren Herrn und bitten (Ihn) um Vergebung für diejenigen, die auf der Erde sind. Ja sicherlich, Allah ist der Allvergebende und Barmherzige.

 

                                 

 

Es gebührt sich in der Tat, dass diejenigen, die an Gott und die Rückkehr zu Ihm und das Jenseits glauben aus den einmaligen Beispielen für die göttliche Barmherzigkeit lernen und den Geist der Vergebung und Nachsicht untereinander beleben. Sie sollten lernen, einander zu verzeihen, Fehler der anderen bewusst zu übersehen und mit einem liebevollen und gütigen Verhalten ihre Beziehungen untereinander zu festigen. Auf diese Weise können sie die Botschaft von Frieden und Freundschaft verbreiten und  den Unterschied zwischen der edlen islamischen Kultur des Propheten Mohammads (S) zu nicht-göttlichen Kulturen, die teilweise alle Prinzipien der Menschlichkeit über Bord werfen, spürbar machen. 

 

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