Aug 11, 2019 06:23 Europe/Berlin
  • Zeitgenössische iranische Kunst auf der Biennale di Venezia 2019    

Die internationale Kunstausstellung  Biennale di Venezia -, älteste Biennale der Welt -  findet immer in einem ungeraden Jahr im italienischen Venedig statt. Dieses Jahr nahmen aus dem Iran  die beiden Künstler Resa Lawasani und Ali Mir Azimi und  die Künstlerin Samira Alichanzadeh teil.

  

 

In diesem Jahr (2019) öffnete die Biennale von Venedig unter dem  Motto  „Mögest du in interessanten Zeiten leben“ am 10. Mai ihre Tore. Sie  wird  bis zum 24. November dauern.  Die Devise des iranischen Ausstellungspavillon lautet: „Vom Sein bis  zum Singen“. Dieser Pavillon des venezianischen Kunst-Ereignisses wurde von verschiedenen Seiten  als  sehenswert   eingestuft.

                  

 

Biennale di Venezia wurde  am 19. April 1893 zum ersten Mal  veranstaltet. Ihr Initiator war der Bürgermeister der italienischen Lagunenstadt. Nachdem diese  Ausstellung für bildende Künste   einige Male alle zwei Jahre stattgefunden hatte, waren bildende Künstler in aller Welt auf sie aufmerksam geworden, und heute hat dieses Kunstereignis dermaßen an Bedeutung gewonnen, dass man von einer Kunst-Olympiade spricht.  Iran hat inzwischen 8-mal an der Biennale von Venedig teilgenommen – zweimal vor der Revolution und sechsmal danach. Die diesjährige Teilnehmerrunde ist nach Sachverständigenmeinung die bisher erfolgreichste für Iran.

 Auf der  Biennale di Venezia findet kein Wettbewerb zwischen den Teilnehmern statt, aber einige Künstler und die Pavillons einiger Länder zeichnen sich von den anderen ab und nehmen im Vergleich zu ihnen gemäß Kunstsachverständigen einen höheren Platz ein. In diesem Jahr konnten die iranischen Teilnehmer  besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen und sich einen Namen als kreative und innovative   Künstler machen.  Es haben dieses Jahr 90 verschiedene Länder auf der Biennale di Venezia ausgestellt. Die Länder Ghana, Madagaskar, Malaysia und Pakistan waren zum ersten Mal mit dabei.

                               

Iran stellte sich auf der Biennale von Venedig mit drei Werken vor, nämlich das Kunstwerk „Leben“ von Resa Lawasani,  das Werk „Zeuge des Gesangs“ von Ali Mir Azimi und das Werk  „Phantom der verblassenden  Erinnerungen“  von Samira Alichanzadeh.  

 

 

Resa Lawasani ist seit 30 Jahren Kunstmaler, Skulpteur und Illustrator. Er nimmt zum ersten Mal an der Biennale von Venedig teil und hat bislang quasi nur im Iran ausgestellt.  Für sein Kunstwerk „Leben“ hat er wiederverwertbares Material aus der Papierherstellung eingesetzt. Sein künstlerisch geschmückter Tisch  „Leben“  umfasst Lüster, Stühle, Tischdecke und Gegenstände, die der Mensch im Alltagsleben verwendet. Er berichtet: „Unsere Ausstellung hat Interesse erweckt und alle Art von Besuchern haben sie aufgesucht: bildende Künstler,   Galerie- und Museumsbesitzer und Universitätdozenten.“ Auf einer Pressekonferenz sagte Resa Lawasani, dass er seine Kunst immer mit  der Persischen Dichtung verknüpft

                      

Die Künstlerin Samira Alichanzadeh nimmt zum zweiten Mal mit ihren Werken an der Biennale di Venezia teil.  Sie hat bereits 12 Einzelausstellungen gehabt, und zwar im Iran, in den Vereinten Arabischen Emiraten, England und den USA.  Sie hat dieses Jahr eine 5-teilige Installation mit dem Titel “Phantom der verblassenden Erinnerungen“ kreiert. Darüber sagt sie: „ Wie bei bisherigen Werken habe ich alte Fotos und den Digitaldruck auf feinem Metallgitter angewendet.  Das Frauengesicht auf einem Kleidungsstück aus Netzstoff erhält etwas Phantomartiges und der Brief im Hintergrund erinnert an weit zurückliegende Jahre und vergangene Zeiten. Der Betrachter kann sich an einigen Stellen des Werkes mit dem Inhalt  identifizieren.“

Frau Alichanzadeh sagt dass der iranische Pavillon  gut bei den Ausstellungsbesuchern angekommen und auf Interesse gestoßen sei.  Auf der Internetseite der Biennale und auf anderen Weblogs seien schon in den ersten paar Tagen  Bilder von dem iranischen Pavillon im virtuellen Raum präsentiert worden. Dies bewertete sie als  ein Zeichen dafür, dass der iranische Stand gelungen ist. 

Die Personen auf den Fotos von Frau Samira Alichanzadeh sind nicht konkret zu erkennen. Sie sagt über ihr Werk: „Phantom der verblassenden  Erinnerungen“:  „Die einzelnen Teile des Werkes ergeben aneinandergereiht eine Länge von circa 11 m. ... ich habe dieses Werk so genannt weil uns die Bilder von Personen nur phantomhaft in Erinnerung bleiben.“

                                                

Der Eingang zum iranischen Pavillon wurde dem jüngsten der drei Künstler zur Verfügung gestellt, nämlich Ali Mir Azimi, geboren 1984. Seinem Werk „Zeuge des Gesangs“ liegt die Idee eines Vergleiches zwischen den Fähigkeiten eines jungen Finken und  der Fähigkeit eines Menschenkindes für die Erlernung der Sprache  zugrunde.  Ali Mir Azimi, der bereits verschiedene Ausdrucksweisen erprobt  hat darunter das Medium Film und sich auch für Philosophie interessiert und Literatur,  will in seinem Werk das Thema Idee und ihr Spiegelbild verbildlichen.  Er hat mit diesem Werk vor drei Jahren begonnen und sich dazu von dem französisch-schweizerischen Filmregisseur   Jean- Luc Godard inspirieren lassen, einem Avantgardist und Gesellschaftskritiker in der Kinowelt. Das Werk „Zeuge des Gesangs“ kreierte Ali Mir Azimi  aus Eisen, Holz, Glas und weiteren Rohmaterialien.  In diesem Werk hat der junge Isfahaner Künstlers auch Fingerzeige auf den Bosnienkrieg und Palästina eingebaut.

                           

Die Digital-Ausgabe der italienischen Kunst-Fachzeitschrift Espoarte hat in ihrem Sonderheft vom 4. Juni 2019  über die 58. Biennale di Venezia den iranischen Pavillon unter dem Abschnitt „nationale Beteiligungen“ zu den besten Teilnehmern an diesem Kunstereignis gestellt. Mehrere italienischsprachige und englischsprachige Medien haben über den diesjährigen Pavillon Irans berichtet und einen Besuch dieses Pavillons empfohlen.  Der italienischen Nachrichten-Weblog Permesola hat in einem Bericht den iranischen Pavillon zu den 10 Pavillons gezählt, den man unbedingt besuchen sollte.

Es heißt dort: Der iranische Pavillon, der kurz vor  der Haltestation der Boote von Sant Angelo nach Sant Thomà liegt, ist in einem subtilen und  weiblichen Stil gehalten. Porträts von Frauen auf Metallnetz aufgedruckt und ein Tisch, der zwar  aus Papier ist, jedoch sehr feine Details aufweist. Die Künstler Resa Lawasani, Samira Alichanzadeh und Ali Mir Azimi haben die iranische Tradition zugrunde legt.

Die englische Kunstzeitung „The Art Newspaper“ schreibt über das Kunstwerk von Resa Lawasani: Die Empfangstische und das Besteck mit Blumendekor, Obst und Kerzenleuchter und Spielzeugpferdchen füllen den Raum, während ein riesiger Kronleuchter von der Decke auf die Köpfe herabhängt.  Diese unvergessliche Installation des iranischen Künstlers  Resa Lawasani besteht aus hellgrauem Papiermaterial und soll den Kreislauf des Lebens zeigen. In der Nähe seines  Werkes „Leben“ wartet der leere Sessel eines alten Mannes, welches Verlust und Tod versinnbildlicht.  Dieses hervorragende Werk im iranischen Nationalpavillon wurde in fünf großen Kisten nach Venedig verschifft.  Dann heißt es weiter in der Art Newspaper: Ein weiterer Künstler ist Semira Alichanzadeh, die fertige Bilder benutzt hat um in Kombination mit einfachen Kleidungsstücken und Schuhen, ein transparentes Bild von den jungen Iranerinnen in vergangenen Zeiten  vorzustellen.

                               

 

Wir wollen zum Schluss gerne darauf hinweisen, dass die iranischen Künstler, die an der Biennale in Venedig teilnehmen Repräsentanten der Kultur, Kunst und Geschichte und Zivilisation ihres Landes sind. Sie spiegeln ihre nationale Identität und ihre Kultur in Form zeitgenössischer Kunst wieder. Vom  Sein zum Singen, ist der Titel des Pavillons der islamischen Republik Iran auf der 58. Biennale di Venezia.  Er wurde gestützt auf ein Gedicht des zeitgenössischen Literaturwissenschaftlers und Dichters  Mohammad Resa Schafii Kadkani gewählt: hier ein Ausschnitt aus diesem Gedicht:

Der Morgen hat begonnen – erheb dich

Der Ruf des Hahns lässt wissen:

Lass den Schlaf und die Müdigkeit

Im Strom der Nacht zurück ...

...

Erneut öffne fröhlich

Die Tore der Nacht

Zum frühen Morgenlicht hin...

....

Lad das Lied der Liebenden ein,

Gast zu sein in den Straßen

 

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